Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 45 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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MWtsches 45. ST*- mW- K ® Herau»gegeben von Dr, in Magdeburg. hi, Mtbt» A«r Unterhaltung ««d Belehrung fit die israelitische Aamilie. Da« „Füttfchr Wu»«trn-»l«kr' erscheint «üchintlich al» »«M»-»eU«vr zur ..»vvnelUlfchrn Mochenschrtfk". URbrstrgtr Mnrydrnu» am» diese« »lntte tft umt msagt. — Die Einzelnummer kostet 10 Pf«, bei der Ervedition. Do« Pedro m«d sei« jiidtscher Mi«istok. Hiß»rische liMtlui tat de» 14. Zatzrhnndert. B«u «d. v. Z«»ltn»,kd. («echdriuk verövte». Ur4rrsetz»,,1rrcht Vorbehaltc».) 8. A“ Längst schon hatte sich alle» i» Hause Don Samrel» t»r Ruhe begeben, al« ein« Gestalt langsam und vorsichtig L über die Stiege schleichend vor einer Thürr de« ersten Sock» werke« anhielt und dortselbst ihr Ohr lauschend an die Tlüre legte. „Qh schläft wahrscheinlich schon" sagte der Eindringling, e« war der Spion, „doch gleichviel, ist er noch wach — weh« ihm." Und mit nicht »n verkennender Äeberd« griff er in die Biusttasch« und »og ein dolchartige» Messer hervor. „Diese« wird ihn »um Stillschweigen bringen, sollt; er; «dt etwa Schwierigkeiten bereiten". Mit sicherer Hand griff er jetzt auf da« Thürfchloß, welcht« auch sofort dem Drucke nachgebend, sich öffnete. J>a&’ wahrlich geschickt gemacht" sagte er vor sich hinlachend. „XI« der da drinnen di« Thüre abschloß, mußte er glaube», so «an» sicher »n sein, ohne ,u ahnen, daß die Feder schon beseitigt sei." »Letzt vorwärts." Mt katzenartiger Behendigkeit betrat er da» Borgen ach, von welchem eine Weite Thüre in da« Schlafgemach Gabiel« führte. Behutsam öffnet« er auch diese. Friedlich schlafend lag Gabriel auf seinem Bette und feine regelmäßigen Atemzüge bekundeten, daß der Schläfer ivohl nicht die geringste Ahnung gehabt hatte, wie sehr sein Schcch und sein Leben bedroht sei. Lorfichtig um sich blickend gewahrte der Spion gar bald dasjenige, wa» er suchte. Auf einem kleinen Tisch'chen f:and da» schwarze Kästchen, von den durch da» offene Fen>:«r dringenden Mondstrahlen überssnthet. Ein grausamer blutgieriger Au»druck überzog da« G esicht de« Spion» und mit Blitzesschnelle nahm er da« Messt» in di« Recht« und stürzt« auf da» Kästchen zu. Jetzt hielt er e« in seiner Linken, und den Blick fest ans den Schläfer gerichtet, ging er vorsichtig rückwärts schre iend der Thüre zu. Eine einzige Bewegung Gabriel», ein kurze» Erwachen — und nicht» könnte ihn vom Tod« retten; doch i nhig schlief derselbe weiter Und gar bald befand sich der Spioi mit seinen Raube im Borgrmach. „Jetzt bin ich reich, reich," ssüstert« er, „jetzt kann mir niemand mehr meinen Schatz entreißen, und da» Kästchen fest sich drückend eilte er de» Ausgange zu. Doch jetzt blieb n, seine Knie begannen zu schlottern, die Angen ti aten Men Höhl». stnhörbar hatte sich di« Thur, turch entserneu wollte, geöffnet nud eine b eiche Frauengestalt, tief etngehüllt in einen neißen Schleier trat ihm euigegen. Der Spion stieß einen schrecklichen Schrei au», warf Kästchen und Meffer von sich und sprang wie wahnsinnig durch da» geöffnete Fenster in den Garten hinab. Die weiß« Frauengestalt durchschritt ruhig da» Borgenmch, ohne sich nur einen Augenblick bei den am Boden liegenden Kästchen nufzuhalten, ja sie schien gar nicht zu wissen, daß noch jemand mit ihr in diesem Gemach anwesend war, und stellte sich an da» offene Fenster» die Hände nach dem am Firmamente hell glänzenden Mond au»streckend. Ta» volle Licht fiel ihr jetzt in da» bleiche schöne Antlitz. E» war Esther. Ruhig stand Sie am Fenster, ohne sich zu bewegen, nur ein tieftrauriger Zug machte ihr Antlitz überirdisch schön. Und unten im Garten hatte sich der Svion wieder aufgerichtet und al» sein Blick zufällig auf da»'-Fenster fiel und er dort die Gestalt erblickte, da eilte er durch den Garten al» würden ihn Dämonen verfolgen. — Schwarze Wolken verfinsterten jetzt die Mondetscheibe und al» sie wieder vorüber, da durchschauerte e» den ganzen Körper de» Mädchen» und mit einem Wehschrei brach sie in die Knie. ,,Wa» ist geschehen, mein Gott," flüsterte sie, „wo bin ich hingeratrn. Dieser schreckliche Zustand hat mich wieder befallen, von dem ich hoffte schon befreit zu sein. Wie kam ich hierher? „Entsetzlich", „die» ist de» Fremden Schlafgemach." — „Findet man mich hier, bin ich verloren, schnell fori" und sie eilte der Thür zu. Ihr Fuß berührte da» am Boden liegend« Kästchen, doch sie spürte e» nicht, nur fort.-- - — Gabriel erwachte spät am Morgen. Gar fest hatte er die Nacht geschlafen. Sein erster Blick mar auf da» Kästchen gerichtet. Mit einem Satze war er au» dem Bette, rasch kleidete er sich an. Wo war da» Kästchen hingrkommen. Er suchte überall. Sollte e» Don Samuel während de» Schlafe» schon geholt haben! „Unmöglich!" Er hatte doch gestern die Thüre hinter sich geschloffen. Kalter Schweiß perlte auf dem Antlitz de» jungen Manne». „Ich muß sofort zu Don Samuel eilen." rief er und stürzte;ur Thür hinaus. Ueberrascht blieb er aus der Schwelle stehen. In der Mitte de» Lorgemache» lag am Boden da» Kästchen, unmittelbar daneben ein Dolch und weiter abseit» ein weißer Frauenschleier. ,4Ba» ist da»" fragte sich Gabriel erstaunt, schnell sich überzeugend, daß da» Kästchen unberührt war. ,Ma» ist während meine» Sch üfe» vorgegangcu V Seltsam l" Ein Geräusch an der Thür veranlaßte ihn zu dfjncäTi Don Samnel trat ein. „Die habt Ihr geschlafen? Doch sagt wr» soll Cm verstört« Miene." Schweigend deutete Gabriel aus seinen Fund und _ ihm in btr*» Dorttn, wie er fest, KDch»«. welchG « - " ''' '