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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 47 (1893) · p. Seite 184

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
47 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 184 (sequence 2)
Language
German
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— 184 — „Dir Erfahr ist nahe» mein königlicher Herr," flüsterte Do» Samuel abermal», deffea Erficht bleich geworden war, „dieser Empfang w«i»faget nicht» Ente». Ln» diese» drohenden Mene» läßt fich da« Kommende erratheu." „Ich glaube, Du hast recht" stimmte jetzt auch der König bei. „Der lieb« Bruder Heinrich scheint da mit unserer Anwesenheit eine» schlimmen Plan zu verfolge». Laß un» nmkehren." „Zu spiit, mein König, ich sah wie man die Brücke hinter de« letzten nnserr« Erfolge» aufzog. Wir find gefangen, doch dürfen wir un» nicht verrathen." „Ent denn, wir find hier und muthig wollen wir de» Ende» warten." — — — — — — — >— — Eine reich besetzte Tafel harrte der Gäste. Obenan saß Do» Pedro, ihm zur Seite Don Samuel 2»d Einige de» Gefolge», weiter unten befand fich Do» Heinrich mit dem Befehlshaber der Festung, Don Mqoel Diego, u»d einigen hochgestellten Offizieren der Festung. Ei» Theil de» königlichen Gefolge» war noch im Hofe zurückgeblieben, unter ihnen der Großmeister von Ealatrava, der fich absichtlich vom König getrennt hatte» um für di« Sicherheit derselben Sorge zu tragen, denn auch er war einer der Wenigen, dir gegen Don Heinrich« Abfichte«, schon vom Beginn der Reife an, Mißtrauen hegten. Fast schweigsam wurde da» Mahl eingenommen. Jeder der Gäste schien mit seinen Gedanken beschäftigt «nd da» Kommen der nächsten Ereignisse zu fürchten. Don Samuel hatte zu wiederholtenmalen nach Don Heinrich hinübergeblickt, doch ruhig saß dieser aus seinem Platze und nicht die geringste Aufregung konnte er in defleu Erficht wahrnehmeo, da» auf Außerordentliche« schließen ließ. „Er ist zn ruhig, dachte er, zu ruhig, er fürchtet kein Mißlingen seine» Plane». Wir find verloren l Doch w a » beabsichtigt er?" Gar bald erhob fich der König von der Tafel und Müdigkeit vorschützend, wollte er sich zurückzicheu. Eben im Begriffe mit seinem kleinen Gefolge den Saal zu verlassen, vernahm mau plötzlich laute» Wafftugeklirre vom Hofe herauf und laute S timmen riefen: „Lerrath, Berrath!" Sofort eilt« Don Pedro zurück und zog sein Schwert. „Wer rust: Berrath?!" donnerte de» König»Stimme. Langsmn hatte sich Don Heinrich von seinem Sitze erhoben. Er stieß beide hohe Flügelfenster weit auf und deutete schweigend nach dem Hofe hinab. „Schau dort hinab, Don Pedro l" rief er höhnssch, ,^» ist die Ueberraschung, di« ich Dir versprochen," und er eilte durch eine Seitenthür« an» dem Saale. In gewaltiger Aufregung eilte der Köuig au da» Fenster, mit ihm die Wenigen seine» Gefolge» und blickt« hinab. Kein Laut kam über die Lippen de» König», nur ein krampfhafte« convnlfivische» Zucken hatte fich seine« ganz«» Körper» bemächtigt, während fich seine Augen unnatürlich vergrößerten. Und war er sah, war nur zu sehr darnach augethan, diese Auftegnng zu rechtfertigen. Bon brennenden in der Mauer befestigten Fackel» war der Hofraum duukelroth beleuchtet und diese» Licht fiel grell auf einen Haufeu von zuckende» Leichen, die dort auf deu Steiuflirfeu in ihrem Blute lagen, die Köpfe vom Rumpfe getrennt. Fast Alle, die wenig« Stunden vorher noch heiter und fröhlich, vertrauend auf ihr-» König» Schutz und Macht in feinem Gefolge geritten, sie logen entseelt am Boden. Dort der greise Großmeister von Ealatrava, dort der edle Do» Lesou, der jugendlich tapfer« Don Pa»qual, Don Balostie, Me, Alle von Mörderhand hingestreckt. Entsetzen ergriff den König Und seine Getreue» und wie auf gegebene» Kommando flogen ihr« Schwerter au» der Scheid« und