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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 44 (1893) · p. Seite 173

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
44 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 173 (sequence 4)
Language
German
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1- 4Ew$ Mcftt Reichtum» wegen beneiden. Habt Sorge, daß kein -fremde« Ka«c diese» Lästche» mit seine« Inhalt je erschmt, 'denn gar verlockend ist dies« Pracht »ud gar mancher würde Achen und Seeligkett gern« dafür htngeben, um in den Belitz diese» herrlichen Schatze» zu gelangen, glaubt c» «tt." , Nehmt da» Ltstchen in Pure Verwahrung, ich bitte E»ch 'darum. Ihr kbnnt e« am leichtesten und sichersten bergen, li» dir Zeit gekommen ist, um davon Gebrauch |v machen." »Es sei, doch nicht i« Hause hier will ich'» verwahr«. Den Ort, wohin ich'» lege und wo e» ganz sicher aufbewalwt ist, ich will ihn dann Euch nennen, damit Ihr jederzeit 4k* legenheit habt, dir Steine zu Such zu nehmen. Die Zei en find unruhig and gar leicht ist e» möglich, daß Ihr selbe zu Euch zu »ehmen wünsch«, während ich vielleicht auch fem« von hier bin. Da» die Auffindung Eurer Schwester an belangt, so müßte nur der Zufall Eure Schritte lenken, die vielen Jahr« dürsten wohl schon jede Spur verwischt Haien »ad gar fraglich ist'», ob jener Mann da» Kind bei fich behielt. viel wahrscheinlicher ist r», daß er e» irgendwo ruf der Straße seinem Schicksal überließ." »Ein einzige» Zeichen Hab« ich, da» mir vielleicht der «einem Suchen nützlich ist. HI» meine Schwester geraubt wurde, trug sie am Halse eine kleine goldne Lette von ganz ungewöhnlicher Arbrtt. Daran hing eine siebenzackige kl.-ine Soldplatte, aus deren einer Seite ein »Mögen David", auf der anderen der Name »Eulamith, 13. Lheschwan 5102" eingraviert war." »Ich will Euch gern bei Euren Rachsuchungen Hilfe lei ten, Loch wie gesagt, nur schwache Hoffnung dürft Ihr hegrn, daß Ihr von Erfolg fie gekrönet sehet. Noch eine«. Ich «erde morgen schon mit dem Lönig Euretwegen spreche». Er lotrd den Wunsch hegend Euch kennen zu lernen und die nächsten Tage schon, sobald ich von Toledo zurückgekehn bin, uerde ich Euch vorstellen »ud eine schöne Zukunft öffnet fich vor Euch." „Habt Dank, Don Samuel, für alle diese Güte, die Ihr. mir, dem Fremden, erzeiget. Möge eia Tag kommen, wo ich im Stande bin, ikrch selbe zu vergelten." Langsam ginge« sie dem Hause zu. Kaum war die Laub« verlasse», al» au» dem nahestehenden Gebüsche ein Mann herauskam und den Beiden vorfkhtig »achschaute. E» war der Spion de» Don Heinrich, den wir lx reit» in der Weinstube mit seinem Genossen augetroffeo. »Große Reuigketten bringe ich heute meinem Herrn und e» will mich bedütüe«, al» sollt' ich vorläufig über riese» Lätzchen und seine« Inhalt Schweigen beobachten. Don Heinrtch braucht davon gar nicht zu wissen. Er ist für mich so ein ganz kleine» Privatgeschäft. Sann ich'» in meine Gewalt bekommen, und ich muß e», dann leb' wohl du schöne» Spante». Dein Boden ist «ix ohnehin schon zu heiß für meine Füße. Ich 'kehr' zurück nach meinem schönen Deutschland unt dort will ich al» ehrlicher Mann dereinst/zu Grab« getragen «erden. »Jetzt ausgepaßt. Erst will ich scheu, wo der Fremde schläft. Wer weiß, vielleicht kann ich schon heute Nach: mit weaig Müh' da» Läfkhen holen. Morgen ist e» schon schwieriger» da übernimmt «» Do» Samuel. Ei» Kirchen Glück und ich tauscht nicht »tt meinem Herr». »Schade nur, daß ich die Erzählung de» jungen Danae» nicht verstehen konnte. Ganz ander» war'» bei Don Eamuel der Fall, da könnt' ich jede» Wort mir ttef einprägen. Dafür aber sah ich mehr" lachte er vor fich hi». »Wo wag der juuge Mann unr die Steine herhabeu. Al» ich mich näher geschlichen, war «» bereit» zu spät und nur de» Inhalt de» Lätzchen» konnte ich durch die Blätter schauen. Doch gleichviel, chab' ich di« Steine, mag er sein wer er will." Vorsichtig schlich jetzt der Spion immer tat Schatten der hohen Gttvächse dahtt^ fich dem Hause nähernd, in weiche« er 1* gar bald ungesehen hineinschlüpfte.