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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 23 (1893) · p. Seite 90

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
23 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 90 (sequence 4)
Language
German
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werden lassen, doch hat es ohne sein Dazuthun Berbreittmg gründen. Seine heiligen Lehren haben für.dasselbe geworben, da sie waren hinanbgezogen in all« W^lt wie da» Volkslied, das von deu. Säuseln der Lüste aufgefangen, im Slang« der Emo'« wiederhallt, von oen eilenden iVolken getragen, von'dem tauschen der Wälder und dem Plätschern de« Bacher von Or! zu Ort weiter und immer weiter fortgeführt wird. Aber mehr Anhänger noch al< durch seine Lehre» und di« lugenden seiner Bekenner, hat e« durch seine unerschütterliche, ja »ft heldenmütige Ueberzeugrng gewonnen, daß e» im Besitz der einzig wahren Religion sei. Judenfreundliche und l^devfeindliche Berichte stimmen darin überein, daß die Zahl derer in allen Ländern sehr groß war, die ganz oder theilweis« das mosaische Gesetz befolgten. Jzate», König von Adjabene, seine Mutter Helena, so we sein Bruder und Nachfolger, wurde» in der Zeit deS Tiber iuL in aller Form Juden. Poppra Sabina, Rero's Gemahlin, war durch ihren stammen Judenglauben und ihr eifriges Iudenprotektorat bekannt; in Damaskus gehörten dir meisten heidn. Frauen zur Judengemeinschast. Anders war eS allerdings mst der aus seinem Schoße hervorgegangenen und mit ihm zugleich verfolgten kleinen religiösen Genoffenschaft, dir csich vom Anfänge an zur Aufgabe gemacht hatte, die ganz« Menschheit zu ihrem Glauben zubekehren, ohne jedoch zu -bedenken, wie unüberwindlich schwer es ist, auch nur der "kleinsten Körperschaft gleichgearteter Menschen auf immer ein und dieselbe Reinang beizubringrn. Bei den Reichen fand das Christenthum gar kein Gehör, denn es verlangte Lossagung von allem irdische« Jnrereffe in den Kreisen, die im Besitz von Ehrenämtern, Macht und Reichthum waren. Da wandte es sich an die Besitzlosen die mit neidischem Blick auf die im Ueberfluß schwelgenden Reichen sahen, Und als ihnen die Rivellirung der Stander und Bermögensunterschieder, also nach ihrer sozialen Sette, verkündet, und eine Fortdauer nach dem Tode, ja die Ankunft einer Erlösers und damtt die Herstellung goldener Zeiten, und das alles geschmückt mit neuen Legenden und Wundergeschichte», von welchem nun einmal alle Religonen begleitet find, in Aussicht gestellt wurde, da tauchte eine neue Welt in schillernden Formen auf, und der Erfolg konnte nicht ausbleiben. Dir kleine Partei der Lerfolgten wuchs zusehends ttotz - aller Unterdrückungen, wurde nach and nach mächtig, bi» endlich das Heidenthum den Thron der Cäsaren verließ und das Ehristenthum denselben bestieg, um mit neuen Grundsätze« in die Fußtapfen seines Vorgängers zu treten. Daß Reophitrn ihren früheren Glaubensgenossen nicht besonders hold Pud, liegt in der Natur der Sach«: sie hätten sich sonst nicht von ihnen getrennt, aber auch das Heidenthum sollte ganz verschwinden von der Erd«, und ein Band dw Liebe alle - Menschen umschlingen. Aber daß dem jungen Christenthum auf seinem geistigen Eroberungszug« durch die Welt, bei dem ^»iespalt der menschlichen Natur, auch heiße Kämpfe nicht erspart bleiben tonnten, liegt auf der Hand, denn gesetzt: e» lösten sich heute alle bestehenden Religionen in eine» auf, dann würden sich schon morgen unter den neuen Bekenner« wenn auch nur vrreinzelte Stimmen erheben, di« es doch noch besser verstehen, und es dauert gar nicht lange bis wieder eine neue Partei — meinetwegen Sekte — entstanden ist. Mancher Leser schüttelt vielleicht sein würdiges Haupt über diese Ansicht, aber da» wäre ein Beweis für die Richtigkeit derselben. So rheilien sich auch gleich bei seinem Entstehen die Meinungen deS EhristenthumS, und eS trat mit einer ganzen Anzahl non UuterabtHeilungen