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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 33 (1893) · p. Seite 129

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
33 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 129 (sequence 3)
Language
German
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129 bangrr F«rcht geleistet, nicht um sich selbst zu rrtter, nein, den man geschworen.— ich weiß selbst den Grund hiersür nicht anzug.'ben,— nun denn hat solch ein Schwur, den man geschworen. bindende Kraft, giebt «8 auf Erden keine lösend« Gewalt, o sage ja, — ja und löse mir den Schwur, der mich wie mir eisernen Klammern zurückhült. — O, befreie mich, damit ich meinen Frevel Dir gestehen kann. —" „Nicht doch, mein Sohn,'war Du gelobt. Du nutzt er halten und würdest Du vom Tod bedräuet und könntest durch «in Wort Dich retten. Du darfst ei nicht, wenn diese» Wort ,ju verschweigen Du geschworen hast." „Dann laß mich ziehen!" ,Lst die» Dein Wunsch, so magst Du gehen, ich rrill mit Gewalt Dich nicht zurückbehalten, doch einer mutzt Du mir versprechen, Du gehst erst dann, bi» ich eS heiße, fri ohne Furcht, nicht lange soll e» dauern. Doch, wer kommt hier? — Eine alte Frau, ein junge» Mädchen, sie ist blind. Wa» wollt Ihr? Sprecht l" Reuben war wie festgebannt vor dem Könige ste)en geblieben, al» er Jojakim'r Frau und Tochter sich so unvermutet nahen sah. „War soll'», wer seid Ihr?" „Diese Frau", sprach plötzlich Rachel, .die weinmd Dir zu Füßen liegt, ist Jojakim'r Frau und ich. die nimmer schauen kann der Sonne goldig Licht, ich bin dessen Tochter. O. König, gar oft Hab ich den Wunsch gehegt, Dein Antlitz, Dich ui schauen, — niemals ward dieser Wunsch erfü It, und heut» steh« ich vor Dir und dennoch kann ich Dich niif t sehen, Gort hat es nicht gewollt. Da« Unglück ist über un» hereingebrochen, Gokt hat meinen armen Bater mit schwerer Krankheit behaftet, ließ ihn sterben, ließ mich erblinden, lind die wahnwitzige Volksmenge nennt un» Paria», sie hütet sich vor unserrr Berührung. Doch diese» haben wir ertragen, leicht ertragen, nachdem un» so schwerer Verlust getroffen uad wir 'die Kraft besaßen, diese Schicksalsschläge hinzunehmen. Doch jetzt, jetzt ist die Geduld zu Ende, nicht schützen können wir uns mehr vor diesen Bestien in Menschengestalt. $«:at« bekamen wir von unbekannter Hand dieses Schreiben", — und Rachel zog.bei diesen Worten ein Stück Pergament hervor und reichte es dem König. »Dieses Schreiben bedroht uns mit dem Aergsten, sollten wir nicht schleunigst Jerusalem verlassen. Gerechtigkeit, » großer König, erflehen vir ocn Dir, beschütze un», damit wir hier weilen können, wo mein theurer Bater friedlich ruht." .Arme» Mädchen," entgegncte der König, .arme Frau, Ihr sollt nicht weiter bedrängt werden, Euer König nimmt Euch in seinen Schutz und wehe demjenigen, der Euch nur mit einem Worte, einer Äeberdr beleidigt." Sinnend betrachtete der König die Schriftzüge auf dem Pergamente. »Seltsam", sprach er, »ist es mir doch, al» hätte ich solche Schrift vor Kurzem erst gesehen. Ger au dieselben Schnörkel und Verschlingungen. — Wo war die» nur? Rh l Da» Pergament, welch«« ein« unbekannte Hand >ruf den Rltar im Tempel gelegt - es enthält dieselben Züge, genau dieselben und —* »O, nein, mein König, nein - nein, glaub« das nicht!" rief plötzlich Reuben, »es mag wohl eine seltsame Aehulichkeit haben, doch —" Reuben hielt plötzlich inne. »Das weißt Du von jenes Schrift", sagt« Köniz Salomo und schaute prüfend t« da» Gesicht de» Bern «irrten, ,»a» weißt Du davon? — rede!" »Nicht«, «ei» König, — glaube mit, — nicht»." »Seltsazu, und doch glaub« ich, daß Du darüber Rrfschluß geben könntest." »Keinrn." „Es ist gnt, Reuben, ich kenne Dich genau, Dein