Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 30 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mficx Schicksale, verwickelterer Sahir, ««»halb *» «nh dem obj«kti«» Forscher nicht leicht ist, hier eine «issenschlftltche Analyse z» liefern, bi« eigenartig« Mischung von G»t and Böse io ihre Bestanbtheile aufzulösen, »der-auch nur klar bi« Ursachen zu bestimmen, an» denen eine Summe betrt beider Wirkungen sich ergeben. Wie sollten also die MLnurr der Thal e» venntgeu,' denen in Gedränge der Tagesereignisse einfach die Zeit hier»» gebricht and dt« gleichwohl ihre» »erckntwortlichen Ante» «alte», die Geschicke der 861frnach ihrem Ermessen lenken?" „Da» wäre eigentlich eine «»klage in Form einer Rechtfertigung", sagte der Fürst ernst, „aber eine unverdiente. Hat stoch unsere hohe Regierung ihre holdreich« Gesinounz und Unpartheilichkeit ihren schlechteste» Uuterthane» gegenüber bekundet, indem sie ihnen so viele Gonvernrment» zum L lohn fitz überltest» wo sie unbeanstandet ihrem Erwerbe nachgehe» K aoeo." „Unbeanstandet", rief st« in ihrem jugendlichen llugestüm, „sie, di« keinen Schritt machen kbnnea, ohne bcft der Stanowoj*), der Uvadntk**) ihnen ein donnernd«« Halt §«- rufe». Di« selbst in diese» weoigeo Gonvernement« d,« uuermestltche» Reiche», von allen Aenüern, der militärisch m, juridischen Laufbahn, dem Grundbesitz fast au«gefchloffen, nur dem Handel, dem Kleingewerbe sich widme» dürfen?" „Die Hebräer find doch seit unvordenkliche» Zeiten ein handeltreibende« Volk, wie etwa die Phönizier", sagte der Sürst leichthin. „Sie sind, wozu man sie gemacht hat —" entgegnete sie rasch. (Lchlnj, folgt.) Ei« Jwteriwietz» »ei Ahlwerrdt. «nf mein recht kräftige« Schellen — eine «ngewohnheit von mir bei Leuten, di« nicht hören »ollen — thaten sch mir di« änstern Pforten de» Heiligthum» auf, in besten Znnern der Hohepriester der Berläumdnna «ad Ehrabsch iriderei seine» «mte» waltete, und ich überschritt dt« Schwelle», empfengen von einem weiblichen Cherub mit einem Besen in der Hand — «in böse» Omen. St«: Wa» wünsche» Sie? Ich: Entschuldige« Sie, könnte ich vielleicht de Ehr« ^habe», de» einzige» Mann de» Jahrhundert» . . . St« (mich unterbrechend): Met« Man» ist sehr knapp in feiner Zeit, must bald tu de» Reich»tag und hat hent, Abend «i»»en Vortraa u Kalten. (Aha, dachte ich, ich Hab« also dt« zart« Ehehälfte mit de» Tributen ihre» ehelichen und h仫lichen Walten» kor mir, stte den himmlische» Lorbeer in da» irdisch« Loben ihre» schwergeprüfte» Gatten stocht, begahlt« und auf» Haupt ihm I »rückte.) Sie (fortfohrend): Soll ich Ihne» gleich 25 verastxtche»? Ich (betreten): Aber, verehrtest« Frau Retchötag»abgeordnete. . . Sie: Unter 25 Eintrittäkarten giebt'» nicht t« Sorver» kauf i» den Sorträge» meine» Manne», und jede Mühe, weniger z» erhalte», ist von vornherein vergeben», llnch ist >«in« Ermäßigung de» Eintrittspreise» von 30 Pfeueig pro Stück gänzlich anggeschlostea, den» bet der herrschenden Dürr« ist der Prri« de» Lorbeer» und der Kartoffel» in die Höhe gegMGen. Wen» Sie jedoch dnrchan« nicht in der Law sind, sollen Sie an»nahmüw»ise et, Dutzend Billet, k 25 sifennig erhalten, aber darunter m keine» Pret». I ch (den Moment benützend, den sie »um Athmcholen verwendete): Da»«» nachher, verehrte Fra» Reichstag»« bgeord» »Ir. Ich möcht« »nüchsi einig» kostbare Minnwn Ihre, n Herrn fnn|l minf MM ti$€ fftaM *ibrift liif—ft |i Gl, (bei Sette): Alf» et» Inter»iewerl Ei» lästige», .gSstwindlgi? Üebgll — (lant mit erzwungener ffremid» lichkett): Bitte» näher zu trete»; ich werde «einen Mann inzwischen in Kenntnist setze». Ich wnrde in