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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 28 (1893) · p. Seite 109

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
28 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 109 (sequence 3)
Language
German
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'Küßen, dir durch den hohen Baumkronen verdunkelten Alleen, Alle» vermitteln einen großen, fast feierlichen Eindruck und erhöhte die Leben«thäti-k«tt. Gerötheten Antlitze» schritt sie elastisch an der Seite de» Barou» daher, deffen durö, ihr« Schöuhrit gefesselten Blick st« ebensowenig beachtete, wie sein leichte», den erfahrene» Weltmann, aber auch deu oberstitchlichen Eauseur bekundende» Geplauder. „Nicht wahr, genau wie die hängenden Gärten de: Semtramt», da» heißt »enn wir wüßten, wir sie auSsahen. — * Da hielt er plötzlich tune, und auf einem ihnen langsam Entgegenkommenden »»eilend, rief er erfreut; „Ah, fleh da, Graf H . . . Hat auch Sie da» herrlich« Frostwetter In'» Freie gelockt?' — Und seinem Blicke folgend, der an Slaudine haftete, süate er eilig hin»u: „Gestatten Sie mir, meine Gnädige, Ihnen meinen F eund, Graf H . .., Secretät de» Mnifterium» de» Innern, iwrzustellen.' Baron H . . . hatte abfichtlich, wie «» Llaudine chien, Titel und amtliche Funktion de« Freunde» betont, um bei rtwaigeu «rußerungen str »ur Vorsicht zu mahnen. Oluehin durch Lectüre und di« in ihrer Gegenwart geführten Gesiräche Genugsam unterrichtet, um in der Anwesenheit «ine» highere» russischen Beamten Fallrisen und Fußangeln zu argwihnen, lenkt« fie, der Abfichr de» Baron entgegenkommend, bau Ge» fpräch in die «bene Bahn der Kunstkritik, zu der die architektonisch-großartige Anlage de« Parke» den Anlaß gab. Man tauschte bald lebhaft die Ansichten au» über englisch: und französische Gartenkunst, über die Berechtigung de» Eingriffe» von Le Nötra’x kunstfertiger Schee« in die wild« Pracht der »»gezügelten Ratur, und von diesem, Zweiggebiete zu den, weitem Feld« der großen Kunst war der Uebergang un chwer gefunden. Der Graf, frappirt von einer Bemerkung 3 audi- «e» über di« zumeist willkürliche Elassistcirung der Schulen nnd Epochen, bekundete bei Beleuchtung diese« Standpunkte» eine solche WissengfÜlle und künstlerisch« Schulung de» Urtheil», daß Claudtne ihrerseits ihr Erstaunen kaum ver -ehlen komme. „Ihr, di« in Folge ihre» eigenen Bildung»»«ange« wie de» ihre» Gatten an germanische Gründlichkeit sich gewöhnt hatte, war da» slavische Wissen«rlrment stet» kl« zu ' leicht, nur die Oberfläche der Dinge streifend, erschienen. Und vollend» da» russische Beamtenthum gal» ihr, in seinem beschränkten De»poti»mu», al» der Inbegriff kraffester Jgnrranz. Äin trat ihr hier ein Repräsentant de» gehaßten und gefürchtete» „Tschin'*) entgegen, au«gestattet, nicht nur mit seinen, . ä»ß«ren Cultursormen, sondern mit solcher Vielseitigkeit«» der Kenntniffe und Gesichtspunkte, solch Hellen, liberalen Anschauungen und solch erleuchtetem Urtheil, wie fie eben nur den hochruävickrlte» Westeuropäer kennzeichnen. Mii der ihrem Wesen «igenthümlichen Jugendlichkeit lieh fie der Ueberroschung, die sie in de« Moment beherrschtk, den entspreche»!)«» Aul «druck. -Der Gras blickte in ihr vom Eifer der Red« leicht gerkthete» Antlitz und e« dünkte ihm in seiner sprühenden, geip vollen Lebendigkeit schöner al» irgend eine», da» er bi» nun gesehen. . .Die' kommt e» nur — verzeihen Sie di« ind »cret« Frage,' sagte er unvermittelt, „daß Sir, gnädige Fr>u, so ander» find wie Ihre Glaubeutgenossinnen?' „Anderssein schließt nicht immer rin Bessrrsrin in sich,' entgegnete sie. „Doch, gestatten Sie mir die Gege» frag«, war veranlaßt Sie zu dieser Bemerkung, zu deren Diotivirung Ihnen bei unserer kurzen Bekanmschaft da» psychol »gische Material fehlt?" „Zunächst di« blond« Haarfarbe, die deutsche Ärürd^tHkeil, der griechisch-rege Formeufinn. Nehmen Sie nur diese einzelnen Züge zusammen," sagt« «r