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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 43 (1893) · p. Seite 168

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
43 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 168 (sequence 2)
Language
German
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if den Kopf eine« Narren. Hätte ihn gerne gesehen, meinen liebe» Heinrich, muß eine schrecklich« Grimasse gqogen haben." „Don Heinrich wird diesen Borfall zu seinen Gunsten aufbeuten und neue Ränke schmieden." „Wab kann er? Und dann bedenke, gar bald ist sein« Zeit abgelausen. Jetzt soll er sich noch dir Zeit vertreiben, stch belustigen. Ich fürchte, später wird er gewaltige Langeweile empfinden. Weiht Du, Don Samuel, ich werd'» mir noch überlegen. Vielleicht übergeb' ich ihn der Obhut eines Arzte-, denn er scheint, stin Verstand hat einige Mängel aufzuweise«, und dorthin dürfte er besser passen, alr ins Gefängni».' Der Minister Don Juan de Slbuquerque wurde dem König gemeldet. ,^OH oh", lachte Don Pedro, ,wa» will der hier. Ich glaube, Du hast recht, Don Samuel, da» ist ein Bote meiner Bruder», zieh Dich zurück, dort tu die Fensternische, dort kaou er Dich nicht sehen. Du aber ihn sehr gut hören, und ich glaub«. Du.wirst bei dem, wa» er zu berichten hat, wohl nicht zu kurz kommen." Don Samuel hatte kaum de» Königs Befehl auSgeführt, al» auch schon der Minister Don Juan eiutrat. „SBafl bringst Du mir', fragte der König, »Dein Gesicht verrith große Aufregung, wa» ist geschehen? Sollte» etwa Unruhen auSgebrochen sein, oder bedroht der Feind unser Land? So sprich doch, Unglückseliger, und laffe mich nicht länger in solcher Unruhe.' „Unerhörter Frevel ist geschehe»', entgeguete der Minister mit vor Aufregung zitternder Stimme. Heute Nacht ging Don Heinrich, wie e» oft die Gewohnheit de« Prinzen ist, ganz ohne Begleitung durch die Straßen Eevilla». Da plötzlich, um eine Ecke biegend, wurde er von einer Anzahl von Männern, e» mögen etwa acht oder zehn gewesen sein, mit blanker Waffe überfallt». Die Frevler, e« waren Jude», die allesammt wie bekannt, dem Prinzen nicht gut gesinnt find, da er sie bei jeder Gelegenheit auf dir Finger llopst, sie drangen von allen Seiten auf Don Heinrich eiu; doch dieser hatte auch sofort seinen Degen in der Faust nnd kämpfte in solch' heldeumüthiger Weise, daß dir Juden gar bald gezwungen wurden, dir Flucht zu ergreifen, nmsomehr, al» sich die näher kommenden Schritte einer Wache vernehme» ließen.' i,Ei, da» laß ich gelten', rief Do» Pedro launig» »ich wußte wahrhaftig nicht, daß Do» Heinrich «in solch' wack'rrr Kämpfer ist. Acht oder gar zehn Angreifer in die Flucht zu schlage», da» neu»' ich ein tüchtige» Heldenstück.' »Doch leider', fuhr der Minister «ft ernster Stimme fort, „leider wurde dem edle» Prinzen bei der Berlhetdigung die Hand in einer Weist durchbohrt, daß da» Schlimmste für ihn zu befürchte» ist.' »Wie die Hand durchbohrt? Eagttst Du nicht ebetl, Do» Heinrich habe sie alle in dft Flucht gejagt? Und dennoch konnte tr trotz solch' arger Verletzung bi» zum letzte» Augenblicke »och de» Degen führen! „Oh, oh, e» scheint Do» Heinrich hat größt Anlagen zu einem tapfer« Kriegtr." „Majestät I &tc Frechheit der Jude» nimmt überhand. Do« Samuel ist daran einzig schuld. Er läßt ihnen alle» hingehe», die ärgsten vergehen ihrersrft» bleiben ungeahndet, wogegen dft Christen bei« kleinste« Fehler ohne Me Nachsicht unbarmherzig bestraft werde». Da» Volk, e» murrt immer lauter» und da» Sagst« steht zu befürchten» wenn diesem jüdische» Uebermuthe nicht baldigst gestenert wird. Und jetzt dftser neuerlich« Gewaltakt. E» ist nuerhört, dft Hand freventlich z» erheben gtgtü de» König» Bruder." „Dn magst recht haben, Slbnqnerque", sagt«Do»Pedro gedankenvoll, „doch mm» soll ich thuu, wa» ist Der« Meinung, <» ist eine schlimme Sache?" Dft