Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 31 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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t 7 licht» Eutzücken, so wnrde et axbmrfdtf Mi efiet sich ihm austräugend« gequält, daß dt« lluterhaltmig nt bau» fU' |i fesseln, Ihren Wans« da» verschönernd« Rot, ihre» Auge da» eigentümliche Aufleucht« zu verleih« ver» «ochtt, wenn fi«. auf groß« Gedanken und unpersönliches, d«« Allgemein« gtbrnbc» Fühl« gerichtet war. Wurde sie aber tu dt« bescheidene Region der eigen« Inter effeu giLutt, so war bald dir Farbe au» dem Antlitz, der Glanz au« dem Rüge uud der Aittetl erloschen. Ost konnten fie de» Ab«d» stundenlang bet der Lamp« i» Speisezimmer oeb«etuauder fitzen, er «tt einem Buch, st« mit einer Rrbeit in der -and, ohne daß sie je d« v«such gemacht Hütte» da» Schweig« zu brechen. Dann schweifte wohl sein Blick verstohlen über da» Buch hinweg und Imstete mit plötzlich erwachtem Echöuhett»stuu a« de« «delgefomttm. Ober die Stickerei gebeugten Kopf, an der wellenfSiniigeu Linie, de» weiß« Halse» uud der gefüllig« Rundunz der Form«. Dir äußer«, bi» nun so w«ig gewürdigten Reize seiner Gattin verursachten ihm ein rein stmlliches, ungekrnnte» Sohlbehag«, er gestand fich im Stilb«, daß er fie heiß liebte wie noch nie zuvor, daß er nach ihre« uugeschmälerten Besitz ein sehnsüchtige» verlang« trug; doch der «agend« Zweifel, ob sie . ihm auch ganz grhbre, überdie» eine begreifliche Scheu, i» feine« Alter den uugewohnteo Tau der Zärtlichkeit anzufchlageu, verhindert« ihn, da» Tilge! von der faf verschloff«« Lippe zu lös«, ihr eia« Einblick in sei» Herz zu gewähren. So verging ein Jahr. . Llaudiite hatte fich endlich, uuter schmerzlich« Zuck«, darein ergebet, ihr schön«» Tr mmgebilbc von einem bessern, durch ihr jftuzuthuu herbeige« ührt« Zustand der Dinge fahr« zu lass«; — der lleberschiß au brachgelegtew Empfind« wendete fich «ühltg wieder der natürlich« Quell«, ihre« Gatt«, zu. Ihr Rrchtsfin» belehrte fie, baß ste d« Suwaudluug« von Trauer ob der gestört« Jllustou« fürder fich nicht hingeben dürfe ohne Pflchtverletzuug gegen den, der tu erster Reih« ein« Aujpruh auf ihr SeÄeuleben, auf dt« Reichtüuur ihre» Gemüte» hatte, uud so kam ihre tnuere, latrute Würm« wieder in Fluß und ergoß sich erquickend auf ihre Umgebuug. Uud wieder war der Hochzeit»tag erschienen und die Silber» die wieder vor de« nach rückwärt» gewevdetcr Blicke Elaudtue'» vorbethuscht«, zwischen Licht und Schatten wechselnd, war« immerhin Heller bel«chtet, wie die trüber Nebelgebild« de» Vorjahre». Di« Wollenlagemng«, die ungereimter Mißverstand um de» Horizont zweier würdiger Menschenkinder gezog«, halt« fich zerteilt, die Morgenröte de» Fried«», der Lieb« war langsam aufgestiegerr; noch aber konnte di« Sonne i» ihrem voll« Glauz nicht hervorbreche», well ein uuausgesproch«e» Etwa» zwisch« ihnen lagerte nud da» auffteigend« Licht uwduuftltr. Elaudtne wußte ihrem Gatt« Dank, daß er mit keine« Wort« jene» geheimuißvoll« Etwa» gedacht«, dess« Borhandeusein er, da» ahnte sie, kummervoll anpfaud. Wie gern Hütte fie jetzt, wo sie wieder mit voller Hiugab« fich ihm zugeweudet, ihm alle» rück jaltslo» gebeichtet, von einer Geheimhaltung sich erlöst, die ste zu Zeit« all Unrecht empfand, darob fie sich in quälend« Selbst« MNvürfru erging. Und druuoch mußte fie den uuzestLn» Mitteilung»drang uiederkümpf« uud da» «aselige Geheiumiß bewahr«, da» als uufichtbarr Schranke zwische» ihnen stand pnd di« ersehnt« Aunührung hinderte. Al» fl« jetzt all der tau«« Verwickeluugrv. gedaöfie, au» den« kein Ausgang ihr möglich schien, hörte fi< ihre« Gatt« «Uig sich nähernd« Schritte. , »Sieh' da,' sagte er »tt eine« Auflug von Bitterkeit, .ich brillg« Dir vielleicht ein erwünschte» Augebio d« zum Hochzeitstag«. .Ein« an Dich gerichtet« Brief au» Petrrsharg, — btr Adresse van