Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 33 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Lxhrer nicht ander» als mit dem B«lk»schüler. Rur Lieb« erweckt Liebe »nd Begeisterung erzengt Begeisternng. Schaffet erst begeisterte, für ihren Beruf und da» Judentum begeisterte Lehrer, gebet ihrem Enthusiasmus einen Inhalt, und ihr werdet überzengung»trene Juden schaffen. Liebe erweckt der gute Unterricht in der Bibel und im Hebräische«, der den jungen Lehrer den Glaubensinhalt und die Moral de» Judentum» lehrt. Der soll von einem heiligen Fener durchglüht, von einem helleu Lichte durchstrahlt sein, der soll den Seminaristen zugleich faffe« und feffeln. Der Züaling, kühl bi» an» Herz hinan, soll von de» berückenden Weibe, da» in den Sprüchen Salomoni» 81 ver» 10—31 geschildert ist, unaufhaltsam bi» auf deu wohligen Grund der Slaub«n»tftft gezogen werden. Suchet den pflichtvergessenen Lehrer» der dann in seiner Dorfschule di« Religionsstnnde zur Gähn» oder Prügrlstnnd« her» absinken lässt. — Begeisterung erzeugt aber nur die Bekanntschaft mit de» Geschicken und Lehre« der alten Juden, die unter feindseligen Händen da» Banner der Thora, da» Bonner einer erleuchteten Stttenlehrr hochhielten, al» Barbaren ihnen da» Leben erschwerten und verkürzten, erzeugt di« Bekauutschaft mit der Geschichte der von Land zu Laad, von Stadt zu Stadt vertriebenen Juden, die alle» über sich ergehe» liessrn» uui nur ihre Thora zu rrtteu, der Juden, die im dunklen Mittelalter auf der Höh« der Forschung und Wissenschaft standen, deren Wei»heit»strahlen, Lichter entzündet haben, die noch heute dr« Lebenswege der grössten Geister erhellen. „Da» Veste an der Geschichte ist die Begeisterung, di« fie schafft," aber keine Geschichte ist ruhmreicher wie die unsrige; kein Bolk hat in seinen Sonalen mehr blutdurchträakte Blätter, ungeheuerlich« Ereignisse aufzuweisen, al» die Religioa»gemeiuschast der Juden, und trotz dieser schwere» Schicksale schreitet sie fiegeigewiss einer schönen Zukunft entgegen, die zugleich der Sieg der ganzen Menschheit sein wird. — Habt Ihr Semiuardirektoren »ad Semiuarlehrer den zukünftigen Lehrer mit diesem Auf- und klbwogen, mit diesem Siegen und Unterliegen, mit dieser Bergaugeuheit und diesen Au»stchteu bekaunt gemocht? Habt Ihr ihn nicht blo» einmal auf einige Stunden erregt, sonder» habt Ihr planmüssig, ohne religiöse Parteitendenz, den PragmatiSmu» unserer Geschichte auf den Zögling wirken lassen, dass seine Persönlichkeit weiter wirke, dass durch ihn di« Ikeuntni» der Geschichte fich immer weiter auSbreit« und grössere Kreise anrege, gleichwie ein durch einen gefallenen Steia^ hervorgerufener Wellenkrei» immer weitere grössere Kreise enstehen lässt, so dass der Spiegel de» ganzen See'« in Bewegung gerät? Da» Seminar muss Kapazitäten gewinnen, die deu Unterricht, in der jüdischen Geschichte erteilen. Ausserdem schlagt ich vor, dass während der grossen Ferien Geschicht»- kenner an den jüdischen Semiaariea »wöchige Kurse in der jüdischen Geschichte für schon amtirend« Lehrer athalten, um auch diese de» grossen Schatze» der Kenntnis der Geschichte der eigenen GlaubenSgemeid« teilhaftig werden :u lassen, vielleicht springt auch hier der Deutsch-JSraelitische