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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 21 (1893) · p. Seite 80

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
21 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 80 (sequence 2)
Language
German
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„Ich hörte schon divon," erwiedert« er, gleichmüthig da» schon gelichtete Haar über die Schläfe streichend. „Da» find Mädchenschrullen, Nebelbilder rme» sehr jugendlichen Hirn», die vor der bereit« im Zenith stehenden Mittagssonne sich schon zertheilt haben sollten." „Verzeih' Papa, wenn ich Dich auf eine kleine Lütke in Deiner Auseinandersetzung aufmerksam mache. Eben «eil diese Nebelbilder, wie Du sie zu nenne« beliebst, nicht dem jugendlichen Hirn eine» Backfische» entsprungen, sondern da» Product der Reife sind, köimen fie auch nicht sd leicht sich grrtheilen und in Nicht« auslösen." „Um so schlimmer, wenn der Unstnn schon knorrige Wurzeln hat. Deshalb müßte er aber ebenso au-gerodet werden, wie da« junge Unkraut, wenu da» Hacken und Jäten auch grögere Mühe verursacht." Sr rieb fich sichtbar zufrieden, ob der ihm gelungenen scheinenden Redewendung, di« Hände. „Entschuldige Papa, wenn ich Dir erkläre," rief Claudine erregt, „daß das bloße Constatiren eine» Unsiuns noch keine genügende Beweiskraft für mich besitzt. Gixb mir einen stichhaltigen Grund für die schreiend« Abnormität an, weshalb es mir nicht gestattet sein dürste, ledig zu bleiben und die mir von der Natur etwa verliehenen Kräfte und Fähigkeiten nach Neigung zu entwickeln?" „Kräfte und Fähigkeiten nach Neigung entwickeln," wiederholte er mit leisem Spott, „Das klingt schön, ist aber tm Grunde eitel Firlefanz. Wer hindert Dich daran, ob Du nun ledig oder verheiratet bist?" Und mit plötzlich erwachter Gereiztheit fügte er hinzu: „Und übrigen» was braucht es da noch weiterer Ausführungen? Siehst Du t«nn nicht ein, daß Du auf die Dauer nicht al» Mädchen in mriuem Hause bleibe» kannst, ohne mich vor der Gesellschaft zu blamiren?" „Dich, Papa?" frag Claudine erstaunt. »Gewiß, nur mid). Die Menschen sind schlecht, liebe» Lind" — er hatte den Tan ruhiger Ueberlegrnheit schon wiedergewonnen — »wie bald finden die, welche danach auSspähen, einen Borwand zur Verdammung ihrer Mitgeschöpf«! Wird r» nicht heißen, der Arthur Neubauer kümmert sich nicht um die Zukunft seines einzigen Linde», weil er in der zweiten Ehr nur seineni persönlichen Behagen lebt; oder, der Arthur Reubauer kann seiner Tochter nicht die ihr grbührende Mitgift au»folgen und die große Haushaltung ist nur «ine prunkende Hülle zur Bemäntelung der inneren Leere?* »Wenn Du dem hohlen Geschwätz müßiger Löpfe solche Bedeutung beilegst, so kann ich doch, um all dem au» dem Wegezu gehen, mich ganz au» dem Hause entfernen," sagte fie erbittert. »Da» wäre just das Mittel, um da» Gerede erst rechl zu entftffeln, anstatt ihm Einhalt zu thun, närrische» Mädcheu," rief er, hinter einem sanften Lächeln feinen brutalen SgoiSmu» bergend. »Welche» Borwand wolltest Du für da» plötzliche Berlaffen de» Vaterhaus«» angrben?' ,O, der Vorwand ist halb gesunde» und nicht bloß ein solcher, sondern ein wirklicher, sehr einleuchtender Grund, so Du mir nur gestattest, einen längst gehegte« Plan in'» Werk zu fetzen und eine Stelle als Erzieherin anznnehmeu." Ihr Later sah fie mit weit geöffneten Augen verwundert an. „Oho", sagte. er nach kurzem Schweige«, ,Micher eint Marotte von bekanntem Gepräge. Und dieser sublime Plan sollte die spitze» Pfeile der Verleumdung abstumpsrn, da er im Gegentheil doch ganz dazu angetha« ist, ihr neue Waffe» zu bieten. Denn würden die Leute da»» nicht mit Recht zischeln und fich zuraunen: „Welche Härte von diesem Arthur Renhanerr er selbst lebt in dnlci jnbilo an ter Seit iner