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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 14-15 (1893) · p. Seite 54

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
14-15 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
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2» «SH« durch di« Jalonfien Hereinschi inen de» schaut« vrrwundert auf ihre llmgeb«». ^rüowt, daß sie sich nicht zurrchtfli «Kl « hatte sie konnte in -ache, da» sie seit ihrer frühesten Lindheit ihr eigen genannt. Vielleicht hatte sie sich in einer schöneren Sphäre befinden und fühlte sich nun enttänfcht. L» bedarf kerneü allzug, osten Nachdenken», um ihre» Denken» Ziele zu ergründen; nicht von der Sehnsucht nach ihre« Verlobten war sie erMt gewesen, sondern nach dem, dem ihre Neigung eigentlich schon lüngst gehörte, obwohl chre Liebe -u chm erst jetzt jo wichtig erwachte. Doch «» ist zu spät, io einer Stunde kommt ja «ras Kiancioi wieder zu seinem alltäglichen Besuche und vernichtet chre Jugendträume.- Zwölfte« Lapitel. .Guten Morgen Papa!' Mit diesen Worten eilt Melanie ihrem Vater entgegen, der im «arten vor einem gedeckten Tische placirt war und eben von der Zeitung, in welcher er eifrig gelesen hat», lächelnd aufschautt- .Grast Lind, gut geschlafen nach dem gestrigen Abend, ich bin jetzt mein noch ganz matt.' .Danke Papa, so ziemlich; — bist Du schon nach dein Frühstück?' .Rein, mein Lind! ich habe auf Dich gewartet, läu« nach Johann, dast er aufträgt.' Melanie drückte an dem elektrischen Glockenzug, welch.» auf dem Gartentische sich befand und alsbald erscheint b.i Diener mit duftendem Th«; Eier», Cognac und Gebäck. stellt va« Service auf die Platt«; denn er weist; dast die Boronesie selbst in kindlicher Fürsorge den Vater bedient. .Melanie mein Lind', begann der Baron traft seiner Tochter in» Antlitz blickend, während sie ihm die Taffe füllt, .wie schön ist doch diese Welt, wenn Du, da« treue Eben« bild Deiner stetigen Mama, mit mir wandelst, aber tni» wird jetzt au» mir, dem Alten? Verlassen und einsam werde ich den Abend de» Leben» »»bringe» und nur selten in Dein Lebe» «esichtchen blicken können. Fast möchte ich glaubt-», dast ich jetzt am End« meine» Leben» angelangt bin und gar nicht länger zu leben brauche. Mt Dir verliere ich »eine treue Gefährtin und Pflegerin, wie lang« werde ich da noch weiter existir««?' .Aber Papa', autwortrt« da» Mädchen, ihr« Arm« um den Racken de» Vater» schmiegend, .steh doch nicht so schwarz in die Zukunft, wir bleiben ja zusammen, Du stehst noch iw schönsten, kräftigsten Alter, bist gesund und brnkst an'» Sterbe», da» ist n«ht schön von Dir; denke doch auch au »ich. Weißt Du — Dn bleibst bei mir und ich trenne »ich auf keinen Fall von Tir; nicht wahr? setzt« sie bittcad hinzu — »da» schlägt Dir die traurigen Gedanken au» dem Lops, und Du blickst nicht «rhr so trüb vor Dich hin'. .Der Herr Graf ist da und ftagt an, ob er vorsprmheu darf', meldete Johann sich verbeugend und gleichzeitig «ine» fragenden Blick auf die Baronesse werfend, von deren Entschlust so ziemlich Alle» abhängig zu sei» schien. »Wir erwarte« ihn', entgegnetr Melanie und füllte ein« dritte Tasse, welche nie alltäglich für den Bräutigam btftintint toat* .Grüß' Gott, Melanu«, mit diesem «u«rus eilte der Gras auf da» junge Mälxhe» zu und drückte e» stürmisch an sich. Ei,.e beinahe unmerlliche Abweisung traf ihn, üben sich da» junge Mädchen mit kühle» Lächeln von ihm lottzumachen suchte. Jetzt wandte sich dir Bräutigam dem Schwiegerpapa zu und reichte rhm die Amd entgegen, welche dieser kräftig sthüttelte. .Ra wie geht'», liet« Graf? L» wundert »ich «ud freut mich zugleich; dast Sie so pünktlich sind, vir haben Sie, schon sehnsüchtig erwartet.' scheint kam ich überhanpt nur »m «eine vesokgnifst z, bannen, da ich gef-er» Abend bemerkte; daß sie nicht ganz wohl war."