Gemeinde- Bund helfend bei, er würde fich durch die Eiurichtuug, die alljährlich etwa 25 Lehrern ermöglicht«, an de» Kursen teil« zuuehmen» deu Dank der Lehrer, de» Dank der Gemeiuden und da» Verdienst, ein nutzbringende» Werk geschaffen zu habe», in reichlichem Masse erwerben. Alsdann rate ich deu Lehrern: Gründet in alle», auch den kleinsten Gemeinden Gefchichtsvereinr. Da» Interesse für unsere Vergangenheit ist der beste Gradmesser für unsere Existenzbe-' richtigung. Um diese» Interesse mögen sich die Ganzen und Halben, die Alten und Reuen, die Eifrigen »ad die Gleichgültigen zu festen Gebilden krystalliftere». Also Ihr Semiuardirektoren, schaffet Lehrer, die Antorftätea, nicht Dilettanten sind, und Ar Lehrer gründet Verein« zur Verbreitung der Kenatni» der jüdischen Geschichte «ad Literatur! ftirtf«»«,, folgt) ©itt Juö* afa jPofctan. Lin« wahr« Begebenheit. li« getaufter Jude — wir wolle» ftinm K««e» nicht nenne» — erkrankt« einft schwer und schickte nach de» indischen >rzt« Dr. F. in 6. der ihn schon einmal vom lode errettet hat. Dessen ikomme» verzöan» sich etwa» »nd er hvrte, al« er gerade in da» Zimmer tritt, dt» Tochter de« Kranke» sagen: .Kommt den» der Jnd« »och nicht?" Darauf ließ der Doktor folgend«« Gedi«vr oer«ssenilich»n: Taufend Dank und tausend Segen. Lass Du .Jude" mich genannt: 8a» ist am .Doktor" mir gelegen.!o Du den Juden am erkannt! Der Titel »Doktor" Ist erstanden Bor Kurzem nur au» Eitelkeit. Der Rame »Jude" ist vorhanden «chon seit nner ewigen Zeit. Jener schützt vor Aberglauben Bor Götzendienst de» Träger nicht. Dieser lehrt den reinen Glauben An einen Gott, an Lieb' und Pflicht. Jenen kann man sich verschaffe» Durch Geld und Schule gar so leicht, Auch leer« Schädel, junge Laffrn, Haben ihn schon oft erreicht. Diesen aber kann nur tragen. Wer direkt von Jakob stammt. Und schon in den ersten Tagen Die blut'ge Tauft übertzond. Der Titel-Jude", den wir führen. Bedeutet mehr, al»: Fürst und Lord, «rosse Tugend muss den zieead ' Der Jud' will sein in Thot und Wort. Muft're nur die Rationen. Schau umher auf Sitt' und Brauch. Wer orrprasset Millionen? Wer vergöttert nur den Bauch? Wer verübt die grössten Sünden, kord und Brand und Ehebruch? u»weffrn Mund will nieverfcdwiuden Der Mutterschimpf, der Gotterstoch?! Vi (i Willst Du kennen rein« Sitten Und bewundern häu»lich Glück, Lass in armen Judenbütten Prüfend weilen Deinen Blick. Wo der Arme MUdr findet Und die Roth ein fühlend Her^ Wo da» Wort den Mann noch bindet Und der Schwur kein blosser Scherz. Wo' an Festen manch« Stund«?elend man im Tempel weilt, ich den Bissen spart vom Munde, Bi» da» kranke Kind geheilt. Wo da» Kind die Eltern ehret, Sie im Alter vstegt und nährt. Wo man Kinder sanft belehret, Fluch und Schimpf nur selten hört. Doch der Jude hat iuletn, lass Dir danken, u d e" mich genannt. Throne " & Und lass ein» mich Dir vertrauen. Doch erfteuen soll'» Dich nicht: u Kann man wa» auf Rame» bauen Und auf Züge im Gesicht — Und d°De? der Dorf« Der dereinst tm Durch mein Woi war Jnd' wie ich, de« Tod entwich. gvchM: »er peettmrsrUd Jahren. Hisivrssche Kegshinn« «bai! v. Zemlinsky. (Zmtfetznng.) — Die Unbildung M _ iI»«»»». (L . . Lehrer» im Geminnr. Ansetzung.) — (Gedicht). Der .Jude