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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 35 (1893) · p. Seite 136

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
35 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 136 (sequence 2)
Language
German
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einmal dort zur wilden Thatfufreijte, die Rohheit de» Pöbel» immer mehr entflammte. Bor dem Hause augelangt, hielt die Menge plötzlich iane, unentschlossen, wa» wohl zu beginnen sei. „Bringt Fackeln!" rief eine Stimme au» dem Haufen, „werft sie in da» Sünderhau», daß e» uiederbrenne bi» zum Grunde!" Schon flammten die Fackeln, schon war man bereit, damit da» Hau» anzuzünden, da, mit einem Male öffnete sich von Innen die Thüre und auf der Schwelle erschien Reuben mit todeiblaffem Sefichte. „Der Verfluchte", knirschte Aron zwischen den Zähnen, „will er mich hindern, zu vollenden, wa» ich begonnen. Frisch drauf, laßt Luch nicht schrecken durch diese» Jammergeficht," flüsterte er den Nebenstehenden zu, „frisch dran und geht er nicht willig von der Schwelle, so werft ihn auch in'» Feuer hinein wie die Alte." Und die Menge drang abermals einige Schritte vor. „Wa» wollt Ihr Einubethörten!" rief Reuben ihnen entgegen. „Wa» wollt Ihr im Haufe de« Frieden«?" „Laßt Such nicht durch glatte Worte bethvren", schürte Aron wieder, „räuchert da» Sündennest au», verbrennt die Lebende» und Todteu!" „Vorwärts!" rief wieder die Menge und abermals giug ei einige Schritte vorwärts. „Welch' böser Seist ist doch in Euch gefahren!" rief Reuben mit lauter Stimme, „hört doch auf die Stimme der Vernunft, einen Schritt noch vorwärts und Ihr seid statt friedlicher Bürger, die Ihr immer gewesen, Verbrecher. Wa» hat Euch die arme Frau gethan, die drinnen an der Leiche ihre» einzigen SindeS fitzt und vor Schmerz schier verzweifelt? Wa» hat fie Euch gethan, welche« Verbreche» hat sie begangen, — sagt!" „Sie ist da» Weib Jojakim«!" schrie eine Stimme aus der Menge. „Jawohl, fie ist daS Weib Jojakim», und deshalb wollt Ihr fie tödten. deshalb ihr Eigentum vernichten? Ihr bedroht fie, weil Jojakim, der Fromme und Gerechte, nach Gotte» Geboten stet» handelte, weil Jojakim den Annen reichliche Gaben zuteilte." „Er hat recht", riefen einige, „waS wollen wir thuu", und scheu zogen fie fich zurück. „Feiglinge", flüsterte Aron abermals, „Ihr fürchtet Such vor einem Einzigen — seht!" — Und eine brennende Fackel an» den Händen eine» Manne» reißend, schleuderte er fie im gewaltigen Schwünge nach dem Hause. Die Fackel flog über dem Haupte de» regungslosen Reuden dahin, fiel zu Boden und gar bald züngelten die Flammen an den trockenen Wänden empor. Grimmig züngelte da» Feuer nach außen und schlängelte fich zum Dache empor. Erschrocken blickten jetzt die Bürger auf diese» Werk der verwüstuug. Wer hatte die Fackel geschleudert. Niemand wußte e». ES war nur ein Moment der Sinnlofigkeit gewesen und Aron hatte, sobald er sei» Rachewerk al» gelungen betrachten konnte, fich schnell vom Schauplatze seiner Ruchlosigkeit zurückgezogen, war enteilt, ehe man noch daran dachte, de» Urheber zu suchen. Diejenigen, die vor kurzem noch gedroht hatten, alle» vernichte« zu wollen, fie standen und schauten unthätig zu, wie da» Feuer immer größere Fortschritte machte. Da plötzlich stand Röntg Salomo vor ihnen. Zürnenden Blicke« schaute er auf die Menge. „Wiel" rief er, „in diesem Hause befiudeu sich Mt« «""scheu und Ihr könnt unthätig hier stehe» und schauen, statt zu helfe»?! Sind die» meine Getreuen, deren Herze« ich so lange besaß. Ist da» Gefühl der Meuschlichkeft au» Gurr« Herzen ganz entschwunden. O, wie schäme ich mich uw tmctoiBex" „<f» ist da» Hau» de» Verfluchten