Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 46 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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mir mein Theuerste» zu stehlen. Fort von hier, wir werden un» bald Wiedersehen und drohend zeigte er mit der Hand auf die Thüre. Erschrocken war der junge Mann aufgesprungen. Doch mit einer seltenen Keckheit schaute er Joel hohnlachend in'» Erficht. „Ich bleibe," sagte er, ,^L«ah ist mein" und er wollte Joel» Frau hilfreich beistehe», welch« beim Erscheinen ihre» Manne» ohnmächtig zusammengebrochen war. „Rühre fie nicht an" schrie Joel, „rühre fi« nicht an, sonst bei Sott! ich ermord« dich, du feiger Schuft." Don Heinrich zog wüthend den Degen und drang auf den wehrlosen Joel ein. „Elender Jude!" schrie er „Du wirst mich nimmer beschimpfen" — und mit gewaltigen Schlag« sauste dir Waffe auf da» Erficht Joel» nieder. — —- „Mord!" schrie man auf der Straße und die Leut« sammelten sich im Haust Joel», den man dort aufgefunden hatte, mit einer schrecklichen Wund« im Gefichte. Und Monate bedurfte e» bi» Joel wieder hergestellt war. Und Leah war verschwunden, niemand wußte wohin fie gekommen. Und kaum genesen, versperrte er sein Hau» und auch ihn sah man in Toledo nicht wieder. Die Leute schüttelten verwundert die Köpfe, doch bald war diese» Ereigni» vergeffen. In Sevilla war er dann aufgetaucht. Seine Wunde machte ihn fast unkenntlich und nur wenige wußten um sein Geheimnis. Er wollte unerkannt bleiben und zu diesem Zwecke veränderte er seine Tracht, ließ stch da» Haar ganz kurz schneiden und gar bald war er bei allen Festlichkeiten al» Narr und Luftigmacher ein gern gesehener Gast. „Don Heinrich darf mich nicht erkennen", sagte er immer zu sich, ,^rst bi» e» an der Zeit ist, und di» Zeit fie wird kommen, da ich ihn treffen werde, wo er fich'» am wenigsten versteht.' — — — — — — — — — — Ein tiefe» Aufseufzen de» Kranken führte ihn wieder zur Wirklichkeit zurück. „Bald hätte ich de» al:en Manne» vergeffen," sagte er. Der Rabbi hat ja recht, zu n«a» sollen dies« Erinnerungen, vorbei ist vorbei, doch die Rache, di« Me ich mir nicht entgehen, und diese Rach« fie soll ihn ereilen, wen» er am Ziele seiner Wünsche zu stehen glaubt. Ich Hab'» geschworen und ich will meinen Schwur halten." — — — — — — — 9. Bei m Min ister. Die Frühsonne leuchtete in dir Krankenstube hinein, al» Joel' fich jetzt dem Bette Sarah'» näherte und fie sauft rüttelte. „Es thut mir leid, alte Frau,"sagte er zur Erwachenden, „daß ich Euren Schlaf stören muß, doch Ihr müßt jetzt aufstehen und zu dem Kranken sehen. Ich glaube, e» geht bester mit ihm und so Gott will wird er in einigen Tagen wieder gesund sein." ,Lch habe Eile. Ich geh« jetzt zu Don Samuel und daun Hab« ich noch viele» Andere vor» da» ich nicht anfschiebea darf. Leb' wohl, afte Frau!" Sarah wollt« ihren Dank au»sprechen, doch Joel war schon zur Thüre hinan». Rur kurz« Zeit bedurfte er, um fich zn Hause umzukleideu »nd gar bald befand er fich auf dem Wege zu Don Pedro'» Minister, den er allein in seinem LrbeitSgemache antraf. .Joel"rief Don Samuel freundlich, „Ihr bei mir. Doch verzeiht, wenn ich Euch bei diesem Nam-e. rufe". „Bin ja Joel, der Hochz«it»narr, kenne keinen anderen neu. Ich bin gekommen, um Euch mitzuteile», daß heute nid» die fremden Kriegsleute heimlich wieder di« Stadt ■ .affen «erden. An» de» verschiedenen Thoren zieh« fi« ab Draußen auf der Landstraße finden fie sich wieder zusammen! und daun gehen Alle »ach — Toro." ' „Rach Toro! —„Täuscht Ihr Euch, nicht, Joel l‘ „Nach Toro, ich weiß e» so bestinnnt," sagte Joel ,al« wenn ich dabei wäre." . ‘ „Was solle« die dort?