fte drüugte» fich um den Köuig, um ih» zu vertheidigen. „Hon Pedro, Du bist mein Gefangener«', rief jetzt Do» Heinrich de Trastamare, der eben au der Spitz« vo« Bewaffnete» in deu Saal eingetreten war. Streckt All« die Waffen, jeder Schwertstreich ist vergebliche Mühe.. Eafttlieu ist <• satt,noch länger geknechtet zu werde«, voaeinem Jude» köuig und seine« Anhänge. Der Sohn einer jüdischen Dirne hat da» Recht verwirkt, fich Köuig vou Eaftilien zu ueunen." Kein Wort der Entgegnung kam über Don Pedro'» Lippen, nur sein Schwert hob sich und bohtte fich blitzschnell io die Brust eine» Söldner», der ihn ergreifen wollte. Eia schrecklicher Kampf eutspanu fich jetzt. Zweimal mußten die Söldner vor den Tapfere» zurückweichen, doch immer wieder drangen fie verstärkt vou Außen vor. Mehrfach verwundet bereit» hielt der König noch immer Staad, ih« znr Seite kämpften Don Samuel und die Übrige». Wunder der Tapferkeit wurden verrichtet, doch wa» vermocht« diese» kleine Häuflein gegen die riesige llebermachtl Don Heinrich stand in einer Ecke de« Saale» und schantt hohnlachead auf den Lerzweifluug»kampf de» König» »nd seiuer Begleiter. „Vergebliche Mühe", rief er, „da» jüdische Königreich wird heute zu Grabe getragen. Dummköpfe, Ihr All« seid mir in die Falle gegaugea, au» der Ihr nimmer entrinn«» sollt«. Rur kurz« Zeit dauerte noch der ungleich« Kampf nutz al» de» König« Schwertkliuge plötzlich entzwei brach, da schleuderte er grimmig da» Heft noch mit einem Schrei der Wuth nach Dou Heinrich, der nur durch «ine schnelle Weu» düng diesem tödtliche» Geschoss« entging und ebenso schnell auch den Saal verließ. , „Feigling, Feigling!", schrie der König 1» fiuuloser Wuth.^ „Schaut deu Mordbuben fliehe». O Schaube, Schande meinem Geschlecht«, da» solch eine» AuSwnrf sei» Eigen »enut. Ergebt Euch, vrrgeben» ist da» Blutvergießen." Schweigend warfen seine Auhäuger dt« Waffe» vou fich und schaarteu fich, tu dumpfer Rrfiguatto« auf ihre gefalle»«» Freund« am Bodeu blickend, um den König; doch nicht lange. Einzeln wurden sie au» dem Saal« geführt und nur der König und Dou Samuel bliebe» allein zurück. „Du hast Recht gehabt, Don Samuel', sagte der Köuig Mt gebrochener Stimme, warum Hab« ich Dir nicht gefolgt." „Leiderl" entgegnet« dieser, doch wa» jetzt?" „O, dieser Elende. Könnte ich sei» falsche» Herz Mt dlrsm meinen Nägel» ihm au» der treulosen Brust reißen^ mein Leben gäb' ich darum. Gefaugeu, gefangen auf solch alberne täppische Weise", schrie der König, „und fie alle, di« mir treu gedimt, er hat fie gemordet. Ich ersticke vor Schmach.^ uud Schande. Der König lehnte fich an da« offen« Fensters und atmete mit vollen Zügen dt« frisch« Lust ein. > „Schau dorthin", schrie er plötzlich, „schau dorthin,^ und Schau« vor dem Mund« schrie er mit riuer Stimme, die j nicht» mehr Menschliche» au sich hatte, immer wieder hi» in den Hof: „Mordbube», Rordbubeul" Dort unten im Hofe bot fich «in schreckliche« Schaufp Die Gefangenen, die so tapfer an der Sette de» Köutgst^ gekämpft hatten, fie wurden eiuzeln durch eine kleine Pf in den Hof geführt. Dort hatte fich ein« Schaar Keieg»kav aufgestellt und so oft ein Gefangener den Hof bettat, boh fie ihre Waffen dem Wehrlosen tu die Brust. Jauner Sttöme Blute» flössen, immer frische Leichen wurde» tu > Winkel geworfen, um Platz zu macheu für die noch bi» endlich auch der Letzt« sei» Leben unter deu Streb Henkersknechte auigehaucht hatte. Der König hatte fich von diese« grause» Schauspiele M gewandt. Mit beiden Hände» bedeckte er seine Augen ■' weint« wie ein Kind. Und biefc Thräue» fU kamen au» j * edlen warmfühleuden Herzen, e» war«« die letzte», di« Augen jemal» entströmte». Ei« leiser Schritt ließ fich auf de« Stri» Saale» vernehmen und sofort ergriff Do»

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