lächelnd, „unb e» ergibt sich ein Bild, da» dem orintaltsche» oder semitische» The»« so -unähnlich ist, wie dt« bla»e Blume der Ro«antik etna der Stechpalme, di« in unsere» Niederungen »egetirt." Wer ader trägt die Schultz daran, daß die verkrüppelte Stechpalme nicht zu dem schattige«, edle« Palmbaum« sich entwickeln konnte, zu de« die Natur und die ihm in«e» - wohnend« Keimkraft ihn bestimmten?" Gin verlegene» Hüsteln von Baron H. und seine etwa« hastig« Unterbrechung, „wir find eigentlich vom Thema abgekommen," sollten ihr al» Warnung«zeichen diene». Doch ihr heiße» Irmparament, da« in Momenten innerer Erregung schwer einzudämmen war, behielt wieder ei»mal die Oberhand. „Man hat," fuhr fie bitter fort'» „eine so verächtlich« Meinung von un» Juden, daß man dem Einzelnen kein bessere» Lompliment zu machen glaubt, al» wenn man ihn al» Ausnahme bezeichnet. Und kennen diejenigen auch nur oberflächlich da« Volk» »velche« von den Pfeilen ihre« Haffe» »nd ihrer Verachtung durchbohrt wird? Da« häßlichste, kriechend« Insekt, der Stein, der au, Wege liegt, wird vom Forscher ciner Untersuchung unterzogen, ehe er irgend einer Rangordnung deigezählt wird, und hier wird ein ganzer, au« den orr» schiedensten Bestandtheilen zusainmengesetzter volk«ftamm, mir frivoler Leichtfertigkeit, clasfifizirt, abgethan, zu den Todten geworfrn." ,,E« ist wahr," erwideri« der Graf in mildem Tone, „daß man gemeinhin die Hebräer al» eine Rotte habgieriger Schmarotzer betrachtet und daher den» der in seinem Gebahrru diese festwurzelndr Ansicht Lügen straft, leichthin al« Unicom, al» Abart, erklärt. Ich selbst, — " eine leichte Röth« färbte sein ernste« Gesicht — „war bi» nun in dem Bann diese« verderblichen vorurtheileS befangen, und eine gewiff« ästhetisch« Scheu hindert« mich, e« auf seinen richtigen Gehalt zu prüfen." (Fortsetzung folgt., Sprichwörter de»ttscher Jude«. Bon Leopold Vi andl. Unter mährischen und oberungarischen Juden hört uian n«ttunter da» Sprichwort: „Af den Ganef brennt de« Hütet" (Auf dem Diebe brennt da« Hütchen). Da« Sprichwort wird verwendet, wenn jemand, der eine« bösen oder lustigen Streiche« verdächtigt wird, durch sein Verhalten Verlegenheit verrät. In Preßburg, wo ich'» öfter vernommen, erfuhr ich folgende« rüber den Ursprung. Ein weiser Rabbi, um den sich ein: groß« Schülerzahl versammelt batte, hielt einen talmudischen Bortrag, dem Alle andächtig lauschten. In der dichtgedrängten Schar der Jünger befand sich einer, der r» mit dem Unterschiede zwischen Mein und Dein nicht ernst nahm: der benutzte die Gelegenheit und stahl einemderHörer die Barschaft. Nach Schluß de» Bortrage« bemertte der Bestohlene den Abgang seine« Geldbeutel« und erzählte unter Thränen, wa« ihm zugestoben. Der Rabbi, vom Vorfälle verständigt, befahl die Saallhür zu schließen und begann mit einer Moralrede, die da» Verbot de« Diebstahl« zum Gegenstand« hatte, und musterte dabei seine Zuhörer mit scharfen Blicken: er schilderte die große Versündigung gegen Gott und Menschen, da« schwer« Verbrechen und di« Folgen in diesem und im jenseitige« Leben und rief plötzlich in größter Ekstase: „Af den Ganef brennt da« Hütel!' Da griff der Dieb erschrocken nach dem Kopfe und war entdeckt. Die Jünger der Ieschiba hatten, wie e» dazumal Sitte war, mit Hüten da» Haupt bedeckt; da wußte der gute Rabbi von Anbeginn, daß der Dieb irgendwo unter dem Hute steckt». Darauf baute er seinen Plan, durch den sich da» weftere von selbst gefunden. Mein gottseliger Later, der in Miava in Ungarn lebte, ex- - zählte von ei«er Prozedur, die zur Entdeckung eine» Diebe« ge^ , führt, die wohl nicht geistvoll, aber sehr auffäLtg ist: Sch» Lehrer nameu» Rabbi Jehuda Leb, nah« einen Reuter, durch defie» Holz «ine Schnur gezogen war. hin, sekben an feine Siatcr, drehte ihn und sprach te: Pfatm &0, Ver»rSt tz»A ML. er mehrere Male gemacht tzgben. «WPAfi JatJKoMK tMm.t»

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