Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 35 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 4)
- Language
- German
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Srtinb austrete» zur Mehuuug cine» Aktes der Pietät, der dem deutsche» Bolle ul» heilige Pflicht vorgesrtzt ist. Ist doch selbst in New-Aork die Errichtung eine» prächtige» Heine- Denkmal» au einem der schönsten Plätze der Stadt eiue beschlossene Sach«, und in de« Dichters Laterlaud« wird dieser Idee immer neuer Widerstand bereitet. Die Leute vom »Israelit' habe» nicht das geringste Recht, fich mit ihren Sorgen und »lagen herzuzudräugen zu der nationale» Thal, daß in einer deutschen Kernbürgerstadt dem um das deutsche Bürgertum verdienten Führer deS »jungen Deutschland' ein Denkmal errichtet wird. Sie wollen, nm »Gründe' zu markieren, den Großen verkleinern. Sie sage», die Eigenart Heine'», die näheren Umstände seine» Leben», die gänzliche Unbekauntschast des Bolle» mit seinem Wesen und mit seiner Bedeutung, da» alle» spreche gegen den Plan der Denkmals-Errichtung. Ja, soll man fich solcher Bornirtheit nahen mit lehrhasten Stählungen über Heine, sein Leben, seine Werke? Hieße da» nicht dem tobten Dichter der herrlichsten Lieder deutscher Zunge, dem Schöpfer de» Atta Troll, der Reisebilder, de» Wintermärchen» bitterere» Unrecht thun, al» ihm diese Sünder gegen die Ehre deutschen Geistesleben» überhaupt zuzusügen im Stand« find? Der bedeutsame Zusammenhang de» Schaffen» Heine'» mit den bewegeuden Ideen de» Jahrhundert» der Zerstörung der Despotie, der großen Kulturfortschritte, der Einigung de» Bolle» ist allen Gebildeten im Bolle sehr wohl verständlich; eben darum braucht fie dem .JSraeUt" nicht verständlich zu sein. Der Mann, dessen Bedeutung angeblich dem Bolle nicht bekannt ist, hat zu den großen Baumeistern der Literatur gehört, die in der von Lesfiug bi» Heine reichenden Epoche die Erweckung und Rührung de» nationalen Gedanken» neben der Pflege echter, herrlicher Poesie zu ihrer vornehmsten Aufgabe erkoren haben. Dem jüngsten der Sprossen, dem letzten in der Reihe allein soll da» Denkmal verweigert werden» weil die Roben gar zu laut dagegen krächzen? Er hat in seinen Gedichten, al» hätte er die Kleinheit des heutigen Geschlechter geahnt, lachend auf ein Denkmal verzichtet. Und dennoch wird es ihm erstehen. Ob auch den Pamphleten Julian Schmidt'» und Treitschke's und all' dem zornigen Lärmen der Hetzer und Duckmäuser jetzt da» mißtönende Gerede des orthodoxen jüdischen Blatte« fich beigesellt. — Heine wird sein Denkmal haben, denn da» deutsch« Saterland kann und darf fich der Erfüllung dieser Ehrenpflicht nicht entziehen. Die innere Verwandtschaft zwischen Pfaff und Rabbi, über die man in Heine'» Gedicht .Disputatton' Nähere« Nachlesen mag, kommt bei dem gemeinsamen Angriffe gegen da» Gedenken und den Gedenkstein de« entschlafenen Dichter» zur vollen Geltung. Stärker al» alle pfäffiisch« Undultsamkeit und alle klügelnde Rützlichkeitsrechnuug schätze» wir die Macht de» Id«ali»mu» im deutschen Bolle; sie wird fiegreich sein trotz alledem. N«bi«ftein mb die russische» Beamten. so wurde ihm sei« Paß abgrfordert uud, da « einen solche» nicht vorzeige« konnte, wurde er vor» einem Beamten zum au». M der» herumgejagt, vou denen jeder den ander» in de« versuche»,. *.» de« Gehetzten zu kränken uud ihm unuöttge Berlegeuheiten zu » bereiten» zu üb«biete« suchte. ' j| Sein verletzte« Ehrgefühl durch de» Entschlutz, fich a» 'tu höhere Jnstanze« zu wenden, beruhigend, begab « fich zu de« ' <0 Gouverneur Sch ul gin. Die hohe Stellung diese» Herr» 1 war jedoch ohne veredelnde» Eiufluß auf feine Sitte» geblie- -j ben, wa» fich daraus «giebt, daß « den künftigen Meist« ln der j musikalischen Kunst mit folgenden Morien anherrschte: „Ketten! Ich . 