Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 48 (1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
48 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/6492351-8722848-5962303--2292-5376107
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Herautgegeben von vr. M. «dch»« in Magdeburg. Zur Uuterhaltuug und Belehrung für die israelitische Familie. JF««üitn-»r*Jf“ erscheint wöcheMlich al» Pvatt»-Vetl»,e zur ..»»vaeltti scheu Mocheufchvtfkr»rv nnberootr Mnchdrmr» »u» diesem Plirar ist jjnfirT«®! — Die Einzelnummer kostet iv Pf», bei der Expedition. zu« erbitternden Handgemenge, wobei fast immer die königlich Dou Pedro «ud sein jüdischer Miuiftei'. Htitorisch» «n«h ln», m( km 14. 3«|rkiak«rt. Bon Ab. v. Zemlinszky. (KoKsetzimg.1 „So thue e» doch, mein geliebter Heinrich.* »Nein*,sagte dieser, »noch nicht, erst soll da« Gefüng» »ist Dich mürd« machen nnd dafür wird gesorgt werde» und >femn Don Pedro, dann wenn Dir da» Leb«« schon »um Ekel, zur Qual, wenn Du'« verwünschst, mit jedem kommenden Dag, daun soll Dein Leben recht sorgsamlich gehütet wer>«n. Damit Du doch einen ganz kleinen Trost mitnimmst in Tein Gefüngniß, so will ich Dir noch mittheilen, melch' große Ehre Dir -u Theil werden wird. Ihr Beide sollt zusannnrn in eine« eisernen Käfig gesperrt werde«, nnd ganz Eastilieu» ilnterthanen, sollen schauen denJudenkönig und seinen Rathgrbr." „Hörst Du Do« Samuel', rief der König »in einem Küfig werden wir wohnen, um angestaunt »u werden. Z>oar ne« ist diese Idee nicht, von Dir kann mau auch Neue« licht ' erwarten, doch immerhin recht nett. Und befolgst Du meinen Ruth,'so läßt Du un» für Geld anschauen. Hörst Du, ür Geld. Du liebst ja gar so sehr da» Geld, had' ja so nan» che» darüber schon gehört.* »Schweig, schweigt ich befehl e» Dir.* »Ei, Bruder Heinrich, wa» ficht Dich au. Seit Win» . befiehlst Da Deinem ffftnta? Noch ein«. Sieh, mein Herr «• möchte lchier vor Wehmath stille stehen, denk' ich daran, wie »ein tugrndsam Gemahl dt« Königin Bianca sich gräuen wird, wenn fie erführt, welch Schicksal mir zu Teil geworren. Du guter Bruder, Du tbust ein edle» Werk, und edel ' zu sein verstehst Du ja, wie wohl kein Zweiter in ranz Lastilie», wenn Du fie tröstest ob de» Berluste«. der ihr so ungrahnrt kommt. Wie wird sie trauern, weinen, fich grünen. Arme» Weib!* »Fort, fort,* schrie Do, Heinrich außer fich. Lüchelnd winkte der König noch mit der Hand einen Abschiedkgruß und »»ringt von Bewaffneten wurde er mit Do» Samuel au» dem Saal geführt.-- Die Sturmglocke» heult« in allen Stüdttu de» castilischen Reiche». Der Bürgerkrieg war entbranut. Ueberall standen di» Bewohner gerüstet. Uuhetmlichk Gerüchte hatten fich verbreitet. Der Ktnig tod, Do» Samuel tod, all die Große» und Ulen de» -'-"chm Gtf^tK tod. Sud DÜ» HtsttkH'. war uarwn» uigin Witwe vorlüufig Regent von Cüsmien. Dü de» König treu aebttevenru Bütgef in de» Stödten e» fich bewaffnet; sie wollten der <8i2M nimmer weihe«. Dach nicht lange Utüti fr eia ZUstaud der tenp andourru. Tagtitzlich kam e« in tar Str ißen Gestnnten den Platz behaupteten. In allen Stüdten de» Reiche« hatten fich die Juden mit Helm und Schwert versehen, und so standen sie muthig an der Seite ihrer christlichen Mitbürger und kümpften gegen die Feinde de» Lande». Nur ,u gut wußten fie, daß im Falle der Niederlage fie die Ersten waren, welche zum Opfer fielen. 12. Im Hause de» Minister». Da» Gerücht von Don Samuel» Tod war auch zu Judith gedrungen und hatte diese zarte Blume auf« Kran» kenlagrr geworfen. Esther war io dieser schweren Zeit ganz unentbehrlich geworden und gar viele Tag« und Rüchte verbrachte fie am Lager der kranken Freundin, ihr hilfreich beistehend. Auch Gabriel war imucer im Lorgemache anwesend, um schnellsten» über der Kranken Befinden Nachricht zu erhalten. In dieser kurzen Zeit, die er hier im Haus« weilte, hatte er fich müchtig zu Judith hingezogen gefühlt und al» Judith erkrankt war, und fich ihr Zustand immer mehr verschlimmert hatte, da fühlte er e« nur zu sehr, daß er ohne Judith nimmer lebe» könne, und finster brütend ging er umher u»d selbst seine bereit» begovnenen Nachforschungen über den Ler» bleib seiner Schwester stellte er rin. Erst an dein Tage, an welchen der Arzt Judith für gerettet erklärte, konnte man wieder zum erstenmale seit langer Zeit, Gabriel« Gesicht fröhlich auslruchteu sehen.- Judith war genesen. Doch Schwermuth hatte fich ihre» Herzen» bemüchtigt und man sah e« unr zu deutlich, daß der Gram um den Verlust de» theuren Vater«, der ans so schreck» liche Weis« seine« Tod gefunden hatte, ihr Lebe« ernstlich bedrohte. Willen!»« lie» fie alle» mit fich geschehen und ihr bleiche» von Krankheit und Kummer abgqehrte« Antlitz gab Zeuguiß von dem schweren Leide», da» in ihrem Herzen seinen Sitz aufgeschlagrn. Kalt und nebelig hatten fich die Novembertage eingestellt. Ein feiner durchdringender Sprühregen hatte schänden ganze« Tag ongedavert, und machte selbst im Hanse de» Aufenthalt unfreundllch. In tau großen Gemache, dem Liebliu-öaufent halte Don Samuel», saß vorsorglich in warmen lücheru gehÄlt Judithvor einem großen Marmorcamtn«, dessen helllodrrndr Fl«««« ein« gar behagliche angenehme Wörme ring»v»her oerbriideien. Esther faß neben ihr auf eiuew kleine» Lamme tfchemal und plaeckmche von alle» nur Möglichen, n« die Genosterde M zerstreue« uM> sie von de» ihr so schädlichen RückeriNüeiuugr« abzuleccken. »Sieh' Judith* sagt« sie, „»• ist «iiMhstmlich «ch »immer will e» mir au» tau Kopfe phe», wohar diese» zweite Dalch meffer kam, da» tau weinigen so ühnlich daß ich beide nicht von einander futwrscheideu konnte.*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.