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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 46 (1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
46 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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tzerau«gegeben von Dr. M. >U#wrr in Magdeburg. 3ttr U«terhalt«ng «jtb Bel« hrung für die israelitische Aamilie. Da» ..»«dVcht W»«lltrn-»r»tt" erscheint wöchentlich al» »m»tt»-»eil»ar zur „S-p-rlttifchen Mochrnichl-tN" *’*'—'*■ — «i-itinummef kostet 10 Mk» bei der Exvedition. — . , „^hohib* jrinnmrn»w>i«n eruvemr woeventuq al» »v«t»-»ruasr »rdrv unbefugte Machdvuck» ,u» dlefr» »lattr ist unter! apf. — Die Einzelnummer Do« Pedro ««d sei« jüdischer Minister. OiA»risch« Erzäklmi ni km 14. 3«kiknktrt. vo« >d. ». Zrmlimszky. l Fortsetzung.) „Dort obenan saß der alte Mann", fuhr Joel im Selbsi - -«spräche fort, „dort die alte Frau, hier saß sie und ich — hier. — — Ich habe doch unrecht gethan, hierher zu kommen, ich sollte doch «iffen, daß die Erinnerung viel stärker ist al» der Wille". - 8 Tr machte einen frischen Umschlag zurecht und legte ihn dem Pranken auf. ,^Ob er wohl am Leben bleiben wird: da» Fieber ist heftig und der alte Mann ist nicht sehr kräftig. Der Schlag dc» mal» hat ihn so recht in» Herz getroffen. Arme Leute! Doch er schläft jetzt ruhig, und wenn er diese Nacht nicht wietxr neue Anfälle bekommt, so glaube ich, wird er gesunden. Denn *w au prüften fehlt e» ihm, da» Fieber zu überstehen. Arne i, wie fie leidet. Selbst im Schlafe findet fie keine Ruh:, fie unruhig ist, wie fie schluchzt! Wem die» wohl gilt? Ihr? ,Ob fie wohl todt ist?" dachte Joel weiter, „ich glaub« selbst, sonst würde fie ein Lebenszeichen von fich gegeben haben. 'Eigentlich konnte fie die» nicht thun, denn so wie sie de» io» verließ — doch wa» kümmert e» mich" sagte er unwillij . „Und wen sollte e» eigentlich kümmern, wenn nicht mich? Ich mußte-fie suchen, suchen bi» ich fie fand. Und ich habe di<» nicht gethan, ich heuchelte Gleichgiltigkeit und bin dadurch zum Verbrecher geworden. Ja wohl zum Verbrecher, denn ih konnte r« vielleicht verhüten, daß sie im Elend verkam, urd that e« nicht. Dhat e» nicht, ich Unglückseliger, und doh war fie ja eigentlich nnr ein pind, ein pind an Alter utd an Erfahrung." Seine Gedanken kehrten wieder zu den Fleckt n auf der Decke zurück. „Solche Flecken giebt e« viele, dielaffen fich immer wieder verschwinden machen, doch der häßlichste Flecken ist der auf Ehre. Da gibt r» kein waschen, kein putzen; solch ein fitzt und ist in alle Ewigkeit nicht auSzutilgen". Endlos lang scheint solch eine am Prankenbette durch» ~i1« Rächt zu sein, endlo» und lang und kein Ort ist g:- cker alte Erinnerungen und Begebenheiten Wachzurufe i, .die unheimliche Stille einer prankenstube. Die» fühlte ‘ nur zu sehr und er versuchte r» nicht mehr, fich diesen °h» einstürmenden Zauber zu entziehen, wäre r» ja doch blich gewesen. Und wenn auch sein Her» vor Schmerz«« . rreißeu drohte, all die verfloffeue» Jahre.traten wiedw tjei» geistig Auge, er lebte diese« oerfloffene Leben nochmal». Jahre mochten« sein» da gehörte Joel »« d,» a»gks«hensteu panflrute» Toledo'». Sein« «chtlikje tznvie sei» edle« Her», welche» jederzeit beritt war zu helfen, wo Hilfe not that» machten ihn beliebt bei Reich und Arm. Auf einer seiner vielen Reise», die er Geschäfte halber zu unternehmen genäthigt war» lernte er die Tochter AhronLor» mo'S kennen. Die kaum 18jährige liebliche Leah machte auf Joel einen derartigen Eindruck, daß er schon nach einigen Tagen Ahron bat, er möge ihm seine Tochter zur Frau ge'-en. Die Eltern gaben ihre Einwilligung und auch Leah hatte fich gar bald einverstanden erklärt. Die Vorbereitungen wurden jetzt rasch betrieben uud al» die ersten Schneeflocken zur Erd« niederwirbelten, zu Chanuka, verließen Beide al» Mann und Frau Sevilla, um nach Toledo, dem neuen Heim Leah'», sich zu begeben. Ein ungetrübte» Glück war c», welche» Beide mitein» ander verlebten und welche» noch gar oft durch den Besuch der Eltern erhöht wurde. Mit Stolz schaute Joel auf seine kleine zierliche Frau, welche allgemein sowohl durch ihre Schönheit, wie durch ihre kindliche Unbefangenheit fich alle Herzen eroberte, und nirgend», bei keiner Festlichkeit, durfte Leah mit ihrem Mann fehlen. Joel liebte e» zwar nicht, seine Abende und Rächte in Gesellschaft zu verbringen, doch er sah, daß die» Leah unendliche Freude bereite und er fügte sich geduldig. Auf einer dieser Festlichkeiten hatte fich auch ein junger Mann, dem olle die größte Ehrfurcht bewiesen, in Leah'» Näh« begeben und gar stald war er auch mit ihr io angele» gentliche» Gespräch vertieft. Es war der Bruder de» König», Don Heinrich de Trastamare. Wenige Tage sväter sah fich Joel gezwungen, eine längere Reise anzutreten» zum erstenmal^ seit seiner Berheirathung. Eine seltsame Beklemmung empfand er, al« er von Leah Abschied nahm, al» ginge e» zum Sterben, während seine Frau, ihm fröhlich lächelnd d>e Hand reichte und ihn aufiordrrte, recht bald wieder zu kommen. Drei Wochen waren vorüber, da kehrte Joel wieder zuiück. Eine namenlose Sehnsucht hatte fich seiner bemächtigt/ und er malte sich in Gedanken schon die freudige Ueberraschung Leah'» au». Abends war e«, al» er leise, um fich nicht zu oerratheo, sein Hau» betrat, und ebenso leise die Thür öffnete, die in da» Gemach Leah'» führte. Wie vom Blitzstrahl getroffen lehnt« er fich an den Thürpfosten und schaute mit weit geöffneten Augen vor fich hio. Dort saß Leah mit ihrem himmlisch schönen kindlichen Antlitz« und zu ihren Füßen kniete Don Heinrich, sie fest umschlungen; haltend. Rur einen Augenblick zögerte er noch, um zur Besinnung . zu kommen, dann betrat er festen Schritte« da» Gemach unv .-> ließ seine Hand schwer auf die Schultern de» jungen ManneS fallen. . „Dieb", sagte er mit dumpfer zornigrr St mme. „Di*** Du dich hier eingeschlichen, ZMrend wej«xr Wwesercheit, «***

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