Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 35 (1893) · p. Seite 137

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
35 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 137 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492351-8722848-5962289--2227-5376055
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

WWWMM - 1 u..1 1»'j »nm\*ww.*Amv> l'f-t'-JMl*' Don Prüfungen aller »rt Heimgesuchten. Sie spricht, daß Ntemal; derjenige, de» Hau« hetmgesncht wurde von Schmerzen, Qual und Not, zu verdammen sei von heut« an. Der krasse Aberglaube belhöre nimmer Eure Sinne und bedenkt, daß stich« . Heimsuchung gar oft demjenigen wird, der nie mit einem sfehl ’-r. sich gegen Gott vergangen. Ihr da allesamt, gelobet mir, [ niemals ju verdammen, ehe Ihr nicht von der Schuld üderf" itugt seid." „Die Schrift spricht tvahr", rief jetzt die Menge, „nie soll gerichtet werden, eh' nicht die Schuld bekannt ist!" „Drum Heil dem Sänger, der mit wahrem Manne»-nut furchrlo« den Gedanken un» enthüllt in wunderbarer Dtchtimg. Heil ihm!" „$cU ihm!" rief begeistert die Menge. „Heil ihm!!Ver ist'«, wir wollen ihn kennen lernen, wir wollen ihn ehren wie Die einen Dichter zuvor." Nur wenige Schritte von Nathan entfernt stand 8con, den Blick zu Boden gesenkt, demütig, unterwürfig neben ihm Neuben mit finsterem, sorgenschweren Antlitze, doch leuchtenden «licke». „Er trete vor", begann Nathan von neuem, „wenn luch Bescheidenheit de« Säuger« Zierde ist, er möge nicht durch Schweigen un« betrüben. Nochmal« ruf' ich: Tritt vor und nmne Dich, Du gottbegnadeter Sänger, damit Dir werde der gol >ene Palmenkranz, den König David Dir zuerkannt." Und seltsam, kaum waren diese Worte gesprochen, da tuten säst zu gleicher Zeit Reuben und Aron einen Schritt vor. Neudeu hielt plötzlich inne, mit beiden Händen sich da» Gestcht bedeckend. Aron war, ohne zu zögern, die Stufen die zum Säulengange führten, hinaufgeschritten und neigte sich jetzt ehrfurchtsvoll vor Nathan. „Gott hat in'« Herz mir jene schwache Kraft gelegt, die mich beginnen und vollenden ließ die« Werk, da« Du so sehr jetzt lobtest. Ja, denn ich schrieb in langen, langen Nächten da« Buch Hiob, doch nicht um Lohne» willen, auch nicht zum eigenen Ruhme, ich schrieb'« zu Ehren Gotte« und damit gl rubt sch auch alle« schon gethan." „Aron ist der Dichter I" rief die Meng:. „Heil ihm, Htl I" „O, preist mich nicht, was ich geschrieben, ist nur Gotte» Werk. Macht mich nicht stolz, Ihr da. Bi» jetzt Hab' ich sn Demut nur gelebet und will'« auch fernerhin wie bi-ler." „Der Heuchler lügt!" tönte plötzlich eine laute Stimme, „er hätte die Schrift geschrieben, er? Rein, nein, Betrug ist'» nur, er ist de» »Buche« Hiob" Dichter nicht." Unwillig schaute die Menge nach jener Seit«, von der diese Ruse au»gingen und erblickte Reuben mit tode«blaffem Gesichte drohend zu Aron emporschauend. »Ich find' e« wohl begreiflich, daß Reuben darüber st« unt. Ich kann'« ja selbst nicht fassen, wie mich Gott zu seinem Werkzeug gewählt. Wie «ine Offenbarung kam e« über mich, al« Jojakim auf seinem Schmerzenslager hingestreckt war und blinder Wahn de« Aberglauben« ihn einen großen Sinder Mannte. Wie eine Offenbarung kam e« über mich, nicht ftüher wollte und konnte ich ruhen, bi» ich vollendet die« mein Werk." Entschlossen stieg Reuben die Stufen empor und stellt: sich s Aron gegenüber. .Sieh' mir in'« kluge, Aron", sprach er L ruhig, .welch' böser Didnon nahm Dein Herz gefangen, daß k Du hier Betrug übst und Dich den Sänger dieser Dichtung [ nennen läßt." F .Betrug? Und wa» Du sprichst ist nur allein Mißgunst", r eutgegnete Aron scharf, ,Dn glaubst wohl.allein Dich nur M. befähigt, zu schreiben, so wir e« geschrieben steht. Neid ist'» Mnur allein» Du gönnst de« Freund« den Ruhm nicht." „Nochmals, er lügt!" schrie Reuben. „Wie willst Du e» beweisen?" ftagte Nathan, „kkenn « der Sänger nicht ist, wer ist e« denn?" jjf.