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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 44 (1893) · p. Seite 174

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
44 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 174 (sequence 5)
Language
German
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Herr Wolfsohn erhebt gegen diese Anffaffuug Einspruch: ein Rabbiner sei nicht mit eine« Kleidungsstücke zu vergleiche« und überdies paffe da» Gleichst» gar nicht, aber allerdings könne «au noch ciso» warten und einige Monatsrate» Gehalt sparen. Herrn &’» Ansicht ist Hoffnung«!»», aber Herr« SB.'« Meinung scheint der Mehrzahl einleuchtend. Allein st« wird durch Herr« RechtSauwalt Wolff abgewiesen. .Wenn er auch für seine Person keinen Rabbiner brauche, so habe «an ihn doch zur Repräsentation nötig. Renlich sei er von dem Amt»« gerichtSrat F., nnem Iudenfreuud, gefragt worden, wie ihr »euer Pastor hieße n»d daun, — wenn einmal der Erzbischof wieder durchkäme?' Dir» schlägt durch. Der Widerspruch verstummt und e» wird beschlossen, di« Stelle sobald als möglich wieder zu besetzen. Jetzt kommt die Frage au die Reihe, wa« man von dem Ersuchte» verlangen solle. Hier werden nun in dem zwölf» vpfigen Lollegium dreizehn Meinungen laut. Der Lorfitzeud« schlägt vor, eiufach eine« Rabbiner zu suchen, höchsten» könne «au noch Prediger und R«ligion»lehrer hinzusetzeu. Der nächst« verlangt: „akademisch gebildeten", worauf Rechtsanwalt SB. «wint, daß e« wohl kaum akademisch ungebildete oder um seminaristisch-gebildete Rabbiner gebe. Herr Zettele» »erlangt eine Hattoroh von Dr. Hildesheimer und de» Rachwet» eine» streng orthodoge» Lebenswandel«. Herr KmPele» will e« nicht so grob machen, ihm genügt ei« sittlich-religiöser Lebenswandel. R^>A. Wolff metnt wieder, die» könnte am Ende als ein« Beleidigung de» ganze» Stande» anfgefaßt werdrn «ad e« sei kaum zu erwarten, daß fich auch irreligiös-sittliche oder religiöS-»ufittliche Kandidaten melden würden. Herr Levy» soh« verlangt, wenn «an schon einen nehme, so soll« mau »erlangen, daß er auch Mauhel sei und den Lhasr« vertreteu könne, besonder» au den jme nauroi»; Pollack hat doch so lange den Rabbiner vertreten und man spare eine» Baal thephtlle. Herr Katz will habe«, daß der Sietreffend« im Besitz de» Doctortitel» sei. die»sei wichriger al« eine Hattoroh. Herr Jacobsohu will eiuen Manu von großer Statm und gesellschaftliche« Talenten. E» muß rin Mann fei», mit dem wir Staat machen könne», deshalb beantrage er EioseuduugderPhotographi«; daß ein Mann mit blondem Bollbart die meisten Lhancen haben würde, sei ihm zweifello» und ebenso sei e» wünschenswert. wenn der Betreffende sein Einjährige» gemacht, er wollte sagen, gedient Hab«, die« imponiere den Leute« ganz besonder». Während einige Herren, die fich bi»her schweigend verhalten, von solchen Einzelheiten, die kompromittieren könnten, abraten, schlägt Herr Levisohu al» Ameudemrnt vor: Ueoer» heiratete de kämen^en Vorzug. Der Vorsitzende weist diesen Borschlag al» «unötig etwa» gereizt zurück, worauf Herr Levy« sohu fragt: »Herr Cohn, wa» find Sie so gereizt?" Herr Cohn bekommt Hilfe von Herrn Wolffohn, welcher L. fragt, ob er etwa auf den künftigen Rabbiner spekuliere, worauf L. repliciert, er verlange nur, daß dir Fra« de» Rabbiner» nicht die Tochter eine» Pleitegänger» sei. (Unruhe). Herr W. springt auf, e» entsteht «in kleiner Tumult, der fich allmählich legt, al» Herr Rechtsanwalt