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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 31 (1893) · p. Seite 120

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
31 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 120 (sequence 2)
Language
German
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Leistungsfähigkeit, nicht nur den schmähliche» vorwnrf aa». schließluhe» Schacher» enwaffne», sondern auch zu« Segen der Provinz werden wird, die ihre» Vätern gastlichen Schutz geboten. Dir wüsten, »euschenleerrn Distrikt« «erden sich mit' einer zutgeaährte«, im heiteren Wohlstand lebende« Be» völkeruug fülle»; die slavische, etwa» schwersällige Arbeit», kraft, durch die orientalisch« Regsamkeit wohlthuend beeinüußt, wird ihre Schwingen erhebe» und z« ungeahnter Entfaltung gelaugeu; der Eoucurrenzkampf. auf einem weiteren Operation», ftlde entwickelt, wird, ohne da» moralische Gefühl zu zertreten, dem Geiste einen gewaltigen Sporn verleihen, und — Leben wird an» den Ruinen erblühen." Sie blickte in Extase, wie abwesend, auf die» Zukunftsbild, da« seinen Schleier für sie gelüstet hatte. Doch plötzlich sich ermannend, ergriff sie die Hand de» Fürsten und sie mit jähem Impul« au ihre Lippen führend, rief fie: „O, seien Sie der Wohfthäter meine» Volke», de» Lande»; verleihen Sie den elenden Ortschaften, de» Menschenleeren Dörfern da» fruchtbringende Geschenk de« verfehmten, heimatlose» Jude», und nicht er allein wird ihre» Namen segnen. Die Welt wird Ihre» Ruhmevoll sein und di« Geschichte wftd Ihren Sroßthaten ei» unverwelkbare» Blatt weihen." Der Fürst war sichtlich bewegt. .Sie find eine kleine Bifiouärin", sagte er, ihr milde die Hand entziehend. .Sie schwärmen: — merkwürdig, Phantasie und Verstandesschärfe innig gepaart! Hm, wft wollen sehe»; ich verspreche nicht», doch sollen Ihre Worte nicht ganz verhallen; — ich will Nachdenken. — vielleicht" — Er erhob sich. »Doch nun gehen Sir, liebe» Rind. Richtig, noch ein» — da» unverbrüchlichste Schweigen, sei Ihne» jedenfall» zur Bedingung gemacht. 'Rein Wort, anch Ihre» nächste» Angehörigen gegenüber, komme über ihr« Lippen. Sollte Ihnen etwa» Tröstliche« mitzutheilen sei», sq wird e» durch Graf 3L . geschehen. Im Uebrige» mag ich mich von lästiger Beobachtung nicht umgeben wissen. Und nun lebe« Sie wohl." Wie im Taumel kehrte Claudiue in'» Hotel zurück. Ihr stopf glühte, ihre Pulse hämmerte», und doch mußte sie ihre Erregung im wogende» Busen verschließen, «ft keinem Worte von de« Erlebten eine Andeutung gebe». Ihr Satt«, de» Sie schon anwesend fand, beobachtet« sie mit heftnlichem Erstaunen und zur Schau getragener, kühler Gleichgültigkeit, und e» entging ihm nicht, wie fie abwechselnd erröthete und erbleichte, wie ihre Brust in kau« mebergehalteuer Bewegung fich hob und senfte, wie ihr Blick bald hell aufleuchlete, bald verloren in'» Leere starrt«. Doch auch er befand sich in einem, ihm völlig neuen Gemüthrzustaud. der zunächst al» Object einer psychologischen Analyse seine Wißbegterd« reizte. Er hatte seine Frau im Wagen de» ftemdeu Grafen, also in einer zweideutigen Lage ,eschen, und eine Blutwelle de» Zorne» war ihm siedend zu stopfe gestiegen; — die Dünste einer ganz ^wöhnlicheu Eifersucht, gestand er fich gewiffenhaft, die man mit der Leuchte der Lsnunft zertheileu müßte. — Er ließ nun jede« Ton, jede Beweguug der letzte» Tage, ließ dann ihr ganze» cheliche» Leben vor sei» innere» Auge vorübergletteu und diese, mit eoucentrirter Aufmerksamkeft vorgeuommene Rückschau, vermtttelte ihm dir unumstößlich« Ueberzeugung ihrer völligen Unschuld und Serlenrrinheft. Und noch eine zwiefache Wahrnehmnug ttat ihm durch diese Rückschau mit völliger stlarhett in'» Bmenßtsei«: daß er ihr, de« Segenstavd seine» gegen- «ärttgeu Studium», bi» «»» viel zu wenig Beachtung gewidmet, und daß er st« heiß und begehrlich liebt«, um so heißer »nd begehrlicher, al» fie ihm zu entschlüpfen droht«, — z» eutschlüpfe», nicht etwa ft» Sinne einer gemeine» EifersachtSdü fielet, sondern in ganz ander« Weise. E» überka« ihn plötzlich der