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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 16 (1893) · p. Seite 60

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
16 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 60 (sequence 2)
Language
German
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0 uoiutts gesetzt,MichervffV-r»vi>imn«»Mt>«Chim«ker- „ 'ße ist, der mutz so furchtbar leide». Er, der z« stolz uui) bescheiden gewesen,!chnen da» zu eröffnen, was Ihr Vuter ihm verdankt» er wird um seiner Religion willen zurückgestoßen. Sagen Sr: «S frei und offeumüthrg, gnädige» Fräulein, könnten Sie sich über diese Borurtheile hiowegsttzen?" »Ja gewiß,' entgrgrek die Baronefle gerührt, .doch e» ist zu spät, auch ich h,be mich vom Kastenvorurcheile zu einem Entschlüsse verleitet lassen, der mein LebenSglück zerstört. Nehmen Sie die eine Versicherung hin, daß auch ich sehr unglücklich bin und fjeit meine» Lebens daran zn leiden haben werde. Ich will mich aber in das Unabwendbare fügen, da ich es selbst verschuldet habe, zum Unterschied von Ihrem Freunde, besten Geistesadel ich kenne «nd schätze, der leider so ungerecht und unverdient leiden muß.' .Jetzt haben Sie die erste Nachricht vernommen, ich habe Ihnen erzählt, daß diesem Earl Gelbe das Hau» de» Bacon Hollwitz Alles schuldet, indem er es vor Schande und Entehrung bewahrte. Könnten Sie das Unrecht sühnen, welche» an diesem Manne verbrochen, sich an seine Seite stellen ohne Unterschied seines GlaubeüsbeKuntniste»?" „Es geht leider nicht mehr, o, glauben Sie es mir, Herr von Wahle,? setzie sie schluchzend fort, .wie gerne »rollte ich ihn um Verzeihung büteu, für da» Unrecht das an ihm begangen wurde, aber es ist vergeben» — ich bin verkauft. £}, wie wollte ich ihm drrch treue, aufopfernde Liebe alle dargebrachten Opfer erschien für den Preis seiner Ächtung und Gegenliebe, aber zwischen uns steht eine Person, der Graf.* .Jetzt glaube ich den Zeitpunkt für gekommen, Ihnen, inädiges Fräulein, die erschütternde Nachricht zu überbringen: ras Biancini, Ihr Verlobter, ist tobt!!* Zitternd stand das Mädchen vor dem Manne, btr ihr dir Todesnachricht überbracht. Ihre Hände vor die Augen haltend, schluchzt« sie leise, und Thränen der Rührung rieselten über ihre Wangen. .Ruhe sanft. Du Opfer de» menschlichen Borurtt*ilS, Du bist gesühnt, denn jenes holde Wesen sendet Dir eine ^hräne Rührung uni bei Mitleids nach, welche- Du, auch nur kurz« Zeit, Deine Braut nennen darfiest." Bon Wahle sprach diese Worte mit Ernst und Rührung ad eineThräne rieselte auch ihm au-seinem Auge in drnj-art. - .Gnädiges Fräulein fasten Sie sich, jetzt gilt rs Much ihren, denn noch steht uns eine schlimm« Gefahr bevor, rem Herrn Papa diese ihn betrübende Nachricht zukow men lu lasten. Er wird es nicht so leicht verschmerzen können, seine Znkunftsideale vernichtet zu sehen." .Ich will Ihnen folgen, Herr von Wahle, und vertraue Ihnen, daß sie mich zuvi Ziele meiner Hoffnungen führen »»erden. Ihnen allein »oill ich es anvertrauen, daß ich Herrn Geld« wahrhaft liebe und schätze, an Sie will ich mich klammern, um jetzt von ihm nicht zurückgestoßen zu werden." »Sie können auf meine Mittvirkung bauen, nur müssen Eie Ihrem Herrn Vater dir Nachricht sinnend Überbeinen." »Herr von Wahle, wir gehen zusammen, dem Papa die Mittheilung zu machen, und mit de» Allmächtigen Hilfe wird er sich in sein Schicksal firgen, obznxrr er auf den Grifeu seine letzte Zuversicht gesetzt >uid nachdem er uns verlobt, ruhig sterben zu können glaubte." Dies aussprrchend eilte sie Herrn von Wahle voraus und führte ihn in da« Zimmer de» Baron», in da» sie zuerst allein eintrar. Bon Wahle blieb einig« Zeit noch im Vorzimmer stehen, um den Verlauf