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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 32 (1893) · p. Seite 125

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
32 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 125 (sequence 3)
Language
German
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Laß er sich «1t d«» Fürsten Tochter verlobt Hab«. — Man schüttelte bi« Köpfe darüber» man sprach davon und glaubte doch nicht daran» denn solch ei« Fall wäre wohl urerhör: gewesen und nur eine Strafe gab e» dafür — den Tod. — Schon begann dir Sonne über dem Gebirge emporzuste gen, mit ihrem rötliche» Lichte die Zinnen der Gebäude vergäll «nd, und hell au» ihnen heran» leuchteten die weißen Marmorsäulen und goldenen Thürme und Zinnen de» Tempel», den König Salomo erst vor wenigen Jahren erbaue« ließ, ein Wender von architektonischer Schönheit und stolzem Reichtum-. Roch lagen di« Bewohner Jerusalem» im tiefen S<hlaf, al» durch einen kleinen Seiteneingaog de» Tempel« ein Mann tief in seine Tunika gehüllt da» heilige Gebäude verließ * « Scheu schaute er um fich und eilte dann schnell üb«: den Platz tu eine der Seitengassen, woselbst «rauch gar bald sich «rlor. Doch nicht ungesehen war er, wie er vermeinte, au» dem Tempelgebäudr getreten. Eine »weite Männergestalt wollte eben über den Platz schreiten, al» dieselbe den so frühen Besucher de» Tempel« bemerkte und fich rasch hinter dem Vorsprung eine« Hause« verbarg, bi» derselbe unfichtbar geworden. Jetzt erst trat er wieder m die voll« Beleuchtung, unentschlossen hemmt« er seine Schritte, bi» er endlich, einer plötzlichen EIn- Sebung nachkommend, durch denselben kleinen Geitenetrigang a» Innere de» Tempel» betrat. E» war Aron, der Sohn Ehaljo'», de« Geldwechslers. — Rur kurze Zeit weilte er dort, dann trat er wieder auf dir Straß« mit freudestrahlendem Antlitze. Ein seltsamer Sedanke mußte >u ihm wach geworden fein, denn mit sich selbst sprechend, seine Tunika fest mit. den Händen auf die Brust preffend, ging er eiligen Schritte» au» der Räh« de» Tempel». Jerusalem« Bürger versammelten fich zum Frühgebe re im Tempel, doch ging der Gottesdienst heute nicht mit der.'Leihe und Andacht vor fich, wie die» für gewöhnlich war. Al» der Priester die Stufen zum Altäre hinangefiegea war, fand er auf dem Altäre ein Pergamentblatt liegen da» nur wenige, jedoch inhaltsschwere Worte enthielt. »König Salomo», stand darauf geschrieben» »der Du allüberall al» Gerecht und weise angestaunt wirst, mit diesem Blatte vernichte h Deinen Ruhm für immer." Diese» Pergamentblatt wurde sofort nach Beeadigur g de» Gotte»dienste» der Prophetenschule übergeben und der Prophet Rathaniel begab sich hiermit zum Künig. Bald wurde in ganz Jerusalem von nicht» anderem al» von diesem geheimnisvollen Pergamentblatte und dessen Inhalt gesprochen. ,^ast, Du von dieser schmählichen Lästerung unsere» König», ja von der Trmpelschändung selbst schon gehört", fragte Josua, der Schneider, den ihm begegnenden Krämer Simon. „Wehe dem Miffethäter, der die» gewagt." „Wer kann e» wohl gewesen sein", meinte Simon, .»einer von den Unserigrn gewiß nicht, — vielleicht rin Fremdw. — Kommt diese Schrift etwa.au» dem Haus« dort drüben?' und er deutete mit der Hand nach dem Wohnfitz« de» Fürsten ASr wnar. „Ach, wa» fällt Dir ein, — welchen Grund sollte» diese haben, unser« König zu lästern, der ste doch gastfreundlich ausgenommen und bewilligt hat, daß fie fich hier aisässtg machen. Sie stehe« doch untrr seinem Schutz« und sollte die» etwa der Dank hierfür sein?" Eia Dritter, ein vierter gesellte fich ihnen zu und gar bald stand vor dem Eingänge de» Tempel» eine größere Volksmenge, welche in aufgerrgter Wesse ihre Meinungen übw da» Pergamentblatt au»sprach. ,Mft gehen zum König selbst!" rief da die Stimine de» Weiuhändler» Abram, „wir wollen in dieser Sache klar sehe», nicht etwa auf un» soll der verdacht falle». Der König soll wissen, wie fthr «oft ihm zugetha» find »nd verehren." Und di« Menge schrie durcheinander: ,L«m Köngi — Zn« König!