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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 39 (1893) · p. Seite 153

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
39 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 153 (sequence 3)
Language
German
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Wirtschaft m, unk Mtbasste Wische x„ tet| »Le» Cal« -'Tat, de« fit do« det BotgSxgtii» überkommen, «»erbi terlich 1» die Nnmpelkammer. Philipp sah nicht», er »ollte nicht« sehe«. Einmal faßte Amalie Nene tber ihr verfahre», cvd st« fragte ihre» Maml schüchtern. ob er ihr b»s« sei, «eil st« ei» gewisse» Dagnerrotyp »ou seinem Schreibpuft entfernt. Philipp sah sie mit große», glänzend« Auge» an. „Böse", sa zte er, „nein bös« bi» ich Dir nicht. Rur tiestranrig ftiumtt e» mich ..." Sr sprach «* »icht an», wo» er dacht,, aber Snaßt la» «* in seiner Seel«, da stand mit ewiger Schrift: Warum verfolgst Du «ft dieser Leidenschaft da» Ar denken «einer armen Tote«? Würdest Du anch alle ihre Bilder »erst «ken »nd verbrennen, eine» wirst Du nie vernichten, da», t welche» ich in meinem Herzen ftage. Amalie kränkte fich tief, und ei» finsterer Seist bekam süber da» junge Weib Sewaft. Da jährte sich der Tode«tag der Verstorbenen uteder. - Am Vorabend desselben hatte Philipp in dem große» «Schlafzimmer, »eiche« die Satten mit ihren Rindern theilt, n, auf de» vordraud de« Kamin» ei» winzige» Lämplei« gestelt und selbst »«gezündet. Amalie hatte zuerst gewünscht und dann dringend gefordett, da» Licht, da» ihr, wie st« offen {«stand, , »»heimlich »nd zuwteder vor, zu entfernen, Philipp ßUtr ihr Verlangen sofort, wie ein« sündige Versuchung abgewiesen, da. war den» jener Streit entstanden, de» wir zu llnfang . «nserer Erzählung beschrieben habe». Der erste Streit über Sonnenuntergang. — — E» war spät geworden, Amalie kauerte »och immer an der Wiege und hegte ihren Sroll. I« Eßzimmer saßen die Knabeu am Tisch und vergnügte» fich, kleine Murmelkugel» über die Tischplatte laufe» zu lassen. Da» Dienstmädchen kam uud »ahnte die Ktnder schlafen zu gehen: „recht leise, daß ihr nicht stört k „Erst beten," sprach Han» setzle sei« Mütze auf uud stülpte dem -leinen da» Hütchen über dev Kopf. Han« sagte fehlerlo» da» lange Nachtgebet, welche» er von seinem Vater gehört'; „Da» plappert er »ach, er versteht kein Wart davon," murrte Amalie, al» fie seiueStimme Istuüber .schallen hörte. „Zn weiner Rechten Michael, zu meiner Linken . Sabriel, »or mir Ariel, hinter mir Rafael, «nd über «eine« Hanptt die Herrlichkeit Sötte»!" schloß Han», „Amenl Jetzt, bet« Du," befahl er dem vruder. ,Lch kann doch nicht," sagt« der Kleine, „ich bin auch.so müde." „Ich »erde Dir'» varspreche», ganz kurz," tröstete Han», sag »Hr «ach: .Lieber Sott, laß meinen Papa gesund!—" „Lieber Sott laß «einen Papa ganz gesund . . ." (Harry wollte <• «och schöner machen.) „Die Mama anch —" „Nein, bU Mama nicht," rief Harry «igenfionig. „Die Waschfta» sagt, fi« ist unsere Stiefmutter, uud fi« ist un» gar «icht gut! —" „Der auch, dieser kleine Dummkopf," dachte Amalie «mpött und »ahm sich vor, schon morgen der Waschstau den Marsch |a blasen. „Da» ist wahr, fie ist u«» »icht gut'" antwortete Han», „akr da» Schwesterchen soll leben!" . „3a, da» Schvesterlei«," wiederholte Harry, "gute N^cht und Amenl" . „Sfr find noch nicht fettig —" „S'ist genug gebetet,^ entschied Harry. „Nein, noch nicht. Lieber Sott, grüß' aus«« Mama i» Himmel oben. . . Jetzt fiel Harry vor Müdigkeit buchstäblich vom Stuhl» Hau» erhob ein Zetermordgeschrei, da» Dienstmädchen stürzte wieder he, ein »nd brachte fi« beide scheltend zu Bette. „D«t ist nicht mehr zu» «»»halte»." rief Awalir heftig, Ml» war von de« Lärm auch da» Kleine in der Wiege erwacht, mußte getränkt, gewarttt und