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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 45 (1893) · p. Seite 176

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
45 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 176 (sequence 2)
Language
German
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dem Schlafengehen a» sein Bel: gestellt, hier wieder mit den an» deren GegeusÜuden gefunden Hab«. „Tä»scht Ihr Euch nicht," fragte Don Samuel ernst. „Doch nein" sagte er, „Ihr könnt umaöglich da» Kästche» am Boden gestellt haben. Und wem gehört diese» Meffer I wem dieser Schleier? Lin »Lthsel ist e», wie die» hiiher gekommen. Sieh da, der Griff de« Dolche L trögt zwei Buchstaben ein» gravirt. „L. A." vielleicht kommen wir auf ein« Spnr durch diese Zeichen. Kommt mit »Ir. Steckt de« Schleier und den Dolch zu Luch. Da» Kästcku» bring ich in sichere Obhut. Wer konnte davon wisse», daß e» überhaupt existirt? Ich, Judith und Esther, sonst niemand. Schweigt darüber vor» läufig. Beim Frühstück fände« sich Do» Samnel mit Gabriel, Judith und Esther wieder zusammen. Jeder von ihnen schien mit seinen Gedanke» beschäftigt zu sei» und nur Judith plaudertt ganz gegen ihre Gewohnhett heiter und gutgelaunt. „Li Judith," sagte Don Samuel, „so lieb ich Dich zu srheu, überlaß da» Sorge« mir, ich bin'» gewöhnt. Sag' mir mal mein Kind, kennst Du diesen Schleier, der heute früh im Hause hier gefunden wurde? Er scheint mir zu fein zu sein al» daß er einer Dienerin gehör«? Judith griff rasch darnach und begann dann fröhlich an zu lachen. »Mir soll ich nicht, rief sie, er war ja früher mein Gigeutum." .Und jetzt?" „Gehört er Esther", nicht wahr, wendrte sie sich au diese. ^Doch wa» ist Dir?" Lodtenbläff« hatte da» Gesicht Esther» überzogen und «ur ihre großen sihoarze« Augen schiene» noch zu leben. »Judith spricht wahr, der Schleier ist mein Eigentum" sagte sie mit gepreßter Sttmmr. .Wozu defe feierliche Betheurnug" lachte Judith. Die beide» Männer schauten sich erstaunt an. Durch welche» Zufall mochte der Schleier in Gabriel» Gemach gekommen sein. Oder war e» kein Zufall? »Roch einen andern Fund will ich Luch zeigen" sagte jetzt Don Samuel. »Seht diesen Dolch, kennt ihr ihn vielleicht auch?" Die beiden Mädchen schüttelten mit den Köpfe», zum Zeichen der Verneinung. »Seht genau!" Judith nah« den Dolch» besah ihn und dann brach sie Plötzlich in ei» fröhliche» Gelächter au». »Esther" rief sie «utwilltg, „Du kennst diese» Meffer nicht. Sieh doch dein Name hier eingravirt." »E. 8." Esther Abuli. Al» hätte der Blitz «iageschlage», so wirtten diese Scherz» Worte auf di« beiden Männer. »Sich doch mein Kind", wandte sich Samuel gütig an Esther. „gehört dieser Dolch dennoch Dir. Ueberlege» erinnere Dich, an Deiner Antwort ist mir viel gelegen." ,Lch glaub« nicht, Don Samuel" entgegnet« Esther schwankend. »Du glaubst nicht! Also hast Du eine Lhnlich« Waffe besessen." »Ich glaube, ich besitz« sie noch, wenn e» nicht diese ift" rutgegnete Esther und ihre Auge» füllten sich mit Thräuen. ,?lber so laß diese» toll« Fragen" rief Judith, »seht doch ihr quält damit Esther." Don Samuel blickte «oeutschloffm auf Gabriel. »Rein» ich muß darüber Gewißheit haben" sagte er dann. »Möchtest Dn nicht so freundlich sein, »»ei» Kind, und mir die Waffe holen." Gehorsam entfernte sich Esther und kehrte gleich darauf wieder zurück, ei« Meffer auf de» Tisch legend. Erstaunt betrachtete Don Samuel nnd Gabriel die Waffe. Ti-iklbe war der anderen so genau ähnlich, wie ei» Ei dem und auch hier waren im Griff« derselben die vuch» ftadrn „E. 8." eiuaravirt. »Woher hast Du diese iLasse," fragte Do» Samuel. „Sie Gehört« «einen armen Betet, ßt hatte sie immer gut ausbewahrt uuter anderea für ihn wertvollen Sachen. Al» ich ihu einmal darüber befragte, we»halb er diese Waffe gerade so sorgfältig in einer Lade etngeschloffeu hatte, da rr?,H doch viele werthvollere umherltegen lass«, da sah er mich «ft gar seltsamen Blicke»^ an nnd antwonete mir: ,.E» »eschteht Deinetwegen. Dieser Dolch wird dir vielleicht einst »och große Dienst« leisten." 