Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 12 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Daß unter solchen Umständen die Pflege der Toleranz keine Fortsondern Rückschritte machen muß, liegt auf der Hand; die Erfahrungen der letzten Jahre haben eS leider nur zu gut bestätigt. — •* Um so wohlthuender berührt ti, auf ein Lesebuch aufmerksam machen zu können, da« in seiner T.'nbenz gerade da» Gegentheil de« bisher Gesagten bietet »Wagner'S Handbuch de« WtfsenSwürdigsten für Volksschulen und andere Lehranstalten", betitelt sich das treffliche stSerk, welche« in I v Auflagen bei Joh. Phil. D i>chl in Darms «dt erschienen ist und nur den einen Fehler hat, daß ni$: das heutige, sondern das Jahr 1850 als Erscheinungsjahr xrzeichnet ist. In der Mitte unsere« Jahrhunderts maß doch ein besserer Wind geweht haben, denn während man heute im antisemitische» Lager bemüht ist, den Juden Unbescheidenheit, Habsucht, Feigheit und Selbstsucht vorzuwersen, werden in nachstehenden zwei Lesestücken, wörtlich dem Wagner'schen Buche entnommen, Bescheidenheit, Ausopferung für Andersgläubige, Uneigennützigkeit und Ehrlichkeit der Juden in einfacher, aber erhebender Weise dargestellt. Sollte eS dem einen oder anderen Leser diese« Blattes, insbesondere den Herren Eollegen möglich sein, die Aufnahme derartiger Lesestücke in christlich- Lesebücher zu «rwirken, dann wäre endlich die Zeit nahe, daß die Intoleranz wenigsten« nicht mehr in der Schule gelehrt würde. Tann wäre da« Jahr 1893 segensreich nicht nur für uns, sondern für die ganze civilisirte Welt! I. J>« Ande. Den erstarrten Leib zu pflegen, Kam, durchnäßt von Schnee nnd Legin, Der mobile Handel»mann Leoi Schmuhl im Wirt h» hon» an, Zechend im zufriedenen Kreise saß de» Städtchen» Bürgerschaft, Labte sich am Gerstensaft, Und besprach sich wechselweise Bier von schul- und Kirchenzuch», vom erschienenen Kometen, von von Pest und Kriegeenäthen Und der schlecht geratenen Frucht. Levi grüßt und nahm bescheiden In der Lek' ein Plätzchen ein. Unwillkooimne» harrte sein, Schmach und Kränkung mußt' er leidtn. Venn zur Lust der Kümmelbröder Brannte mit dem Pfeifenspan Barkenseld, der Seifensieder, Ihm den Bart von hinten an. Gellende» Gelächter tränte Diese Großthat. Durch die Thür schlich zum Stalle der verhähnte, suchend dort ein Nachtquartier. Mitternacht mit dunkler Hülle Deckte Thal und Bügel schon. Alle» Leben war enistoh'n; Aber furchtbar durch die Stille Drang der Feuerglocke Ion! vraffeind schlägt die lvuth der Flammen Um de» Seifensieder» Vach; Beulen» läuft da» Volk zusammen, Alle Schläfer werden wach. Alle» regt sich, and geschwind» wird der wafferschlauch gefüllt, Daß die Flamme, kühn und wild, Aufgejagt vom Wirbelwinde, Den gewalfgen Gegner finde. Doch wer faßt ein Herz und stiegt Leitend nach dem zarten Kinde, Da» im Erker schlummernd liegt? Venn die Matter sieht man rennen, Angst beflügelt ihren Lauf, Und verzweifeln» schreit ste auf: »Lastet Bau» und Bade brennen, Leint mein Kind au» Feuerealuth l" Sieh'! da zeigt mit hohem Math, wo die Funken sprüh« und stieben, Sich eia Fremdsing, eilt in'» Han», voch vom Dampf zarückaetrieben Stürmt er zu der thür Hera»», Klimmt von außen Dringt dehent za« Erker »er, Knüpft da» Änd, ludest mft Grauen Aller Augen auswärt» schauen. Rasch sich mft dem Wiegenseil . An den Nacken, steigt ln Eil' Nieder durch der Flammen wuth, Siebt e« frisch, wte er'» gesunden wieder in »et Mutter fyit, wendet sich und ist verschwunden. Jene» Bau», der Gluthen Raub, senket ganz in Schutt und Staub. Doch so wie der Morgen wieder Purpurfarbig sich erneut. , . tritt der Gastwirth, still erfteut, Zum verarmten Seifensieder, Linen Beutel in der Band. »Levi." spricht er, »der die wand Deine» Giebelwert» erklommen, Der Dein Kind dem Io» entnommen, Leoi hat mich qergesandt, Diese Gabe Dir zu reichen." — Die ihr Christen seid genannt, Gehet hin und thut deßgleichenl Nach Prätzel. 