— Laßt «n» »um Köuig gehen!" Und schon wollten fie ihren Entschluß auö'ühren, al» lautlose. Stille eintrat. Der Meuschenknäuel entoirrte fich, ehrerbietig wichen ste au«etnauder und verbeugten sch demütig. König Salomo stand mttten unter ihnen, ihn: zur Seift der Prophetragrei» Nathan und der Hohepriester nebst einer Anzahl von Prophetenschüftrn. „Wat soll der Lärm auf offener Straße? Ist heute ftin Arbeitstag, daß Ihr müsfig umhersteht?" sagft der König mit seiner klangvollen, so sympathischen, zum Herzen dringenden Stimme. Scheu zogen fich all« schweigend noch weiter zurück, nur einer au» ihrer Mitte, e« war der Tuchhändler Isaak, welcher einer der Wohlhabendsten der Stadt war, ftat einige Schritte dem König entgegen. »Wir alle, die wir hier versammelt", sagte er, »find empört über jenen Miffethäter, der e» gewagt, Dich, unfern König,' zu beschimpsea." »War thut'»", sagte lächelnd der König, »nicht Gott hat er gelästert und darum soll ihm auch verziehen sein! Euch alle kenne ich und weiß, daß Ihr solch einer bubenhaffta Thal nicht fähig seid." »Man muß ihn suchen und wenn er gefunden wird, soll er die härteste Strafe erdulden", entgegnet« der Tuchhäudler, »nicht dich allein, unfern König, un» alle hat er durch diese Frevelthal beschimpft." Freundlich grüßend verließ der König die Menge und begab fich mit seinem Gefolge in die Prophetenschule, woselbst er oft stundenlang zu verweilen pflegte. Und ein andere» Ereignis wurde noch wenige Tage besprochen. Aron Ehaljo war beim König Salomo gewesen und hatte ihn kniefällig gebeten, seine» Befehl wegen Ausschließung au» der Prophetenschuft zurückzunehmen. »Ich Hab« gefehlt, daß ich mit den Ungläubigen verkehrt habe", sagte er in demütigem Tone, »ich gestehe e» ein. — Doch reuig kehre ich zurück und bitte Dich, mein gerechter und weiser König, verzeihe» wa» jugendlicher Leichtsinn verbrochen. Sfth', meine Reue ist ernst ynd nicht früher will ich ruhen, bi» mft wieder Lob wird au» Deinem Munde." Und König Salomo verzieh. »Ist Deine Reue aufrichtig", sagft er, »und ist e» Dir ernst damit, dann soll Deine Schwäche vergessen sein und Du sollst wieder Mitglied der Prophetenschule sein, denn ich kenne Deine Seiste«kräste und weiß, daß Du Schöne» »nd Tüchtige» zu leisten im Stande bist." Und demütig küßte Aron die Hand de» große» König», welch« ihm derselbe gütig entgegenstreckte und demütig verließ er de» König» Palast. (Fortsetzung folgt.) Der„ewigz- Jude" tu moderner Beleuchtung. Der »ewige Jude" hat auf seiner langen Erdevfahrt alle möglichen ltteraische» Schicksaft durch Behandlung in Versen «ad in Prosa erfahren müssen, in einer medizinischen Doktor» differtation hatte man ihn aber bisher wohl noch nicht verarbeitet. Eia bevorzugter Schüler de» benühmten Irrenarzt«» und Professor» Eharcot, Hewc Henry Met ge in Pari», hat ihm da» in diesen Tage» angethan, und mit einer Unverftorenheft, dft ganz fin de Siecle erscheint, den Rachwei» augrtreftn, daß der alte jüdssche Wanderer noch ftbt, da» er in den Bereich der medizinischen Fakultät gehört und periodssch und ziemlich regelmäßig in Pari» gesehen wird. Denn der Aha» vern» nnserrr Sage, der Lartophilu» de» hlg. Gregor von Tonr», der uralte Mensch, der »ach der volk»tümlichen Erzählung bei Pouttu« Pilatu» Thstrhüter war, de» Heiland auf seinem Leidensweg« einen«« Faustschlag »crsetzft und per Strafe waudecv «nß bi» an da» End« der Tag«, ist de» jungen Doftor zufolge nicht etwa «ine »irlliche Gestalt an.

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