— .»* fühlst Du Dich. Melanie?' Diest Frage an da» Mädchen rich trab schaute er ihr n da» blebhe Gesicht „Ach last doch diese übertriebene Zärtlichkeit. denn ich fühle «ich zwar ei« wenig ermattet, bin aber sonst ganz gesund. Du aber kommst mir heule -fv stltsam erregt vor;' setzt« sie fort, indem sie ihn mit ihren Blicken musterte, ,al« wenn Dir etwa» Außerordentliche» passtrt wäre". ,,L!o» sagst Du. Melanie?" sprang der Baron erregt auf, .auch ich habe eine furchtbare Ahnung und kannst «» mir glauben, ich gebe auf Träum« sonst nicht viel, aber ich hatte heetr einen fürchterlichen zu überstrheu. Mir träumte al» wärm wir beide, ja sieh' mich nur au. der Graf und ich; auf einer Bahre, er ganz todt und ich in de, letzt« Zügen, und noch jetzt gruselt e» «ich förmlich, wen« ich daran druke. E» must etwa» in den Lüsten schweben und geben 8« Acht auf Ihr Lcbeu, Herr Graß denn ich zittere wie eia Vater für dasselbe.' Ein sichtliche» Erbleichen befiel den Grasen be, diest» Worten, und kein Wort brachte er über die Lippen, obzwar sich dieselben sichtlich üewegten. »Ich kann mich heut.' nicht lange aufhalte«,' sagte er nun laut und ausdrucksvoll, „da ich noch einen wichtigen Gang labe. Also auf Wiedersthen, meine Lieben!' Dese» letzte Wort mit vibrirender Stimme auSsprecheud verschwind er hinter den schattigen Bäumen. Wir folgen chm vor da» Hau» de» Baron», wo ihn ein Fiaker erwartet. I« demstlden sitzt ein Herr, und wir erkennen in ihm dl u uu» bekannten Ernst von Wahle. „Zum Lichthau»,' rief der Graf dem Lutscher zu und sprang in da» Eoupäe. »i Schon fertig?' begann vou Wahle. „Aber, Herr Graf, Sie stl»en ja furchtbar au», nur nicht ängstlich; «» wird schon > glücklick» vorübergehea." | Ter Graf war gegen da« Fenster z» gelehnt und blick» trübe <lu» demstlben, nur da» Zucken seiner MuStel» deutete an, da', noch Leben in ihm vorhanden, den« unbeweglich snst er da. Ta wandte er sich von Wahle mit de» Worten zu: von Wahle, Sie waren doch Zeuge der schändliche» Jnsnrii^ di« ich erlitten und wissen, daß ich «ich ua Rechte befinde. Trotz alledem werde ich falle», ich sage e» Ihnen tm voran», denn ich Hab« an von Strahle» eme» furchtbare» Gegner; er ist der beste Schübe der hiesigen Garmso» und pfeffert mich so unbarmherzig zusammen, wie einen tollraHnnd. Sehen Sie, da» ist die heutige Gerechtigkeit, indem nur der Stärker«, der in den Waffen Geübter« sein Rech! erhält und ohne lkinbuste seiner Ehre eia Menschenleben morden kan». Ich bi» kein Feigling, habe unzählige Duell« anSgefochten, aber bei all dwse» war der Grund und die Provotanon keine solch' niederträchtige, wie diest» Mal. Sch «erde »ad «nst fallen, Sie werde» sich überzeugen «nd keine Thräne mich beweinen. Scheußliche« Machwerk feindlicher Jntrignt^ mich jietzt auf der Höhe meine» Glücke» himibzustosteu in da» i Reich de» Tode« «nd der Bergessvcheit. wa» sollt« ich aber, dagegim thnn?" fe^tc er resignirt fort, „ich »nsttr e» anf-1 aehnu-a, mußte «ich zur Zielscheibe der mörderischen Hau»; pm«f «tat l" Diest Worte halten auf von Wahle eine große» Eindrucks gemuht und gerührt wandte er sich de» Verzweifelten „Sind Sie doch nicht so pessimistisch; Herr Graß haben ja de» ersten Schuß »ud werden gewiß siegen, ist doch nicht da» erst« Mal» dast Sie einen Ehr«' za stlltchteu habe», e» wird schon gut ablaustn, nnnk »nd Luhe."

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