Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 13 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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und prosaisch gehalten, sah dt, daß gerade diese» eine Wor: di« Welt regiere, daß der flfaag. desselben selbst bk ältester, Geschlechternamen überlönte, da« alle diese, sich über da« gewöhnliche Bott erhaben dünüenden Menschen dem Mammon unterstehen, indem fast alle ohne Unterschied e» für stände». gemäß halten, nach der grvßbm Mitgift zu fahnden und auf diese Weise da» LebenSglück eines der bevorzugten Ständ: angehörenden Mädchen« für «wig zerstören. Roch wäre e« vielleicht ^Zeit gewesen zur Umkehr, aber der Eclat vor der Welt, welchen die Aristokraten so fthr fürchten, dünste ihr unerträglich. Fahre hin. Du schöne Jugendzeit, seid vergessen ihr süßen Träume, an der Seite eine» ungeliebten Manne»! Diese Gedanken machten da» heitere Gemöth de» jungen Mädchens verschwinden und raubten ihr die glückliche Ruhe. - Ach, wie wollte sie den Tag den vielleicht ein anderes Wesen mit Sehnsucht herbeiwünscht, noch in die weite Brr» gangenhest zurückversetzt sehen, uni wenigsten» genügeode Zeit zur Vorbereitung aus ihr durchaus nicht beneidenswerthe» Lo»S zu finden. Der am Zkle seiner Hoffnungen und Berechnungen stehende Bräutigam hatte vielleicht andere Empfindungen. Die ihn drückend« Schuldenlast abzuwälzen und die z« erlangende selbstständige Stellung ließ ihn die Tage zählen, bi» er das Bündniß vor der Welt verkündigt und kemein zufälligen Umschwung mehr aickgesttzt sah. Sein sonst etwa» (»hlrgmatisches Wesen war durch die innere Aufregung rinrin anguinischen Ausdrucke gewichen, und ein glückstrahlende« Lächeln erfüllte ihn, wenn er im trauten Gespräche mit seiner schönen, reichen Braut brisan men war. E» ist vielleicht unnöthiz, zu erwähnen, daß ein solcher Mann, dem sich Fortuna so blindlings zugewrndet, dem Rewe und der Mißgunst gar Bieter auSgefetzt war Doch e» ist bester beneidet, als bemitleidet zu werden, und diesen Wahl» sprach hatte auch Graf Biancini zu dem seinige» erkoren. Aber er hatte mit einem der größten Fastoren seiner 8e» sellschaft zu rechnen vergessen, dem der gemeine», nkdrigen Rachsucht und Jntrigue. .Diese Faktoren spielen in den hohen Kreisen eine Hauptrolle, und gar manche» freundliche Lächeln aus dem Parquett der Salon» verwandelt sich hinter den Coulissen in ein teuflische» Grinsen de» Haffe», und di« Hand, welche freundschaftlich gereicht ein Zeichen der Brüderlichkeit versinnlicht, ballt sich stampfhast zusammen, sobald man sich unbeachtet glaubt. So war e» auch beim Grastu, der durch dk glüPiche Wendung seiner Lage sich nicht nur Neider, sondern Feinde in des Worte» scheußlichster Bedeutung genlacht hatte. Während er in herrlühen Zukunftöträomeu schwelgte, saan der Schmarotzer Zahl auf sein Verderben. Elfte» Kapitel. Heller Lichterglauz strahlt au» de» Baron» Haust und elegante Equipagen rasseln in unabsehbarer Reihe dar. Reich, besteht« Diener spn'ugen von den Kutschböcke» und öffnen dk Wagenschläg«, welchen Herren in schwamm Toilette vnd Daimn in prächtige» Roben entsteigen. Ein unaufhörlich summender Zug besteigt dk hellerleuchtete Treppe, welche mit duftigen Gewächsen geschmückt und von rlestrischem Lichtfchimmet magisch erhellt ist. Oben angelaugt, «acht rer Baron und dk junge Baronefst dk Honneur» und geleiteten dk Ankommenden in dk lururib» arägestasteten Salon». Seit Baron Hollwitz wieder dk Höhe erklommen, uxn « eine Thatsache, daß dk >«n ihm arrangirk» gesk za Iw» schönste» der Saison gehör»n und dk Erwartungen der rer» möhickesteu Arfftokrak, nicht nm befriedigten, jonbctn sogar übertrast». Da» Arraugenent de« heustgm Fefte« billnt, den wahren Trinmpf de» «rlangse» Anstheu», «de« tmt eine