Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 20 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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'fkrtntrt der Gesammthstt bca geistigen Inhalt seiner tzeit ungeschmälert in sich trägt, der sich berufen sü tt. in die Weil« zu streben, der führt fein Ruhttrmaaß mit sich der hat gewiß die Berechtigung, ja sogar die Pflicht, sich der Begrenzung zu erwehren, in die seine aparte Wese atzest stngrzwängt werden soll. Da« heißt, wer i« Prokrustesbett der vstklstaerndrn Tonvenieuz sich delcht und reckt, der durchbreche die Wand: wer an der Lette de« Sklaventhumt schmachtet und der Schmach sich bewußt ist, der sprenge die Lette mit eine« kühne« Ruck, sei er nun Mann oder Weil. — Wenn aber eine liebende Hand unsere Freiheit un« raibt, fühlen wir dann noch den Druck? Laun namentlich dir Frau da« süße entnervende Schwächegesühl abschüttela, da« sie für die Anlehnung an den Mann, für den starken Schutz desselben, freiwillig di« würdevolle Unabhängigkeit in die Schanze schlagen läßt?--Sie schaute mit conceutrirrr Aufmestsambnt in die Gluth, die in kleinen Fiämmchen in die Hühe züngelte; doch brachte diese ihr keine Äsung de« sie beschäftigenden Lebensräthftl«. Emllie hatte chrem Gatten getreulich da» ltzespräch berichtet, indem sie lochend hinzufügte: Ich glaube wirklich, daß in ihre« Oberstübchen nicht alle« in Ordnung ist. Wenn Du nur gehört hätte h in welche Aufregung sie sich hineingeredet, und we«halb? Mag sie den Hugo Müller uichh so zwingt sie doch Riemaild, ihm die Hand ui reichen, und all«« Andere ist ja purer llnsinn, nicht wahr, Asthur?" „Gewiß," nickte dieser zerstreut, „doch wollen wir di« Sache nun auf sich beruhen lassen.* S« fiel ihm gar nicht ein, sich der Mühe einer persönliche« Prüfung de« ihm völlig verschlossenen Liesen« seiner Tochter zu unterziehen, »der nach, den verborge, «ru Motiven «me» Vorgang«« zu forschen, der im Grunde fr aer Neigung entsprach Denn war e« in der That nicht bester, der Sorge um Herbeischaffung der Mitgift, dann de«, durch die Festlichkeiten hrrvorgerufenen, lästigen Zwange« di» «uf Weitere« überbobeu zu sein? (Forts, folgt.) A»ei Theater i« shhett« vs» Lo» Ernst a. Hesse-Sariegg. . n. Die Matinäe im Bonmtnia Opra Ho tue hatte mich so interrsstrt, daß ich beschloß, an «ine» der folgenden Abende auch da« zweit«Ghettotheater zu besuche«. Nicht wett von de» ersten, in dem belebtesten und am dichteste» bevölkerten Theil der Bowertz erhebt sich zwischen andere« Theatern, Schaubude», Luriosttätenläde« und Bierkneipen eia schmaler zweistöckiger Ban. Kaum von den umstehenden Wohnhäusern verschiede«, nur daß über der enge« niedrigen Engan^tpfortr dir Warte ,Ori.nUl Dbautr," stehen. Auch hier waren die Enttstttepreift die gleichen wie im rumäuishen Theater, »ad der Theaterzettel war ebenfall« in hebräischer Schrift gedruckt, welche «in großer Theil der jüdischen Bewohner »euer Gegend bester zu lese« versteht, al« die englische oder deutsche. Da« Theater ist etwa» keiner al» da,» rumänische; ei» langgestreckter Raum, wie er eben durch die Umwandlung eine« gewöhnlichen Wohnhaus«« nicht ander« g, wonne» werden konnte. Auch hier werden abwechselnd Dramen und Oper» gegeben, durchweg» jüdischen Inhalt«, ui d di« einzig« klassischen Stücke de« gegenwärtigen Repertoire find Gntz- Um'* „Und Aeosta" und Halävv » „Jüdin". Der Dramaturg de« Oriental Theater» ist Herr Joses Lateiner, der Motiöre und Shakespeare de» Ghetto'« von Newyork, ein sehr talentvollst „Adapttur", der, wie man »nr sagte, nur in de« Redakteur der „N«yorkst Jüdischen Leitung", Hru. Goldfaden, eine» ebenbürtigen Nebenbuhler bisitzt. Dir beliebtesten Repertoirestück« der letzten Zeit war« „Esther und in", „Der Rrcht»spruch Lönig