Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 31 (1893) · p. Seite 122

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
31 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 122 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492351-8722848-5962285--2208-5376040
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

zu einer ironisch«« Bezeichn»»- für «ine typisch-lächerlich« Erscheinung werden soll." „Also sei e«," rief er ihr heiter die Hand reichend; „jung im Empfinden, schwungkräftig im Denken, doch bedächtig im Handeln «nd im ruhigen Tempo dem Zeitenlaufe folgend bi« in'« späteste Alter." Treu diesem Programm verfolgten fie von nun an, wie zwei gute Freund« ihren gemeinsamen Lebensweg, der fie bi« in» hohe Sreiseualter führte, ihnen graue Haare und Furche« brachte, ohne da« Immergrün der Empfindung, die Lieb« zu einander »nd zur Gesamtheit, ihnen ranben zu können. Die Vorbildung des jSdische« Lehrers im Temiuar. Lrhrrrciufereuz-vvrtraa von H. Neuß in Neupadt^Iöd«»». (Forisetzuug von Nr. 12.) UI. «iffeuschaftlich« M jüdisch«« Lehrer«. M. H.l Ich habe schon am Eingänge meine« Bortrag« erwähnt, daß ich heute nicht dir Frage zu erörtern habe, ob unsre jüdischen Seminarien den austretenden Schulamtbe- »erber» dieselben allgemein- und beruf«wiffrnschastliche» Keuat- »iffe der christliche» Seminare beizubringeu imstande find, daß ich vielmehr nur die Frag« zu prüfen habe, ob der Schulomt»bewrrber im vollen, sichern Lefitz der Kenntnisse und Fertigkeiten, aber auch im Befitz« der großen Lieb« und der echten Begeisterung ist, die da» schwere, verantwortungsvolle Amt eine« jüdische» Religion«- und Lolk»sch»llehrer« von seinen Vertretern fordern muß, ob da« Seminar ferner ihn mit Mitteln au»gestattet hat, deo mühevollen Kampf um« eigene Dasein erfolgreich zu bestehen. Wenn ich Umschau halte in der Werkftätt« de» öffrutlichen Leben«, de» Lebenrgang und die Stellung eine« jüdischen Lehrer« betrachte, besonder» inmitten seiner jüdischen Brüder selbst, inmitten der Gemeind«, deren rohe, glanzlose Edelsteine er am meisten doch z« funkelnde« Diamanten schleifen soll; wenn ich au« unfern jüdischen Blättern ersehe, wie „vielerlei Künste und Wissenschaften" di« Gemeinden von ihren einzustellenden Lehrer» und SultuSbeamten fordern und welche« Bettelgeld fie ihm dafür bieten, wen» ich tagtäglich erfahre, daß mancher Großkuecht in unsrer Heimat größeren Loh» erhält, al« der in der Zeitung gesuchte „jüdische Gemeindebeamte" und daß trotz alledem die Vorsteher dieser Gemeiudeu mit Meldungen geradezu überhäyst werden: dann weiß ich oft nicht, soll ich mich «ehr schönen über de» Mangel an Ehrgefühl und Männerstolz unter un» Lehrer», oder über de« Mangel au Bildung und Takt unter den Gemeindemit» gliedern; mehr ärger« über die Unverfrorenheit vieler Gemeiudevorständ«, über ihre Ruhe, di« ttaurige Lebenslage so vieler Lzhrer und KultuSbeamteu auözubeuten, oder trauern über die Dürftigkeit und Mittellosigkeit eine« Teil«, über die fehlend« Opferftendigkett und di« mangelnd« noble Gefinunng de« andern Teil« der Gemeinden. Dan« beklag« ich oft, daß an un» Lehrern — angeficht« der Forderungen der Gemeinde» — wohl die erste Hälfte de» 6. Verse« im 8. Psalm in Erfülluug gegangen ist: .