Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 26 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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.Antisemitisch^ Versammlung, antisemitische Agitation- Vötsenjaden, Semite», Antisemiten a. i. ».*, da» war fast zioischeu allen Spalten zu lesen. Seine Neugierde wurde rege, und vielleicht »um erste» Male nach Zähren» besonder« seit!»«« er mit wichtiger. Sachen z» thun hatte, setzte er sich hin und la» dit- Zeitung von Anfa»g bi» zu Sud« durch. Ihm lag «4 hauptsächlich daran, sich über diese Dinge, di« ihn i,«stinkt» mäßig autogen, einen Begriff"»» verschaffen. Al» er mit der Lectüre zu Ende war, sah et in seine« Kopfe womüglith noch konfuser au» al»ruvor. Mit den Fremdwörtern stand er immei etwa» auf de« Kriegsfuß, so einem Wort wie .AotisemitiGnu«- war er aber noch nie begegnet, weher in den populären Schriften über Erfindungen, noch in den Annoncen, die er la«, und in der Bedeutung diese» Worte», sagte er fich, muß doch ein tiefer kerniger Sinn stecken und der Schlüffel zu dem San»«« liege». Er nahm ,um Fremdwörterbuch, da« er besaß, seine Zuflucht, aber wie staunte er, e« darin nicht zu finden. Me konnte er vermuthen, daß diese», welche» ziemlich alt und noch sogar vor Stöcker» Geburt erschienen war, selber da» Won nicht Ilannte. Er hätte auch da« Wort „Phonograph" darin nicht grfindr«, weil diese Erstndnng, sowie die de» Antisemitismus noch beide so neu find. Doch ruhte er nicht, bi» er den Sinn, oder Unsinn diese» schwerverdaulichen Worte», da» eine geheime Anziehungskraft auf ihn anSübte, erfuhr und gewann meikwür» dtgerweis« Interesse für diese netten Sachen» er, der bi» jetzt rin geschworener Feind aller Politischen Fragcawar. (Schluß folgt.) Sachen Unterricht genommen, aber Schulen, wo man Erfindungen lernen kann, giebt e» leider nicht. Er fing jedoch jetzt »hatsächlich an, allerlei Studien zu betreiben, -schaffte fich einschlägige meisten« populär abgefaßte Bücher an, naschte etwa» von dem und jenem, und dachte viel, sehr viel nach. Auf eine eigne Erfindung zu kommen, ging e» absolut nicht, da« sah er bald rin. Indeß erfuhr er auch, daß man durch Verbesserung, oder Bervollkomnung einer bestehenden Erfindung, durch Herstellung eine» ähnlichen zweckmäßigen Apparate« schon viel Geld herau»schlagrn könne. Er wollte also genugsam sein und, sich an gegebene Modelle anlehnend, Alte» verbessern und für den praktischen Gebrauch dienlicher machen. Freilich wäre ihm eine originelle Idee am liebsten. Einst glaubte er schon einer solche» Entdeckung auf der Spur zu sein; e« war eine Schreibmaschine ganz eigener Konstruktion, die mit zehn», ja zwanzigmal größerer Schnelligkeit arbeiten sollte. Er schaffte sich alle möglichen Mairitzen, Platten und Lettern und wa« er sonst dazu brauchte an. Die Maschine stand endlich fertig da und sah recht niedlich au», hakte aber nnr den einen Fehler — sie wollte nicht functioniren. Nicht nur, daß fie nicht schnell genug schrieb, fie schrieb überhaupt nicht. Durch diesen mißlungenen Versuch war er :me Zeitlang ganz entmuthigt, daun rafft« er fich aber wieder auf und la« und brütete auf« Reue über Erfindungen. Ein starker Neid setzt« fich in seiner Brust gegen den Amerikaner Edison fest, der mit seinen genialen Apparaten so große« Aufsehen erregte und, wa» in seinen Augen noch mehr galt, damit so fabelhaft« Summen serdiente. „Verdammter Kerl, dieser Amerikaner, rief er oft gu«, wie er nur so die Sachen au« dem Acrmel schütteln