-/ .Habt jemal« Ihr gehärt, daß Reuben Euch belogen? M Sprach ich He Wahrheit nicht immer überall? Nochmal», er der Dichter nicht!" .Aron hat recht", rief di« Menge, .der Nrir ist'» nur, der au» ihm spricht, drum schweig« jetzt, wenn Du e« nicht beweisen kannst." „Ich kann'»!" rief Reuben mit starker Sttnrne. „Nun denn, so sprich!" eutgegnete Nathan. .O, könnt' ich sprechen, dürft ich'» sagen, dock, stumm für immer müssen meine Lippen sein." „Dann störe un» nicht länger hier!" rief tzlathan unwillig. „Genug ist'» jetzt. — »ist Du bereit, Aron, in unsre« Tempel» Heiligtum zu treten und dort zu schwören, daß Du allein e« bist, der diese« Werk geschrieben?" „Ich bin bereit dazu. Bor Gotte» Antlitz sel bst bin ich bereit zu schwören." .Wir alle, die wir hier versammelt find, wissen, wa» ein Schwur bedeutet. Gar heilig muß er sein und darf in Ewig, keil nicht gebrochen werden." „So geh« mit un« und dann kehrst Du zurück, hast Du geschworen, und wagt man nochmal», Dich der Lüge zu zeihen, dann wehe dem Berläumder, die härteste Strafe sei sein Lohn." Und sie betraten da» Innere de» Tempel» und die ganze Bolkrmeuge strömte nach. (Fortsetzung folgt.) Hebräisches Dunkelt«« und das Heine« Denkmal.*) Eine seltsame Verbrüderung! Die Werkleute ’x« Klaffenuud Raffen-Haffe», die der Lesstng'schen Frage: „War Ehrist und Jude eher Ehrist und Jude, al» Mensch?" nur die blöd« Miene de» äußersten Unverstände« entgegen zu scheu wissen, fie finden sich in der Brrwerfung eine» Denkmal« für Heinrich Heine zusammen mit den „Schwarzen" in Juda.— Erst haben die von der Pfaffheit .erleuchtttm" Stadtväter von Düsseldorf dem großen Sohne dieser rheinischen Stadt die Errichtung eine» Denkmal» au der Stätte seiner Geburt versagt. Jetzt will sich die Stadt Mainz damit ehren, daß fie den armen Liebling der Grazien nach dem Tod« ehtt, indem fie seinem Denkmal einen Platz am Ufer de» Rheine» gewähren will. Er war ein Sohn der Rheinland«, sein Rheinsang .Lorelei" wird gesungen werdei, st lange deutsche Lieder erschallen, die Rheinland« hat der Zauber seine» Geniu» dichterisch vrrklän — dort vor Allem ist Ixr Ort für sein Denkmal. Die Frömmler aber find über den Entschluß der Mainzer enttüstet, da» haßlruukeue Gesindel dei Auttsemittsmu« schmäht und schmält — da» ist nicht» neue». Reu ist nur, daß da» in Mainz an da» unverdiente Licht de» Tage» gelangende jüdisch-orthodoxe Wochenblatt „Der Jiirarlit" sich dem Ehoru» zugesellt und gegen die Errichtung de» Heine« Denkmal» in Mainz eifert. Da» Gestammrl dieser schönen Seel« will un» glauben machen, fie habe ernstlich«! und aner» kennen»w«rte Gründe »egen eine de» deutsehen Volke» würdige Ehrung Heinrich Heine'» vorzubringen, köir wissen, woran wir find. E« ist neben armseliger Forts« vor einer ' Aufreizung der Antisemiten, der allem Dunkelt»«, mag e» mehr im Atter, oder i« Neuen Testament heimisch sein, eigene Haß gegen die Flügelschlägt freier Serttn, der dem .J»raelit" die Feder führt. Freilich wird dieser Haß vürfiPig zurück-, gestellt und di« opportunistisch: Frage, ob nicht di« Judon. Schaden haben könnten, in den Vordergrund gwückt. Die Richtschnur für die Haltung der Hildesheimer, Lehmann und Genossen, der jüdischen Ducker und Mucker, ist immer die' - rechnerische Frage: „Cni prodest?“ Da» ist de» Pudel» Kern; sie fürchten, der Antisemiti«mu» könnte an» der Errichtung de» Denkmal» weitere Nahrung ziehen, und daimm gesellen. sie sich den Antisemiten in dieser Frage einfach zu. CfeL v;; lassen ihre bleich« Furcht vor dem gemeinen Rowdytum aMAA __— ' *) Aal der „Berliner Ztttung" vom ü. >uquß 181». D»Dm>N^ tiket ist jede» gebtldeten deutschen Inden itl der Seel» De» «instnstlosen jüdischen BuntelmEnner-Blntt ist durch tenfc 'Ml»' legnng snft viel zu Viel Ehre «gettznn. jii

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.