Äalomm»«', „Da« Lind von Israel", „Da« Mündel von Sir Mosel, Mortefioer", endlich Joseph und sein« Brüder". Dies« Oper stand heute aus de« Theaterzettel «nd da« in allen TheUen duht gesülltt Hau» sprach für ihre Popularität. Wie i« rumänischen Oweruhanse niochte ich auch hier der einzige Deutsche sein. Im ersten Ast stellte die Bühn« «in« onentalische Landschaft dar, mit Bananen und Palmen, zwischen denen Joseph« Brüder eben im B«stff« waren, einen bengalischen Tiger za erschlagen. De,' kleine Joftph, welcher nun auf die Bühn« ttat, wurde von seinen baumlangen, urkrästigcn Brüdern nicht viel bester belandelh denn sie rissen ihm seine prächtigen seidene« Lleider vom Leib«, schmähten ihn »nd warfen ihn in eine Grub«. Die Egypter, welche jetzt kamen, um Joseph zu kaufen, ivurdr» in charakteristischer Weift durch Mädchen dargistellt, um ihre Schwäche und Verweichlichung zu zeigen. Der zw« 1« Ast zeigte da« Hau« Jakobi, mit diese« ehrwürdigen Stammvater der Juden aus einer Att Thron, umgelien von seinen hübschen (Schvi«ger-)Tbch1«o. Scineeintrettudr» Sühne beugte« die Lnie vor ihm und begrüßten ihn mit einem: „Wie c eht t* Euch, mein Vater?" Jakob ersähst nun. daß sein jtugster Sohn in Verlust geraiheu sei, und ruft schmerzlich au«: „Wehe, wehe, wo ist mein lieber Sohn Joseph? Sucht mein Lind — oh sucht mein Lindl" Di« nächste Szene zeigte die hübsche Sängest« Fräulein Silbern»»?» al« j stich», Potiphar« Wstb, in de« berückendsv n Reglligä auf eine» orientalischen Divan hingegossen und in stftigstem Fitster, mit dem keuschen J»scph. Al« er sie endlich verlasten I rollte, hauchte sie rin so «erführestsche« „Oh. oh! Joseph!" hii^ daß er sich umwandtt und fie sragte: „Äa« ist'«, Madtme?" — „Oh. oh, Joseph!" war abermals chre Antwort, und dabei war sie so berückend, so hinrstßend schön und so freigebig mit ihren Reizen, daß Joftph ihr jurief: „Släma: Sie sich. Madam«, ich bin nur Ihr Sklave und Gb sin!» meine« Herren Wstb!" Aber Fra» Potiphar hatte sich'» in den Lopf gesetzt, Joseph zu bsthürea, und so flüstntr sie ihm unbekümmrst um seinen Widerstand Liebesworte gii, fick ans ihr« Lute vor ihm und klammeste sich an sstn Ge van». Rach alle« Gesetze, der Menschlichkeit hätte nun?wsq»h seinen Widerstand avsgeben und ihr ein: „Ich lie» Sic, Madame ich bin der Ihrig:I" begststest znrnse» «üsß». Allein da« wäre gegen die Bibel gewesen und um na» len unnatürlichen Widerstund de« keuschen Jüngling« bqpeiflich zu machen, verfiel der Verfasser aus den glücklichen Geduiten. da« BÄ de« greift» Jakob wie ein Phantom i» .kint«»- Srunde warnend erschstnen zu lasten.") Sobald Josesdtö-;lbe erblickte, floh er. de» Mantel zurücktastend. Während de« Zwischenakte« theil« mir «eia «in älterer Man», auf «eine Frage «st, daß die zahl-rühM osthodoxen Juden Rewtzorks diesen Darstellungen biblischer ' Erstaniste aus der Bühne ftinvlich gegenüberstäudeu. stcnr die lungere Generation und jene Jrrarlstea, welch« darch Rstftn und langjähriaen Auftathalt nater Aadersgbl »bigvo zu weniger strengen Anschauungen gelangt find, besuch:o die Vorstellungen. ES schstnen ihrer fthr viele zu ftie, den» di« Theater sind, wie bemerkt, au ftdem Abead duht besetzt. Aber auch die Lyaagogeu sind r«, und ihrer gibt es in dem Ghetto Rewyorks nicht nur zwei, sondern über eia Dutzend. Ztte Ar« t« A«ß<»th»«. Der Redactrur de« „Univers isvaelitr", Herr Rabb Slogu^ -. erzählt von eiaem, ihm durch den dekanuteu PalerHyaeinthe. in Past» gewachten Besuch. ** „Sie wisteu," sagte der Palst, „daß ich keinestst ustheüe gegen die Juden habe. 9* ist noch nicht daß ich in ein» meiner Predigten di« Schönheit»« .WA Tugenden dst jüdischen Rstigioa gejchildett habe, wuW bte,/ Muttst unfern Religion und der «oderaea Etdtnr hji. Hltz. ") tß dt. die „Mwltze **Mm-