8(1 er gestorben war, da Hab« ich alle» von ihm zurückgebliebene sorgfältig versperrt in unsere» kleinen, Hause Znrückgelaffe«, nur den Dolch, jch weiß es nicht warum nahm ich «ft mir, und schluchzend barg Esther ihr Antlitz —? in beide Hände." „Beruhige dich «ei» Kind"', sagte Do» Samuel gütig, indem er liebevoll «ft seinen Hände» ihr prachtvolle» Haar strich. „Niemand denkt Arge» von Dir »ud wenn ich dich beftagen mußte, geschah «» nur, well e» die Notwendigkeit erfordert«, um Aufschluß zu erhalle» über rin höchst seltsame» Ereigutß, da» heut« Nacht hier stattgefundea." „Geht jetzt Mädchen in den Garten hinab. Gabriel wftd euch bald folgen." Und gehorsam entfernte» sich die Beiden.. „Die Sache ist jetzt nur noch mehr verworren", sagt« Do» Samuel. „Esther kan» nicht der geringste verdacht treffen und «ich dauerte da» arme Mädchen. Aber diese« Schleier,^ wie kommt er in Euer Gemach, nachdem sie ihu noch gestern^ Abend beseffen?" Der Hau»hofmeifter trat jetzt in da» Gemach und nähert« sich ehrfurcht»voll Do» Samuel. ,Wa» wünschest Dn?" - - »Gnädiger Herr," begann er. ,,L» muß sich he»tr Nacht jemand Fremde» hier i» Garte» eingeschlichen haben. Soeben meldet mft der Gärtner, daß »ater dem Fenster de» gnädigen jungen Herren und er deutet« auf Gabriel, die Blumeuanlag« 4 gänzlich zertrrte» und zerwühft ist, al» wäre eia schwerer Körper hineingefall«». Auch fand er in der Nähe Blutspnre» wie auch tief eiugetreten« Spuren «ine» Manne»foß«»." »Laß den ganzen Garten von den Dienern durchstreife» \ ob sich noch andere Spure« finden lassen, »nd bericht« «irl darüber." ,Lch glaub« die» ist de» Rätsel» Lösung, Don Samnel,"^ sagte Gabriel „und der Besuch galt gar nicht Steine«, denn warn« hatte der Eindringling überhaupt oBe»1 von sich geworfrn?" M „Der Schleier allein vermag da» Räthsel z» lösen," sagte T Do» Samuel „so lauge wir nicht wissen, wieso derselbe dorthin ge*! langt, in so lange find alle unsere Mutmaßungen ohne Bedeutung.^ S. Rückeriuneruuge». I» wilde» Fieberphantafien wälzte sich Ahroa Larmo »K«j ruhig auf de» Lager umher. »Kmom zu mir, Sarah", flüstert« er, „tarn« zu mir, hast^ du ihn gesehen, e» war der Gehentt«, er kam zu mir, um mir" zu holen.' Und die arme Frau weinte und suchte den Kranke» i»j beruhigen. Doch wa» half die«. Der Arzt hatte ihm de» Kopf in «affe kalte Tücher hüllt, und diese mußten fortwährend gewechsett werden, da» Fieber ließ nicht nach. Immer wieder riß sich der i die Umschläge vom Hauptr und schleuderte sie wett von Die arm« alte Frau sie wußte nimmer wa» sie begin sollte. Ahron war etwa» ruhiger geworden, «ud die Statur! wältigte di« alt« Frau, sie schlief ein. »Wo find meine Tefillin", ftagte mft eiuemmale der I „ich muß sie ja nehme», wen» er wieder kommt nnd »ich ' und mein Talli», warum ist er nicht hier?" Doch dir alte Frau sie hörte ihn nicht, .^ie-ggnz« war sie bei ihm wachgewese», «nd de» ganzen Tag ' au seine« Lager gesessen rnd ««»» sich ihr die- Müdigkeit schließe» wollten, daun tauchte sie da» kalte Wasser nnd fuhr dnmtt wa».

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