Her, -ist oh« Falsch und di« in mir aufsteigenden Zweifel will ich unterdrücken. — Geht jetzt ruhig nach Hause ihr Beiden", wandte er sich an Jojakim» Witwe und Tochter, ,Zhr habt von heute an nicht» mehr zu befürchten und friedlich sollt Ihr weiter leben wie bisher." (Fortsetzung folgt.) Die Borbildung des jüdischen Lehrers im Teminar. Lehrerc-nferenzBoetrag von H. Reus, in Reustadt-woden». (Fonsetzung von Rr. -•!.) iii. «tffemschaftttche Nu»vildu«gde» jüdische« Lehrer», b. »ram«attsch« weuntniffe. Daß die Seminare zn wenige» in Bibelkenntni» leisten, ist eine Folg« der Bernachlässiigung der hebräischen Grammatik. E» wird Grammatik unterrichtet, aber die elementaren Ansätze über die Kenntnisse hinau«, die von einem fleißigen Lolk»- schüler gefordert werden müssen, lehren die Seminare nich«. Gründliche Fortschritte im Verständnis der Bibel basieren aber nur auf einer innigen Vertrautheit mit dem Wortschatz«, den Formen, Gesetzen und Regeln der hebräischen Spracht, auf Geübtheit in der Bildung der Formen, woran unsere Sprache so reich ist. Ein Rabbiner au» Westpreußen teilte mir mit. daß er in der ReligionSstund«: die Gymnasiasten dazu befähige, einen leichten deutschen' Lert in» Hebräisch« übertragen zu können. Da» muß um se mehr von einem jüdischen Lehrer verlangt werden. Ein in der Lehrerwelt wohlbekannter Kollege fordert auch, daß der jüdische Lehrer einen hebräischen Brief schreiben könne. Die Emhe ist wichtig genug, darauf zu dringen, daß in den Semineren die hebräische Sprach« und 'hebräische Grammatik wissenschaftlich betrieben, ihre Formen an Musterbeispielen gelehrt und in UrbungSauf» gaben anaeivendet werden. Jeder Lehrer sei «in Baal Tenach und Baal Dikduk. — e. «eschtchts- ««» titternturtenntuiffe. Eine Lücke oder richtiger eine völlige Leere lassen die Seminare in der Ausbildung der Lehrer auf dem Gebiete der Geschichte und Literatur der Juden. Wenige Lehrer sind nach ihrem Auitritt au» dem Seminar fähig, einen Vortrag über eine Koryphäe de» nachbiblischen Judentum» j>u halten, wenige haben einen Ueberblick über diese» weite Gebiet der Geschichte, wenige Lehrer haben einen Einblick genommen in die Erzeugnisse der jüdischen Mus« und Wissenschaft nach Abschluß der Bibel. Bor einigen Jahren gestand ein jüdischer Lehrer zur Beleuchtung der Seminarverhältnisse der Gegenwart oor einer Lehrervrrsammlung und den anwesenden Seininarlehrern «in, daß er keine Kenntniste in der jüdischen Geschichte besitze und er fragte nach einem guten Buche zum Selbststudium. Wegen dieser Ehrlichkeit und Ungezwungenheit lachten verschiedene Kollegen. Wer hat aber angeficht» dieser traurigen Unterlassung R.cht zu lachen? ' Welches Seminar genügt voll seiner Pflicht in dieser Beziehung? Welche Anstalt hat denn di« Wichtigkeit diese» Gegenstände», der bei Alten und Reuen gleich« Aufmerksamkeit findet, «ingesehrn und sich in den Dienst diese» allgemeinen Jnteresse» gestellt? Haben wir denn nicht noch etwa» Wichtigere» in unserem Beruf nötig als Kenntnisse und Fertigkeiten? Macht nicht die Lieb« zur Menschheit den Lehrer? Dir Lieb« zur Religion und Reltgionsgemeiiischaft der j üdischeu Lehrer? Findet denn «in andere» Wort, al» da», welche» dir Begeisterung erzeugt, den Weg zum Kinderherzen? Könne« wir heute ander» al» durch Ueberzeiwung und Begeisterung wahre, selbstbewußte, kampfbereit: Jude» schaffen? Wird der Lehrer al» solch überzeugter, bi» i» de« Tod Über- »e«gung»treuer Jude geboren? Wohl ist ihm da» rellgiös« Gefühl angebvren wie jedem Menschen. Wir» aber der Unterricht al» solcher dt« religiösen Keim« der tzkminaristen anrege« und zur Entwickelung bringe«, ohne Zuthun der Persönlichkeft der Lehrende»? Nein, es verhüt sich mit dem

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