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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 34 (1893) · p. Seite 132

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
34 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 132 (sequence 2)
Language
German
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vir unnütz hier verbringen, ist verloren. Nicht lauge kann ich e» mehr aufschieben. Der Bote, der mir de» Auftrag meine» Bruder» überbrachte, übergab mir noch eiur »weite Mitteilung meiner SuhSuger im Land«. Dieselbe« teile» mir mit, daß ich schnellsten» zurücklehren müsse, da mein Bruder an einem unheilbaren Leiden dahiufieche. — Wäre e» nicht besser, Ihr ließet alle» sein L" „Nein! Ich will nicht zurück! Geduldet Euch nur wenige Tage und dann ist alle» vorüber und ich bin frei wie der Loge! in den Lüften!" „Nun denn, e« sei, doch nicht allzulang« gezögert." Um dieselbe Zeit etwa fand eine andere Besprechung im Hause der Witwe Jojakim» statt. „Und Du willst wirklich von un» gehe», Reiben", fragte die Witwe, „willst un», willst Jerusalem verlassen?" „Ich kann nicht ander»", entgegaete der Angeredete, „ich darf nicht bleiben." „WaS soll mit un» geschehen? Bi» jetzt warst Du na» Schutz und Schirm und dann?" „Ihr steht i» de» König» Schutz und der vermag jede Gefahr von Euch abzuwenden. Glaubt nur an sein Verspreche», er wird e» halten." ,,E» wird un» ohne Dich so bange sein", meintt Rachel, „haben wir doch sonst mit niemandem Verkehr, außer mit Dir." „Wirst auch Du mich vermissen, Rachel?" fragte Reubeu. .kannst Du noch ftagen?" „Und wenn ich Euch nun sagen wollte: „Folgt mir, geht mit mir, wohin ich ziehe, — doch nein, ich darf e» nicht, kann Euch nicht auch hiueiuziehen in mein ungewisse», freudlose» Dasein. Wie so schön habe ich mir die» alle» gedacht, so ganz ander», ganz ander». Ich schaute im Geiste ein liebe», trauliche» Heim mit einer geliebten HauSftau — und diese trug Deine lieben GefichtSzüge, hatte Deine herrlich« Gestalt. Sprich, Rachel, könntest Du Dich entschließen, mein Weib zu werde«?' ,,E» wöre doch mein einzige» Glück, Reuben, wie magst Du nur ftagen. Jawohl, ich würde Dein Weib, Dein tteue», sorgsame» Weib und die Sonne de» Glücke» sollte bei un» niemal» uutergehen." „Rachel, Du willst l — O, dann wird vielleicht »och alle» gut werden." „Ich wollte schon", flüsterte Rachel, „Du oergißt jedoch noch Eine». —" „Da» wäre!" „Daß ich blind bin, Reubeu", sagte sie traurig, „darum darf ich Deinen Borschlag nimmer annehmen." „Ich werde für Dich sehen, Rachel, gieb mir die Hand, willige ein." ,,E» darf nicht sein, nur eine Last, eine schwere drückend« Last würde ich Dir fein." „Rein, nicht doch, ich eile zum König, ich werfe mich ihm zu Füße» und gestehe alle» — alle» —. Ich Unglückseliger, ich darf nicht, der uuglückselige Schwur, er bindet meine Zunge, hält «ich in seinem Baun gefangen. Du hast recht, Rachel, e» darf nicht sein und alle», wa» ich in diesen weniger Minuten vom Glücke gettäumt Hab«, ist eben nur ein schöner, süßer Traum gewesen und ich muß darauf verzichten." „Welcher Schwur bindet Dich, Reubeu, welchr Schrecknisse sind e», die Dich quälen?" „O, dürste ich sprechen! Doch, e« ist umsonst. Sprach doch König Salomo selbst zu mir: Wa» Du gelobt, Du mußt r» hatten, trab würdest Du vom Tode bedräuet und könntest durch ein Wott Dich retten. Du darfst e» nicht, wen» diese» Watt zu verschweigen Du beschworen." 