nach zwei verschiedenen Richtungen griechisch- und röhmi'ch-katholisch — seine große *) von Ans«,« an wucherte im LhrifteMhnrn da« Sektenwesen, i «MtioUite di« Kirche die Sekten — am «nsang de» zweiten Jahrit bereit» 32 — und diese einander mit btUerrm Haß und . Gastlich«, Beschuldigungen, die faum hinter den van den Heiden die Christen überhaupt geeichtttin Anklagen an Hestigkeit znriick- Reise au, aber je größer und mächtiger e« wurde» desto mehr theilteu sich di, Ansichten*). <5* entstanden Zweifler uud «rüste Denker u tter seinen Anhängern, die in Schranken geholten werden nlnßten» und die Verfolgung richtete stch nicht bloß mehr gegen Inden und Heiden, sondern auch gegen die Christen selbst» die e» wagten, selbstständig'zu denke». Der Name tauchte auf und mit ihm ein schwarze« Gespenst in der Gestalt der Juquisttton.*) Tausende und Abertausende sielen in ihre unbarmherzigen Hände; Holzstoß wurde »eben Holzstoß errichtet, uud die Stimmen der zum Feuertode bestimmten Opfer mischten sich mit de« zum Himmel steigende» FÜrmmen. Aber auch die Toderqualen vermochten de« Mächtigen Laufe de, vorwärtSschreitenden neuen Strömung keinen Einhalt zu thuu, sie räumte alle im Wege liegenden Hinderniffe weg, spült« Mißbräuche und Jrrthümer weg, ließ da« alternde Chriftenthnm in einer verjüngten Gestalt erscheinen und rief di« Riformatton in» Leben. 'Der Riß, der dadurch iu der christlichen Kirche entstanden war, ließ sich nicht mehr . ausfüllen und ist unau»gefüllt geblieben dir auf de« heutigen Tag. Doch meint der Eine: die Kirche habe stch eigentlich nur etwas zu weit von ihrem Ursprünge entfernt, «ährend der Anderbehauptet, ’ daß Beide trotzdem nur ®in» seien, | uud daß sie nur Formen trenueu. Ja, die Forme» spielen! in der Thai eire große Rolle in der Geschichte der Religionen, > aber nehmt'die Formen weg und wa» bleibt?**) I (Schluß folgt.) 1 -- Mnli semiteu in » LLarrrmSuch! «ou Otto «ich«« ».Gogh.—») In Haml urg, der steien und Hansestadt, Da liegt ein Kindlein im Sterben; Do» Auge so trüb und der Pul» gebt so matt. Und näher schon schleicht da» Verderben. Hochaus»schwollen die rechte Hand, Äebisien vom wütende« Hunde. Der Batir verzweifelt ist fortgerannt.' Er -bringteinem Arzt die Kunde. .Mein Lieber, da müssen Sie in'» Spital, Dort allein in da» Kind zu kurieren; Die einzige Hilfe, es ist zwar fatal, Bleibt doch nur: den Arm operieren" „Um's Himmel» killen, e» sttrbt mein Kind, Mein Lebensglück bricht ja in Scherben."" Da wohnt noch ein Dottor, ein Jude?! Geschwind! E» geht ja um Leben und Sterben. Und der Jude, er kommt, er sieht den Ar«, Und die vand —- er führt st« zum Munde, — Und der Mutter wird es um'» Herz so warm. Der Arzt sangt das Gift ans der Wunde. Und am andern Morgen, da fliegt e» hinan». Die Bosheit sucht niemand zu hindern: -Die Juden, dir saugen da» Blut un« an», Besonder« den christlichen Kindern!"! .*) Bi» zur Aushebung derselben im Iah« 1808 »an Joseph Napoleon, wurden in Spanien 3t8l> Prozeisttte lebendig, 17 MO ln efttjpe verbrannt und 201 4M mit anderen Strafen »«legt. In Andalusien sollen in einem einzigen Iahe« 0000 Inden hingerichtel und : 17000 mit Strafen belegt wvtden sein. **) Rsnan meint: daß unter all den ttUaUfm Formen, weiche j bil jetzt bestanden haben, keine auf eineu absoluten Wett Anspruch erheben kann. — (Leven Jesu.) I **") An» dessen soeben in Schilde'» BettagSanstnlt (Wtzttkon- > Ziirich 1833) erschienenem .Blumenstrauß, den Antisemiten gebunden." Berichtigung. In vor. Ar. S. 8S» Z. 12 v. n. ist .Trojan" ft. Trojan; das. letztaS Wott: .Spaporodito»" zn lesen; S. 80» Z.ST ». o. .Sprachen" ft. Sprach«, n. das. Z. 5. ». n. .nicht miechl« Römer sein konnte" ft. „nicht andet»". »der pie A. 8. A. (Fortsetzung). — Zeitbilder III. Bon M. — Anttsorntten in« »kmvmtmh. «edichi von DttoJ Herdstblnch«. Ottgtnal-Rovell« von der IÜ. «on «. «Üderftwn Bretlou.

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