Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 23 (1893) · p. Seite 89

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
23 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 89 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492351-8722848-5962276--2167-5376007
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Itabilen Gewohnheiten zu locke», ohne da» Gleiche oder dem Nehuliche« zu empfinden." Sr sah sieeineu Augen! »lick prüfend an und fahr dann ruhtfort. »Um «inen Funken von diesem Zntexrffe ,« e itdecken und, wenn er vorhaudeu, auzufachen, zu diesem Zwecke bi« ich hergekommen." Sr setzte sich nach diesen einleitenden Worten hin und musterte gleichmüthig die Anwesenden, die ihr verstohlen, doch mit «uperhohlrner Neugierde beobachteten. »Wieder ein Freier für Slandine — nun ier wird ihr hoffentlich schon genehm sein." — »Wo denken ste hin, der berühmte Broieffor Bertram, der wird sich'» zweimc l überlegen, eh« er ans dcn Leim geht." — »Sllerding», jung ist ste nicht «ehr. doch immerhin noch schön zu nennen." — ,3a, aber die Mitgift ist eitel Dunst, al» Rauch in der Flamme der netten Haushaltung aufgegangen". — »Nun, Profeffor Bertram ist reich genug, uin 'auf dieselbe verzichten zu können." — »So heißt eg allgemein, doch dann müßten xaaz andere vortheile, al» Gegenleistung, ihm geboten tverten — ihm, der wo immer nur anzuklopfen braucht, und c« wird ihm freudig aufgethan." So fluhtete da» erregte Geflüster durcheinanter, während tzlaudine ärgerlich ob all der neugierig auf st: gerichteten Blicke, und ob der Sicherheit seine» Suftretrn», tasaß. »Er nimmt gleichsam Best»", schob e« ihr durch den stopf, »und mit solch gelaffener Selbstverständlichkeit, wie der Sieger von den» ihm rechtmäßig zugefallencn Territorum." I nd mit etwa» vidrirender Stimme sagte sie: »Gegenseitigkeit der Sympathie? Sie folgert au»'einer willkürlich gesetzten Prämiffe, deren Gültigkeit noih gar nicht so feststeht. »Nicht? Dann hätte ich mich eben getäuscht ich glaube aber nicht," entgegnet« er ruhig. »Uebrigru» thut die» gar nicht» zur Sache, denn daß ich eine lebhafte, — wie soll ich e» nur bezeichnen, — Neugierde verspürte, die an l jenem Abend begonnene Unterhaltung sortzusetzen, da» ist sicher und wenn Sie in gleicher Disposition sich befinden, — was schadet e»? Etwa» Schlimmere« wie eine Zurückweisung de» voi geschlagenen Verkehre» kann mir doch nicht werden, und ich Hab in meinem Leben schon Schwerere» ertragen »nd — ftfcrbaui rt." Slandine erwiederte lachend, während ein leist» Zittern, wie die Ahnung eine» nahenden Verhängnisse», üjt durch die Glieder flog: »Die Galanterie scheint nicht Ihre starke Seite zr sein. Doch ich muß gestehen, daß die» allein schon genügen würde, ein günstige» Borurtheil in mir wachzurufen. Und ferner will ich Ihnen zugebeo, wa» Ihnen al» Beweis meimr Offenheit dienen mag, daß ich allerdings durch Ihr Erscheinen sehr angenehm berührt wurde. Die nähere Bekanw schüft eine» Manne» Ihrer Art kann meinem psychologischen Wissensdrang« die erwnuschte Nahrung bieten." Der Ati»druck der Zufriedenheit, den der erste Satz auf sein Antlitz lockte, wich bei dem folgenden eimm leichten Stirnrunzeln. (Fortsetzung folgt.) Aeitöilvev. Boa M. Silberstein-Vrellaa. (Fortsetzung.) Das Uebermaß von Grausamkeit, Frevel, und jeder die Menschheit verhöhnend« Herrschrrwillkür, welche «n» die Geschichte der meisten Imperatoren zeigt, würde ungl< üblich sein, wenn e» nicht im verfall de» römischen Volke» seine Erklärung finde. Dt« große Maff« desselben war so entari, t, daß t» keiner bessern Beherrscher al» eine» Nero oder Saligula wert erschien, und gewiß dazu beitrug in Herrscher« v,« schlechter Neigung die Entartung zu befördern. Der tigerartige Ttberin» erstaunt« selbst zuwejlen über die Kriechereien »st Senat», .1batwürde nie ei» so ftzpcher Frevler ßen orden sein, wenn er nicht nach der Hinrichtung feiltet Mutter, vom Senat und Volk zu Rom. wie «ach einer HeldenUptt und wie ein; trnunphirender Sieger empfangen worden wäre. Für den größ ten Theil dies«» entwürdigten Geschlecht«» gak e» keine« Reiz mehr, al» den unmäßige« Sinne»genuß. Bon dev Ausschweifungen in der Gesellschaft, von den unnatürlichen Wollüsten, denen sich damals Männer und Frauen mit der größten Schamlosigkeit überließen, kann vor züchtigen Ohren kaum gesprochen werde«.