hernmgetrage, werde». so rück«'' fast '-Mitternacht' heran, da mmf' kam die- > sehnte Ruhe. ' Nur bU junge Ara« schlief nicht, oder bildete fie fich et» nicht schlafen zu wnnen. Ammer wieder blickte Ht eigensinnig auf den feinen, dünne» Licht-reifen, den da» Lämpchen auf de« Kami« ans Wand und Diele» warf. Al» «ollte dieser leuchtende Schein fich überall verbreiten, so fing ihn et» großer Spiegel auf, der von der Diel« bi» zur vollen Fensterhöh« die Wand gegenüber Amalien» Bett bedeckt«. Sie richtete di« Augen nach der Zimmerdecke, da zittette auf den gemafte» Feldern da» Licht t» bunte» Kringel», da» ilimmette und gaukelte, nicht zum Ertragen. „Ich möchte wohl wissen, ob da» mich noch einschlafeu läßt," sagte fie unwillig, aber wie fi« fich auch wandte »nd drehte, immer sah p« de» weißen Kami» mit dem Lämpchen auf dem Sefim», ju der Spiegel ließ dessen Weiß« noch gleißender und blende» der erscheinen uud verdoppelte schieb da» Licht. „Nun mache ich die Augen zu", trotzte die junge Frau, „ich will sehe», ob e» dann auch hindurchkowme» kann." Aber selbst durch ihre festgeschloflenen Lieder zittert-« die feine» Wellen de» «ottrötltchen Lichte». E» war, al» c-b der Strahl fich abhebe und fich runde, daun verdichtete er fich, schoß wie «in Spttugguell in dir Höhe, da formt, fich ein« Sestaft. Diese glänzende Lichtgestalt schwebte uätyx und näher entgegen, hi« zu Amalien» Bett. Wie lange diese» Schwebe» wähne, Amalie wußte e» nicht, ei» Schauder lief ihr über dev Rücken, fie ftor und zfttette: ,Mer ist denn tu», o Sott — wer ist den» da»»" Jetzt hilft da» Rachtgestcht an ihrem Bette» huschte ans di« Lehn« mcd sah fi« an. Di« Sestaft hatte weich« feine Linien und rin weiße» durchsichtige» Seficht, die Auge» halb offm mit leise verschleiertem Blic!. Die Lippe» sprachen, aber sie bewegte» fich nicht, ei» Flüstecn. da» zittert« wie da« Licht: ,Lch bi« e». di« Helene." Amalie fürchtete fich halb krank» ihr Hcrz schlug »och lauter, wie die tote Stimme fiüstette. Da» ist H:lene> Philipp» erste Frau. Sie kommt wieder um mich zu bestrafe«, weil ich sie verdrängte. Sie verlangt ihre» Platz zr rück, di« Herrschaft in dem schönen Hause und die Wirtschaft, Kiste» und Kasten mit ihrer Fülle, die gute« Möbel und den Schrank, vollgefüllt mit all de« schönen Sold» und Silberdingt«, die Schweizertüllgardinen, ihre« Schmuck, Alle» miß ihr Amalie wiedergeben, da» arme Malche» wird wieder ei» besitzlose», alleinstehende» Mädchen und muß zu der geizige» harre» Tante zurück. Aber ihr Mann i Rein, der Man» gehött wieder z» dieser zarte», weißen Fra«, er darf Amafte nicht «ehr liebe« und Herzen, und diese Fran wird sie hiuaudwrssc« sammt ihre« Kinde, warum auch nicht? Amalie hat die Kinder der toten Fra» auch »icht lieb gehabt, «nd fie wollte nicht einmal da» Ltchi für die Tote in ihre« Zimmer leiden. Zur Strafe muß sie jetzt selber wieder fortziehen mit ihre« eigene» Kind«, heliger Himmel, wa» wird die Tante sagen, wen» fi« mit thron kleine» Mädchen wieder zu ihr kommt! — Amalie weinte vor Augst, groß« Schweißtropfen perlten auf ihrer Stirn. Wenn diese erste Fra» ihr nun sagte: „Stehe auf und geh« fott!" > „Fürchte Dich nicht," flüstert« dt« Stiruue, „ich thne Dir kein Leid. Ich habe «temal» Jemande» ewa» Böse» zugefügt." Amalie stöhnte leise; jawohl, Philipp und viel« Ander» hatten ihr oft erzählt, daß die verstorbene ein« gute, her»en»milde Frau gewesen, um so schlimmer! Wie hatte ihr« Nachfolgert» gegen ihr Andenken fich vergangen! „Sei «icht so bange," trSstete e« süß. „ich komme ja «nr al» Bittende ,» Dir. Ich hin «ft Dir in Allem znfrie-oc. Du bist bra» und fleißig, da? Hanlweseu gedeiht tat Deiner Hank Dabei bist Du schön. Dein Mann Ifrftt Dich sehr. Aber gieb mir doch einmal Deine Hand."

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