Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 36 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 4)
- Language
- German
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Der Schutzgeist vom Haufe muß aber auch in d«r Schule seine Flügel segnend und schirmend ao»breiten, wenn ander« die sorgenschwer- Saat zu Garben freudiger Ernte gtdtiheu soll. — In der Pflege de« religiösen Leben« «ud zur Erweckung de« Triebe« nach Erkenntni» der Lehre unserer Religion müssen Schule und Han« von demselben Geiste, von demselben reinenWillen beseelt sein. Hau« und Schul« sollen einen geschloffenen Rrei« bilden, in dessen Mittelpunkt der Leitstern „Religion" leochtet, vorleuchtet dem Rinde, dem Schüler zum Lichte und zum Rechte, — zum Wunde! „des frommen Israeliten." — Mit der Bezeichnung „frommer Israelit" ist ein Mißverständnis bei Lerständigen wohl anSgefchloffeu, denn diese geben dem Edelsteine auch die richtige Fassung nach de» Worte» guter alter Bedrutung. Der fromme Wunsch der Eltern und Lehrer hat kein Verständnis für die AuS- und Abarbeitung de« Sinne«, den späterer Gebrauch dem Worte „fromm" beigegeben. — Abzuweisen find die Zuthaten, die da» Hohe in den Staub ziehen, die nebensächliche Observanzen für das Wesen auSgeben und daS Heilige in Scheinheiligkeit verkehren, und ebenso fern liegt die Abficht, welch« dem unselbständigen, linkischen oder dummen mit dem »ftommen Jungen" beschönigt, oder gar empfiehlt, so wie man von einem „frommen Ganl" spricht. — Der „fromme Junge" verdient Schonung, Nachficht, ermutigende« Entgegenkommen, aber Lob and Verherrlichung märe bei ihm schlecht angebracht*) DaS einheitliche, fich ergänzende Zusammengehen des Hause« mit der Schule ist in keiner D.Sziplin so streng geboten, wie die religiöse Erziehung sie fordert. Zwar soll da« Han« den Gesamtunterricht der Schul: unterstützen, zwar bietet auch die Schule im Verhalten der Schüler zum Lehrer und ihren Mtschülern sehr oft Gelegenheit zur Einwirkung auf Gesinnung und Stimmung; — Lässigkeit, Fleiß, Lüge, Wahrhaftigkeit, RückfichtSlofigteit, Pietät rc. fordern oft Rüge, Tadel, Sporn und Lob heraus, werden anschaulich in Bild und Beispiel. Aber die einzelnen Disziplinen fordern im Hause nur ein Nachlernen und Na «hüben dessen, wozu di« Schule Stoff und Verfahren gegeben. Die praktische, nutzbare Berwertuug und Verwendung bleibt indes im großen und ganzen bi« zur erlangten Reife, also bi« zur Leistung für da» Leben auSgesetzt. — Ander« ist eS mit dem Religionsunterrichte. In diesem gtrbt die Schul« die Lehre, da» Hau» das Leben und Erleben. Hier find Rede und That in stetem Flnffe und beständiger Berührung, hier haben die Rinder immer den Spiegel vor Augen, um die Probe zu schauen, sie werde zur Nachahmung herausgefordert. Hier tritt da« Verhalten de« Worte« zur That, da» Verhältnis de« Menschen zmn Menschen, die Bethätigung de« religiösen Sinne« in die Erscheinung. — Diese Erscheinung spiegelt fich in den Vorgängen ab, die fich auf ein Geistiges, Unsichtbare« beziehen, da« auf da» kindliche Gemüt einen unwiderstehlichen Reiz ausübt. — Ist e» ihm nicht» als »äffe, fich ihm ein Schleier lüfte«, der eine Zauberwelt deckt» ein Land der Sehnsucht und Hoffnungen, nach dem e« rückwärts schaut wie nach dem Heimatland« und zugleich vorwärts wie nach dem Urlichte, der Lösung' aller Rätsel? — Lasset eS ja den brennenden Dornbusch sein, wenn ihr m« Sind auf das heilige istrdreich führt, worauf fich in Flammenzeiche» der Morgendömmecung die göttliche Offenbarung dem Rinde kundthun soll.' — DaS Rind steht die häuslich: Andacht, — und sei« Aufmerksamkeit wird bald von ihr angezogen. Da sei e« die *) Die hebräisch« Sprache «acht eine» sinnreich«» Unterschied and zeigt, »ie da» Eichwidersprechend« ost »echbarttch neben einander liege» «an. öo denk» man bei Ssr an den