Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 36 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Herausgegeben von Di. «. «•*«<* in Magdeburg. Zur Unterhaltung «ad Belehrung für die israelitische Familie * La» .Jüdische Mamtllen-»l»U"ersch«im wöchentlich als »vati» - Verlage ^„I-ratttMck^n ^s^enfchE Jeder uudefugle Nachdruck au» diesem Vlattr ilk unterfagt. — Die Einzelnummer foftet 10 Vor 5wLttaufenü Sayven. Historische Erzählung von Adolf v. Zemliaeky. »j . - (5ortft*ung.) Regungslos stand Renben an eine der Marmorsäulen gelehnt, irren Blicke» umherschauend, alS suche er Hilfe, doch woher sollte ste ihm kommen? .Ich kann, ich darf den Eid nicht brechen» ich darf nicht sprechen, wo Schweigen Sünde ist. Mein Gott, Hab' Du Erbarmen, sende mir einen Lichtstrahl in die Seele. Die schinsten Psalmen, die ich schrieb, handeln von der Heiligkeit de» SchwureL, darf ich selbst dagegen sandeln, und dann, Hab' ich den weisen König nicht selbst best agt, gab er nicht zur Antwort, daß selbst der dräuende Tod niemals berechtige, den Schwur zu brechen! Nein, was ich geschwl rrn, will ich getreulich halten, wa» Hiobl itt, ich leide eS wieder. - »Heil, Aron, Heil!" ertönte eS jetzt von der Bolk«m:nge und ste drängte» au» dem Innern de» Tempel». »Er hat beschworen vor dem Allerheiligsten und niemand darf ihn mehr der Lüge zeihen!" riefen ste durcheinander und warfen feindselige Blicke auf Reuben. Und jetzt erschien Aron, die Stirne mit dem goldnen Palmen« kranz geschmückt, stolz «inherschreitend, ihm zur Seite Nathan. Ein nie gekannte» Etwa» brmächtigle sich jetzt dt» ganzen Wesen» Reuben'»; mit einem gewaltigen Satze sprang er auf Aron zu. »Herunter mit dem EhrenzeichenI* schrie er. »Dem lieb gebührt e» wahrlich nicht. Wa» Du beschworen» war falsch beschworen!" — „Auch diese Worte will ich Dir verzeihen", sagte Aron, ider bleich geworden war, „ich verzeihe Dir auch diese Tlat." V, „Genug jetzt", schrie der Oberpriester, „kniee nieder im! Staub« und bitte ah, wa» Du ruchlo» gesündigt." „Geh' fort von hier, Reuben", flüsterte Aron, „um uns'rer kalten Freundschaft willen, ich perzeih« Dir." S O .^verzeihst Du mir „ich nicht, so wie auch Gott Dir niemal» verzeihen wird, nicht im Leben, nicht im Tode. Du verzeihst mir, ich soll kuiern vor Dir im Staub«, — nein Du, Du mußt e»." Und mit gewaltigem Rucke sprang Re iben auf Aron zu und schüttelte ihn derart an der Brust, daß dieser ohnmächtig znsammenbrach. »Er hat ihn getödrrt", schrie die Menge und ste warfen fich auf ihn und bänden seine Hände» „während andere Aron 'hilfreich beisprangen. Jetzt plötzlich trat lautlose Stille ein. König Salomo verließ seinen Palast und näherte st cs der 'seltsamen Gruppe. »Wa», geht hier vor?" fragte er erstaunt. »Reuben mit ebnndenrn Händen, und Aron hier am Boden liegend?!'!*•'* „O, König", entgegnet« der Oberpriester, „der hier hat Mistethat verschuldet. Den Freund, der leblo» dort am Boden liegt, hat er getödtet. getödtet, um stch besten Ruhm zn widersetzen, den er ihm nimmer gönnte. A,on hat mit heil'gem Eide beschwor-», da» Werk sei sein, zu lehren Gotte» nur von ihm geschrieben. Und darum hat er ihn mißhandelt. Wa» ich gesagt, da» Bolk kann'» bezeugen, und >oie Aron nur Demut, Milde und Bersöhnung war, ging von Reuben nur grimmige-. Hab unv Zorn aus. O, richte, weiser König, sprich Dein Urteil über den Verbrecher." »Aron lebt!" ließen sich mehrere Stimmer vernehmen. „Er war nur betäubt!" „Ein Urteil forderst Du?" sprach König Sutomo. „Nun denn. Hat Aron e» beschworen, daß dies sein Werk, so gebet ihm den goldneu Palmenkranz auf'» Haupt und diesen, Reuben. bringt ihr hinab in de» Gefängniffe» düsteren Rauvi und nimmer soll er da» Abendrot am Firmamente schauen. Er hat sein Leben durch diese Thal verwirkt. Wenn morgrn der letzte Strahl der goldenen Sonne hinabgeleuchtet in die Ebene, bann führe man den Miffethäter hinaus in'» Thal l-en Hinmin, dort steinigt man ihn, bi» er todt ist." — „Heil, Heil dem gerechten König!" rief di>: BolkSmenge und Reuben wurde nach dem Gefängniffe gebracht. IN. Kapitel. »Gar seltsam däucht die Wandlung mir", sazte der König Salomo zu Nathan, »die plötzlich mit Reuben vorgegange^ »Ich kann e» nimmer mir erklären." »Du hast befohlen, o mein König, ihn zu tödten", ent. gegnete Nathan, „sollte nicht» Dich milder stimnien, Herr? — So jung und sterben in bei: Frühlingszeit der goldenen Jugend. Er war wohl rasch, unüberleat. Doch Tod dcifür ist hart. Und denke, er war wohl selbst Dir lieb und unrt, drum übe Gnade au», schenk' ihm da» Leben." Uebrr da« schöne Gesicht de» König« flog plötzlich ein Schimmer der Wehmut. »Wohl hast Du recht, so jung zu sterben ist schwer, ist'« doch schön, jung zu sein." Mt seltsamen Blicke und eigentümlicher Betonung fuhr der König nach einer kurzen Paus« zu sprechen fort: „Nie soll die Nachwelt von mir sprechen, daß je mit Willen ich Unrecht chat. Wär' er mein Bruder selbst, mein . Urteil ist gesprochen, ich widerrufe nicht. Ob ei: mir lieb und wert, jawohl, ich liebte ihn al« wär'» mein Sohn. Und jetzk^ weilt r. tw: finsteren Raum, den Tod vor Augen. — Ließest Du ihn gut bewachen, daß er nicht etwa, von blinder Raserei er» griffen, mit freventlicher Hand sein eig'ne» Dafin selbst nichtet?" ' »Er wird bewacht." In einer Zelle de« Staat-gefänguifle» irrte Reuben u ruhig umher. Mt vernichtender Gewalt hatten ihm all diese Schläge gettoffen and nur mühsam kountr er seine G«! sammeln.