Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 44 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Herausgegeben von Or. M. in Magdeburg. Z«r Unterhaltung und Belehrung für die israelitische Aamilie. Da« „Aüdifchr Wamlltru->»leett'i erscheint wöchentlich al» Vv«tt»->»rilRgr »edr» »nbefNatr »achdmuA »u» diesem Blatte ist uubwfagt. — Die Einzelnummer ,I»o»rlttifchrn Machenfchvtf»-. 10 Pf», bei der Ervedition. Don Pedro und fei» jüdischer Minister, historische <r»«»l,» «»« de» 14. Zahetzaadert. vo, »d. v. Zemliaszkv. i Nachdruck »erboten, llebersetzungtrecht Vorbehalten.) 7. Der letzte Ehazarenfürst. In Kürz« hatte Do« Samnel diesen Vorgang beim Kiinig «ach seiner Rückkehr de« Seinen geschildert. .SIBnnt’ ich den König nur davon abbringen, nach Toro z» gehen. Doch er besteht fest darauf und ich fürchte, dir» ist ei» Fehler, der nimmer gut zu machen ist.' E» scheint, ich komme hier »ur unruhigen Zeit', sagte der Gast Don Samuel». «Ihr habt Recht, und danken wir Gott, wenn e« nicht «och ärger wird. Und jetzt, Ihr habt un« gestern »ngeiagt, an» Eurem Leben ««» so manche» »u erzählen, versteht «ich wohl, fern sei e» mir, in Euch zu dringe«, und habt Ihr «in Geheimni» zu bewahren, so hütet e».' «Ihr schenktet mir vertrauen, mir, dem Fremdling, habt «ich gastlich ausgenommen in Euer Hau», habt mir Euren Familirnkre,» erschlossen. Darum gestattet mir auch zu erzähle«. Doch ich muß weit austgrnfeu und fürchte, schon zu Beginn Cure Geduld zu erschöpfen: „Sim königliche» Geblüt« stamme ich, wenn selbst nein Vater nimmermehr da» Szepter führte. Beherrscher ifat» große» mächtigen Reiche» waren all« meine Ihnen in lcnger Reihenfolge. Sie waren König« de« Ehazarcnlande». wie groß die« Laad, wie groß die Macht gewesen, ich weis« e« nicht, mein Auge hat e» niemall gesehen und nur au» «sinn Mutter Liedern, dir fie mir in der Kindheit sang, an» min«» Later» Erzählungen und Aufzeichnungen könnt' ich entnehmen, daß e« ein Reich gewesen, wie t» wohl solche nimmer giebt ans Erde«. .Ein jüdisch Reich, regiert von jüdischen Fürsten, in dem «nr Fried« und Eintracht wohnte. Ein Reich, wie selbst die glühendste Phantast« «» nimmer schöner denke» konnte. Erzählte die Mntter mir vom Garte« Eden, so sprach st« gleich darauf, so schön war Deine« Vater» Vaterland. „Brat JaU und Don, weit über de» Kaukasn» rauhe Gebirge, dehnte diese» Land fich au» und sein« Grenzen faufich am schwarze» Meere »nd am Dnieper wieder. Gar ^mächtig waren sein« Herrscher und selbst da» swlz« byzantinische anerkannt« da» Ehazareuland al» Großmacht. „Ursprünglich war die» Land «och heidnisch und der , za» vulaa war der erste, der fich zu Israel» Lehre begannt hat und mit ihm sei» zahlreiche» Volk. In langer steihe dann rin Fürst dem andern bi» zu« Ehazarenkünig dem elfte» jüdischen König diese» Reiche». war ein gütiger, edler Fürst, doch sein« Güte verderben «nd de» Ehazareuland«» verfall. »ltrn Malen schon hatte der russtsch« Groß« sürst Swiate»law, de» Etzazarenlande» Vasall, Josef« Befehle» zuwidergehandelt und war immer ungestraft darüber geblieben, trotz dringender Vorstellung der Räte de» König». Die» macht« den Großfürsten kühn. Er suchte und fand gar bald Anhänger, die sich immer zahlreicher um ihn schaarten, bi» eine» Doge» Swiate»low in offene Empörung gegen seinen Schutz- Herrn au»brach. Ehe Josef noch eine Ahnung hiervon hatte, wurde die wichtigste Grenzstadt Serkol vom russtschen Großfürsten fast ohne Schwertstreich eingenommen. „Und jetzt, im vefitzr diese» so wichtigen Punkte«, war auch da» Schicksal de» jüdischen Reiche» rutschiedru.' .Wa» Ihr erzählt', unterbrach ihn Don Samuel, .ist ganz genau Eastilien» Geschichte, und Toro wird der Grenzpunkt sein, welcher über unser aller Schicksal entscheiden wird. Doch verzeiht, daß ich unterbrach, bitte, fahret fort!" ,S«iate«law sammelte jetzt mächtige Heerhaufen nnd mit ihnen drang er gewaltsam in da» Herz de» Ehazareuland«» ein, alle» vernichtend und zerstörend. „Nicht lange konute Josef dem fürchterlichen «npralle Widerstand leisten und gar bald sah er stch genöt gt, einen großen Teil de» Lande» dem Feind« zu überlaffen uno fich mit seinen Getreuen tiefer in da» Land znrückzuztehen. Die Insel de» Ka»pi-See'« diente ihm al« Zufluchtsort. Dort regierten anch noch Josef» Enkel. Ein Sohn eine» derselben, Namen» Benjamin, war noch der letzte, der die Insel bewohnte. Auch er mußte den wilde«, gewaltigen Horden, di» gegen ihn heranstürmten, weichen und so verlieft er den letzten Zufluchtgort und irrte mit seinem Lohne, meinem Vater, und wenigen Getreuen unstät in den «eiten Landen uucher, ohne Heimat, gleich dem Paria, au»gestoß«n von der Welt. „Tief drinnen in unwirtlichen, rauhen Sebirg»g«gend«», die selten de« Menschen Fuß betrat, dort bauten fie fich Hütten und lebten von harter Arbeit, mit der fie mühevoll dem unfruchtbaren Boden entriffen, wa» nötig war zu ihre» Leibe» Nahrung. Dort erblickte anch ich da» Licht der Welt ,Mnig Josef« Residenz befand sich auf einer Wolga-Insel und feenhaft schön soll sein Palast gewesen sein, durch deffen C“ m Pforten man Einlaß fand — und ich, der letzte Abling diese» großen Geschlechtes, ich lebte in der Wüstenei, wuch» aus dem Thiere gleich. »frühzeitig war mein Vater vom Gram gealtert und Mühsal aller Art führte rascher noch sein «»de herbei, nachdem ihm mein« Mutter schon vor Jahren vorangegangr» war. Ehe e» zum letzten Scheiden kam und ich dann ganz allein in dieser Welt stehen sollte, berief mein Vater mich zu stch. „An seinem Lager kniet« ich nieder und schluchzend barg ich mein Antlitz in sein« Kiffen. ,,Wa» weinst Du?" fragt« «eia Vater mit s^mcrzliche« Lächeln. „Wie gern« möcht' ich noch bei Dir bleiben, doch meine Zeit ist abgelaufen. Der Herr rnft «nd meine Ahnen warten mein. Du bist der bfie der Ehazarenfürfie« und Dein ist da» vermächtni», des fie alle streng verwahrt.'