Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 13 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
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Ari» *Hat n?kinea Lvieft an An» Lisa Morgenstern, dtrHrraut« i aebrrin der fn vortrefflich von ihr geleiteten .Dörfchen Han». ^fraaen-Zeitang" > ihre Gelbftbtogntphie gefchriebeu. welche in Rr. 9 de« gen. Blatte» veröffentlicht ist. Omvohl wir bereitin einer ftüheren Rr. Einiärö ande« Leben deser hochbegabten Kran mitgetheilt, so hat doch die Gchiderung von eigener Hand einen solchen Reiz, daß wir nicht na hin können, da- Folgende daranmitzutheilen: »Geboren bin ich in Berlin 184V. Der Bind zwischen meinen Elter« war sehr unglücklich; meiner geliebten Mutter leidender Zustand nöthigte sie wenige Jahre nach meiner Geburt zu einer Ueberfievtnug »ach Aalst»; bat mußte sie sich wiederholt vov mir trennen; sie gab «ich, >,lich etwa 7—8 Jahre alt war, zur Erziehung zu einer englischen Gräfin <St-Gerrnairi) in Pisa. Diese Dame war sehr fromm und streng; di« Leidenschaftlichkeit dieser alten Freu und ihre Gonderbarterien haben mir die Heiterkeit und jmrmlostgstit «einer Kindteit geraubt. Rach drei Jahre» ewa übergab mich mein« Mutter, die in Parlermo beim s-erzog della - 8rrd»»a Erzieherin war. einem hochangesehenen-alr rmitanische n tklostev-Erziehuag-institut. Ich war über mein illter hinaus Kreist, und der mir erlheilte Religionsunterricht war iu »er Weise geeignet, überzeugeud auf mich zu wirleu. Ich nn.r nun 12 Jahre alt, almeine Mutter reit mir nach Neapel übersiedelte uad mich dem Religion-un «erricht eine« anglikanischen Priester« Reo. DouglaS übergab. Ich hatte bereitda- Bibelftudium begonnen und meine selbstständigen f Ansichten Ober Religion und Moral befestigte» sich immer f mehr. Ich grübelte über beide« und liebte die Kirche, aber -ich konnte zu ihre» Dienern kein rechte« Bert rauen fassen. Da brachte mich meine Mutter zu dem Predige: der kleinen evangelischen Gemeinde in Neapel, — er hieß Remh. Er war ein gütiger Lehrer. Eine« Tage« füllt e« Wort von ' seinen Lippe», und e« durchzuckte mich „tat ist gut, da« ist schön". Die Freude muß in meine« Gesicht aufgeleuchtrt habe», — aber der Prediger mißverstand «ich, er glaubst, ich lächelte spöttisch — und gab mir eine Ohrfeige. — Ich ging nicht mehr zu seinem Retigior«.Unterricht; , diese Ohrfeige kränkst nicht blo« mein Gemkth, sondern :a «rwrckt« auch sonderbare Zweifel, sie war eben deschlagendste Mittel, mich an« kindlich-religiöser Hingebung zu aachdenllicher Srttik zu führen. Dieser, Eharakstrzug blieb mir eigen. 1883 reiste meine Mutter mit mir nach g latow (ihrem Geburt«ort), eine» westpreußische« Städtchen von 2088 Einwohner», zu einer erkrankte« alten Tante. Dort übernahm Superintendent Dr. Todold «einen Religion«-Unterricht. Er mar eia milder und doch eifriger Lehrer; ariL ihm gelang e« nicht, «tc gewiffe Formeln a^ugewrnnen; er war über wein religiöse« Berständniß und über «rin« Bibellund« sehr erstaunt, aber er erklärte am Schluß de« Unterricht-, daß er «ich nicht rinjrgne» könne . . . Dennoch sollt« der Form genügt werde«: nach einem Jahre «1»« besuchte ich n» Berlin den Religionsunterricht *) vtr Mmai biest, beredt kr 80.; «chrte.ücheu (feifit rtMathr .bamftwua-l besten vchttststiA« me» Lchrlsisttlerl»»»» «rlchew«»»», ieelu» Ikeitze brr i» 'stei etirrn zilstr und ' t»de» döchste» Kreise» Gelesen »trb, — ,u»»r»GCtz»i>tili«st»»etz«W»>e» moe» öder — «Ge«, guch. Lestetnm» «»'- »^eigeottlchste pan ' (mwkmii «mpschstn. 