der gestiertstea MddeRpntth dir Fürstin.Pvtintky, ln» langte. üki>t' tiest Berneigung nach dem Erdboden erfolgt seit«» beiau West» den Eavalierr und Damm» welche sich um de« Götzni schaarm und auf et» freundliche« Wort oder vklleicht einen herablaffmdm Händedruck lauem. Reben diestu mitOrdm reichgeschmückku Herren bemerken wir auch Earl Gel!w, welcher eben mit von Wahl« in eifrige« Gespräche begriffen, dk Komödie absolnt nicht zu beacht» scheint. Immer lebhafter und animirter wurde die Lonverfation und desto iniensiver der Geruch de» aufgetragmm, duftend« Buffet». Endlich ist auch der Bräutigam, Graf Biancini, angelangt, welcher von der Fürstin auf» Freundlichste be». grüßt, ain Arm der juugm Baroueffe hinter de» dk Fürstin sühveude» Baron Hollwch in selbstbewußter Haltung der Taft! zu schreitet und diestlbe eröffnet. Seinem Gesichtsau«» drwcke i>t zu entnchme», daß ihn der heutige Tag zum glücklichen Mmschm und seine stolzen Erwartung«» und Hoffnung« best,edigt hatte. Sein sonst etwa» fahle» Gesicht war mit leichter Röche überzog« und ein stetige» Lächeln umspielte seinen Mund. Welcher Eoastast aber zwischen ihm und stiner Braut! Bleich und unmhtg saß sie neben dem Mänae, a» dessen E«ttc sie ihr Leben verbriugeu sollte, dem sk dm Eid der Tw« zu leisten hatte au» angeborenem StandeSgefühl. Ihr Auge klickte unruhig umher, di» «» an «ine« männliche« Antlitz« hastm blieb, an den klassischen Farmen Carl Geldes. Seme schönen Augen blickten nicht vorwurfsvoll zu ihr bin, nutzt der geringste Ausdruck de» Zorne» lag iu dm» selben. Lauge schaute sie in dieselben, bi» rin leichter Schauer sk erbeten «achte vergeben» hatk sie alle dies«-Gefühle in dkstin evejdenstnden Eharacter gesucht» nur Mitleid war es, da« ihn sk so ausdrucksvoll andlicken ließ! Sk, die nu« ihrm Lsillm erlangt, dk Höh« ihre» «iugeimpften Standes» gefühle« erklommen, sah sich nun von de« Manne, auf deffe« Urihell sie alle» gab — bemitleidet. All die» hatk außer von Wahle wohl keiner der Gesellschaft wahrgruommm, - welche sich wobt ebmso unaufrichtig «uterhielt, als da» kühle Lächeln de» Baron» echt war. Toast folgt« aus Toast, nicht» al» Phrasen und Schmeuheleim. Da erhob sich der Baron und verkündete mit lauter Stimme, daß er da» heutige Fest zu einer Doppelstier gestalte, indem er dk Ehre Ham, der anwesenden Gesellschaft dk bevorskhmde Berbiuduug seiner Melanie mit de« Grasm Biancini anznzeige». Ein braustnder Jubel erschallte und dk Lhampaguergläsa klirrten unter Kundgebungen der allgemeine» Freude. Unaufhörlich floß da» kostbare Naß und da» Brautpaar wurde mit Lodet Hymne» überschüttet. Endlich erhob sich dk stöhtiche Schaar, um sich am Tanze zu ergötzen, zu welche« iu prächtiger Spkgelsaat auö» geränmt worden. In kurzer Zeit füllte sich derselbe all leicht dahinfliegendeu Paaren, - und dk größte» Anforderung« » wurden an dk jugendlich reizende Braut gestellt. So zieullichg all« juagm Eavalierr hatten dir Ruud« all ihr gemacht,^» -auch Wahl« hatk sie durch den Saal geführt, nur Geld« , hatk sich de» Tanze» gänzlich enthalten. Ec war im Grunde ein Feind de» dk men schliche Ge»s suudheit untergrabende» Tanzvergnügen». Gar manche»- Mädch-nauge versuchlr durch stu» Bsttze dk Allsmrrksamkll - de» Jstgmimr» auf sich zu lenken und ihn seiner ZurL' zogenhnt zu eutzirhm. Run kam dk Reihe de» Wäb an die Damm, und erwastuugsvoll sind aller Herren r auf du junge Braut gerichtet. Doch welch uaochöck» Baraeh»! — Sk schwürt auf dm bescheidmm Geld« zu uad bittet ihu zm» Tanze. Sichtlich überrascht nimmt d«r< Jugenievr d« Aufforderung der Baronefst eutgeg», nur. «um l Romeut überleate er, bi» er «och rasche«, vkllmcht tber»^ wmdnna»volle« Lutßhlusst ihren Arm stUrrist, um mll ei» «Wg z« promenireu. Ziemlich lauge Zell verging, Geld« daü. “