Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 42 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Rein, Don Samuel, ich fühle mich so sicher wie nie zuvor." „Und diese Sicherheit i>> Dein Verderbe», mein Herr und König und da» von uu» «Ulen. Wohl Haffen Dich die Bürger nicht, da hast Du recht, doch flüstert mau verlüumdungen i, ihre Ohre», man sucht fie aufzurütteln au» ihrer Ruh'. Mau träufelt langsam ihnen da» Gift de» Ungehorsam» «in, daß fie sich auflehnen gegen ihre» Herrn oud König." „Und wenn Du wirklich Recht hättest, wa» ist zu thun?" „Rur Energie allein vermag zu helfen, zu bekämpfen die drohende Gefahr. Täusche dich nicht mein König. Don Heinrich de Trastemare ist nach Dir der Mächtigste in Eastilien» Landen. Gar groß ist seiner Anhänger Zahl» und ständen nicht die Juden mit treue« Herzen Dir zur Sette, einmütig, unverzagt, ich würde ohne Bedenken sagen: „die Uebermacht ist sein I" „Don Samuel, wa» sagst du da, Trastamare sollte mächtiger sein, al» ich, sein König!" „Roch nicht, doch glaube mir» er wird ti sein, befolgst Du meinen Rat nicht. Und i': er e», t-ann ist'» zu spät". Der König war nachdenklich geworden. „Bemächtige dich der Person Don Heinrich». Hier der Haftbefehl, versteh ihn mit Deiner Unterschrift, i>anu wird er nicht mehr da» Licht de» Tage» schauen, Eastilien und sein König find gerettet, alle seine Pläne im Keime verstrickt." „Tüdteu? Bedenke e« ist ja auch mein Bruder!" „Nein, nicht fein Leben ford're ich für de« Baterlande» Ruhe» nur stine Freiheit. I» verborgener Gefängat»zell« mag er dann weitere Pläne gegen Dich and Dein Reich schmieden. Er soll genug Zeit dann haben, und ungefährlich find fie für un» alle." „Ich willige ein. Dein Plan ist gut. Hast Du noch etwa» beizufügen." „Jawohl! nicht bei halben Maßregeln dürfe« wir verbleiben. Auch diese Frau, dir fich, Gewalt und selt'ne List zu Hilfe nehmend, zu Eastilien» Königin gemacht, auch fie muß unschädlich gemacht werden. Genug de« Unheil« hat fie schon über diese» schöne Land gebracht. Im Gefängnisse soll fie betrauern ihre» Lebens Jrrtümer, b«euea die schwere Schuld, mit der durch tausend« von Morde« fie ihre Seele hat befleckt. Und find die Häupter ntachtlo», daun ist nimmermehr gefährlich nn» ihr Anhang." „Du sollst fie haben» Du hast Stecht. Geduld noch wenige Tage und von Beiden find wir befreit." „Stein, mein König, keinen Aufschub. Die Gefahr ist zu groß und vielleicht schon morgen ist'»" zu spät. E» muß gehandelt werden — rasch, noch heute. Erprobte Leute sende ich noch heute Abend ab, um Beide zu verhafte«!" „Heute? Rein! Wir wollen fie vertrauen»serlig machen, sie solle« gar nicht ahnen, daß wir ihre Schliche k»u«n." ,^trin Aufschub, e» »utß sofort gehandelt werde«." „Und ich sage Dir, die Sache ist «icht so dringend, wir Du meinst." „Dringender, al» mein König glaubt. Die ftemden Söldner Don Heinrich« in Sevilla» Mauern, fie laffeu wahrlich nicht viel de» Guten ahne». Di« nächsten Stunden schon können uu» au» unserer Ruhe gtwaltig aufrütteln " „Gewährt mir tiar Bitte, «ein Kövig, sagte Don Samuel dringend, „unterzeichne die beiden Haftbefehl« sofort. Heute Rächt «och sollt« dir Gefäuguirmauern fie umschließen «Nd morgen athmet Eastilie» auf, befreit von seinen ärgsten Feindtu." Der Köuig schwankte tu feinem Entschlüsse. »Rein", sagte er endlich, ,heute nicht, gemahne «ich tu einig» Tagen." „E» sei, wie Du befiehlst, doch nur «nt schwere« Herz« stimm' ich zu." ^Jrtzt höre «ich! Trastamare geht «rorg» schon «ach Taro ab, um wir er süßt, die Festuug«»a<r» dort zu prüfe«. Wie dieser Gistfal ihm gtkommtn» ich weiß