*) Wie konnte e» auch ander» sei». Sorgten doch die Eltern an» den besten streifen dafür, daß ihre liinder schon vo« der Wieg« an mir Sicherheit dem Untergang« entgegengeführt wurden. Da» Kind wurde einer griechischen stammerzofe, und einem ober zwei dazu auSersthenen Sklaven, gewöhnlich di« schlechtesten der ganzen Dienerschaft, übergeben. In dieser würdevollen Gesellschaft «uch» der Jüngling heran, indem er allerhand Thorheitea und Irrthümer in sich onfnahm. «riuer kümmerte sich darum, wa» in seiner Äegeiiwart gesprochen oder grthan wurde; waren ja di« Eltern srlbsrdir ersten, die ihren Kindern die schlechtesten Beispiele von Laster und Lerschwendung gaben. Folglich kannte di« Jugend schon kein Schamgefühl und auch kein« Achtung, die sie Andern und sich selbst schuldig war.**) , So sah e» ungefähr damai» in dem mächtigen Nom au», und dafür sollte» die Juden die ihnen von ihren Vätern überi lieferten heiligen Bräuche hingeben, damit dieselbeu zugleich , mit denen ihrer Zwingherren zu Grabe getragen würden, den» , in ihrem Sinncnrausch merkten die. stolze» Römer nicht einmal, daß sie selbst die Zersetzung ihre»'religiösen und politische«! Leben» in» Werk setzten, daß ihr Staattfduff, durch ihre! eigene Schuld leck geworden und zu sinken begann, ohne auch nur zu ahnen, daß di« von ihnen Verfolgten sic lange, lange! überdauern würden. Aber auch von ihren fronm en Nachkommen, l den vom Judcnthum abgefallenen Christen, die fest daran glauben, daß die Iuoen auf ewige Zeiten bleiben müflen, »m Zeugniß abzulege» für die Wahrheit ihrer Religion, werden sie , verfolgt bi» auf den heutigen Tag. Wenn man eine genau« Zählung von den Millionen Juden machen könnte, die ihre« i Untergang durch Kriege und Verfolgungen gesundem haben, würde man da nickst erstaunt fragen müffen: giebl ti wirklich noch Juden? Wer erklärt diesen Widerspruche wer dies« rät- ' selhafte Erscheinung? Müsien sie da nicht salbst, durch ihre Wanderungen durch die Welt, so wie durch ihre Amvesenheit j in dcn entferntesten Gegenden, an eine besondere Mission glaube».; die sie zu erfüllen haben'? Doch ist da» Iudenthum niemals ' zur Eroberung bestimmt, und in der That halten r» seine Bekrimer nicht für nöthig gehalten für sich selbst Propaganda zu! machen: sie schließen sich vielmehr ab, al» daß sir suchten, fich auf i Kosten Andersgläubiger auSzubreiten.***) E» gehört zu ihren; Grundsätzen: daß die Frommen aller Nationen Anthril habe« j an der zukünftigen Welt, d. h. daß sie dir Toleranz au die! Spitze ihre« Glauben stellen und jeden nach seiner Art selig *) Bechr, Weltgeschichte. IV. **) ittcilu» d« Orator, c. 8!). ***) verichiedene nichljüdisch« Schriftsteller behaupten. dag die Jaden von jeher Propaganda für ihr« Religion aeaeach: hatten, und stützen sich unter Andere« aus „eine etwa« confusr Rittiz de« Valerius Maxtmu», nach welcher die Gesandten de» Maelabäer» Simon (140/90 v. ilhr.) oder deren Bealctler es auch m Rrm versucht haben sollen-. (Schürer, Mesch, d. jüd. Volke« II. 506.) Jnsosrr» Mwit nicht Lekehrunavrrsuche gemeint find, wäre ja nicht» dagegen «iozq. wenden, denn ein jeder macht direkt oder indirett Pvmaamwa für «»» Sach«, di« ihm am Herzen liegt. Ans diese Weise habe» »»hl auch di« Jude», nicht blo« für ihre, sondern sogar für di« christlich« RKiMipu Propaganda gemach«, indem sie der letzeren durch dasB'kauntwerden lgree «genta den Weg ebneten. Ander» ist et aber, wer» auch die S Matthäus 29, >.»: .st« — die Pharisäer — durch^ich« Meer Laub, um ebeem Proselhteu zu mache»- alt B>»ei« Ohne jede, ltommeuiar »achte ich hier doch eiumetdeu, nicht Propaaaud«, sonder» Presechtenmachern gemetrl ist, du» »a» bestreb« ist, Lrur» »o» einer Konfession zur <«>«»' liehe». »PchM mit den «ruudsätzeu de» JMmM,»» I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.