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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 44 (1893) · p. Seite 172

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
44 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 172 (sequence 3)
Language
German
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.Gabriel", sprach er nach einer Pause weiter, .bin ich tod, dann mag« Du «ich begrabe», doch nimmer länger weile hier. So schnell Dich Deine Füße trage», so schnell eateile diesem Elend. Zieh« i»uner fort» hinüber »ach dem ferne» Osten. Dort findest Du ei» große» herrliche» Reich, dort findest Du wieder Glanbenlbrüder, da»» wirst D» Mensch dort unter Menschen sei». Rach Spanir»» Gefilden richte Deine Blicke. E» ist ein La»d so wuuderherrlich schön. Dort leuchtet ein Ster» vo» selreuer Schön«, dort lebt ei» Man», der Juden Stolz. Allmächtig ist er, stomm «nd weise u»d wird Dir Schirm und Schützer sei». Do» Samuel ist'», so hat man mir vor kurzem berichtet, al» ich schon damal» Sorge um Dich trug, den» längst schon fühlt' ich meine Kräfte schwinden und der Gedanke war »lir schrecklich, daß der letzte «eiue» edle» Stamme» nutzlos hier verderbe» sollte. Roch eine heilige Mission übertrage ich Dir, ob e» Dir gelingen wird, fi« zu vollbringen? So wifie denn. Zehn Jahre find e» nun, daß Dein« Mutter starb, wie Du Dich wohl erinnerst. Der Gram hat jahrelang a» ihrem Herzen genagt, der Gram um Deine Schwester, die, kaum drei Jahre alt, ihr geraubt wurde. E» war ein schöne», herzige» Kind. — Damal« erschienen hier, wo» nimmer noch geschehe» war, eine größere Anzahl fremder Leute. Männer, Frauen und Kinder. Sie wollten einige Tage hier rasten, um dann weiter zu ziehen nach Spanien hinüber. Wir gaben diesen Leuten, wa» wir selber entbehren konnten, doch war'» nicht viel und unzostieden forderten fie immer mehr von un». Wir würde» ja gerne mehr gegeben haben. Am frechsten unter ihnen war ein noch junger, finstrer Mann, er bat nicht, er forderte ungestüm. Eine» Tage», ich war draußen auf dem Feld«, um zu arbeiten, da erschien dieser Mann abermal» in unserer Hütte und forderte von Deiner Mutter in drohendem Tone frisch« Nahrungsmittel. Deine Mutter konnte nicht» geben und hätte fie auch gehabt, fi« würde fich solch einer Drohung nie gefügt haben. Sie wie» ihm die Thüre, doch dieser brach in Schimpfreden au» und bedrohte fie thätlich. Abend» kehrte ich ermüdet von der Arbeit zurück, al» mau mir den Auftritt mittrilte. Zornig hierüber wollte ich ihn zur Red« stellen, doch nirgend» war er zu finden. Nach stundenlangem Suchen kehrte ich endlich heim und fand Deine Mutter ohnmächtig am Bode» liegen. Der fremd« Mann, so erzählt« fie mir, al» fie wieder zu fich kam, war abermal» im Hause erschienen und zwar sofort, nachdem ich e» zum zweiten Male verlasse», um ihn zu suchen. .Dein Mann sucht mich", rief er ihr zu, .doch er wird mich nicht finden, nnd damit ich überhaupt vor seiner Berfol» gung sicher bin, werde ich diesen Balg mit mir nehmen." Und bei diesen Worten ergriff er Deine Schwester, bevor e» noch die Mutter hindern konnte. Deine Mutter schrie um Hilfe, doch wer sollt« fie hören. Und al» der Fremd« doch befürchtete, «» könne jemand kommen, schlug er die arme Frau mit seiner Faust derart auf da» Haupt, daß fie bewußtlos zusammenbrach. Sofort setzten wir un» all«, wie wir waren,'zu Pferde und stürmten nach allen Richtungen hin, doch vergeben», wir fande» den Räuber nicht mehr Zurückgekehrt, befragten wir die Fremden über den finsteren Mann, doch diese konnten nur geringe Auskunft geben. Er hatte fich ihnen auf der Reise angeschloffen, war immer finster und mürrisch gewesen und niemand wußte, woher er kam. Au» einigen Schttststückeu, die mau auf seinem Lager fand, konnten wir entnehmen, daß er au» Deutschland stamm« und Erwin Ahuer» heiß«. Die» find die einzigen AuhaltSpunkte, di« ich Dir geben kann, um Deine Schwester Sulamith wiederzufinden. „Hier da» Bermüchmi» de» Ehazarenfürstrn", fo^r-c er und dann legte rin schw,nzeS Kästchen in meine