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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 48 (1893) · p. Seite 188

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
48 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 188 (sequence 2)
Language
German
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»Und hast Du niemals von Deinem Barer sprechen gehört von der Existiuz desselben.' »Niemals? Und da» Sonderbare dabei ist, daß beide eingravierte Buchstaben auf meinen Namen paffen und doch glaube ich nicht daran, daß die Deutung richtig ist. Wieso käme nein Vater dazu, eine Waffe, welche noch dazu keinerlei Seltenheiten auszuweisen hat, m-.t meinem Namen zu versehen. Seit jener Stacht bin ich furchtsam geworden, und ich trage die Waffe immer bei mir. Sieh!' Und Esther zog an» der Lasche den Dolch und zeigte ihn Judith. „Ei, steh da meine Sinder", ertönte plötzlich eine Stimme, nie kommt solch' eine Waffe in eure Hände." »ES war Rabbi Santob Löb, der mit Gabriel in das Zimmer getreten war." Ein flüchtiges Roth flammte in dem Antlitze Judith» auf. »Sie ist mein Eigenthuni" sagte Esther und reichte den Dolch dem Rabbi hin. Wir sprachen soeben von der seltsamen Eristeuz eine» ähnlichen ÄefferS." „WaS ist dabei so seltsam" lächelte der Rabbi „solche Blaffen wie diese wird eS noch gar viele geben, genau wie diese." „DaS wohl, doch seht Rabbi, ich besitze den Dolch schon seit meiner Kindheit, er ist mit E. A. gezeichnet und vor Kurzem wurde ein zweiter mit denselben Anfangsbuchstaben hier gefunden, der auf eine ganz unaufgeklärce Weise in einem Zimmer am Boden gefunden wurde." „Du hast recht, mein Sind, jetzt ist e» mir plötzlich selbst so, als wenn auch ich schon diese Waffe gesehen hätte. Doch wo?" „Erinnen Euch, ich bitte Euch darum, Rabbi", sagte erregt Gabriel, „Hab' ich einmal erst die Spur de» Eigen- IhümerS, dann glaube ich sicherlich auch meine Aufgabe lösen zu können." „Ja wenn e» nur damit abgethan wäre zu sagen. Erinnert Euch. Habt Ihr vielleicht eine Bermuthung, welcher Namen sich unter den beiden Buchstaben birgt?" „DaS ist eS ja", sagte Gabriel zögernd, daß ich eine ganz thöttchte Meinung gefaßt habe." „Wie könnt Ihr etwas thüricht nennen, von dem Ihr nicht wisset, ob'» richtig oder nicht. Nennt doch den Namen/, „WaS nützt es, Ihr kennt ihn ja doch nicht, könnt ihn ja nicht kennen. Als ich die Buchstaben sah, übersetzte ich sie mH „Erwin AbnerS". „Wie habt Ihr gesagt?Erwin AbnerS"? Bor wenigen Jahren, jetzt erinnere ich mich, kam eines Abend» ein finster schauender fremder Mann zu mir und bat mich um kurze» Gehör. Er habe, sagte er, eine junge wahnsinnige Frau zu bewachen gehabt, — eine Jüdin. Vor einigen Tagen sei dieselbe ihm entflohen und er glaube, sie müsse sich hierhergewendet haben, da er ihre Spur bi» unmittelbar vor Sevilla verfolgt habe. Ich fragte ihn um den Namen dieser Frau, doch er gab mir ausweichende Antwort und meinte, den wisse er selber nicht genau. Sie sei noch jung und außerordentlich schön und er glaube, ich müßte davon wissen, wenn sie hier aufgetaucht. Nachdem ich die» verneinte zögerte er eine Weile noch, dann stand er unwillig von seinem Platze auf und wollte sich entfernen. Bei dieser heftigen Bewegung entfiel seinem Gürtel ein Dolchmesser und gerade auf die Tischplatte. schien er gar nicht zu bemerken und eilte zur Thüre hinaus. Ich nahm da» Messer in die Hand und bemerkte die leiden eingravirten Buchstaben. Ich rief ihn zurück und m ichte ihn auf feinen Verlust aufmerksam. Saum dankend steckte er den Dolch wieder zu sich und ging. Da eine» Besseren sich besinnend drehte er sich nochmal» um. Ich bitte Euch, sagte er, im Falle Ihr etwa» über die Frau erfahren solltet» mir Nachricht zukommm zu lasse«, ich würde Euch sehr dankbar sein, und noch dankbarer, setzte