Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 40 (1893) · p. Seite 156

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
40 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 156 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492351-8722848-5962295--2251-5376074
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

.Schweig, schweigrief der Mann heftig, schob seine» Stuhl unmutig zurück und trat a»'» Fettster. Aach die weiueude Krau war aufgestanden. Leise hatte fie sich dem Manne geuühert und schlang ihre beide» Arm« um seiueu Hals. .Aron," sagte fie, .vezeih' mir, doch ich kann nicht ander». Jahr« find vorüber, doch der Schmerz wühlt mir noch frisch im Herzen, ich glaube e» wäre erst gestern gewesen". Der Mann hatte fich jetzt nmgeweudet und schaut« ihr liebevoll in'» Gesicht. Auch seine Augen waren gerbtet. .Du hast ja recht, Sarah, ja, Du hast recht, di« Erinnerung läßt fich nicht zum schweige» bringen und doch» «» muß sein." .Aron bedenke, da» einzige Kind", jammerte die Frau, .das einzige Sind, da» Sott un» schenkte, so schbn, so gut." — »Wohl, da» einzige Sind und jetzt stehe» wir allein, ganz allein, am Ende nuferer Tage. Sott hat'» gegeben, Sott hat'» genommen, der Name Sott«» sei gepriesen." .Warum, warum diese grausame Strafe «n», »a» haben wir verschuldelt?" Aron» Gesicht war bleich geworden. ,Dl« Strafe ist gerecht. Ja schau mich nur an, ich sage, die Straf« ist gerecht. Erinnerst Du Dich noch jener schrecklichen Nacht. Da» Sind war noch klein, ganz klein. Du hieltest e» auf den Armen! Warum hat «» Gott nicht bemal» zu fich genommen? Mehr al» zwanzig Jrhre find e» schon uud doch erinnere ich mich an Alle» tu jener Nacht. Draußen heulte der Wind, unaufhörlich war da» gewalttge Donner», da» fahle Licht. de» Blitze», und der Regen ftrbmte vom Himmel herab, al» sollte die ganz« Erd« überflutet werden. E» war solch «in« Nacht wie die heurige." .Wir waren hier in dieser Smb« und dieselbe Lamp« hi», von der Decke nieder und flackerte unruhig umher. Da wurde draußen an da» Thor gepocht. .Wer mag die» sein?" spräche» wir zu gleicher Zeit und al» sich da» Swpfeu wiederholte, da giug ich hiuau» um zu öffnen. Sin Mann ttat ein nud schloß hestig hinter fich wieder zu. .Rettet mich!" rief er» »sonst bin ich verloren." Uud ich ttat mit ihm in die Stube hier ei». Der arm« junge Mensch schien ganz erschbpst zu sein und da» schrecklich« llngewitter hatte ihn ganz durchnäßt. Ohne zu spreche», schaute er wie g«iste»verloren vor fich hin und ließ fich von mtt willig auf eiaeu Stuhl nötige». Und dann begann er mtt Hast di« Vorgesetzten Speisen zu fich zu nehmen und ttank den Becher Wein auf einen Zug hinunter. Noch immer hatte er keiu Wott gesprochen und Du hattest Dich furchtsam mit dem Sir.de in eine Ecke zurückgezogen und schautest zitternd auf un». Endlich schie« der fremde junge Manu seinen Hunger gestillt zu habe» und jetzt erst schaute er um fich. .Wo bin ich hingeraten?" fragte er, mich forschend anblickend. »Ihr habt mich um Hilfe gebeten und wenn ich Euch solche gewähren kann» so soll e» herzlich gerne geschehen." .Ich bin ans der Flucht", sagte der Fremd«, »fett Woche» schon irre ich umher und nur mtt Mühe gelang e« mtt, meine Verfolger immer wieder zu täuschen. Bor meuiae» Stunden haben fie mein Versteck entdeckt und nur wie durch ei» Wunder hin ich ihnen abermal» eutkommeu. Da» schreckttch« Gewitter nötigtt mich, hier Atflucht zu suchen." .Und warum flieht Ihr uud vor wem?" fragtt ich. »Hört» ich will aufrichtig sei», obwohl e» um meinen Stevj geht, weu» Ihr «ich »«ratet. E» gab eiue groß« Berschwbruug geßeu den Lünig Alfou». Dtt