Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 33 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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verschwenderisch zuteil geworden war, e» hat mich übermütig gemacht und —" „Ein schrecklicher Gedanke dämmen in mir auf." „Haft Du vielleicht erraten?" »Noch glaube ich nicht daran!" „Glaube! Bor kaum einem Monat, — jawohl so lange mag eS sein, — da betratest Du frühmorgens —" „Den Tempel — jawohl, und legte dortfelbst auf den Altar ein Pergament!" — „Unglücklicher! — Also Du warst e»?" „34 war eS." „TaS Volk war erbittert» hätte e» den Thäter gewußt, «S würde Dich gesteinigt haben." „Hätten Sie mich doch gesteinigt, mir wäre wohlrr und ich müßte nicht immer den Gedanken mit mir tragen, den großen König beleidigt zu haben." „Jawohl, Du hast ihn beleidigt, schwer, und im großen Unwillen ist er über den Urheber der Schrift, das Volk verlangte Deinen Tod." „Meinen Tod? Ist eS denn wirklich ein todeswürdiges Verbrechen?" „Jawohl!" „Nun denn, eS soll seinen Wunsch haben. Ich gehe zu König Salomo und sage ihm die Wahrheit." ,Halt ein. Unglücklicher, Du rasest! Was geschehen, ist geschehen und Schweigen ist das Einzige, was zu thuu." „Schweigen? Und Du?" „Ich? — So höre denn! Gott der Allmächtige möge mich bestrafen mit dem Härtesten, wenn ich jemals ein Wort von dem verrate, was Du mir mitgeteilt. Ich schwöre e» Dir!" „Ich danke Dir! Doch, was weiter! — Die Brust ist mir beklemmt, mein Herz pocht und hämmert, als wollte eS zerspringen, kommt mir dieser eine Gedansr, und er kommt mir oft, so oft —. Reuben, Du bist mir der treueste, beste Freund, ich will Dich glücklich sehen und ich weiß. Du wirst Dich selbst verraten. — Dagegen giebt eS nur ein Mittel." „Und das ist?" „Glaubst Du an einen Schwur?" „Ob ich glaube?" „Giebt eS eine Macht auf Erden, welche Dich veranlassen könnte, einen geleisteten Schwur zu brechen?" „Nichtgiebt eS für mich. — Ein Schwur ist das Heiligste, Größte, und wer einen geleisteten Schwur bricht, ist wert zu sterbäl und dem wilden Getiere al» Beute vorgeworfen zu werden." »Ist dies Deine unumstößlich« Anficht?" „Sie ist eS." , Nun denn, so schwöre mir, Reuben, schwöre mir, nie und nimmer unter keinen Umständen und selbst bei Gefahr de» Lebens, schwöre mir, niemal» zu verraten, daß Du da» Pergament im Tempel auf den Altar gelegt, schwöre mir, daß Du niemals überhaupt davon Mitteilung machst, daß Du mir heute Dein Geheimnis anvettraut." — „Darf ich e»?" „Du darfst eS, ich will mir den treuen Freuud erhalten. — Schwöre!" — Und Reuben leistete den Schwur. Uud die Bäume schüttelten dazu ihre Aeste und Zweige, al» hörten fie diesen Schwur in der feierlichen Sttlle de» Walde«. Und di« filberhelle Quelle, dt« au» dem Gestei« sprang, murmelte gar seltsam, al» verstände fie alle», wa» um st« vorging und al» wollte st« durch ihr Rauschen d«» Ernst d«» Schwure» bestätigen. Und still wurde«» und immer stiller und die beiden Freunde schritten lautlo» nebeneiuander, jeder für stch in Gedanken versunken und der Moud beleuchttt« ihr«» W«g, der fie htuüberführtr durch da» Thal Josafat, vorüber an dem Ort«, wo dt« Tobten so ruhig, so friedlich schlummetn, hinüber nach Jerusalem. 