er hinzu, die Familie der Kranken. Ich heiße Erwin AbnerS und wohne in Toledo." „Und hobt Ihr, Rabbi, nicht» mehr von dem Fremden gehört?" fragte Gabriel hastig. „Nein, weder von ihm noch jener Frau, die er suchte." „Dann will ich heute noch fort nach Toledo." „Ob Ihr chn dort findet? Doch einige Tage Verzögerung wird Euch wohl nicht allzusehr ungelegen kommen? Ich bin nämlich heute in gar 'ernster Angelegenheit hierher gekommen. E» handelt stch um Judith« Sicherheit." ’ „Wie fühlst Du dich Judith?" wendete er sich au diese „bist Du genug gekräftigt, um eine Reffe antreten zu können?" „Eine Reise?" fragte Judith „und warum? Gekräftigt bin ich wohl schon, und Schwerere» zu tragen, al» ich bereit» getragen, ist unmöglich!" «Höre ruhig mir zu. Es kam mir heute eine Warnung zu, daß Traftemare seinen Spion mit einigen SriegSknechte« beauftragt hat. Dich von hier zu entführen. Ich habe auch Senntniß erhalten, daß sich seit einigen Abenden hier unbekanntes Gesindel um den Palast umhertreibt, wahrscheinlich warten sie den günstigen Augenblick ab, hier einzudttugen." „Darum bitte ich Euch, Gabriel, verschiebt Eure Abreise einige Tage bi» Judith in Sicherheit ist." „Da bedarf e» keiner Bitte, Rabbi, die Sicherheit Judith» , ist mit mehr wie alle» Andere und glaube ich durch diese Verzögerung, dem Auftrag meine» Vater» nicht entgegen zu handeln." „Unmöglich hat Traftemare die Beleidigung Judith», vergessen, niemals aber wird er Euch, Gabriel, verzeihen. Da-' rum muß ich darauf dringen, wenn er Dir Deine Kräfte' erlaube», noch heute diese» Hau» mit Esther und Gabriel zu verlassen, jede Stunde Aufschub vergrößert die Gefahr. Werdet Ihr verfolgt, wa» ich glaube, so trachtet nur vorwärts zu kommen, wenn nörhig, verlasset Eastilieu, geht nach Frankreich oder Italien. Habt Ihr eine sichere Zuflucht gefunden, so laßt mich davon wissen, um euch finden zu können." „Fliehen?" sagte Judith, „fliehen au» diesem Hause, wo ich seit meiner Kindheit war, wo sebst da» Sleinste mich gemahnt an meinen unglücklichen Bater." „ES muß sein, mein arme» Sind," mahnte der Rabbi. „Wenn Ihr e» für nötig haltet, muß ich mich füge«,'. sagte Judith traurig. „Ich habe Alle» schon vorbereitet. Bor dem Toledothore^ stehen drei Maulthiere gesattelt. .Gabriel verläßt mit mtrj jetzt da» HanS. Du, Esther und Judith werdet rückwättSj durch den Gatten gehen, damit Niemand Euch sehe, selbst biej Dienerschaft nicht. Schließt Euer Gemach ab, sie sollen glaube«! Ihr hätttt Euch schon zur Ruhe begeben. Schlag acht Uhr! geht Ihr von hier. Gabttel wird Euch draußen Mt. Dem] Stadtthore erwarten. Nehmt nur da» Alleruöthigste mtt.1 Gabttel, ich weiß. Euch kann ich die beiden Mädchen anver-1 trauen, Ihr werdet sie sicher geleiten. Und nun lebt wohl l meine armen Kinder. Vertraut auf Gott, er wird Euch auf! Eurem beschwerlichen Wege gelttten und in seinen allmächtigen j Schutz nehmen." 13. Die Ber s ol g u n g. Dumpf dröhnten die Schläge auf den Thurme von Se-j Villa'» Kathedrale und vettündete die achie Stunde, al» lautlos zwei Frauengestalten, ttef in die Saputzeu ihrer Mäntel! gehüllt durch die fast einsamen Straßen Sevilla'» eilten, waren Judith und Esther. Unweit de» Toledothore» kam ihnen ttn Trupp Bewaff«^ neter entgegen, an ihrer Spitze der Spion Don Heinrich'». £ .Wer seid Ihr, wohin de» Wege»," fragte er barsch u« stellte sich vor die bttden Frauen hin, ihnen den Weg sperrend. Judith begann zu zittern und der nächste Augenblick i sie bereit» verraten. Doch mutig trat ihm Esther entgegen. »Warum halb Ihr un» auf?" fragte sie, »mit welchen Rechte dürfen Sevillas Frauen belästigt werden. Mr haben Eile, ttneu Arzt zu für die Mutter, die schwer erkrankt ist. Laßt un» vor »E» ist wohl ein wenig spät für zwtt Mäd

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