Mächtigste«, Augeseheuste« Spanien» Hab« fich darau beteiligt, auch ich wurde hineiugezoge». Der Statt sollt« gezwunge» wecheu, auf den Tbro» Verzicht zu leisten. Weigert« er sich, se galt o» sei» Leben. Alle» war bereü» zur Ausführung bereitet, al» ei» ganz geringfügiger Umstand au un« zu« Verräter wurde. . Biele wurden tu Haft genommen und entkäme«. Ich uud eiutge Andere entkäme». Wir retteten — un», weu« solch ei» Leben, Tag uud Nacht gleich einem wilden Tiere gehetzt z» werden, Rettung geuaunt werden kaun." »Ihr gehbtt zu den Verschwörern?" fragte ich erschrocken, denn nur zu gut wußte ich, daß auch diejenige», welche den Verfolgten Schutz gewährten, mtt dem Tod« bestraft wurde». Er mochte mir wohl meine Angst vom Geficht« abgelesen habe», denn sofort zog er einen schweren Geldbeutel hervor und zeigte mir ihn. »Ich bi» nicht mittellos", sagte er, »ich will Euch reichlich belohnen, gebt Ihr mir Schutz." .Nicht de» Gelder wegen", erwiderte ich, »dessen bedarf e» nicht, sondern weil ich e» Such zugesagt, will ich Such retten." Sr reicht« mtt di« Hand und warm« Wotte de» Danke» entströmte« seinem Mund«. Ich fühtte ihn in die rückwärttge Stube, denn er bedurft« dringend der Ruhe uud Erholuug und dann, al» e» Tag geworden, war der Fremde sott. .Ja, sott, Du selbst, Aron, sagtest mir, er hätte sehr frühzeittg da» Hau» verlassen." »Siehst Du, Sarah, die» ist der dunkle Fleck tu meiuem Leben uud nicht« vermag ihn zu verwischen uud immer werde ich daran denken." .Aron!" schrie die Frau und bedeckte ihr Geficht mtt beiden Händen. »Gerechter Gott, laß mich dies« fürchterliche. Ahnung nicht auSdeukeu, Aron, hat Dich da» Selb verblendet, hast Du ihn —" „Gemordet! Jawohl", sagte Aron mit eine« traurige» Lächeln, „gemordet, doch nicht so wtt Du metust, da sei Sott für. Ich war zur Ruh« gegangen, doch kouute ich nicht schlafe» und unruhig wälzte ich mich auf meinem Lager umher. Uud schlief ich ein, dann sah ich den Fremden von allen Seite», verfolgt, etugeschlosseu und er zeigte auf met« Hau» uud fie kamen hierher, um auch mich zum Tode zu führen. Uud daun < erwacht« ich wieder und dachte an Dich, mein Weib, uuserj Sind uud —" „Uud?" fragte Sarah zitternd. „Uud ich war feige, o so ganz erbärmlich, schrecklich feige l > Ich verließ meiu Lager und ging hinüber iu die Stube dess Fremden. Er lag dort, so ftiedlich schlummerud vielleicht um erste»; Male fett langer Zeit, daß er keiur Gefahr zu befürchte» ha Ich schämte «ich dessen, »a» ich thuu wollte, doch dachte wieder au Euch und ich rüttelt« ih» vom Lager < Entsetzt spraug er empor uud schaute «ich au, sei Sin»« noch nicht völlig mächtig. „Sal ist'»?" fragte er, „warum wecktet Ihr «ich, ich Hab« so schön geträumt. Ich war mtt «eiue» Elter» l der vereint, fern von Spante«, fern von jeder Gefahr." „Ihr müßt fort, schuell fott!" rttf ich. „Sorbe» ich verdächtige Leute da» -au» umschleichen. Sie müsse» Aufatthalttart hier «»»geforscht haben." Ei» schmerzlicher Zug der Entmutigung überzog sei» Erschöpfung und Entbehrung bleiche» Geficht. „Mein Gott"', rief er, „dann seid auch Ihr verb Ich habe Euch tu dir Gefrhr hineingezogeu. vergebt „Roch könnt Ihr Euch und mich retten", sagte ich „Dott hiuau» durch de» Garte» gelaugt Ihr t» den Der Weg ist frei. Reknnt hier »och Nahruugtanttel mtt Gott geleit« Euch auf Eure« gefahrvolle» Wege." Gerührt reicht» mtt de, Fremd« du Hata. dankte für den gewährte» Schutz und wolltt mtt Geld anbipta», 4<4 ich jedoch zmrüchpttö. Glaubt« ich t» ohnehttt schon Schande oeogeh«, ,» müsse». Der Fremde eilte hastig durch de» Garte» fort,: und dort drüben sah ich iha de» Wald betrete».

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.