1 werde Dich in Ketten legen uud nach Sibstie« schicke» lassen I" — In jenen Tagen, sagt Rubinsteiu, redeten die G«n«ile die (E Personen meine» Stande» immer mit „Du" an, welche» Work 1 man in fast allen europäischen Sprachen nur gegen Subalterne, •- Dienstboten u. dgl. Leute gebraucht. i Wie Rubinsteiu au» de» Klauen diese» Eisenfreffer» herauSgekommen war, dessen wußte fich derselbe selbst nicht mehr genau zu erinnern. Zu jener Zeit ab« fand gerade ein große» .‘jjj Hofkonzert statt, bei welchem Rubinstein mitzuwirken die Ehre; hatte. Mehrere Personen von hoher Stellung, welche ihn ,■ kannten, warfen Schulgin. seine Rohheit uud Unwissenheit vor« Wie konnte dies« auch einen so berühmte» Mufik«, der sogar am Hofe empfangen wurde, so behandeln? ‘ f Rubinftein» Sorgen hatten jedoch hiermit ihr Ende noch nicht erreicht, denn sein Paß war noch nicht eingettoffru und er einstweilen nur geduldet. Er wendete fich daher zunächst , an de« Gennal G al a choff. Nachdem man ihn 3 Stunde» hatte antichambriren lassen, wurde er endlich oorgelaffen. „Nun klein« Mann, ich habe am Hofe von Dir gehört; Du bist wohl so eine Art Musikant, he? Ich glaub« diese» aber noch nicht, so lange ich nicht den Beweis dafür erhalten habe. Be» gieb Dich daher sofort zu meinem Hofsekretär Tsche»nok und spiele ihm etwa» vor, damit er fich von Dein« Geschicklichkeit überzeugen kann: TscheSnok ist ein Mufikkenu«." I» dies« ordinären Weise pflegte Geueral Galachoff in sein« s amtlichen Stellung einen gebildeten Mann auzureden. * Al» Rubinstein in da« Ziwm« Tschesnok» getreten war, lud dieser ihn ein, fich an einen elenden Klimperkasten z» setzen. Rubinstein wußte trotzdem demselben mächtige Töne zu entlocken,w«lch« die Erbitterung und den Abscheu interpretirte», ' die eine solch« Behandlung ihm eiugeflößt hatte. Da« Instrument krachte unt« seinem Anschlag und es schien beinahe, al» wollte e« jeden Augenblick ta Stücke zusammenfallen. Tscheinok hörte geduldig zu und begleitet« alödao» den kunstbegabten Jüngling zu seinem Borgesetzten. i „Ganz recht, Ew. Excellenz," bezeugt« «, „Rubiastein ist wirklich ein Musiker,; « kan» spielen." Diese» Zeugni» über ' f eine Fertigkeit bewog Galachoff, de« Künstler eineu drei- > wöchentlichen Aufenthalt zu bewilligen, da in dieser Zett der l Paß eintrrffen könne. Mit diesem Dokumeut« nun verließ -' Rubinstein da» Bureau. 'j Ein von Anton Rubinftein erzählte« Errigni», welche» ihm in sein« Jü, gling»jahren pasfierte, zeigt in einem »»geschmeichelten Bilde, wie die russische Regierung fich ihrer Obliegenheiten entledigt. In diesem Bericht« ist von seiner Abstammung mit keiner Silbe di« Rede, e» geht jedoch au» vrmselben deutlich hervor, daß ohne Zweifel seine jüdische Nationalität bei den Beamten, deren Rohheit und Unwissenheit hier geschildert wrrdeu soll» sehr in'» Gewicht fiel. Anton Rubin tein wurde schon in seiner Jugeud nach dem „zivilisierten Westen", wie e den übrigen Teil Europa'» nomtc, geschickt, um dort erzogen zu werde». Im Alter von tO Jahre» kehrte er »ach Rußland, seine» Geburtslaude, zurück, mit der Abficht, fich daselbst niederzulassen »ad der Mufik g» widmen. Kau» hatte er jedoch die Grenze überschritte», Mu» dem SpvuchfchKtz.de» MkKuud. voetisch übertrage» von Maz Weinberg. . , Der Jagend Unterricht nicht stör» Und wenn'» zam va» de» Cemgel» wäre. (Sabbath UJ-) _ Sol*' Lhegtück ni Ivo bi» Fra» den cht lang« ManaGernährt. währt, hrt. lpeßachim w.) Inhalt: Var zwetteaseab Jahrr». Historisch» Srzitbiaag m» »half». Le»l«,»»,. (ftMtfenuM.) — Heb,tische» Dmtteitam NUtz g>g Heme Denkmal. — Mabmime »ab »ir lestzsche» Beamte»., — U bm »prachlchatz de» Dalmab. tzaeiffch übertrag« »»» M>, Wetaberg. antworil. Redakteur vr Rahmer, Magdeburg. Druck: Friedrich Rasche tt Eo^flMagdeburg. Berlag: Rob. Friese,