Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 42 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Herau»gegeben von I». SR. lUhmn in Magdeburg. Zur Unterhaltung und Belehrung für die israelitische Familie DaS „aräwr*"e jr«jaüirn-»latt“ erscheint wörhentlich als Grmti».«rilagr zur „O»r».elitifch,-n «olbrufchvitt" Srdrr unbefugte «achdr-uck, »u» diesem »latte M u«trrs«gt. - Die Einzelnummer kostet 10 Vkd bei der Exvedition. Don Pedro und fei« jüdischer Minister. Htüertfch« Er,tdl>>« ui km 14. getzrhunkert. * von Ad. v. Z e m l t n 4 J f D. ^Nachdruck verboten. llebrrsetzungsrecht vorbehaUeal . 4. König und Minister. Der mächtigste Mann am Hofe Don Pedro'», der jüdische Minister Don Samuel, war in seinem Gemache mit der 4 urchficht von Schriftstücken beschäftig», während seine etwa ISjährige Tochter fich in eine Fensternische zurückgezogen hatte, von dort au» den groben freien Platz vor dem Palaste überschauend. Don Samuel war eine imposante Erscheinung mit geist» reichen Geficht»zügen, doch hatten die schweren Sorgen seiner hohen verantwortlichen Stellung frühzeittg sein Haar erg:autn gemacht und tiefe Furchen auf seiner hohen Stirn gezogm. Seine Frau war längst schon gestorben und nur diese eine Tochter, Judith, eine lieblich« Jungfrau, war alleir ihm geblieben, nachdem auch zwei Knaben im zartesten Kinde »alter chm durch den Tod genommen worden. ,^8on überall kommen Klagen und Beschwerden über Ausschreitungen de» Pöbel» gegen die Juden", sagte Don S imuel und schob dir Schriftstücke unmulhig zur Seite. „Da» kann nicht länger so fort gehen, ich muß den König zu bestimmen suchen, daß endlich diesen willkürlichen Uebergriffen E nhalt gethon werde, soll e» nicht zum Aeußersten kommen, un > fich hier in der Hauptstadt all dir Gräuel wiederholen, d e da draußen stattgefunden. Da» Lolk wird durch alle nur möglichen Mittel von diese» Lreaturen der Königin und der Pinzen zu diesen fluchwürdige» Judenverfolgungen aufgehetzt. D1 hätte der König meinem Käthe Gehör geschenkt, e» wäre heute Kühe — und heute,, fürchte ich, find alle Maßregeln zu spät. Zu große» Anhang'habe» fie bereit» gewonnen und wem ste »tcht schon jetzt gegen den König offen auftreteu, so ge'chirht die» nur, um leichter ihre Pläne verwirklicht zu sehen. Der Diener meldete den Kabbi Santob Löw an, vxlcher auch gleich nachher da» Gemach betrat. .Beleiht, wenn ich störe", sagte er, „doch habe ich wichttgtS mttzutheilen." „Ihr störet mich niemal» und seid immer willko innen, Kabbi, sagt wir kan« ich helfen?" .Nicht so leicht ist e», diese Frage ,« beantworten. Joel überbrachte mir gestern Nachrichten, welch«, wie ich glaub«, sehr ernster Natur find. Und er erzähle von der Arsarmw. rkunft der beiden Männer in der Schenke, von der befreurdlichen Anwösenheit der Söldner tu der Stadt und wie auch st, «ndern Schenken fremd« Kri«g»knechtr eiuOttroffen feien. Don Samuel» Oefichtfzüge war«» bleich geworden. „Joel hat,»r zu jtf beobachtet", sag« er sckuoer athmend. „Soeben heb« ich ^Bericht erhalten, daß fremd« Söldner fich in de» verschiedenen Herbergen «inquartiert habe». Ich erwarte jede» Augenblick Nachricht von den auSgesandten Leuten, über ihr Thun und Treiben. Wahrlich, e» ist empörend, daß e» schon so weit gekommen ist, unter den Augen de» König» Lorbereitungen zu treffen, die nicht» Gute» ahnen laffen. Ich danke Euch Rabbi für Eure Nachricht. Ich war soeben im Begriffe, mich zum König zu begeben, um Bericht zu erstatten und die erwa nöthigen Vorkehrungen gegen die drohend« Gefahr rechtzeitig tteffen zu können. Glaubt mir, ich habe einen a.r schweren Stand. Der König läßt sich nicht so leicht überzeugen, daß irgend welche Gefahr drohe. Wollt Ihr meiner tier harren, bi» ich zurückkehre, so wird c» mich freuen", sagre er, dem Rabbi die Hand reichend. Raschen Schritte» eilte er der AuSgangithüre zu. ,Wa» ist mit Dir, Judith", wendete fich der Kabbi an de» Minister» Tochter, .warum so in Gedanken allein 9 Du solltest wohl eine Frennbin, eine Gespielin an Deiner Seite haben. E» taugt nicht für ein junge» Mädchen so ganz allein seinen Gedanken nachzuhängen. Sei fröhlich, heiter wie es der Jugend zieuit." .Wohl habt Ihr Recht. Rabbi", sagte Judith lächelnd, »die Jugend ist ein herrlich Gottetgeschenk und gar schlecht ziemt e« fich, sie nicht zu nützen. Doch seht, kann ich denn ander»! Seh' ich doch den ganzen Tag über» wie sich mein armer Vater quält und sorgt, wir die Kümmernisse aller An sein Haar immer mehr bleichen. Kann ich da fröhlich sein, sagt 9" .^kannst Du ihm denn helfen, Judith! Welchen Nutzen bringt e« ihm, wenn Du Dich hier tagelang einsperrst, statt im Freie» draußen die prächtige durch die Allmacht Gotte» dem Menschen zur Freude geschaffene Natt» zu bewundern." „Ihr habt recht und doch so allein. Wie glücklich find andere, denen Geschwister zur Sette stehen, liebe Gespielen. Mir war die» seit meiner frühesten Jugend schon versagt und der Ernst de» Leben» war e«, der mir immer Gesellschaft leistete." „Run e» wird hoffentlich bald ander» werden, tröstete der Rabbi. Ich muß jetzt gehen, kann auf die Rückkehr Don Samuel» nicht mehr warten. Drum behüte Dich Gott, Judith." ,Hch wußte e» ja", sagte dez Rabbi, kopfschüttelnd de» Palast verlaffend, „zu lauge waren wir unthätig, wer weiß» wa» schon dir nächsten Tage bringen. Vorsicht ist dringend nothweudtg." — — —- Don Samuel stand dem König« gegenüber. „ES ist, wie ich berichtet, mein König"/ sagt« er mtt ernster Sttmm«. ,,E» wankt Dein Thron, e» nähr der blnt'ge Bürgerkrieg und Mörderhändc strecken fich selbst nach Deinem Leben au». Bedenk', nicht leer« Worte find e», die ich spreche." „Du übertreibst, Do» Samuel, mein Thron steht fest und unerschütterlich, «ichi Haß ist'», wa» die fliürger für mich fühl« und «ein Lebe»: Wem sollte cf Nutze» bringen, es mir zu nehmen. >8ar ich nilht Allen stet« «tu guter König?