ein Borzimmer geführt, welch«» augen- «nd „naseuscheinltch" bi» »or Kargem }u einem Interim»- Sindertzimmer gedient hatte, und sah mich »m. Der Raum war mit raffinirter Einfachheit avSgestattet; anster de« nothdürftigsten Mobiliar siel ein Aktenregal auf, vor dem ein Bärenfell au«gebreitet lag, da» einst bestere Tage gesehen und vielleicht schon de» alten Germanen al» Lagerstätte gedient hatte, überdie» Spuren hänfiger »Betretung" an sich trug, die darauf schltrsten liest«», dast sei» Besitzer auf demselben sich oft in sein« Aktenstudien vertiefte. An der rechten Seite — die linke Seite war merkwürdig vernachlässigt — hing an einem Ragel die berühmte Reich»tag»hos«, sehnsüchtig bereit, ihren Eigenthümer mit offene» Bei»«» zu empfangen. Da» Zimmer machte ans mich eine» tiefe» Eindruck, aber ich hatte nur noch Zeit, ein« in glatzlosem Rahmen sorgfältig geordnete Käfersammlung „in mich anfznnehmeu", welch« bei nähere» Hinschauen al« die Medaillonkvpfe der größten Vorgänger Ahlwardt» — von Awalek bi« ans die Jetztzeit — sich er» wie», al» ein« Thür sich «ufthat und „fU" wieder»« hereintrat. Sie: Wolle» Sie gefl. eintreten, aber, bitte, machen Sie e» kur, mit meinem Manne — fügte sie mit bezeichnender Handbewegung hinzu. Mit heiligrr Scheu folgte ich der Aufforderuna und nach wenigen Sekunden stand ich vor dem deutschesten Mann. . . . „Ich habe mir immer gewünscht, den Mann mit dem vernichtenden Blicke zu sehen" Ich erlaffe mir die Beschreibung vom Exterieur diese» Märtyrer« für alle gnien Sachen »ad mehr, in der Borauäsetznng, dast dem Leser die diesbezüglichen Berewignagen de« „Ulk" und ähnlicher Blätter zu: Genüge bekannt fein dürften und geh« zur Sach« über. Rach einer devote» Berbengung meiuaffettS Er (mich mißtrauisch betrachtend, wobei sei« Blick anfmerksam auf meiner Rase haste» blieb): Sie wünschen einige Frage» an «ich zu richten, ich steh« zur Verfügung. (Ironisch): Rauchen Sie? Wen» ja, dann genireu Sie sich nicht, ich habe da» Rauchen seit meiner letzte« Billegiatm in Plttzenfee an den Nagel gehängt. . . . Ich: Wir denken Sie über di« Indenfrag«? Er (witzig): Einem Juden beantworte ich überhaupt kein« Frage! Sie find mir alle recht gletchgilttg, nachdem ihre Existenz meine« Emporkommen bereit» gedient hat. Ich habe nnr den Wunsch, dast sie rin« Kopfsteuer entrichten, ihr ganze» Lermügeu auf dem Altar de» Beterlau de» nieder legen, getauft »nd au» dem Land« gejagt werde» sollen. Mt den anderen »91/, Millionen Inden zweiter Claffr »erd« ich sodann schon allein fertig werden. Wenn Sie wünschen, kann ich Ihne» drei Centn er Aktenmaterial vorlege», worin Sie meinr Idee näher «»»gearbeitet finden werden. Ich '(anerkennenden Tone»): Ein Rezept, wrlche» tu seiner Einfachheit an da» Ei de» Kolumbu» erimwrt und durch sei« radikale Heilkraft recht »vohlthuend berührt. Bei der anerkannte« Glaubhaftigkeit, dte Ihne« und Ist»» Akten innewohnt» verzichte ich dankend auf ei« DnrWcht derselben. Weichen Sie der Antisemitrnfraktion sich «schließen, bezw. an deren Spitze sich stelle»? Er: Rein, und tausendmal netn l Sie stehen alle bei mir im verdacht, Inden z» sein, »amentlich Böckel; nicht allein wegen der Geschichten, die jüngst im Reichötage über seinen Sater znr Sprache kamen — Anderen gegenüber exkr»« ich (ante de mieu da» Rerdtkt de» Reichütage» gei». a» — sonder» auch, »eil sein Ram« mir nicht gefällt. Drei- Mal hat Mose» unter bestimmte» voranüsetznuge» den de» .Höckel" nnwrsogt; diese äbergroste Bor sicht führtans di« Bermnthung, dast dieser von de» Irden ' und n»r äußerlich vielinmdit »sich, damit der Um RmtevMnllüüäiÜitll tat Idaia M