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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 36 (1893) · p. Seite 140

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
36 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 140 (sequence 2)
Language
German
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Bor wenigen Zagen noch war er der Liebling de« grüßte« König» gewesen und heute saß er al« Brrbrecher im Gefängniffe und seiner «artet« der entehrend« Tod. Ein Gedanke drängte sich ihm auf und wollte ihn nimmer verlassen. .Warum warten, zögern di» de» Pöbel» gaffende Blicke und unflätige» Geschrei meinen Tod«»ka«pf begleite». Da» Schicksal hat mir bös« mitgrspielt, nun denn, ich greife dem Geschicke vor, ich ende selbst mein Leben» befreie mich von Seelen- und von Körperqualen." „Darf ich? Ist e» nicht Sünde gegen Gott, solch' einen Gedanken nur zu fassen. Lin ich nicht kleinmütig, verzag ich' nicht? Ist'» Gotte» Wille, kann ich'» ändern? Darf ich mich gegen seinen Wille» auflehuen?" „Rein! Wa» mein« Feder »iederschrieb, dagegen will ich niemal» handeln — ich schlüge mir selbst in'» Gesicht und lachen würde jeder anr darüber." — Sein« Gedanken nahmen jetzt ein« andere Richtung, wendeten sich zu de« letzten Erreigniffen auf der Brandstätte. Wo war Rachel'» Körper hingrraten? .Ein schrecklich Rätsel ist «» mir, da» ich wohl nimmer lösen werde. Ist'» nur rin Zufall etwa und liegt Rachel bereit» i« Grabe?" „O Zweifel, überall Zweifel, uud eiageschloffen in diesen Mauern. Ich ttag' e» nicht die Dunkelheit de» Gefängnisse». Sie macht mir die Gedanken wirr. Und der König, wie streng er auf mich uiedrrsah, wie schnell er meinen Tod beschloß. Warum kann ich ihn nimmer sehen. Er, der beste, größt«, herrlichste der Menschen, der mein« Seele mit nie geahnter Ehrfurcht hat erfüllt, ihn habe ich geliebt und werde ihn lieben bi» «eine Seel« vor Gotte» Richterstuhl steht." Plötzlich knarrte di« Thüre, di« in die Zelle führte, laut in Hren Angeln. Heller Lich:glanz erfüllt« da» Innere und schweigend /raten zwei Gestalten ein. „Ist «» schon Zeit?" rief Reuben. „Roch nicht", sprach ruhig der Ein«, e« war König Salomo, sei» Begleiter war Nathan. ,Hab' keine Furcht, wie ich bestimmt, soll erst die Strafe vollzogen «erden, wie ich «» anbefahl, morgen, erst bt» der letzte Strahl der Sonne htnabgeleuchtet in da» Thal, nicht früher!" „Mein Herr und König", rief Reuben und stürzte sich zu Salomo'» Füßen, „Hab' Dankl Hali' Dank! Ein Wunsch war'», der die Seele mir erfüllt«, der mir da» Scheiden hätte schwer gemacht au» dieser Welt. Roch einmal wollt« ich da» strahlend« Antlitz meine» Herrn und König» schauen! Und Gott hat Gnade mir erzeigt, er hat mir diesen Wunsch erfüllt." „Glaub' nicht, o König, daß e» Furcht vor'm Tod« ist, wa» mich erschauern, beben macht. Nein, denk' nicht so schlecht, so kleinlich von mir. Ich geh« hin, wo Glück nur wohnet, ich geh« ein zum ew'gen Lebe«. Ich streife ab da« ird'sch« Leben und kehre zurück zur Glückseligkeit. „34 kam zu Dir, Reuben", sagt« Salomo ernst „und auch Dein greiser Lehrer, wir beide lieben Dich, ich sprach e» ohne Hehl, noch einmal wollt' ich selbst in Dein« Seele schauen. Weiß ich «» doch, stet» warst Du ohne Falsch »nd Trug uud jmx ein Dämon hat Dir den Sinn gefangen, hat Dir den Geist getrübt. O sprich, sprich, «och ist e» Zeit, noch will ich widerrufen de« Befehl, bist schuldig Du, verbannen will ich Dich au» «einer Näh«, weil falsch Du gegen mich gewesen, doch Deine» Tod will ich nicht." „Urb' Gnade, Du mein Herr und König, laß mich sterbe«, wie Du'» befohlen hast. Könnt' ich den« leben, gäb e» für «ich wohl auf der ganzen große» Erd« ei» Fleckchen Erd« nur, woselbst ich weile« könnte» wenn Du die Sonne Deiner Gnade mir entzogen?! Net» — laß' mich ruhig sterben." „Nu» denn, so