6. Kapitel. vor dem Thore Jerusalem», ganz abseit» vom Weg«, der nach Jaffa führte, stand eiue atte verfallene, strohbedeckt« Hütte. Wiüb und Regen hatte» genugsam Platz, um durch da» schadhafte Dach i» da» Inner« der Hütte zu dringen. Doch wenig kümmerttn sich die Bewohner darum. E» war «i» alter krüppelhafter Naun, der sich nur mühsam auf seinen Holzkrückr« »«herbewegen konnte. Tag»über war er draußen auf der Straße, um vorübergehende um Almoseu anzuflthe» und abend» humpelte er wieder hei», um sich auf seiu elende» Lager zu werfen. Der andere Bewohner war sein Weib, ein alte», häßliche» Geschöpf, da» meist im Freie» zü tteffru war. Dir alte Afia erfteute sich großer Bekanntschaften, sie wußte gar mancherlei Tränklein und Heilmittel au» de» Kräutern de» Walde», di« sie sammelte, zu bereiten, gar heilsam für viele Kraukheite», doch wußte sie auch solch« herzustelleu, die eiue ganz andere Wirkung hervorbrachten, oft lange» Siechtum, langsamen und schnellen Tod. Doch gar vorsichtig ging sie dabei zu Werke und niemal» komue man ihr Nachweise», daß sie hilfreich beigestaudeu, wenn solch' ein Unglück eingetreten war. Der Krüppel lag auf seinem Lager und schlief» die alte Afia saß unbeweglich auf der Erde und schaute in die glühenden Kohleu, welche aufgehäuft in der Mitte de» Gemache» auf einem großen Lehmblock lagen und deren Rauch sich teilweise in der Hütte vetteilte und zum Telle durch die Dachöffnungen nach außen drang. „Er will heute kommen", brummte sie vor sich hin, „so sagte er mir, al» er mir begrgnete. Wa» er wohl wieder von mir haben will? Hat er denn nicht genug gehabt? Er hat ein glatte» Gesicht, wäre ich jung", und sie kicherte in sich hinein, „ja daun wüßte ich schon, wa» ich thäte, — aber so —" Plötzlich öffnete sich die Thüre und Aron trat ein. „Ei, da seid Ihr ja» mußte lauge auf Euch warten", ftächzte die Alte, „glaubte schon, Ihr kämet nicht mehr und wollte mich zur Ruhr legen. Wa» ist Euer Begehr, ^wollt Ihr vielleicht abermal» solch ein Mittel wie damal», wa« Ihr dem Jojakim —" „Schweig', Alte", fuhr sie Aron rauh au, ,,wa» Haft Du Dich um dies« meine Angelegeuheiteu zu bekümmern! Du wirst bezahlt und damit abgethau. Hast mich damal» ohnehin betrogen, — sagtest mir, da» Mittel sei unschädlich und dennoch hat e» gewfttt, wie ich e» nicht gewollt. Wäre der Atte zettleben» mit seinem Au»satz« hermugewaydert, bei weitem wäre e» mir lieber gewesen» seinen Tod wollte ich nicht, wahrhaftig, nein, daran bin ich unschuldig." „Ei doch, Kindchen, Ihr vergesset, wa» ich Euch damal» sagte: Wenige Tropfe» genügen. Doch Ihr wäret ungeduldig und schüttttet den ganzen Borrat tu seinen Becher." „Wieso weißt Du die«, Kitt?" „Weiß ich'» doch, Hab' ja die Wirkung gesehen. Und dau«. ich machte Euch ja noch darauf aufmerksam, wen» Ihr wollttt, daß die Krankheit beseitigt werde, solltet Ihr zu mft kommen und ich würde Euch ein Mittel gebe», welche» ihn hätte gesund gemacht. Seid Ihr gekommen?" „Ich wollte ihn lo» sein, den Alten, denn er hat so manche» über mich erfahren, da» geeignet gewesen wäre, di« Verlobung mit seiner Tochter aufzuhebe» und damal» wollt« ich «» nicht, damal» war mft noch daran gelegen. — Doch, wa» reden wir von Sache«, die vorüber, nicht deshalb bin ich gekommen." „Sondern?" „Du sollst mft einen Truuk bereiten, der schuell und sicher wirkt und rasch in» Jenseit» beordert." „Ei, ei — Ihr geht rasch vorwärts!" „Wa» kümmert', Dich! Willst Du?" „Ja doch! Sagt mft, ist'» für ei» Weib oder einen Mann?" „Mußt Du die» wisse»?" „Jawohl, — weuu die Wirkung eiue richtige fein soll." „Nun den» — für ein Weib " „Kommt morgen wieder, dau, sollt Ihr haben, wa» Ihr begehrt." * ,-j „9» ist gut, doch sei verschwieg«, »ft bisher." ."'I

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