Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 35 (1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
35 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492351-8722848-5962289--2225-5376053
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

g$vVU t tt*»/* v) Herausgegeben von vr. ««h»« in Magdeburg. yf Zar Unterhaltung und-lelehrnng für die israelitische Aamilie Da? „Aübtfchr Wamtttru<»Vi»tt' erscheint wöchentlich alt vpsu*»v>ru>uc »tfttr nafctfngte «achdmu» a»o diesem »lattr »ft «nferfoat — Die Einzelnummer »vLtto-weUaor zur „Jovarltttschen wpnchrufchotft" rostet »0 WfG. bei der Expidition. Nor Meitausrnv Layven. Historische Erzählung von Adolf d. Zemlinsky 4] - 7. Kapitel. „Ei, steh doch, Aron zum Besuche in Jojakims g,miede» nem Hause!" rief Jojakims Witwe, als der Genanr te die Stube der Witwe betrat. „Wie-soll ich dies wohl deutent" „Die alte Freundschaft ist's, die mich hierhergefüstt, ich konnte und wollte Jerusalem nicht verlaffen, ohne von Euch Abschied genommen zu haben." „Auch Du willst fort, Aron, ja wo denn hin? — Erst Reuden, dann Du, ja wollt Ihr denn alle fort, damit Jerusalem verödet werdet" „Das hat wohl keine solch' große Rot", lachte Arou, „wenn Zwei gehen. Doch wo habt Ihr denn Rachel? Ist's wohl mit Ihre» «ugru schon bessert" „Sott seit geklagt, 's wird niemalr besser Werder. Sie ist blind und blind wird st« bleiben bis zu ihrem Lebensende. Ear drückend schwer ist Gottes Prüfung, und kaum »ermag ich sie zu tragen." „Und ihr ertragt fie doch und würdet mehr zu tragen wissen, wenn's eben müßte sein." „Recht hast Du, Arou. Mau glaubt, oian müsse vor Schmerz vergehen und die Zeit umhüllt das kranke He>z mit einer Kruste» daß nimmer es so heftig schlagen könne und es wird allmählich ruhig." „Doch, «d ist Rachelt" „Sir mag wohl iu ihrem Kümmerleia weilen uud weint dort» weint, daß es einen Stein erbarmen köuntr" „Sie weint, und weshalbt" - „Ja, weißt Du, Aron, es ist dies halt so eigentümlich, es gerade Dir zu erzähle«, aber warum «icht. Du wurdest mit ihr verlobt. Uud daun kam all das Andere» das o sehr Traur>ge, und wir fanden es ja doch gauz tu der Ormung, daß Du uicht uiehr zu uns kamst, denn «tu blindes W<ib — obwohl als Freund des Hauses wärest Du auch von unk gern« gesehen grwesen. Alles mied uns. Warumt Was weiß ich, was die Leute alles dummes Zeug zusammengesprochen haben von der Strafe und dem Zorne Gottes, von dem große» Sünder Jojakim.. Jojakim et» Sünderl Wären alle lierechtrn Jerusalems solche Sünder, es würde wohl anders stehen. Doch ich will Dir ja erzählen, warum Rachel weint. Wüh. rend uns alles mied, war Reubeu der Einzige, der immer, wen» es die Zeit ihm gestattete, bei uns wellte, den kranken Jojakim pflegte und getreulich bis zu seinem Tod« anstmrtte. And dann kam da» neue Unglück uüd abermals war es Reube», der fich sorgt« und kümmerte. Uud dann — vor »migeu Dag«« kragte Reuden, - ob Rachel sein Weib werden wolle. Hörst Du wohl, Arou, die Blind« begehtt« er zum löeib«. Rachel liebt ihn so sehr —: und darnach schlug fl« ihm seinen Wunsch ab und nun will Reubeu vou her sott uud . Rachel grämt und weint sich zu Tod«. Ich will sie hole» gehen, geduld« Dich nur eine klein« Weile." „Nicht doch, laßt fie, vielleicht kann ich noch ein anderes Mal herüberkommen und mich von Rachel vrr« schieden. — bemüht Euch nicht." „Es ist ja keine Mühe und ich muß ja ohnehin hinüber zu ihr, muß ihr den kühlenden Trank bringen, der ihr für ihre Augen dienen soll. Jawohl, für ihre Augen» da giebt es kein Mittel, dt« find und bleiben blind." „Es ist hier hetß iu der Stube, wollt mir, wohl einen Becher Wasser geben?" „Natürlich, natürlich!" Und die Witwe eilte aus der Stube. Sofott eilte Aron zu der kleinen Säule, auf welcher der für Rachel bestimmte Trank bereit stand und sich vorsichtig umsehend, schüttete er aus einer kleinen Büchse!>en weißliche« Inhalt derselben in den Becher. — ■ „Dank Such für den Labttrunk", sagte Aron und gab ihr den grleetten Becher zurück, „und nu« lebt ivohl und hoffentlich auf baldiges Wiedersehen." Arou ttat aus dem Hause. Auf der Strise blieb er stehen, zvgette eine Weil«, dann ging er, ohne sich umzusehen, vorwütts. 8. Kapitel. H „Sie find verflucht, fie find verflucht!" heulte die Volks» meuge, „tta Schlag «ach dem andern. Wer da richt di« Hand Gottes, die Sttafe Gottes erblickt, der ist ein {«ilx und man . muß ihn steinigen." So riefen fie alle durcheinander diejenige», die fich auf dem Platze vor Salomo's Tempel versammelt hatten. Und in der Thal war es ein nicht gewöhnlich«ii Ereignis, worüber die Bürger so sehr erregt waren. Hrute morgens hatte fich eia gar unheimlchrs Gerücht verbreitet. Rachel, di« blind« Tochter Jojakims, des E «züchtigten» wurde heute tod in ihn» Bette aufgestrude». «Bis war nicht kraul gewesen. Es zeigtrn fich au ihr keine Verletzungen. Ruhig, jedoch leblos log sie » Bette, ei» Läcknln verklärt« ihre so schönen, jetzt so bleichea Gefichtszüg«. — War dies wirklich Strafe Gottes? Züchtigte Gott hier den Sünder? Doch wo war der Sünder? Wer es Jojakim» ”;1j dann lag er ja doch im Grobe» hatte sein« Sürdea durch den ~ Tod gebüßt. Darum wurdeu die Frau, die Tohter besttast? War es wirklich Gottes Sttafe? „Die Alte ist noch am Lehen", riefen dir »hei«, „macht ’ '' ein Ende mit ihr. Steinigt fie, damit «üblich Ruhe ist. Zü«4^' btt a» das Sündernest. Laßt di« Tode nicht diiwnße» > fe» ) graben im Thal« Josavhat. verbrämt fie wld streut WhLXr Asche in all« »tude." . Und fie stürmten nach dem Hause Jojakim». llnttr-GwWW befand fich auch Aron, der in zündenden Worttr :

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.