verstand, an da» verständig«, „Hufedte verständigen werdenglänzrn x.; hx heiß, anch thdricht, »an «ag den Thor drehen nnd wende», seine Bnchftabe» »ersetz«» »ad bwd 'ütaat in-che», er bleibt Thor, «») wird gar Gottloser. ahnuüg»volle Weise» welche seiuer Beobachtung und seinem^ finnige» Gemüt« Aufschluß und Richtung gtebt. Daß fich§ «inzelni Tage, Sabbat- und Festtage, von alle« andere» unter» > scheiden, werft e« gar bald an der Stimmung de« Hause«.' - An denselben soll, wenn auch nicht auSgksprochen, seinem Herzen; der Eindruck ihrer Bestimmung sich einprägeu. — Wird da« Riud hinauigeführt, dann fallen ihm di« Synagoge, die Rirche auf; e« drängt fich ihm bald di« Wahrnehmung auf, daß wir am Sabbat zur Synagoge, unsere christlichen Nachbarn Tag« darauf im Sonntagskleid«, da» Gebetbuch in der Hand, zur Rirche gehen. — Alle diese Erscheinungen und die dieselben begleitenden Unterschiede drängen da« wißbegierige Rind zu Fragen. Diesen Erscheinungen und Vorgängen gegenüber sucht es fich zurechrzufioden, sucht nach Deutung. „Es schläft ein« ganze Metaphysik träumend im Rinde" sagt der seelenkundige Jean Paul. Da lenke nun die Antwort auf eine und dieselbe hohe Richtung ohne Vergleich de» Worte«, ohne Ueverhebung, ohue Herabwürdigung. An dem Andern würde da« Kind zur Kritik und Bemängelung de« Eigenen gereizt werde». Die Verschiedenheiten aus dem Gebiele der Religion und Sonfesfion lernen e» so auffaffen, wie fie ihm auch begegnen an den Dingen seiner Umgebung und in der Natur, an de« verschiedenfarbigen Blumen, den Bäumen, den Tieren rc., — al« verschiedene DaseiaSformen, — ohne an Vorzug oder Verwerflichkett zu denken. — Da« Rind hat ja auch noch ftinen Stand, keine formulierte Sonfesfion — sogar geschlechtslos wird da« Rind von der Sprache bezeichnet. Fern bleibe also dem Rinde da» Gift der „Hadersacheu." Gift diese» in Beziehung auf die verschiedenen Bekenntniffe, um wie viel mehr in Ansehung der verschiedenen Richtungen in der eigenen Sonfesfion? — Ein sehr wichtiger Umstand fällt schwerwiegend zum Vorteil de« Unterrichte» in der Religion vor allen anderen Fächern in di« Wagschale. — Während die Schule mit den letzteren al« Fremdlinge an da« Riud herantritt, ist für jenru (den Religionsunterricht) da« Hau» mit der Praxi» übend voran» gegangen. Ohr und Aoge find geübt. Der Sinn für dte hochwichttge Sache hat schon bewußt und unbewußt den befruchtenden Morgentau eingesogen. — Und wenn der Freude", % : de» Rinde« am „Erzählen" entsprochen werden soll — warum sollten wir e« in seinem vorschulpflichttgen Aller nicht an dte Quelle führen, darin unsere Urgeschichte fich abspiegrlt, »Nb der unsere Rrligionilehre lebeu«frisch entspringt. Diese Ur» geschichte zeigt fich ja in einem FamilienbilSe, da« in seinen einzelnen Partien dem kindlichen Sinn« uud Verständnisse anziehend mitgeteilt werden kann. Nur darf da« natürliche Em» pfinden, der Sinn de» Rinde», nicht verbohrt oder gewaltsam verbogen, ihm kein Zwang angethau werden. — E» sei hier H erinnert an de« Bruderzwist zwischen JSmael und Isaak, Jakob und Esau. — Also vor allem: Harmonie zwischen Hau« «ndSchulel-- - Ä Den Tierschuyrr er einen. Der Tciubenfport leb«! Verwundete Brust» Zerschossen« Flügel — de« Täuberich« Lust. Und Jagen und Hetzen in Waldung und Feld, Hei! wie da« trefflich dem Wilde gefällt. Hoch leb« Distanzrttt und Hindernisrennen! Die Roffe ein größ're« Berguügeu nicht kenne». Doch fort mtt dem Schichten, wtt dulden'» nicht «ehr;,rH Me Tiere, fie Haffe« da« Schächten gar sehr. Hannover, «2 Angnst 18V3. ASkanasi. Ach»»: v,r Mrttauseud Jahre». Historische Lrzählnng mi VbolJ » Z««lin»k,. (Sortsetzm^.) — Päda^chch» Brich», von «. Tee». — De» Tierschntzvereine». Gedicht von «»kanast. Kssnuvsrtl. Redakteur Dr Ruhmer, Magdeburg. Druck: Friedrich Rasch« & (fo, Magdeburg. Verlag: Kob.Friese