männlicher Hand.' Elaudiu« «griff beb«b da» ihr dargeretchte Schreib»,' riß mtt ptterndHm.Häud» dm Umschlag ab uud dwrbflo, es «iych währmd «im helle Glut ihr Antlitz färlste. iZertram, betroff» von dies« Zelch« einer hochgradig« Ltregung, bi« seine« beobachtend» Mick nicht entgeh«» konnten, fühlt« wie der Dämon de» Argwohn«» sich wird« zu reg« begann. — Da sah er ihr« Mond von ein»? seligen Lüche! « umsptest» sah d« Brief, d» ste mit steudigm Wort« ihn darreichte: »Freilich ist « ein Angebinde uud «och w.lch' eine»!' Derselbe enthielt nur wenige Zeilen uud keine Unterschrift; et lautete: »Bi« nun hatten Sie, gnädig« Frau, keine Nachricht«, well wir uns«« Bemühung« erst einig« Erfolg siche« wollt«. Nu«, nachdem der erste Schritt gethan, die erste Etappe erreicht ist, «f« wir Ihn« ein« Groß au» dm Feme zu. Deileu Sie, w«n e» Ihn« gut häuft, Ihre« Gatte» Alle» mit, damit er den Zusammenhang von Ursache und Wirkung erkenne." Strahlend von Entzücken erzählte jetzt Elaudtue ihrem Gatt« all« Einzelheiten jener Begegnung in Petersburg. Bertram lauschte ihren Wort« mit seltsam gemischt« Gefühl«. Zunächst empfand er innige Fr«d«, das. e» seiner Gattin beschiedm war, di« Baud« zum Dell zu lockern, in denen sei» Volk, wie r» schien, unrettbar fich wand; an die, sagte er sich mit eine« leisen Anflug gekränkter (fttelkeit, die unermüdliche Thatkraft und eisern« Energie der Männer vergeblich fich abuutzten. Die jugendlich-heroisch« Opferfähigkeil, da» ewig-Weibliche hatten gefiegt und den kürest« Weg zu» Ziel« gesund«, wo der erfinduugsreich«, männliche Gehirnapparat an Unmöglichkeit« zerschellte. Aber wie, war e» nicht eb« die so oft geschmähte Jugmdftchkeit, die Spätblüte einer unfruchtbar verstriche»« Jugmd, die den Jmpul» zu solch hochherzigem Handeln gegeben? — Bertram» angeborener Rechtsfinn hatte ihm schon längst die Erkmntniß beigebracht, daß er in B« Teilung de» Wesen» seiner Frau viel zu schroff gewest» und schwer gefehtt hatte au ihr und fich selbst. Den» war e» nicht schade um di« dem Glück unwtederbringbar verlor«« Zeit, verlor« durch di« verfpätete Erftnutniß, er würde, sollte er da» ganze Erdenrund durchmessen, keine passendere Gefährtin gefüud« Hab«» kein«, die im wahrsten Sinne so sehr zu seinem zweit« Ich fich eignete, al» Elaudine? »Ja', schloß « laut seine Gedaukenreihe, indem er Elaudine fest an fich drückte, »ich kannte de» Werl de» Juwel» nicht, dessen Befitzer ich bin.' »Ein Juwel,' erwiderte fie, »von so viel Schlack« umgeb«, daß der etwa inwohumde Glanz nicht zu« Durchbruch komm« konnte." »Da»' blöde Auge," »sagte er ernst, »haftet au der Schlacke, ohne bi» zu« Sern vordriug« zu könne». Wie oft mußt« Dein scheu behütete» Empfinden enter meiner plump« Berührung leid«, wie oft mußtest Du jene Jogendkrast lüste« hör«, die in ihrer Unverwüstlichkeit, der Hechel zu allem Gut« war." »S» fteut mich un«dlich", sagte fie mit einem trüb« Lächelu, da» wie ein dnrchfichtiger Schleier über ihr leuchtrnde» Gesicht fich breitete, ,^»aß Du der halbgeknickt« Herbstblüte einer verkümmert« Jugmd zu ihrem Rechte» zu' dem Sonnenschein Deiner Liebe, verhelf« wlllst". ,^fa, da» will ich," rief er. fie leidenschaftlich umschlingend, „uud so viel Sonuenschei» muß der arm« Blüte zu Dell werd«. daß fie erst jetzt zur gedeihlichen Entfaltung gelang» soll; — denn ich Hab« viel, sehr viel g.tt zu machen." „Uud doch hattest Du im Gruud« nicht Utrecht," swste fi«, gedaukmvoll ihr Haupt an seine Schulter lehrend. „Den, ob euch a» einer mtt all« Fase« im Charakter wurzelnd» Eigenart tu gewiss« Jahr« nicht» «ehr zu ändern ist, so mußte bst Smßerung derselb«, tu solche» Lebensalter, «Mer um so äugstUcher» Ueberwachuua unterzog« werd». AR« «es» sei immerhin jung und frisch, bst For » ab« muß d« Anschauung« der N mgeb,^ sich anpass«, wenn dt» dvscheide» Herbstdlüte nicht zu einer nnloqu«»» Al ochtt »N^