Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 36 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 3)
- Language
- German
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,Sar schön« erhabene SBctlt sprachst Du, Reiche»", sagte kt König. „Vieh hier i» dieser Schrift, fteh'u auch gepaltig« Worte zu Gotte» Ruhm uud Prei». So höret doch Ihr Rlle di« Ihr hier versammelt, wie der Herr sich selbst vor Hiob rsthmet, höret da» schüustr Dort der Dichtung: »Aus, gürte, «eff« Dich gleich »i« et» Held! So frag« ich, u»d s«g« L» mir «»: W«1 »arst Du. alt ich grü»dele dt« Erd«? verkünd' e», »erm La kt»g« Ttnficht hast? Wer hat di» klUrtzschnnr über st« gegoge», Woranf fi»d ihr« Grd »de etageseusr? Hast D« gelegt der Led« klar, Lckstei»?^ Renben war einig« Schritte vorgetrrten uud schaute begeistert auf de» König der, oha« Zöger» wetterla». »Wer har dal Weer »it Pforten etngeschloffeo, Da «X de« daukle» Schah die Wag« draeb, Ms ich Sewslk de» Himmel» ihm gm» Kleide, ' UndAebelnnch« ihm znr Umhüll«ag gat? Da ich de» Lauf ihm drach mir meinem Damm, U»d sprach: St» hier her kommst D» »ad »icht »etter Hier sei da» Ziel--" Und plötzlich 'rttafe eia« audere Stimme, ia fast über« irdische« Ton« sprechend, »ad der König schwieg »ad schiute strahlenden Luge» auf Renben, welcher während de» König» Vortrag leise die Worte rezttirt« uud al» wäre er gänzlich der Welt eut:ückt ulst tönender Sprache und «it trunkener Begeisterung fortfahr: .Hier sei da» Ziel dem Stal»« Deiner Finte»? >ll« janch»«» alesammt dt« Wargensterne, Ks jnbelen dt« Himnmlktnder all»! Wer kann den Lanner in de» Walk«» führ«» De» Stttz entsende«, daß er spricht: Ht«r di« Ich? Kannst D» dar Finsternis dt« g«it gebiet«, Di« Sann« melsler» and dt« Stern« lenke»? «er hat de» Licht«» Herrlicktttt enthüllt. Dl« Woegenrsi« »der Dir «ntgündet, Di« mted«rstrchit in tiefer Weeregslnt. Und answörts Dir de» Weg »um Himmel leuchtet?* vei den letzten Worten brach Renbea erschrocken ab, er deckte stch da» Erficht mit beide« Händen. .Habt Ihr'» vernommen all«, e» war, de» Buche» Hiob Dichtung« «a» Reuden eben vorgetragen", sagte der König rasch. »Wie ist e» möglich wohl, daß er den Inhalt kennt tz" srugea dt« Bürger untereinander. „Er kennt den Inhalt", sagte Salomo, „awtl «> ihn selber schrieb." ,,E» kann »icht sei«, Aron hat e» doch beschworen!" riefen Einige. „Sein Schwur war falsch!" rief Nathan in die nufge- . regte Meng«. „Reuden war'», der schrieb die wunderbare Dichtung zu Ehren Sott«» uud nicht um der Menschen Lob. Di» hat Aron behorcht und listiger Weise ließ er ihm eiuru Schwur ..leisten, daß er fich «temal» sollt« bekeuaen al» jenen Singer, der diese Hiobr-Psalmen schrieb." Mtt fahlem Eeficht« uud »uckendeo Lippen ttat Arim auf de» greisen Nathau »». „Wahnwitziger", keuchte er, „da» Wer »acht Dich kiudisch, wer lehrte Dich, so weise Worte spreche», die Falsch und Drug uud Uaverstaud Dir ring, geben. Läßt Du, der stet» gerühmt wurde, al» «eise uud erfahre», ' läßt Du von Spiegelfechterei Dich blenden, durch diesen, der "mein Recht mir stehle» wolltt, der räuberisch di« Hände an mich legte. Wie er den Inhalt weib, ist leicht begreiflich, war er doch stet» in meiner Rühe, und wenn ich abend» dmußrn »audeltr und Begeisterung für die« «ei» Werk mich erfaßte, da sprach ich laut »ad er, er merkte fich'» uud trug e» eben vor." veberrascht schaut« die Menge auf deu König. Dw die» etwa »»möglich, wie Aron «» erklärter König Salomo blickte Sro» streng« an und sprach: „Nun den». Du großer Säuger, der Du di« Dichtung hier geschrieben, -fahr« fort» wo Reube» abgebrochen. Rühme uu« weiter di« -errlichkeit der Wett und ihre» Schöpfer», lautlos wolle» wir > - bk schönste Dichtung hören." „ * Lro» ließ bei diesen Worte« sei» Haupt auf dk Brust ' finke» und schwieg. — »^Verräter!" donnerte der König. „Was Du verbrochen, ist ganz unerhört. Du hast gelogen, hast -estohll», vor Sötte» Sngeficht treulis» geschworen. Du stahlst den Au rken, den Sott hineiugelegt in eine» Menschen fühlend« Brust, deu Seist, deu großen Seist wolltest D» ertöten, um deffeu Schätz« Dir anzueignen. Du Haft auch mich gar frech betrogen. Da» Bolk, da» hier versammelt ist, r» übe aa Dir Gericht." El» gewaltiger Sturm durchtobte deu Eiaal und nur schwer konnte man di« «tfgeregte Meng« zurtkhalten, welch« über Lron sofort herfalle« wollte. Da ertönte plötzlich ein« heisere Sttlnm«. Verwundert schauten alle, selbst der Uönig, nach dieser Stell« hin und erblickten die alt« Lfla, an der Hand ein« verschleierte Frauen» gestalt führend. (iSchln» folgt.) Pädagogische Vrtvse. von u. Lee«. »Sieb«, btc vlüte der gomergessenea Jugend — die Smnd« (6m «chönheit geht v« rüber, wt« dk Leuchte des Wetters.-Ia, fit welket, bk Blüte der Menschheit. bte Sone« «Ncht achtet, st« «elket und stirbt, wie bl« Blsten des Arsl»lt»g«, dl« vom Nebel ersticken und von törenbe» vtttlagswlude» tterseng« «tsallen." So klagt der große Reformator der Pädagogik, Pestalozzi, über ,dk gottvergessene Jugend", nicht über dt« Jugend i« Allgemeinen — und klagt nicht die Schulen uud Lehrer an. — Angeficht» der betrübenden örrschet rung, daß bet unserer, der israelitischen, Jugend eine Abnahni« de» religiöser Sinne» und Wissen» in dem Erbtet« der Reltgtonsfächer sich zeigt, sollten gewiff« Stimmenführer e» fich errstlich überlege», ob es gerecht und ratsam sei, Lebrer und Schub» al» Schuldig« auf die Suklagebank zu verweisen — oder gar ihr: Anklage« bei Instanzen außer dem Lager Israel» ausubringen, sink» malen unsere Zeitftrvmnng allzu geschäftig ist verderbe« und Sch tlh auf un« zu häufen. Die Srfcheinuuk läßt stch nicht leugnen: der gewissenhaft« Beobachter wird aber auch ihre Ursachen erkennen in den jetzigen, zum Reali«mu» treibend«« Schulverhältuissen» die idem Unterrichte in kt Religion, uub den damit verbundenen Di»cipltn«o zu wenlg Zeit anweist, um di« »öttge Lieb« und Wärme z» erwecke,»; io der treib» ha«»«äßigen Schulung' für den prakttscheu Erwerb, io der Uniformität, unter welcher dk Pssegr der Individualität verkümmert. Muß aber die verechtiguu,; zur Klage zum Teil zugegeben werden, dann drängt stch nn» nicht minder die wichtige Frag« auf: giebt e» nicht mehr, wie ehedem, so vtek Mütter in Israel, die ihre Kinder fronend mit dem Doppelwünsche in ihre Arme schließen, daß in ihrem Kind« der innere Mensch gottgefällig erwachse, — und der äußere Mensch in setnrm Erdenwallen unter dem Segen de» Himmel» steh«? Da» war der b:seeltg,mde Wunsch der Mutter, oder vielmehr ei» inbrünstig«» Sobet im Mutter« herze», da» seinen Ausdruck in dem Liörtcheu Sechty&h oder Sechns fand. Dieses galt namentlich dem Iknäbleia, daß e» heranwachsen möge zu «ine« ftommeu, in de» Religionsschrifteo kundigen Israeliten. Dieser Wunsch sollte de» Sind«», de» Itaabea Schutzgeist und Lichtfäule ans seinem ersten Gange zur Schule sein, da ihn die Mutter dem Lehrer zusührte, daß fich da» Herz öffne der heiligen Lehr«, daß da» Kind heranwachst i» der Erkenntui» der Religion unserer Väter. — Mit ivelchem Snttzüchk» habe« dann dk Elkrn die Erstling« de» Fleiß«» ihrer Stutzer begrüßt» wenn diese ein Stückchen au» dm: - Pentateuch odor de« Gebetbuch« al» Labbalwrihe wer de» L.schgedete überfitz» konntenl Da wurde der Lisch zu» Altar »ad tu de« Eit«»» Herzen brannte« Dank- und Frendeuapser «d de» Vorzeichen» vo» der Erfüllung de» sehnigsten Wiuschei. —