zögere nicht und sprich: Warum zeihst D« Aron de» Betrage», nachdem er doch mit heil'ge» Eide, sein Werk im Tempel hat beschworen?" „Sei» Schwur war falsch, falsch wie seine» kluge» Bliik. Betrogen hat er Dich» Dich, meinen Herrn «nd König, gelästert hat er Gott durch seine» Schwur." ' N „Sieb un» Beweise, Reuben", sprach Ratha» sanft und eindringlich, „be»»eise doch." „Könnt' ich e» doch, wie gern würde ich'» ihn»." „Du darfst nicht?" sprach der König, „und warum?" „Gedenkst Du noch, mein König, jene» Tage», an dem ich meine Frag« an Dich stellt«, betreffend die Helligkeit de» Schwure»? Run denn, an jenem Tage hat mein Geschick sich erfüllt. Du gabst zur Antwort mir: Wa» Du gelobt, Du mußt e» halten, und würdest Du vom Tob bedräuet und könntest durch «in Wort Dich retten, Du darfst r« nicht, wenn diese» Wort Du geschworen hast, zu verschweigen." 'Sinnend blickte der König auf'den Gefangenen. „Du hast recht, Reuben, so habe ich gesprochen. Die Heiligkeit de» Schwöre»'ist unantastbar." — „Die Brust beklemmt mir «tue schwere Schuld, o sag', mein König, habe ich in jenem Anfall von Raserei, di« «eine» Geist mir hat verdüstrrt, Hab' ich 7— ihn — gemordet?" „Nicht doch, Aron lebt", sagte Ratha», „darüber sei ohne Sorge." ,Habt Dank für diese Freudenbotschaft." „Urd jetzt", sagte der König, sich der Thüre zuweadead, „hast Du noch einen letzten Wunsch, ich will ihn Dir erfülle»?" „Wohl hätt' ich eine Bitte noch. Gedenk« mein, wen» : dies« kranke Seele au» ihrer Hüll« ist entwichen, gedenke »et», / mein König in liebevoller Güte. Und Du, mein greiser Lehrer, der meine Kindheit überwachte, emporgeführt auf leuchtend schöner Bahn, verzeih« mir, wenn ich gefehlt, laß mich Dich einmal »och da draußen im Thale Be« Hinnom schauen, wenn sich di« Schrecken de» Tode« nahe«." „Mein Sohn, mein armer Freund", rief Ratha« und drückte Reuben an die vrust. ,,Äb' wohl, — wir sehe» un» wieder und wenn nicht andrr», so dort draußen im Augenblicke. de« Scheiden»." Reuben war wieder allein in Rächt und Dunkel, allein mit seinen Gedanke», doch glücklich in fei»«« Innern. Gr! hatte seine« König und seinen Lehrer noch einmal vor seine» z Scheiden gesehen. — „Wa» denkt mein König über den Gefangenen?" fragte? Nathan, al» er jetzt den König nach deffe» Gemächer» begleitet«.' „Wa» ich denke? Reuden wird nicht sterben!" 11. Kapitel. Im große» Marmorsaale de» Palast«» saß König Salomos auf seinem Thron, umgeben von de» Staate» Würdenträger». Ein zahlreich Volk hatte sich im Hintergrund« versammelt^ und immer «lehr Neugierige strömten zu. E» war heutet Gerichtötag, doch kein« Parteien waren erschiene». E» war/ bekannt geworden, daß Salomo «och einmal wollte prüfe»,! wa» zwischen Aron und Reuben lag. Bleich und düster stand Aron vor der Estrade »nd auchl Reuben hatte man hterhergeführt, sorgfältig bewacht, doch frti] von Fesseln. Uud ein strahlender, dankender Blick de» fangest» fiel auf den König und Ratha«. »In letzter Stund« noch, eh' Du zu Tode gehst* sprach? der König, .will ich noch einmal prüfe«, wa» Dich veranlaßt z hat, dem, de» einst Du Freund genannt «tt Wut »nd Rachs such zu begegnen." »Met« König! Nicht immer ist der Mensch seiner selbst^ Herr, oft tobt ei» Sturm da drinnen i« der Brust, der,7 wird er durch Unrecht gar erzeugt, nicht «inzudämmen ist. —jj Ich trug der Leiden viele schon i» meine« Lebe«, ich trug sie standhaft. Die» hat «ü Uebrrmnt mich erfüllet^ Ich glaubte mich gepanzert schongegeu jedwede Prüfung, di« wir sende« sollte, ich glaubte «ich ganz gleich «tt Hiob fcf3 eine Reih« stellen ,« könne». Gar scknuählich uuterlag gleich der erste» Prüf»»,. Ich Hab roohl schon deshalb Tod ««dient. Di« Weg« Gotte» sie find unerforschlich, sei»« Macht u»d Größe nnau»sprechlich.*.

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