kannl Und wenn ihn der Teufel nicht holt, wer weiß, wa» er noch alle« «rstnden mag, dieser gewesene Zeitungsjunge! Zch bin jetzt gar nicht mehr sicher, sollte ich endlich doch auf eine großartige Idee kommen, ob mir dieser Glück-pilz, dieser Edison, damit nicht da« Prevenire spielt?" Aber alle« Schimpfen half ihm nicht«. Sri es, daß ihm jener Glückspilz, wit er ihn nannte, durch irgend eineti Zauber wirklich all« Ideen weggeschnappt, o'oer daß er doch kein so genialer Kops war, nicht ein Funke de«, edisonischen Geiste» blitzte durch sein G.dini. Seine Einbildungskraft deichäkigte fich jetzt viel mit dem Phonographen; ihn wollte cr wenigstens zu irgend einem sensationellen, praktischen Zweck ausnützen. Aber auch darin envie» fich drx Erfinder viel praktischer a>» cr und ließ ihm auch auf dem Felde der AuSnützun^ gar keine Nachlese zurück. Unser Held pflegte .«ie Zeitungen zu leien, d. h., er la« deren sogar viele in den WirrhShäuseru und Kneipen, schenkte aber immer nur den letzten, den Znseratenrheile gewidmeten Seiten der Blätter Beachtung. In den Neclamen, besonder« in solchen, auf die m>t vielen schwarze» Händen, oder noch originelleren Lerzierungen in auffälliger Weise hingedeutet wurde, witterte er immer etwc», da« sich ihm als nützlich er- «Ktftn konnte. Hier sucht« zumeist sein forschender Geist Nahrung und praktischere Wink«. Hingegen fehlte ihm jede» Verständnis oder Zntereffe für rlle«, wa« außerhalb der Welt der- Reklame lag. Politik, Literatur, Neich»»ag»debatten, Militärvorlage u. f. w. waren für ihn terra incugnita. Er glaubte, er uiüffe schon nach deu ersten Zeilen solcher Artikel «inschlqfen, während ihn ein: Annonce, und gerade so eine mysteriöse in Dunkel gehüllte,;i:m Nachdenken anrrtzte.. Allein, «an wandelt nicht ungestraft unter Palmen und hält nicht immer Blätter, die doch dazu du sind, um gelesen zu werden, «beachtet in der Hand, ohne daß sich der Zeitung«- oder Neugirrdeteufel räch«. Eine» Tage» — er wußte selbst nicht, ' wie et tarn — verweilte sein Blick etwa» länger auf den von ihm bi» jetzt so gefliffeutlich knniedenen ersten Seiten einer Zeitung und er sah auf «in Gebiet, da» ihm so fremd, so selt- ' fam vorkam. Einige fettgrdruckie Worte, die theil» al» llrberschnft, rheil« im Texte fich fast reclameluäßig von den ander» Wanzeichen abhoben, feffelteu plötzlich seine Aufmerksamkeit. .vrrmuwortl. Redakteur l>r. Rah,„er. Magdeburg. Druck.: Friedrich Nasch» * Eo„ Magdeburg. BerlarNob.Fries Bleiche, die-sich finden, Bälde sich verbinden. (Erabln 9) lver unheilbar 'am ftiW ifi, Beherrscht von btsem Weib« ist, tver leben maß von Gnodenbrod, vir drei« find lebendig «odt. i M-tzovi-meu ttttft Sarkasmen. Warum hält der Aberglaube den Frei tag für unheilvoll? Vielleicht weil an diesem Tage nach der Bibelüberlieserung der Mensch erschaffen wurde? * * » Rur einen Grenzstein hat die Mutterliebe, llnd dieser Grenzstein steht aus Mutter« Grast. » * 0 , Eine Grabschrift. E« ruht die Tugend hier, nach junge» Jahren, Sie starb, als ihren Ramen fie erfahren. Mu« dem Sziruchfryade» »akmud. Poetisch übertragen von Piax Weinberg.' Vesser Schimpf erdulde» AI» Schimpf verschnidrn. zdivobaäeü, 69) # * , (Ein Nagel im Braten läßt den Seber «rrathen. <ö«r»-<cstlt rabba 17.) « Jechott: <H«*»W« oder di« Hechfibtnthe. Origmaichiovell: v»U A. 8. «. zFon^vung). — Der Ptzouommph ri, Autisemtt. im« «»rette »or 5. *. 1»adulte«. - »ptzoritme, na» («rittaii. — Talmud. Poetisch übertragen - »an Map Na» de» Epruchichatz Weiaberg.