Luge» Do» Inan» ltnchtrten auf. „ff gibt wohl «in Mittel, eiu einzige», doch sicherste» Mittel znm Schutz« nnd Wohl» dt» herrlichen Reiche»", sagte et Hgmdi. „Und was wäre di«»", fragte Do« Pedro lauernd, „»am« wahrhaftig wollen e» mir ungeschält und ist e» gut, da wir r» anwrnden." „Zahlreich find dft Jude» in Lastilien, »och ungeheurer aber find ihre Reichthümer, die sie sich auf onlaulerem Wege zu verschaffen wußte», während dft christlichen Uuterthane» darbe». Ein Edift, in welchem die AuStreibnug der Inden au» Lastilftll und die Einzfthnng ihre» vermögen» ausgesprochen wftd, und da» Baterlaud ist gerettet, für immer befreit von der Ueberhebung de» jüdischen Volke»." „Und", sagte der König gähurud, „glaubst D», daß sie auch wirklich so reich find, al» Du sagst?" „Ob sie reich find? Unermäßliche Schätze nenne» sie ihr Ägeo." „Da» ist gut, da» ist gut!" rief der König und rftb sich vergnügt die Hände. „Also Du metust, all« Juden au» meiue» Reiche verbannen. Und wie wär'», wen» wir blo» ihr vermöge» eiuzfthe», und st« im Laude laffe», metust D», daß die» nicht beffrr wäre?" „Die» wäre nur halb« Maßregel", sagte der Minister jetzt kühn. „Dft Juden find schlau. Gar bald würden sie durch ihre Kniffe da» ringezogeue vermögen wieder zurückerobern und wahrscheinlich etwa» »och dazu. Rur daun, wenn sie da» Land für immer verlaffeu haben, nur dann ist wirklich« Ruhe vor ihnen." .Dank Dft, Do» Jucn für Deine» Rat, ich glaube, er ist gut, und garnicht so schwer au«zuführen. E« wird sogar ei» ganz hübsche» Schauspiel gebe« und ich fteue mich schon darauf. Da» Edift müßte erlaffeu werde«, wenn der Winter im Aozuge ist. Binnen drei Tagen müßte» sie dann aufziehe». Zur Wiutrrfzeft, ja wenn sie so Tausende und aber Tausende von jüdischen Männer», Frauen und Kinder auf der Sftaße dahinzieheu, nicht wiffend, wohin sich «enden, hungernd und frierend! Bravo! Kein Obdach darf e» für sie gebe», auf der Sftaße in Schnee und Killte müßten sie lagern, hinfallen vor Erschöpfung und dort sterbe». Meinst Du nicht so, meinst Dn nicht?! Wie vftft werden «uter solche« Umstände» überhaupt au» unserem Reiche komme»? Und draußen, ««^überall ste durchkoutmen» M warten schon bi« stammt» Gläubigen nnd bereiten ihnen eine» Empfang, den sie »och mit dt« tischen Blute» dn» sie hüben, bezahlen müsse«. Meinst Dn nicht s«? Werden sie lärme», schreie», werde» sie «ft fluche«? Ich glaube, ich werde Deinen Rath befolgt». Doch sag' »a» soll «tt Don Samuel geschehen?" Run der, — geht er nicht Mit dt» »ludern, so läßt man ihn vor da» Stadtthor hängen» für Alle eine Warnung de» ihn« Bevorsttheudr».' »Ich will mft dft Sache »och reiflich überlegt». Wo hänge» «einst D»? Do« Sannftl hängen» nicht Übel und noch einige mft ihm. Platz ist genug. Und darunter eine Tafel Mit der Inschrift: »Gerechtigkeit de« vetbitnstrl' Der Minister entfernte sich strahlende» blntlitzt». D»»- Spiel war gewonnen, dft Inden mußte» fort, darüber war kein Zweifel. Schnell eilte tr zu Don Heinrich, n« ihG diesen Steg zu verkünden und dft Nötigen Maßregeln t» vornherein zu treffe«. Don Samuel trat an» seinem verstecke hervor nnd schanft in da» frohftUchtind« Antlitz de» König». .Hast Dn gehört?" fragte Don Pedro „man sptmtt da» San». Sie wolle» MüNsr fangen und ber Speck zm» Köder find die Inden und ihre Schätz«. Ich soll dft Na»» sttm' ., Und haben sie dann «I dft Inden an» meinem Reich« »er-rA! triebe», sie, dft am treueste» zu Mft halft»» Hab' ich «ft al' t|R fftcujtfuntT |X vtfnt yntoufl, VMM mn» wns »iHtt Bruder Hetdrich mit seinem «»hangt, ndd wa» ich Euch gk* thanz da» thütr» sie «ft wohl wieder.' I» wahnsinniger SUfregung lief der König im »»her und lachft dabei zornig auf. ^gch kenne diese Schliche,' rief er» »Do» klag «ft eine Schlange NNd ebenso hinterlistig» s» und gtstsprühend. Henft hat er sich verrate«, '

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