Gedanke, wie er Elandin« ß» abwesenden Blicke» vor fich sich, daß sie nicht «ur t» aegeu- Momeut, sonder» überhaupt, »er weiß ob «lH für immer, von ihm getrennt in ein« Welt lebte, zu der lh« der Schlüffe! fehlte, und sei« Herz zog fich krampfhaft zusammen unter einem stechende» Schmerz, wft er ihn in einer rein persönlichen Sache »och »ft empfunden. »Elandtne", rief -er, diesem Schmerz in bitteren Worten Lust machend, „ist der gehetmuißvoll« Zweck Deine» hftstgen Aufenhalte» nun erreicht, und gestattest Du, daß wft endlich zur Heimfahrt nn» a«schicken?" . Sie erwachte jäh au» ihrer Träumerei. »Du willst abreiseu?" frug fie uuterwürfig, „zu jeder Stunde bin ich bereift'. Wortto» legftn fie dft Reis« zurück, still und in fich gekehrt betraten fie dft Schwelle ihre« Haue». Bertram wendete fich wftder seiner vielseitigen Beruföthätigkeit, Claudtne ihre« händlichen Obliegenheiten zu, urid Beide zwange» fich znr Arbeit, dft ihnen nicht, wft ehedem, Freud« am vollbrachten vermittelte. Dies« Reise nach Petersburg hatte ein« äußerlich nn» merkbar«, innerlich aber ttef einschneidend« Wandelung in ihren Empfindungen hervorgobracht, unr bei Beiden in entgegeugesetzter Richtung. Für Llaudiu«, die bi» dahin mit schmerzlichreger, fast au»schließlich«r Hingebung ihre gegenseitigen Beziehung« studiert, gleichsam den PulSschlag ihre» Eheftben» ängstlich belauscht hatte, lag da» vergangene in verschwommenen Nebel gehüllt. Sie konuft alledem kein rechte» Lerständniß, konnte der Gegenwart mit ihre» täglichen Forderungen anch nnr eine» kühle» Antheil abgewiuuen; — all ihr Sinne«, ihre Sympathft, ihr bewegte» Innenleben galten ihre« selbstlosen ZukunftSträume»: ihr »ach innen'gekehrte», leuchtende» Ange war unablässig auf den einzigen dunklen Puuft gerichtet, deffeu Enthüllung fie mit fieberhafter Spannung entgegen harrte. Bei Lerfta» hingegen war, in Folg« der durch dft gewaltsame Nervenanspannung der letzten Zeiten erzeugten Reaction, eine ganz entgegengesetzte Gefühttftrömnug ei «getreten. Gedrückt durch oft ihm gewordene» Enttäusch»»««» erschüttert im Glauben an sein« straft und an dft Etspneßlichkeit seine» Wirken», au dft Möglichkeit de» Gelingen» vei^weistlnd» sah er um fich nicht» al« trübe Wolkeulage» rangen, und im instinctiveu Selbsterhaltuug»trieb sucht« er nun tu fich, in seiner Häuslichkeit einen Stützpunkt, de» archimedischen Punkt, wo er dt« Hebel zu erneuerter Arbeit an» setze» konnte. Zu dieser Seelenstimmuug war «» logisch erklärlich, dah er seine» Gefühlsregungen, seinen iunere» Daset»», bedingungeu, eine eingehender« Beachtung widmete denn je zuvor, uud ebenso, daß Llandin« der An»ga«g»- und Endpunkt dieser psychologische« Stndft war. Inaner wieder mnßft ft fich sagen, daß ftpu ihr Wesen, ihre Eigenart ftemd geworden, vielleicht auch stet» fremd gewesen. Weshalb Die»? - Dft Lösung diese» Problem» reizte nicht blo» dft Eigenlieb« de» Forscher», sondern anch de» eifersüchtige« Zorn de» vermeintlich in seine« Rechten beeinträchtigten Gatt«. Warn« sollte er nicht alle» wifien? Warum sollft ihr Innere« nicht »ft ein offene» Buch vor ihm liegen? Daß fie ihm etwa» verbarg, lag klar zu Tag«; — jede Post, dft dft Röthe der Erwartung oder dft Bläffe der Enttäuschung in ihr« Waagen trieb, sagt« ihm die» zur Genüge. Doch verbarg fie e» ihm, weil fie zur Geheimhaltung gezwungen war? oder. wetl fie e» einfach der Rühe nicht werth hielt, ihre ' Sorgen und stümmernifs« «tt ihm z» theilen? Behuf» Orftntirnng in dies« ihn beschäftigenden Frage» trieb «» ihn jetzt häufig von seine» Bücher» weg, in Elandin«'» l Blondotr, wo er, «stet irgend einem Vorwand, st« in et» Gespräch verwickelft. Erstaunt über diese» plötzlich erwachte Mttteilnng»b^ürf»t», trug fie ihm gutwüttg. ob anch oh« hesonderen Anteil, Rechmeng, «d Bertram mnßft üach solche» Gespräche fich immer wftder gestehen, daß er von der Hastigkeit ihre» Geiste», der Originalität ihre» Denken» «nd von der Füll «tnerworbener stenutntffe nicht «ine vorsttllnu, hatte. Erregft dies» Wahneehmuun sein

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