«lat lüssest ihn m» «in geringe« givtt nachstehend daß aber der zweite Teil: »und »tl Ohre und Glanz krönest Du ihn" »och seiner Bestätigung harret. Abgesehen von andere Ursachen, muß ich de» Grund diese« sozialen und finanziellen Uebelftande« in der Vorbildung de« jüdischen Lehrer« im Seminar suchen. Ich sage» daß der Lehrer, wenn er überhaupt eine Lehrerbildungsanstalt befncht hat, dort nicht für unsre Zeit unterrichtet worden ist. Sl fehlt ihm da« gediegene» tieft Wisse» für sei» Amt, für jede« besondere Fach, womit er den kein bl^ße» Amt resprktftrrndrn Inden imponiere», da«' ihm eigene Befriedigung, Seldstgenrgthnuug» berechtig«» Stolz «inflößen könn«. Welche« Maß von Kenntnissen in der Bibel, in der Grammatik,der Geschichte und t« Hebräischen soll der jüdische Lehrer mit in'« Amt bringen st M OlMfCHfMil. 3» allgemeine» fehlt dem jüdischen Lehrer tüchtige Bibel« kenntni«. Es find «ohl der Pentateuch, dft ersten und letzten Propheten übarsetzt worden. Aber folgt daran», daß der Inhalt dieser Bücher nun auch der geistige Lefitz de» Lehrer» ist? Ist er imstande, ohne Hilfsmittel seinen Schülern au» eigenem Kopfe de» Ort, den genauer« Originaltext der bekanntesten Vibelverse anzugebe«? Ans einer Reise vor drei Jahren war ich staunender Zeuge der vibelkeuutni» eine« christlichen Geistlichen. An eine« Gebänd«, da» durch nicht» seine Bedeutung verriet, standen die Zeichen l. M. 88, 17. Auf die Frage einer Begleiterin, wa« wohl diese Inschrift bedeute, antwortete der bezeichaete ebenfall« ortsfremd« Herr: 1. Buch Mose« Kapitel 28. ver« 17. mah norah hamakom haseh. „Wie heilig ist dteft Stätte; hier ist nicht» ander», al» Gotte» Hau«, hier ist die Pforte de« Himmel« l" Ich dachte darüber nach, ob wir, dft doch dem Berufe zufolge btbelkundtg sein sollten, in der Log« gewesen wären, ebenso rasch «nd zutreffend zu antworten. E« müßte ferner verlangt werdea, daß der junge Lehrer eine Kenntnis habe von dem Seifte der hebräischeu Sprache, von dem Uutrrschiede de» Sttl», der Diktion im Pentateuch» im Jesaia«, im Ezechiel, in den Psalmen, in Jjob, ei« Kenntni» der poetischen Elemente in den Propheten, in den Psalmen. KeineSfall« sollten, «oft e« Thatsache ist, dem jungen Lehrer ganz« Bücher der heiligen Schrift in der Ursprache unzugänglich sein, weil fie nicht im Seminar behandelt worden find. Dft Bibel muß vor de« Eintritt in« Amt studiert sein. Man darf nicht von der Fortbildung de» Lehrer» erhoffen, daß fie ihn in deu Befitz der nottoendigen Bibelkund« bringen werde. Die Bibel ist noch imaler Israel» Kleinod, fei« Stolz und seine Rrttnng. Deshalb soll der jüdische Lehrer fie ftnuru al« Jude im Original, al» Deutscher in mustergilttger Uebersetzuug; er soll fie versteh«» al» Gotte» Lehr«, al» Richtschnur der Morai und de» Glauben», er soll fie verstehen al» unvergängliche» uud allererste» poettsche» Werk. Sie sei ihm ein« Waffenkammer, woran» er seine scharfen Geschosse holt gegen knltur« und gott«»ftiadliche Bestrebungen, gegen dft Judenfeind«, aber auch ein herrlicher Lustgarft», ein Parodie», da» ihm di« süßesten Wohlgerüche, dft farbftwächttgsten Blumen und dft köstlichsten Frücht« liefert, um durch ihre Darreichung gleichatltige Glaubeu»brüd«r und GlaubeaSschwesteru zu Bibelfreunden zu «nach«». Jede« jüdische Hau» Hab« auf de« Familftnttsch« die Bibel al» Hau»- uud Sudachttbuchl Da» ist gesunde Kost für Geist uud Gemüt! — tSvrtsetzuu, ftftt.) Mpyovismeu traft Lavftssmeu. HlnwoupoiHkftH. Dft Nachficht kan« dich oft befteieu von de» Vera ehe»« schwerem Bann; Doch selten wirb man Dft verzeihe» Eta unrecht, da» via» — D in grthan. AewstAeve. Sie kamen zusammen. «oft'» oft sich giebt, Und blieben^» für kurze Wand« — " sich innig geliebt, luander. Da» war: sie hattrn'st ch Doch viel zu wenig eiuar A. TlL g4nrt tm Alljed« Lest — bat ihren Stteit. Du lebfnicht blos ihn mitzukä m pfe n. Da lehst auch, um ihn >ntt M dämpfen. (Schkuß-i •" Sb GoGAdtNW des v _ Redakteur Dr-- Rahme», Magdebnrg. Druck: UriodRch Rasche » Eo..

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.