2. And doch »ar ste «uschuttig. In einem Landhause wurde ein kleiner lederner Beutel vermißt, worin \ Dukaten. z Friedr>ch»d'or und etliche Sechekreuzerftücke sich befanden. weil kein Mensch in da» Zimmer gekommen ux»r, außer der Magd, die e» gekehrt hatte, so fiel der Verdarbt auf sie. Sie war bisher immer treu und ehrlich gewesen und betheuerte rnf* Heiligste, daß Ste nicht» davon wifie. Kurz darauf kam ein silberne»LSsfelchen weg und bald nachher noch eind. Nun glaubte man, rtäre e» au »gemacht, daß ein geheimer Dieb im Hause sei, und weil der verdacht noch immer auf der Magd ruhte, so ward sie au» N:m Dienst entlassen. In eben diesem Hanse hielt man eine Ziege, welche bei der Hau»ftau so wohl angeschrieben war, daß ste sogar die Freiheit hatte, in ihrem Zimmer herumlaufen zu dürfen. Einige Monate nach Entwendung oben genannter Saä>en fing die Ziege an, s» wenig Milch zu geben, daß e» nicht mehr der Mühe und de» Futter, werth schien, fie zu behalten. Sie wurde an einem Juden verkauft und geschlachtet. Beim Reinigen der Eingeweide fanden sich im Maaen der Ziege — wer hätte da» geglaubt? — nicht allein die beiden Lässlichen, sonder» auch der lederne Beutel mit den Gold- und Silbermünzen. Der Bentel war ganz eingeichrumpst und mit zähem Schleim üierzoaen. Und wa» »hat nun der Jude? Behielt er da» Geld und-die Läsfelchen kür sich? Ging er zu einem Advocaten. nm sich zu erkuntigen, ob mcht alle», wa» die Ziege bei sich gehabt habe, sein Ligenthum wäre? Nein, der ehrliche Mann folgte der Stimme seine» Gewisten», stellte den ganzen schätz der vorigen Ligenthümerin wieder zu, rettete die verkannte Irene der Magd und verschaffte dieser ihren Dienst wieder. Pie PoröUduug de» jüdische« Lehrer» im Seminar. ' Lehrrrcouserrnz»Vortrag von H. Reuß in Neust«dtgöden». d. Hebräisch. Da» Seminar hat den Lehrer auch nicht in die Methodik de« hebräischen Unterricht« angeführt. — Weil «r nicht» mit diesem Fache anzusangen weiß, führt der Lehrer Bücher ein, die, sprachverderbend nnd sinuzerstörend, die armen Schüler nur mit Arbeit überbürden, ohne wirklichen Nutzen zu stiften. Ich habe ein Bücherverzrichniß mit folgenden Prahlereien vor mir liegen: .Der Unterzeichnete offerirt folgende, von den hervorragendsten Fachmännern al« die lrichleste Methode Ju Thumrsch- und Tefillah-Uebersetzungen anerkannten Schulücher: Bibel-Lehre, mit einer dem hebr. Worte gegenüber» stehenden deutschen Uebersetzung und Regeln d-T hebräischen Grammatik." .Dasselbe in 5 Hefte." Au« diesem Rrklamendrutsch schließe man atf das Deutsch der Uebersetzung. — Diese Bücher versolgrn die leichteste Methode, den Lehrer in seiner Bequemlichkeit und seinem Schlendrian zu unterstützen. Ihre Methode tlnd die aller ähnlichen Machwerke,*) die die Uebersetzung neben, über oder ") ftu ihnen gehört das jetzt ebenfalls Markts, hreietisch enge» prieseue »Gebetbuch vom hannoverschen Semiuardiretwr Dr. lkrouer"; es ist trotz der Anpreisungen in jüdische« Rekleme-Vll.tter» eines der schlechtesten Bücher aus diese« Gebiete, wie im ^iid. Litteratnrbi." »echgewiese» worden. Es kann nicht eiudriugltch genug gewarnt werden vor diese« mit »«verzeihlicher Aehrläsfialeit gearbeite eu .Echnlbuchp. de» .Direktor, der BUdunKkenstelt {fa jüd.Lehrer." (6. »ett.2ltt JetTfe.