- „Wer da» wüßte! Doch Ente» ist wohl davon nicht zu erwarten. Und noch einen anderen Zweck hat «ein Kommen. Ich wolle Euch mittheilen, da e» Euer Wunsch war e» zu wissen, daß er dem alten Manne, Ihr wißt ja da draußen vor dem Thor«, jetzt bester geht. „Ihr sprecht von Ahron Lormo!' „Ja wohl! Rur bleibt'«» mir «in Räthsel, warum er bei Eurem Anblicke so erschrak, denn Ihr wäret dir Ursache da» iieht fest-. ,E» ist seltsam und ich kann mir'» nicht erklären.- „Er muß in Eurem Gesichte eine sonderbare Ähnlichkeit gefunden haben, mit Jemandem, der schon längst tobt und begraben". .Wirklich l Wißt Ihr Nähere» darüber?" „Ja wohl, die atte Frau erzählte mir eine Geschichte, di« vielleicht im Zusammenhänge steht.- Und Joel theitte de« Minister mit, wa» er über jenen Sabbatabend und den junge« Flüchtling erfahren. Ein eigenthümltchr» Lächeln verbreitete fich jetzt über Do» Samnel» Antlitz. „Dieser Flüchtling, den man damal» zum Salgeu führt«, um ihn eine» schimpflichen Tode» sterben zu lasten-, sagt« er, .war t ch." .Ihr?" „Ja wohl. Ich wurde damals fast ohne «einen Wille« in eine Lerschwörung gegen den Köuig Don «lfonso verwickelt. Der Anschlag wurde entdeckt'und wir mußten flüchten. Dt« beiden Günstlinge de» König», Don Joseph de Ecija und Do« Samuel Jbn>Wakar wurden nebst vielen anderen auf Erund falscher Anklagen in de» Kerker geworfen. Do« Joseph starb im Gefängnisse, Samuel Jbn-Wakar erlag den Qualen d«r Folter. „Al» ich an jenem Morgen da« Hau» Ahron» verlasse« hatte, irrte ich in den Waldungen umher, mehrere Tage war« schon vergangen, ich hatte Hunger und dieser trieb mich iu die Stadt hinein, um mir Nahrung zu verschaff«. Doch kaum hatte ich den Fuß nach Sevilla gewendet, al» man uttch auch schon erkannte. Man schleppte mich vor die Richter tt«b mein Urtheil war auch sofort gesprochen. „Mit Stricken gebunden wurde ich htnau-geführt, n« mein Leben am Ealgrn zu enden. W«n ich heute dennoch lebe, so hat Sott im letzten Augenblick Snad« an mir geübt. Schon wollte der Henker fein Amt an mir verrichten, da durch» brauste ein tausendstimmige» Geschrei di« Lust. Ehe 8h wußte, wa» geschah» war ich von meinen Banden befreit, Ae der Mitte meiner Freund«, welch« mich eiligst von der Stütt» de» Unheil» führten. Und der Grund meiner Rettung? Dir König Don rllfoaso XI. war von der Pest befallen ward«» und wenige Augrubltcke später hatte er sein Leben auSgehauchst Weit von Sevilla brachten mich meine Freund«, im Serbe«, gen« lebte ich, bi» ich «ndlich e« wieder wag« konnte, t» bl Öffentlichkeit zu erscheinen. Ihr seht, Ahron hat nicht s» |tt| unrecht, wenn er glanbt«, d« Gehenkten zu sehen." < „Ihr habt recht, Do» Samuel. Gott hat ei» SSÜfl gethau, um Euch zu retten, zu retten für un», Cu« GlauümA genossen, damit Ihr fie fchücht vor Willkür «nd Gewalt." v „Wa» ich zu thun vermag für die gut« Sache, werd« 8s jederzeit vollbring«, doch fürchte ich, daß jetzt di« ruhtM Tage schon vorüber, von Toro droht un» die Gefahr »» der König «All dorthin." Ä „von Toro, ja Ihr habt recht", Do« Samuel. Alle», um ihm abzurathen; Don Heinrich der ist schtmeMD sei« Gelüst« nach de» König« Thro« ist «uhjMiwiMZLW nun lebt wohl."