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Hatte ich doch schon nach der Ratur gezeichnet, ehe ich schreiben lerntet Peter von Eornelin» gab mir sogar allwöchentlich eine Unterrichtsstunde und Herr von Olströ, der damalige Direktor der Museen, hatte «er auf Grund meiner Studien den Besuch derselben eine Stue.de vor Er» öffnuna gestattet, um ungestört nach der Antike zu zeichnen. Otto Knille ertheilte mir Unterrickh und denn«!- mußte ich diesen Leben-plan ausgeben, weil die Mittel zu meiner Au-» bildnng frhlttn. Mein« Mutter glaubte an ei» Talent für die Bühne, und ich durchkostest einige Jahre hindurch die Leiden und Freuden ver Thearerlaufbahn. Zu den Freude» aehörstn da«Studium unddirDarsstllong vonRollenwstLouise (Kabale und Li«de),Klärchen, Lorlr.Käthchen v.Heilbronn.Marianne ia^>rn Geschwistern u. s.w.; zu den Leiden der frivole, ja oft unanständige Umgang-ton der Schauspieler untereinander auf den Proben, in den Garderoben u. s. w.; da ich mich Srückzog, hielt man mich für stolz und stindest auch an. h begrüßte rS wie eine Erlösung, als ich im Jahre 1873 nach meiner Verlobung mit Dr. M. Remh, dem Ressen wuiiiT* einstigen schlaasertigen Religion-lehrer-, dst BLchue verlass«, durfte. Ich hatte mich bereit» schriftstellerisch versucht und kurz vorher die Freude gehabt, ein anonym ein» irrichst- Lustspiel: .Die Rechnnng ohne Wirlham Bura- ' oste in Wien eia Dutzendmal mit großem Erfolg auf- . >hrt zu sehen. (Siehe Hinrichftn, Kürschner.) Meine; hätigkrit theitst sich zwischen der anstrenjteaden Pflege meine« schwerleidenden Gatten und ftiner Vertretung m . Kunst-, Buch- und Theaterkritik. Im Mai 1881 wurde er von seinen L«dei, erlöst. Rach einigen sorgen- und arbeit«» reichen Jahren widmete ich mich immer eifriger dem Geschicht-» studium, besonder« der Kirchen« uad Kulturgeschichte. Meine alst Liebe zur Bibel führt« mich zum Erlernen der hebräische« Sprache, um die heilige Schrift im Urtext lesen zu können. Der Anttftmiti-mu», der meinem innersstn Gefühl widerstrebte, veranlaßst mich zur Lektüre von Zeit» uat Streitschriften für und wider Israel, 'unb allmählich gerstth ich immer tieftr in da- Studium de- Judeuthum», d. h. der bezügliche» Werke von Jost, Grätz, Deflanrr, Zunz rr., ober ich las anch eifrig die Werke christlicher Autoritästn, wie S. Strach Mouunsen, E. Renan, Fr. Delitzsch u. A. Meine Bekannt» .^ schaft mtt dem Bersosser de-Werk«: .Da-Leben der Seele", -:r“j M. Lazarus, erschloß mir viele neue ungeahnte Quelle» er- ’V hebender Geiste-nahroagi 1891 starb meine geliebte Mutter in dem Land«, dauneine zweist Heimath geworden, i»-- Italien, uad nachdem ich den herben Schmerz allmählich .:., überwunden, fand ich in immer ernsstrein Studium de» Trost in meiner zunehmende« Einsamkeit. Al« ein christlicher Leipziger Verleger ein Werk über .da« jüdische Weib" herau-geben wölbst, wirihn Lazaro« an mich, und diese» Werk erstbst in 8 Monastn drei Auflagen. Der Erfolg diese« Buche« bestärkst mich, ineine« Fleiß auf da- Gtud»«. von Juden und Judeurdam zu toazenstinn, da ich damitden schmachwürdigea, inhumanen Anftindungen de- Bolle- '. dem wir die 18 Gebote, die Propheten, die.Psalmen ver-^,> danken, etn versöhnliche- Gegengewicht za leissta hoffte.^— ,-'-. Efolgt nan «ine Schilderung der Erfolge ihrer stäge. in den gröheren Gttdftn Deutschland« — s Brvtlau, Karisrnhr, Köl^ Düsseldorf, Hamburg, Eli u. a. — über dst wir in kor Wochenschrift z. Z. derb haben. Gst schlicht mit einer Antwort der vstlgesest: Frau auf dst von aller. Seiten an sst gerichstst Fra^e: „wie fie dazn komme, sich so für da« Judmtyut, z» iastressiren-" dst «r hier noch «ittheilen wollen. »Nicht diese'Ttzutsache, sondern di« Flage sollst er: lich sem. Ich. ^n». Wst sollst -ich mich )# rf