Wolff fragt, welch« der Partei«» von ihm vertreten zu sein wünsche. Er erlaube fich die Ergebnisse der Debatte znsaunnenz»faffe». Da» Au»schreiben an fich müsse möglichst objektiv sein. Da» schließe nicht au», daß mau nachttäglich eine Auswahl »ach den vorgebrachteu Gefichtrpnnkteu träfe. Di« Meldungen würden ficherltch sehr zahlreich eintteffen und dann könne man ja einen »»«suchen, der möglichst allen Anforderungen entspräche, sowohl in Bezug mf Figur al» auf Lebenswandel. Mer vorläufig objecttv, dir» sei auch am kürzesten und daher billigsten. All« sehe» rin, daß e» schon deswegen so am richtigsten ist, weil kein« andere Faffung eine Majorität finde« würde. Jeder kann ja doch da» Bild bewahre», da» er fich gemacht und versuchen, eine« Kandidaten seiner Wahl durchznsetzen. Aber svviel steht fest, wen Herr Wolfsohn und Herr Lohn wählen, der bekommt Herr» Levtzsohu» Stinone nicht, sowenig wie die seine» Schwager» Ieitele», und Levysohu» Kandidat kan» nie der Man» von Frl. E»h» oder Wolffohn werde«. Und nun, «ei» Lieber, der Du von früher her und seit kurzem al» Repräsentant der großen Berliner Gemeind« diese Lerhältniff« kennst, ist diese Schilderung nicht tranrig aber wahr? Darüber erwartet jetzt Deinen Bescheid' Dem * tteittt die 3mM Bwrkm« schreibt ein »«»jähriger Badegast in der „Boff. Ztg.": »leid und Mißgunst herrsche» nicht bloß unter den einzelnen Inselbewohnern, sondern auch getzeusettig unter den Jnselbevölkernnge«. Die Borkumer. waren wegen ihrer Seeräuberei besonder» verrufen.' Die Jnistrr scheinen fich aber «och beffer daranf verstanden z»! haben. Daher heftige Feindschaft bi« auf den heutigen Tagj zwischen vorknmern «ad Juister«. Kein Juister kau», so behaupte» die Borkumer, in den Himmel komme«. Einmal mrc« ] doch, al» Petru» auf seinem Posten au der HimmeRpfortei eiugeschlafen war, ei» halbe» Dutzend Juister hindur " SBÖ» nun thnn, um sie in guter Manier wieder an» dem! Himmel htuauSznbefördern? Da fiel Petru« auf eine» klugens Gedanken. Plötzlich erscholl im Himmel der Rns: „Schi NM Sttand, Schipp »M Strand! ' Kaum hatten di« Juister^ diesen Ruf vernommen, al» sie auch schon in»g«sam«t durch '' Him«el»pfortr wieder hiuau»gestürmt waren. — Und nun zus de» Badegästen! Hegel hat einmal de» An»sprnch gethan:' Der Mensch ist schöner al» dt« schönste Natur. Damal» gab»! noch keine Antisemiten. Ich glaube »irgend« ans deutscher I Erde treibt der Auttsemitivmu» so läppisch und »uflätig sein! Unwesen al» ans vorknm. Ans den Straßen an de» Zäune»! und Mauer», in den Badekabtne» und allen senkrechten Orlens tritt einem dieser Scham und Anstaud verletzend« Unfug rnt^ gegen. E» ist, al» wenn dt« Antisemiten eine Au»lese ihr dümmsten Junge» während de» Sommer» hier herschickten^ Ich «ein«, Badekomisfion und Gastwirte hätten die Ans diese» Unfug zu steuern. Sie möchten denn wollen, daß gebildete »ad gesittete Publikum, von diese» Treib!» auge-J ekelt, die Insel schließlich meide und sie mit dieser wüsten! Gesellschaft allein läßt. Mu» dem SpvuchfchAdr» GatMud. Poetisch tlbrekrnge» von Max Weinberg. Ost schon, wer im Zorn Hat sek« Hau, in Leiä Finl... Erst av Findet verwandelt. (Syuhedrin 102.) Grdsnkrnpplittrn. Cn K. Da» Geld. Ein große» Nebel auf der Wett Ist, wie bekannt, da» .liebe Geld' Jh», n cf»elfte ' * ' Daß von diese« Uedel frei. Redakteur Dr- Rahmer, Magdeburg. Druck: Friedrich Rasch« * Go.. VchtfichübeettnamvonMugWeinber«. —<

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