Hände. „Serwahr' r» wohl", sagte er mit dem letzte» Reste seiner Kritire, indem er mir noch segreud die Hände auf» Haupt legte, „Mein Later wen rod, ich stand allein, allein ohne Fa- »ili«, ohne Geschwister. Die alte», treuen Diener und Anhänger meine» Vater», hatten durch dir vielen Jahre der Verbannung un» treu zur Sette gestanden, doch ihr Alter u»h die Trostlofigkett der ganzen Umgebung ließ bei ihnen kein innige», herzliche» Gefühl mehr zu« Durchbruch komme», und fast teilnahmslos sahen st« «eine» Vater au» ihrer Mitte scheiden. Unter einer hohe» Sykomore, die ihre schattige» Aestr weit hinautstreckte, grub ich meine» Later« Grad. Niemand durste mir dabei helfen. Gar weich auf Blätter« und Blüten S«bettet, legte ich ihn in'« Grab, den unglückliche» Lhazarentrsten. Und daun schaufelte ich wieder die Grub« zu »nd türmte einen hohen Erdwall darüber, daß kei» beutegierige» Tier die letzte Ruhe de» Tobten störe. Ring» um da» Grab pflanzte ich ein« große Anzahl von Bäumchen und auf da» Grab selbst legte ich einen großen breite« Stein. Und dann nahm ich Abschied von allen, die mich seit meiner Kindheit schon umgaben, nahm Abschied von den Gräbern meiner Eltern und schweren Herzen» zog ich au» jener unwirtlichen Gegeud, die dennoch mir die Heimat war, zog sott, den Blick gerichtet »ach jener Gegeud, wo Licht «tut Freiheit, wo ich vielleicht auch meine Schwester finden sollt«. Welch' Mühsal« aller Art fich mir «utgegenstellten, bi» ich endlich Spanien» Boden betreten habe, darüber will ich schweige«. „Und hier bin ich, Don Samuel, nnd bittt Euch, seid mir ein Ratgeber auf meine« Zukunfr«wegen, ich weiß sonst nicht, wohin mich wenden, so freudlos» einsam bi» ich sonst auf dieser großen Weltenerde, von deren Dasein ich in meiner Wildnis keine Ahnung hatte." .Der Worte bedarf e« nimmer", sagte Don Samuel, und reichte dem Jüngling seine Rechte. .Bettachtet die» mein Hau» al« Eure» «nd sorgt Euch nicht um künftige Tage. Don Samuel hat genug für seine Freund«. Doch ob 3fr Licht und Freiheit hier findet, ich glaub' «» nicht. Da» Licht beginnt fich hier sehr zu trübe», dre Freiheit wankt. Ihr kommt in einer Zeit de» Kampfe», der Bedrängnis «ud bereuen könnt -e Ihr e» noch vielleicht, den Boden hier betreten z» haben." „Und wenn e» so! Ist'» ein« Zeit de« Kampfe», so be».I darf man wohl de» starke« Arme» und den kann ich der anten Sach« wahrlich leihen. Ich bin'» gewohnt seit meiner früh» H esten Jugend, mit Schwert und Speer gar tteffltch umzugehen." Habt Dank für Eure liebevollen Worte, die meinem Herzen Balsam find. Doch nicht di« Sorge für «ein Dasein hat mich in Euer Han» geführt. Rur zu sehr hat mein edler Vater für mich gesorgt, das: ich da» Elend nimmer kenne» lernen sollt'. Ich will Euch meine Schätze zeigen." Mit diesen Worte» eilte er flüchttgea Schritte» an» der -j Laube, um bald darauf wieder mit einem schwarzen Kästchen zurüchukehreu, welche» er auf den Tisch stellt« uud öffnet«. Und wahrlich, dttsr» unscheinbare Kästchen umschloß Reichtum von fabelhafte« Wette. Da leuchtete, glitzert^ schimmerte e» in allen Farben de» Regenbogen». Di von ganz ungewöhnlicher Größe, Schönheit und Reinheit vereint mit prächtigen Rubiue», mit Smaragd«», uud Topasen in einer Menge, wie fie wohl selten oder nii ein menschlich Auge geschaut. Di« Mädcheu konnten fich Ausrufe» der staunenden Bewuuderuug nicht erwehre» selbst Don Samuel war geblendet von der Pracht «nd Reichtum dieser Steine. .Da» sind die Reste her Reichtümer nteiner Ahnen, letzten Ueberbleibsel de» großen Ehazareoreiche»", sagt« .Da» Reich wurde erobert, zerteilt und btt aufgehünsteu geraubt in alle Welt verschleppt. Diese Steine allein gerettet und von Geschlecht ,« Geschlecht aufbewahrt, sollten dereinst die Hilfsmittel sein, um da» Reich wieder gewinnen. Doch daran ist leider nicht mehr zu denken",' er traurig. Die beiden Mädchen verließen jetzt die Laub«, die Männer noch zurückbliebeu. y »3hr seid reich, Gabriel", sagte Do» Samuel, al» Ihr glaubt und gar viel« König«

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