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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 26 (1893) · p. Seite 101

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
26 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 101 (sequence 3)
Language
German
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in persönlicher Angelegenheit reise ich, sondern »eil ich in der heutigen, stürmischen Sitzung zum Vertreter unserer mg geschädigten Interessen ernannt wurde und die Vertretung übernahm, da kein Besserer für diese ehrenvolle aber gefährliche Mission sich finden lassen wollte." „Und Du willst einer ficheren Gefahr Dich auisetzen, willst Dein Leben oder »um mindesten Deine gesicherte Zukunft in die Schanze schlagen?" „War liegt an den Einzelnen bei dieser Massenaufreibung? Sind wir doch immerhin nur Futter für die nächste Gene ation. ES ist aber unerhört und kaum länger zu ertragen." Seine gewohnte Zurückhaltung wich der gewaltsamen Erreguvg und in erhöhtem Tone fuhr er fort: .Menschenwürde, Bürgerehre, was ist das bei im» zu Lande? Ein hohler Begriff, — und wie würde man dem ftl» Gesicht lachen, der vollends für die Juden etwas Derartiges in Anspruch nehmen wollte. ^Doch darum handelt es sich auch gar nicht; ein von Jägern umstellt:«, von Hunden gehetzte» Wild, wie sollte dieS an solch ideale Errungenschaften auch nur denken? Einfach um Luft und Raum für'» itthemschöpfen gilt der Kamps, die verzweifelte Nothwehr. Ir einer Provinz dürfe» wir wohnen, in zehn anderen nicht; hier können wir Handel treiben, ohne da» hierzu erforderliche Domi silrechi zu erlangen; dort wird uns die Ausübung d«S Handwerke» gestattet, das entsprechende HandiverkSzeug aber verwcigert. Alte, in der Arbeit ergraute Handwerksmeister müssen ich zu jeder Stunde eine Ueberprüfnnz ihrer Leistungsfähigkeit gefallen lasten, und die Prüfenden, die die Ertheilung des Zeugniffe», von dem Aufenthaltsrechr und Existenz abhängt, in Hände» haben, sind Zunflgenosten, Konkurrenten; — man kann sich denlen, wie cS bei neun Fällen unter zehn mit der Objektivität des Unheils bestellt ist". — Er verfiel in düstere» Jörüttn, daun nach einer längeren Pause fuhr er dum» fort: ..Jetzt sollen wir zum Eide nicht mehr zugelassen »oerden, ein Recht, daS au» einer Pflicht fliehend, in änderen Ländern dem Geringsten nicht vorenthalten wird. Die geheime Denunziation eines Juden findet bei den Gerichten ein r ur zu williges Ohr, auch wenn sie, oder vornehmlich wenn si> einem Glaubensgenossen gilt, aber ein öffentlicher Ent- oder BelastnngSeid soll von nun an keine Geltung mehr haben Und daS nennen sie redliche» Rechtsverfahren. Wie soll da» enden?" — Heftig bewegt durchmaß er da» Zimmer. (Z, tsetzung folgt.» Lev Phonograph ein Mnttfemit. Humore«ke von S. N. Margulie». Der Held unserer Geschichte — wir wollen hn A. nennen — war, vielleicht in Entschädigung für and« re ihm von Mutter Natur versagte Anlagen, mit einem großer Hang »um Abenteuerlichen und Bizarren, mit einer starker Dost« Geuußsncht und mit mehr L«ben»leichtfinn denn Leb« »»ernst «»»gestaltet. Er war übrigen» darin nur Einer von so Bielen einer großen modernen Menschenklaffe, die GlückSgüt:r und Nrichthümer rasch erschwingen möchten, und auf wrlihe da» Lori der Schrift „im Schweiße datue» Augeficht» sollst du dein Brot efleu" gar nicht gemünzt zu sein scheint.?für mit solchen Dispositionen behaftete Individuen haben die gewöhnlichen bürgerlichen Beruf«, di«, ach, gar so langsam zur, Ziele führen, nur wenig Bei». Am liebsten möchten fie per velogiped den steilen Berg de» Glücke» hinanftagrn. — Sein Later, der ein ehrlicher Krämer war und sich durch mühsamen Fleiß «in Erklecklich»« erworben, ließ ihm auf seine» Theil ein kleine» Bermögen zurück. Damit hätte « gang -nt da», selb« Geschäft weiter führen oder fich eine» anderen austäudigeu Gewerbe znwenden können. Sine einfache kaufmännische »der gewerbliche Thätigkeit entsprach aber nicht seinem Seschnuckr. Er war «in Müffiggäutzer und vergeudete zurrst dir Zeit »ft Spieß» «seien bei»'Kattenstziel ft» Lokalen Wvetselhasteu Rufe». Anstatt aber, wie er hoffte, den Andern da» Geld au« der Lasche