e» wirvtch «icht. Für diichst» Loch» bat tr «steh, stt» Gast z« fei». In Taro» um all' di« Festung»»erkt zu beschau», di« er seit Langem schon erneuern ließ, so daß dir Festung uneinnehmbar ist. ,Zch Hab' Dir eine lleberaschung vorbereitet," sagt er mir." „Uud hat mein König eingewilligt?" ftagte Dou Samuel ängstlich. „Warum nicht? Ja wohl, ich konnte gar nicht ander»." „Geh' nicht! Höre auf meine Worte. Do» Heiurich hat dabei einen arglistigem Gedank». Er stellt Dir eine Falle." „Don Samuel! Wer sollte e« wagen, mir dem König?" „Trastamare wagt'», glaub' mir. Roch ist e» Zeit, geh' nicht hin." „Sei ohne Sorg». Bon Trastamare Hab' ich solche» nicht zu fürchten. Zu viel bekümmert er fich zwar, um das Meine, doch ist er mir aoch imner eiu lieber Bruder stet» gewesen. In Deine« Kopfe spukt di« tolle Furcht." „Kann nicht» Dich beweg», vou Deinem Willen abzu» steh'n, mein König?" „Nicht»! Doch Du hast Furcht, so bleib' zurück, obwol ich nur ungern Dich vermiffeu würde." „Mein Platz ist an meine» König« Seite, und Hab' ich Furcht, ist'» nur um Dein mir theures Leben. Und diese» Leben ist in Gefahr!" .Lch weiß, Du bist mir treu, und niemal» werde ich Dir diese Treue oergeff»." -Don Samuel verbeugte fich schweigend uud war rb» i» Begriffe, fich zu entfernen, als plötzlich ein Mädchen mit aufgelöstem Haar trotz der Abwehr der Wachen in da» Gemach uud zu de» Köuig» Füßen stürzte. „Gnade, Gerechtigkeit", rief sie, „Gerechtigkeit erflehe ich von meinem Könia." „Wer bist du, Mädchen?" ftagte Dou Pedro überrascht. „Wa» forderst du vou mir, «er hat dir Leide» gethau?" „Ich bin Esther, die Tochter de» Ehai« Abuli au» Toro." „Au» Toro?" '„3» Fuße bin ich hierher gewandert» dawit mein König Recht mir spreche." „Wa» ist geschehen? Wen zeihest du de» Unrecht»?" „Wa» mir geschehen? Doa Heinrich de Trastamare läßt seit läug'rrr Zeit schon ring» um Toro Gräb» anfwerfe», hohe Mauern erricht», alte Bant» ntkderreiß» »nd «tue wieder auftichtm. Zu solcher Arbeit» bedurft'» der Hä«de viele. Um solche zu gewinnen, ließ er die J«d» alle au» der llmgrbuug gleich einer Heerdt Rieh z«sa«»l»treidm, damit sie fördern helfe« die Baut». Wenn auch mit Uuwtll», dtu» leibeigen stud fie »icht, so doch der roh» Gewalt weichend» arbeitet» sie schon seit Monat» au diese» Werke«." . . „Mein Vater, er war auch dabei, trotz seiner Körperschwäch«, die ihm von schwerer Krankheit znrüchgedlted» war. Da, e» war verfloffemn Sabbat --- di» jetzt dürft» die Jud« a« diese« heilig» Tage ruh» — da kam der Befehl, e» müßte» dir Bant» schleunigst demdrt werde«, di« Jud» müßt« gleich d» Ehrift«, auch am Sabbat arbeite». Sie weigert» sich dem Befehle zu gehorch», den Sabbat durch schwere Arbeit zu »t» heiligen. Da kam» rohe Krieg »knechte und schlug» mit Pritsch»; unbarmherzig auf di« Unglücklich» eiu. Sie mußt» weichender Gewalt, nachdem bereit» eiüige ihrer Gefährt» blutübeem strömt am Bod» lag». Uud unter dies», so schwer MIß». handelt», befand fich auch «rein armer Pater. Unter den fürchterlich« Peitsch»hi«b» dieser Elenden, hatte er seiu ikMt «uögehauchr — uud etue Waise liegt z» dein» Füße», für daM vergossne Blut uw Rach» uud Vergeltung flehend." M „Wa» höre ich?" rief der Köuig, „tu meiner nächst« MW wagt um» r», «»«»schlich z» »erfahr» geg» jene, dir ich W Schutz nahm. Spricht Wahnfiuu nicht au» diesem MsthchM D» Samuel."? „VTj „Schön' diese» Antlitz nur, sagte Do« Gamntl trMMW Und D» bist übernutzt, dech nur Wahrheit sie brrichwl. HW stehst Du noch darauf, wein König, nach Taro tz» Bst« verweigerst Du auch immer di« Unterschrift? •aljfH Mädchen jetzt erzählt«, «* ist wohl nur