-- iSm-tse»«»» folgt.) c* __ Ra-bt»tsche Wimterbriefe. (Fortsetzung de^vommerdriefe.) N» Herrn Rechtsanwalt De. E. in Berlin. »In unserer Gemeinde ist die Stelle eine» Rabbiner», Prediger» und Neligioutlehrer» »um 1. Jan. neu zu besetze». Da» Aufangögehalt bettägt 2400 Mk. «tt bedeutenden Ntbeueinkünften Geeignete Bewerber «ollen ihre Meldungen mit den betr. Zeugniffen bi» zu« 1. Rov. an den unterzeichueten Borstand der Synagogengemeind« senden. Posemuckel im September 1893. S. Lohn." Diese» AuSfchreiden findet unser Landitat, der jetzt t.i den jüdischen Zeitungen den Annoncenteil mit besonderem Eifer studiert, eine» Tage» in mehreren Blättern. Posemuckel? — Er weiß im Augenblick nicht, liegt da» in der Provinz Posen bei Lrojank«, Neutomischel u. s. w. oder in Oberschlesten oder noch weiter ostelbisch? Jedenfalls eine groß« Stadt und brrühmte Gemeinde ist e« nicht; 2400 Mk? — für den Anfang nicht übel nach den sieben mageren Jahren. Und die beteutenden Nebeneinküuste l?lm End« könnte er bald da« arme Mädchen heimführen, mit dem er längst im Stillen verlobt ist. Denn er haßt die so gemeine Mitgistjagd und prahlerische Leben», führnag, vor allem alir, ihn dürstet nach Thätigkeit; lauge genug hat er in der Seminarzwangsjacke gesteckt, noch länger und seine geisttge Persönlichkeit wäre vollend» gebrochen worden. Er will für seine Brüder wirken; die Ideale, die er in slille» Stunden hegte, wenn er über den Folianten brütete, über Rowo u. Abbaje, über die Erforderuiffe einer Mikwe und die Nadel im Gänsebauch, seine Ideale will er verwirklichen: »Dein Volk find lauter Gerechte, fie erben da» Land der Ewig-' keit, fie, die Sprößlinge meiner Pflanzung, da» rühmliche Werk meiner.Hände." Wa» ihm übrigen» an dem Ausschreiben gefällt, ist hie knapp« objektive Fassung. Also entschließt er fich kurz, packt seine Zeugnisse zusammen, schreibt dazu einen objektiven Leb:a«lauf und schickt da» ganze umfangreiche Packet eingeschrieben an Herrn S. Lohn, Borsteher der Synagogengcmeinde zu Posemuckel. ' Objektiv! Ohne es zu ahnen, hat er da» Stichwor. getroffen, welche» in den Verhandlungen, die dem Ausschreiben vorhergingen, ansgegeben worden war. Aber ach, wenn er wüßte, wie diese« objektive AuSschreibeu zu stand« gekommen ist und wa» di« Herren ln P. zwischen den wenigen Zeilen alle» noch gelesen wissen wollen! Später ist e» ihm einmal genau berichtet worden; er hat mir alle» erzählt und so mag er un» denn einen Teil der dramattschen Szene vorführeu. Sitzung de» Borstaod»« und Repräseutantencolleginm» der Synagogengemeinde P. Tagesordnung: AuSschreibeu der Rabbtaerstelle. Die Eollegien find vollzählig erschienen. Der Borfitzende eröffnet die Sitzung uud erklärte nachdem die Rabbinerstrlle rin Jahr unbesetzt geblieben sei, wäre e» nun an der Zeit, au ihre Wttderbesetzung zu denken. Er bitte die Herren, fich zu äußern, in welcher Form da» AuSschreibeu erfolgen solle. Herr Levysoha, Inhaber eine» alten Sleidergeschäst», ftagt, ob e» denn überhaupt nötig sei, wieder einen Rabbiner zu engagiren. Er find«, daß man einen solchen ganz gnt entbehren könne. Scha'le» kämen doch nicht mehr vor und wenn, so hätte der Schauchet viel schneller grpaSkent. Die Predigten dehntrn den Gottesdienst viel zu laug« au», auch habe der Vorig« fich scheu manchmal wiederholt, also gäbe e» wahrscheinlich nicht» neu«» mehr zu sagen; Trauungen und Beerdigungen könnt« der tthasen Pollack au»führe», er spräche zwar durch die Nase, mache auch beim Sprecher birweilen orthographische Fehler und tätte einen rotheu Bart! aber die Leute hätten fich schon an ihn gewöhnt und al« Lehrer sei er ausgezeichnet, sein (Herrn L.'») Junge hätte neulich zur Bar-mtzwe die Broche uud de» Master einfach großartig gesagt. Wozu also dir Loste«» Ein »euer tzlock sei dlo» Einbiünlug, wen» ein alter aufgebügett wird, sehe er ebenso schön an» und koste »och nicht di« Hälfte.

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