Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 33 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Uidisa»es 18S3. Herausgegeben von Dr. AR. Odchmer in Magdeburg. 8nt Unterhaltung und Belehrung für die israelitische Familie Do« ..»tidtschr U»mMr«»Ol«tk" erscheint wöchentlich al« »vntto-Vellage M&n »ndrftiglr »achdriu» au» diese« «laitr ist »utevfagl. — Die Einzelnummer zur „OovaeMtfchea »ocheufchotf»' kostet lv Pf» bei der Exvedttion. Vor Mettausenv Sayven. Historische Srzlhlong von Adolf ». ZemltnSkq. 3. Kapitel. Aron schloß sich nun mehr wieder seinem Freunde steu» ben cn. Rur selten sah man den Einen, wenn nicht der Andere bei ihm oder doch wenigsten« in seiner Riihe gewesen wäre. Sie arbeiteten gar »st zusammen und wa» da« 3-erkwürdige dabei war, Reuden schien immer mehr die Lus an der Arbeit verloren zu haben, er ging träumerisch und in sich gekehrt umher, wortkarg und zerstrrut. Aron dagegen hatte fich de« Tage« über oft stnidenlang meist abend« in seiner Behausung abgeschloffen und alle» Rufen war vergeben», niemal» öffnete er. Befragt über diese« bei ihm so ungewohnte Thun, gab er »ur kurz di« Erklärung, daß er an einem Werke arbeite, welche« ihm den Beifall de« König« und deffen Gunst nieder zuwenden sollte. Riemaud hatte ihn mehr in da« Hau« de« fremden Firsten »intrrten «der nur in dessen Nähe wieder gesehen und immer »ehr zeigte e« fich, daß die Reue Aron» wahr und echt und nicht geheuchelt war. Eine« Tage« gingen die beiden Freunde außerhal!» der Stadt umher» Erholung suchend'von den geistigen Anstiengen de« Tage«. Reuden wie gewöhnlich einsilbig und in fich gekehrt, Aron immer gesprächig und gnt gelaunt. ,Wa» ist wohl über Dich gekommen, Reubeu?' frä ste er, .Du scheinst schweren Kummer zu haben, teile mir doch mit, wa« Dich so sehr drückt, Du findest bei mir ein teilnehmend Herz, welche« mit Dir fühlt uud bereit ist. Deine Kümmrrniff« mit Dir zu teile».' »Ich danke Dir»' sagte Reuden und reichte dem Freund« aerührt dir Hand» ,döch Du kannst mir nicht Helfer, gar schwere Sorgen drücken «ich und würde ich Dir nur eine» Teil erzähle« so würdest Du «ich für falsch und treulo« h ilteu.' »Ich Dich für falsch uud treulo»? Wer dürste von Dir so etwa» denke».' .Und dennoch! — Doch e« ist besser, da Du so bebevoll ■ bist, ich teile Dst mit, wa» mir schweren Kummer bereitet. — Deine Braut Rachel — ' .Meine Braut? Du irrst, Reuben! Rachel tf: nicht »ehr «eine Braut, »ur um dem Wille» de« Bater» zu folgen, willigte Rachel ei», meiu« Braut zu «erden, uud dann al« Jojarim von Gott gezüchtigt wurde ob seiner Sündenlast uud starb, und al« Rachel erblindet« —' .Aronl Welch« Worte muß ich von Dir höre». «Sprichst auch Du de» fiunlose» Aberglaube», de, blinden Wahr nach ldigst auch Du der gottltstrrndeu Anschauung, daß G»tt Leid und Ungemach, Krankheit und Tod demjenigen sendet, der seine «ebote übertreten, der gegen die göttlichen Satzungen gesteveltk? Nicht Strafe ist e«. die Sott dem Unglücklichen dadurch schickt, nur eine Prüfung ist e« und der wahrhaft Fromme,'der Gottvertrauend« und an ihn Glaubende, er besteht solche Prüfung. War etwa Hiob ein Frevler? War er nicht ein stommer, gotte»fürchtiger, gläubiger Mann, und mußte er nicht da« schwerste Ungemach, dir größte Pein erdulden? War er nicht im Schutz« Gotte«?" ' .War nicht auch Jojakim ein Schützling Gotte»?' entgeguete Aron höhnisch, .und glaubst Du wirtlich, daß Sott ihn hätte mit schwerem Siechtum behaftet und auf so elende Weise sterben kaffen, — seine Tochter mit Blindheit gestraft, wenn er wirklich der Gerechte gewesen, al» welcher er bekannt, — glaubst Du?' .Ja, ich glaube an die Liebe und Fürsorge Gotte» für seine Geschöpfe, ich glaub« daran und werde auch mit diesem Glauben dereinst sterben.' .Wer weiß» die Zeit wird e« noch bringen, daß auch Du vielleicht anderer Meinung wirst, wer weiß, wie bald!' .Nie!' .Doch Du wolltet mir Deinen Summer erzählen, fahre fort!' .Deine Worte haben einen Teil derselben von mir genommen- Höre! In den langen Tagen, al« Jojakim erkrankte und starb nnd al« auch Rachel dahinfiechte und fie dann schließlich da» schwere Unglück traf, de« herrlichen Augenlichte« auf immer entbehren zu muffen, in diesen Tagen kam «» über mich mit Eturme«gewalt und mochte ich mich wehren und sträuben und immer daran denken, Rachel ist de« Freunde« Braut, — ich kounte nicht ander» — st: halt: mich bezaubert durch den süßen Wohllaut ihrer Stimme, durch ihr seelenvolle» Auge, da« so klar und liebreich anzuschauen pflegte und da« uun leider für immer erloschen ist. E» ist do« Freunde» Braut mußt« ich mir immer wieder sagen und dennoch — diesen allgewaltigen Funken hat Gott kn mein Herz gelegt. Ich mnßte fie lieben, doch wollte ich schweigen, immer schweigen Rachel gegenüber, Dir gegenüber» — ich wollte leiden, so lange ich diese« Leid zu ttagen vermochre und dann —* .Damit iff« abgethan,' meint« Aror, „Du brauchst nicht zu »errichten, nicht zu sterben, ich Hab« längst entsagt uud kettt Anrecht mehr. Run kannst Du aber wieder fröhlich sein." — „Rein!" „Rein!? Wa« noch?" „Sin Geheimnis ist «», welche« mich «tält, welche» mir schlaflos. Rächte bereitet. Und dies« Qual. ich habe sie selbst verschuldet, und kommt da»selb« zn Tage, so habe ich all dir Gnnst, welch« mir bt»her in so reichliche« Maß« von »afran König »»teil geworden, für immer verscherzt und ich falle in jene» Nicht» »»rück, au» de« ich durch die Liebe nab Groß, «nt de« König« gehoben wurde. Sein Lob. welcht» mir so