4. Kapitel. Schüchtern uud zagend naht« stch Arou Ehaljoh dem König Salomo, der, umgebe» von seinen Würdenträgern, heut« zu Gerichte saß, wie er die» immer an bestimmten Tagen zu thun pflegte. „Wa» bringst Du für gute Botschaft?" ftagt« der König freundlich, Aron näher winkend, „denn gute Botschaft muß e» sein, wie mir däucht, sonst würdest Du wohl nicht so dringend mich zu sprechen gewünscht haben." „Ob gute Botschaft — mein König wird e» mir sagen, — von besten weiser Entscheidung mein ganze» zukünftige» Leben abhängig ist." „Bon meiner Entscheidung — Du irrst wohl!" „Uud doch,' mein König. Sieh, in schlummerlosen Rächten, da glaubte ich immer, der Geist Gotte» sei über mich gekommen, und ich fühle ein Drängen, ein unsagbares Etwa» in mir, ich mußte die Feder ergreifen uud schreiben. Und wa» ich geschrieben, kein andere» Auge hat e» gesehen außer dem meinen, und ich hütete e» wie einen Schatz. — Uud nun bin ich damit fertig geworden: nun sollst Du, o großer und weiser König, darüber entscheiden, ob ich würdig bin, der Prophetenschule anzugehören, denn nicht allein Deine Gnade soll mich wieder zurückgeführt haben, erkennen sollst Du auch, ob meine Reue eine echte und wahre gewesen." Ein sonnige» Lächeln flog über di« schönen Züge de» König». — „Weißt Du, wie wohl mir die Sprach« thut", entgrgneie er, — „da» ist schön und edel von Dir gehandelt, daß Du Deinen Fehl, den Du begangen, so wieder wett machest. Sei überzeugt, ich werde mit dem Propheten Nathan dies« Deine Arbeit gewistenhast prüfen nnd dann —" „Um eines, mein König, will ich Dich noch bitten, mach' e» nicht offenkundig, von wem die Bcrse sind, wer weiß, ob sie Beifall finden würden." „Darüber sei beruhigt, jetzt geh« heim." Aron verbeugte sich stumm, nachdem er dem König eine Pergamentrolle übergeben hatte und verließ den Saal. „Ist'» mir doch so sonderbar geworden bei der Rede de» jungen Manne»", sagte der König hälblaut vor fich. „Seine Stimme hat Wohllaut, str dringt zum Herzrn und dennoch stiegen so eigentümliche seltsame Gedanken in mir auf. — Warum wohl Reuben in der Prophetenschule fich so ftemd macht, welch' schwerer Kummer mag e» wohl sein, der ihn niederbeugt. — Ach, da bist Du ja, Reuben!" rief er plötzlich laut, „soebtn beschäftigte ich mich mit Dir. Wa» dringst Du Gute»? Sind e» die Psalmen, die Du mir so lange schon versprochen?" „Nein, mein gütiger König, nicht Psalmen find e», auch werde ich nimmer wieder solch« schreiben." — „Wa» höre ich von Dirk? Du willst der edlen Dichtkunst entsagen,' Du willst die Gotterflamme, dir i« Deinem Herzen lodert, gewaltsam ertvdten? Du bist krank, bist Deiner Sinne nicht mächtig — geh', pflege Dich, beftage einen Arzt, daß er Dir Hilfe leistet. — Geh'! — Der hehren Dichtkunst entsagen für immer welch — ein Gedanke." „Du hast recht» mein König, ich bin krauk — krank zu» Sterben. — O, könnt' ich doch sterben!" rief er jammernd au», „wie wohl wäre mir." „Du frevelst, Reuben", sagte der König in strengem Ton«, „nie soll da« Leben dem Menschen zur Last sein. — Doch sprich, wa» führt Dich zu min?" „O, gütiger König, Hab' Dank für all« Wohlthaten, die Du so großmütig mir erwiesen, au» Nacht und Finstrrnt» hobst Du mich zum reinen Licht empor, doch all di« Guad« traf nur einen Unwürdigen, drum, o gerechter Köuig, laß «ich von hier hinau» in di« Ferne ziehe«. J«r»sale»« heiligen Boden will ich verkästen, in fremd« Lande »Ul ich ziehe», n will dort büßen, wa» ich hier gefehlt." a „Gar groß mnß Dein Vergehe» sein, daß D» selbst «A durch solch' ein« groß« Strafe ttlgen «Ulst." J „Jawohl, gar groß! Ich hatte »ich verwesten, anf gleiche Stuf« «ich zu stellen, auf gleich« Stuf« «tt Eine», der unerreichbar ist und bleiben wird in Ewigkeit. — Restt König, sprich, wa» hülst Du von de» Schwur, den man in