junge» Gatttn» während stine einzige Tochter u« de» Tage» Notdurft fich mühen mnß." ,,«a» »nute den Leuten doch, wen» »a, solch böthpiLtae Dwetv»» *£ Glaudtne'» mangelhafte Weltkeautntß ließ sie alle» < glaube», daß eine ehrlich- Darlegung des Thatbestande» üble» Rachred» den Loden entziehen müßte. - „Weshalb möchtest Du da« Hau« verlassen?" fragte Later mit kaum unterdrückter Ungeduld. „Weil mich die Mauer« derselbe« drücke«," erwiderte mit der Ihr eigenen Offenheit. „Es drängt mich schon lang« i def'e« enger Umfriedung in die Weite, um in größere« kui gskreise meine Lräfte zu erproben und fie dem Dienste r derer zu weihen." „Paperlapap, da» ist nicht» al» Phrase. Den erstrebtet^ größeren Wirkungskreis, findest Du drn nicht am erste» tal Harfe, in der Ehe?" „Ich kann unmöglich mich dazu verstehen auf Com» zu heiraten, mein« Freiheit verschachern zu lasten." „Und ich kann unmöglich den Lreuz- und OuersprüKz einer weiblichen Logik folgen. Du faselst von Freiheit «Al Unabhängigkeit und mit demselben Sthemzug drückest D» dalli Verlangen au», Dich in ein dienstliche» Srrhältniß z« begebet^ sozusagen, da» bittere Brod der »nechtschaft zu eflen" „Ich sehe darin keinen Widerspruch," beharrtr fie, de»I Spott überhörend, der au» seine« Worten klang. „Wenn ich j in eine abhängige Stellung trete, so bin ich allerdings äuß lich gebunden, mein Denken und Fühlen find aber frei, tneisl Innenleben bleibt unangetastet mein eigen. Ob dte» auch t»> der Ehe möglich ist, — wirst Du bester al« ich beurtheUechs können." „Gewiß ist die» möglich und der Frau noch ehrt wie de» i Manne. Dieser begiebt sich zum Theil feiner Freiheit; doch! die Frau gewinnt, wo der Mau« Einbuße erleidet. Sie kanaj fich in der Ehe getrost ihren Neigungen hingeben, fie erke, keine Schranke, al» die die Natur ihr setzt, und ist somit DSSJf 1 ungebunden; — jedenfalls hundertmal mehr al» da» Mädchens da», auf sich selbst angewiesen, schirm-und schutzlos, wie ver»s sehnt durch'» Leben geht." Claudine schüttelte den Lopf. „Wir werden wohl schwerzl lich über diesen Punkt uns verständigen. Erlaube mir daheez ich illehe Dich darum, nach meinrr eigene« Fa^ou selig zn werden»^ und —" „Du glaubst doch nicht alle« Ernste», daß Du rntte] Einwilligung zu einem so tolle« Unternehmen erzwingen wirs Ich bemerkte -schon »u wiederholten Malen, daß man dir nung der Welt nicht brüsktren darf." — Er sprach noch im« in Iremselben gehaltene« Tone, aber ein leises Zittern sein Stimme, und einIornessprühen im Auge brlehrteu fie,. jeder weitere Erwetchungsversuch ftuchtlo« wäre. „Nun denn," ries fie in tiefster Empörung, „wenn id der Welt, einem Schemen, der selbst bl«t-««d wesenlos, alle Beziehungen der Lebewesen ringreift, Gefühl« zertrei« Existenzen vernichtend, zum Opfer fallen muß» wc« so ob A«I»«re, so sei,«» darum. Ich werde «ich füge«. Doch ich aothgedruugea darauf verzichte, mir «eiue« Lebensweg eigenem Ermeffeu zu bahnen, so »erde ich ihn darum doch i am Gängelband« Anderer deschrette«. Damit ein paar gif Zungen nicht etwa Swff zum Begeifern erhalte», sollte «ei« Zukunft mir verkümmern und müdem Glück, daß, hin verwirkt ist, auch dte Ruhe mir raube» ftlffr», die die Selbstachtung za verleiheu vermag? Nte nnd »in llntz erregt stürzte fie an» de« Zimmer, um in der samkeit ihre» Stübchens der aufsteigenden Thräueustnch fcht Lews ZU laste«. Ihr Later blickte ihr verblüfft nach. Sr hatte »war, nigcn Widerstand erwartet, den er i« Sülle« al» »eiblt Ziererei taxirtr und de« zu »reche« ihm «in Leichte» DM», dachte«, würbe ein« rührend«Scene stattfind«», dieTo th« dankbar di« Hand kiffe« und sriurr väterliche» sorge voll« Anerkrnnag pelle«. Und nun dieser horte» loft Lampfi-Er legt« Me Hmch prüfend anf dies prallt; «r Glaubt» ba et» fkbKt |

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