zu locken, mußte er fich von manchem blank,m Goldstück trennen und gab diese Beschäfttguug al« nicht „rentabel" auf. Nach etwa» Größen», Häherm stand fein Sin». Sine zeitlang feffelte da» Soiteriefpiel seine Aufmerksamkeit, und er kaufte viele der buntbemalten, glückverheißenden Papirrstreifen, die die Kolleeteure in ihren Schaufenstern mit großen Lettern anpriesen. Aber die launisch« Fortuna ließ, beinahe kam e» ihm wie ihm zum Trotze vor, just keine seiner Nummer herauSkommen. Die Sa«hr wurde ihm denn auch endlich überdrüffig. Da er fich aber während der Zeit, daß er diesem „Berufe" nachging, sehr viel mit Traumbüchelchen und dergleichen nützlichen Schriften befaßte und an sich selbst die Erfahrung machte, wie lohnend es sei, auf die Leichkgläubigkeit de« Publikum» zu spekuliren, so verfiel tr auf einen neuen Erwerb. Er rückte Annoncen in die Zeitungen ein, ir: welchen er sich al» einen noch größeren Mathematiker al» Professor Orlice zur Berechnung der Nummern, die bei jeder Ziehung au» dem Glücksrade HerauSkommen müffen, anbot. Für nur 5<> Pfennig in Briefmarken übermittele er jedem direkt fein (ileheimniß. Da die Ranen nicmak» auSsterben, gingen Biele auf den Leim; e» liefen reichlich Bestellungen ein und würden ihm, wenn er Ausdauer gezeigt hätte, auch dauenid einen guten Profit abgeivorsen haben. Aber Geduld, langsame» ForwärtSkommen und mit kleinen Anfängen sich zufrieden geben, lag nicht in feinem Charakter. Der Erfolg hätte gleich ein durchschlagender sein müssen. So wandte er sich tenn auch von diesem neuen Geschäfte ab. Dg er aber schon einmal auf dem Wege war, auf tan Felde der Annoncen den »Segen de» Herrn, der ohne Mühe reich macht", zu suchen und eine gewisse Routine in der Auffindung solcher Geldquellen erlangt hatte, wollte er hier weitn im Trüben fischen. Die»- mal kündigte er nicht «ehr Nummern, sondern PreiSräthsel an und setzte für die richtige AufiSlung Prämien fest, die au» goldenen und silbernen Uhren, einem Mufikalbum und einer wertvollen, seltenen Briefmarkensammlung bestanden. Lar auch diese Idee nicht mehr neu, so erwie» sie fich doch al» ein vortreffliche« Lockmittel. Der Briefbote war jetzt ein viel öfterer Gast in seiner Wohnung und brachte ihm täglich au« Nah und Fern eine Menge Briefe, denen die verlangten SO Pfennige beigefügt waren. Merkwürdig war e», daß viele der Auslösungen von Damenhand kamen, die die Auflösung und den Obolu» einschickten, mit dem ausdrücklichen vermerk, daß fie auf den Preis großmüthig verzichten und e» ihnen nur ein Lerguügen mache, die Gedanken de» großen Unbekannten enathen zu haben, wa» fie übrigen» gern bestätigt wissen möchten. Durch «ine gewisse GedankenSaffociation kam er auch bald daraus, neben den PreiSräthseln zugleich Patente au» allen Herren Länder auzubieten und entlockte damit braven Mens«heu, lindern noch viel größer« Summen, stellt« aber die Sache etwa» ungeschickt an. vielleicht war e» indeß nicht ganz seine Schuld, aber mit de« Schicksal» Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten, und — die Staatsanwaltschaft schreitet schnell. — Seine Betrügereien kamen zu Tage» er wurde zu längerer Haft verurteilt und nach Abbüßung derselben au» der Hauptstadt veriviesen. Eine Zeitlang inte er ziel - und planlos ohne ein Leitmotiv zu neuen Anschlägen umher. Dn Hang durch solch« Mittelchen und Kunstgriff« de« Leben» Last und Müh« zu eNragrn, bildete fich aber bei ihm immer stärkn heran». Nur daß tx jetzt, ernster geworden, fich darauf verlegte, wirklich etwa» Solide» zu erfinden» da» in einen reichen Goldretzen fich verwandeln könnte. Er hatte viel davon erzählen gehör», und auch zuweilen etwa» drüber gelesen, »f« die Erfindung irgend einer nützlichen Maschine, oder auch nur «lue» neue» Modeartikel», ja selbst eine» originellen Sptelzeuge», besonder» im Land« der Uankee», oder in der Hauptstadt der Set»« Einen über Nacht »um Krösu» gemacht. Da» wäre so da» Nichtige für ihn gewesen. Und wirklich saun uud grübelte er darüber nach, und war erstaunt, daß thw» trotz atzen Kotzfzerbrrchen», nicht» einfiel. Er hätte gern bei Jemand in Witze«

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