abzuwarten, ioelchen die tragische Botschaft auf den Baron machen würde. Einige Zeit verging, ohne daß da» Geringste draußen vernommen wurde, di» er plttzlich einen markerschütternden Schrei vernahm. In demselben Augen blick erschien Melanie an der lkhür mir todesbleichen Zügen. >ocxt vawMahke, Hilfe!k* Mit einem Sprunge war Herr von Wahle an der Seit» de» bewußtosen Baron», rvelcher, vom Stuhle herabgefalle«,' kein Zeichen de» Leben» von sich gab. Er eilt« sofort hinaus rief den Diener und schickt« ihn schleunigst zu einem Doctor Dar » hob er den Bewußtlosen auf den Sessel und suchte durch alle erdenklichen Mittel chn wieder zum Bewußtst» zu Iwingen. Bald erschien der Hausarzt und untersuchte den Zustand des Patienten. Seine ernste Miene ließ auf keine großen Hoffnungen schließen, sondern die größten Befürchtungen envarten. Er wandte sich der weinenden Melanie zu und suchte sie zu trösten. Doch «in Wink, rvelcher von Wahle traf, ließ auf die Aussichtslosigkeit aller Bemühungen schließen. . .E» ist die größte Sorgfalt und Ruhe zu beobachten, damit der Patient sich nicht aufregt, da ihn ein Herzschlag betroffen,* flüsterte der Arzt von Wahle in'« Ohr. Der Baron ward zu Bette gebracht und alle An» ordv ungen de- Arzte» befolgt. Der Schwerkrank lag m einige Zeit bewußtlos da, bi« er plötzlich zu sich kam unl die Augen öffnete. »Also er ist tobt? Vollkommen tobt, der gute Graf?* entsilhr es klagend seinen Lippen. .Ka» wird au-Melanie? Dock« er lebt ja, Earl Geld« lebt, Melanie, Du bist nicht verloren. Gotte» Wille hat es gefügt, da- Dein Bräutigam falle und Du den Manu erhälst, der Dich liebt.* Schwerathmeud hielt der Kranke inne, denn diese Worte hattin ihm große Anstrengung verursacht. »Ruft Earl Geld«, ich will ihn um Beleihung bitte« bevor ich sterbe, aber schnell, ehe es zu spät ist." Der Baron hatte diese Worte noch nicht a »»gesprochen, al» Earl Geld« in da« Zimmer eintrat. Traurig wandte er sich dem Kranken zu und reicht« ihm dir Hand, doch dieser, gänjilich gelähmt, zeigte mit seinem Blicke, daß er die Hand seine» Freunde» nicht ergreistn könne. .Herr Geld«, können Sie mir verzeihen? Ich bitte Sie darum, in meiner Todesstunde .mich nicht zu verurtheile». Melanie komm her, reiche diesem Manne Deine Hand zu» trewm Bunde durch'» Leben, er wird Dich wahrhaft glücklich macken. Geld« stand erschüttert vor dem Sterbenden «nd sprach überzeugungsvoll: .Ah dank Ihnen, Herr Baron, für ihre Güte, aber bevor ich diese» Opstr von Ihnen annehme, muß ich da» Blui: jene» Mannes sühnen, der unverschuldet für mich gefallen, und durch dessen Tod ich zum glücklichen Mensche» gewc rden. Dem Mörder will ich «ich entgrgenstelleu und Sühne verlangen für die elende Thal, womit er zwei Menschea» leben gemordet . . . ." .Genug der Opferest«! nun der Baron mit schwacher Stürme ein, »genug de» Kampfe» und Streite» zwischen zwei Eonstssionen, diesem blutigen Bürgerkrieg. Laßt sin» Beide da» letzte Opfer sein, und werdet glücklich in Friede». Möge mit mir da» Borurtheil schwinde», welche» Inden und Ehr sten, Bürger und Adelige, Reiche und Arme auf dieser Welt kennt, auf daß treue Freundschaft und vereinig»»- hier herrsche. Gott der Allmächtige, vor besten Richterstuhl ich bald stehen werde, möge mir »ein Unrecht vergebe^ wodurch ich mein Leben und doS eines Andern verwirkt Hase.. Er ist ein gütiger und gerechter Vater, welcher die Sünde» der Erdeasühne bei ausrrchtiger Reue verzeiht." Melanie und Earl fankn vor da» Krankenbett, um de» Schien de» Sterbende« zu empfangen. »Liebet Euch und werdet, glücklich!* Diese Work sprach er noch vernehmlich und sei« Geists war entflohen. Alle Umstehende» waren erschüttert von dieser rührende.

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