l" rief eine Stimme. „Wie, da» Hau» Jojakim», de» Gerechten, sei« Weib und seine Tochter find darinnen und Ihr helft nicht? Wahrlich, Volk von Jerusalem, ich kenne Dich nicht." Q Wie auf gegebene» Kommando eilten fie alle dem brennenden Hause zu. Doch schon auf der. Schwelle desselben kam ihnen Reuben entgegen, die ohnmächftge Witwe Jojakim» auf den starken Arme» tragend. „Helft ihr, steht ihr bei", rief er der Menge zu und ohne den König oder seine Umgebung zu schauen, stürzte erfich abermals in da» brennende Hau». Und nur kurze Zeit und er erschien wieder, umgebe» van Qualm und züngelnden Flammen und diesmal trug er den Leichnam Rachel» und sanft legte cr ihn auf eine nur wenige Schritte vom Hause entfernte GraSfläche nieder, woselbst man auch die Witwe hingebracht hatte. Nicht» mehr gab e» zu retten. Lichterloh brannte da» Hau» und wenige Stunden später sah mau nicht» mehr -davon, al» einen großen Aschenhügel. Der König hatte fich entfernt und noch immer umstand die Menge die UnglückSstätte und war auch zum Teile behilflich, au» der Asche zu bergen, wa» überhaupt noch von Werte. Die Witwe JojakstnS faß teilnahmslos auf der Erde und schaute gedankenabwesend auf die Menge. Neben Rachel kauerte ein seltsam aussehende» alte» Weib ES war die alte Afia. Eine gar wunderlich klingende Melodie vor fich hiusummend, schaukelte fie mit dem Körper. Dabei spähte fie vorfichttg umher und so oft fie fich unbeobachtet sah, zog fie den Körper Rachels ein Stück nach rückwärts, immer mehr acch rückwärts, bi» endlich beide durch dichte» Gesträuch jedem Blicke entzogen waren. Und jetzt schnellte die Alte vom Boden empor und drohend ballte fie die Hände. „Wehe $ir", rief fie, „wenn einem von diesen beiden nur ei» Haar gekrümmt wird, dann bist Du verloren." Da» gebrechliche alte Weib zeigte jetzt eine seltsame Muskelkraft. Ohne sonderliche Mühe hob fie Rachels Kärper vom Boden empor, nahm ihn auf ihre Arme und schritt, immer durch daS Gebüsch gedeckt, rasch einem engen Güßchen zu. Halb betäubt von der Gluthitze und dem Rauche war Reuben eine kurze Weile unthätig geblieben, dann aber raffte er fich gewaltsam auf und eilte der Stelle zu, wo er Rachel» Körper niedergelegt, vergeben» suchte er und niemand wußte ihm Auskunft zu geben, wohin Rachel gekommen war. Dicke Schweißtropfen standen ihm auf der Stirne und sein Körper begann fich zu schütteln arte im Fieberfrost. ,Mohin ist Rachel» Körper geraten!" rief er „Wohin? Ein finstere» Verhängnis ist e«, welche« diese Familie vernichtet. — Lerhöngni«? Nein", rief er plötzlich erleuchtet, „hier hat eine Menschenhand in da» Geschick eiugegriffeu und diese selbe Hand, die de» Brand in da» Hau« geschleudert, fie hat fich auch nach dem Leben Rachel» «»«gestreckt. Ich werde suche», ich werde finde», und wehe daun!" 9. Kapitel. Auf dem großen Platze vor de» König» Palaste wartete heute eine zahlreiche Volksmenge dem Erscheinen de» König». Für heute war der Tag bestimmt worden, au dem diese gewaltige Dichtung dem Volke bekannt gemacht werde» und der Sänger gekrönt werden sollte. Im hohen Säulengange, zu welchem der ganzen Länge nach brette Steinstufen emporführten, erschien der Propheteugrei» Nathan mit dem Prophetenschüler und dem Hohenpriester Jeztthiel. Tiefe» Schweigen herrschte und mit kräftiger, gehobener Stimme begann Nathan zu spreche«: „Sin herrlich schöne» Serk ward dem König übergebe». Die Psalmen drinnen lobe» und preisen Gott in einer Sprache, wie schöner fie wohl nie» J mal» lauten kann. Sie bringt zum Herzen, doch auch zum , Verstände und Wahrheit lehrt fie, wie fie niemals gelehrtj.^ wurde. Sie spricht von Hiob, vo» ihm, dem kchmerzmhömstWW

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