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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 11 (1893) · p. Seite 43

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
11 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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3>fc de» jüdische« Beßrer» i« Sr»ri»ar. L«hrerr»sfere»z-VsrtragDdvsDtz. Neuß ix^RttftabtgUiori. In dem Seminare hätte der angehend« Lehrer hären sollen, daß von jüdischen Kindern deutscher Sprache die Anschaffung einer Bibel mit deutscher Uedersetzung gefordert werden müsse. Da- Seminar hätte sich in bei vielen Jahren seine- Besteheneinen Lehrplan in Bibellesen «inlegen müffen, den der Lehrer auch in seine Schule hätte übernehmen können. Anstatt der langen einerlei Schulgedett lAtttn paffende Psalmen vielleicht nach ernsten Weisen gesurgen, die Schule eröffnen und schließen, am Freitag und vor einem Festtage hätten die Thora» und Prophettnabscknitte genannt und ausgelegt werden sollen, die am Sabbath oder Festtage von geheiligttr Stätte herab verlesen werden. Die Seminare haben in dieser Beziehung alleversäumt. Zu meinem grüßten Bedauern muß ich beklagen, daß un» eine volkSthümliche undoch gute Uedersetzung der heiligen Schrift fehlt. Ich will und kann von Lutter- Bibel nicht behaupten, daß sie ohne Fehler sei; aber tyte Sprache ist doch herrlich, packend, gemüthlich und Volks hümlich Man vergleiche nur den 23. Psalm in der Uebersetzung von Luther mit dem gleichen in der Zunz'schen oder Mendel» ohn'schen Uebersetzung — b. Jüdische Geschichte. M H.l Rach den Allg. Bestimm, schliei.t sich an die sbiblische Geschichte die Geschichte der Pflanzung und Ausbreitung der Kirche, „der Begründung de- Ehristenthumeiu Deutschland, der deutschen Reformation und Nachrichten über da- Leben der Kirche" in der jetzigen Zeit an. Für die christliche Schule steht also fest, daß die „teilige Geschichte" nicht mit den beiden Testamenten, sondern mit der Gegenwart abschließt. — Zu der unfern Berhälrnissen entsprechende» Forderung, daß die jüdische Geschlitzte u der Oberklasse der eigentliche Unterrichtsstoff der biblischen Geschicht-stunde, der Abschluß der biblischen Geschichte sein müsse, hat man sich in den Lehrerkreiseu ohne Widerspruch noch nicht aufraffen können. Well jeder thut, was recht ist in seinen Auge«, so wird vielerorten im 7. und fc. Schuljahre die biblische Geschichte abermalmit denselben Resultaten durchgeuommeu. Wir übersehen dabei, x>ß die christliche Schule den Geschicht-stoff der de den Testamente &bchaÄ>eln hat und klagen über Mrngel an Zeit, unverhindert, me Geschuhte der Jüdin den Schülern vorzuführeu. Giebt eaber feste GrundsLtz: über Stoffauswahl und methodische,Behandlung dieser Disziplin, giebt e* ein Heft für die Hacktz dsr Schüler, ein Buck, für den Lehrer, die in musterhafter Darstellung da» bring«, was unseren Zwecken entspricht? Unsere jüdischen Seminare haben diesen Theil des Religionsunterricht», der „heilige» Geschichte" vernachlässigt, wie die andern Theile. Wowir bi« jetzt erreicht haben, sind die in keinem Zusammenhang s:eheuden, sich oft widersprechenden Beschlüffe der Lehrerversc mmluugm. Ich darf wohl behaupte», daß in den meiste« jüdische» Schulen dies« Unterricht-gegenständ, d« begeistert ngsfähige Juden mit Idealen zu schaffen vermag, noch nicht eingeführt ist. t. Jüdische ttefigtm. Ju einem Artikel der„Allg. Zeit, de- Jud", d« einen Borttag de« Handel-redakttur« I. Wiener in Berlin wieder» piebt, und sich «ft d« Frage beschäftigt, wie wir uns«e Kind« dem Judenthume «hatten, finden wir praktische Vorschläge, die von einem fast überraschenden Interesse für uns« sehr bedrängte« Religumsleben zeugen.*) Um Schluffe des Rufsatzes heißt enun: -Wie es an den Lehr«« zu fehlen fcheintz welche die Borbickuug dafür besitz:» od« erhallen, die Aufgabe» de- Religionsmettrrichtts in diesem höher« * .Ä Sinne zu erfaffeu und zuIübeu, leid« nruß auch ebenso — Frage, ob ein solche« Rmigion-buch Vorhand« ist. verneint^'' wnden." Auunbefangenem Munde hören wir also die schwere Anklage: L Die Lehrer besitzen od« erhalten nicht die nöthige :? zeitgemäße Borbildung zur Erfassung und Uebung d« Auf.' gab« be* Religion-unttrricht-; 2. Esthlt an einem Religionsbuch dadie Arbeit de- Lehrerunterstützt und ergänzt. Daverbreitetste Buch: Glauben«- und Pfluhttnlehre von Herxheim er ist durchau« unbrauchbar für einklassige Bolk«. schulen, eü behandelt allezu grünMtdi, veifftande-mäßig, ist voll« Definition« und thut dafür unsere, wie für jede andere Religion so wichtige Gebiet der religösen Gebräuche mit wenigen Seiten ab. ES eign« sich wegen dekalten, Herz und Gemüth nicht anregenden Lehrtoneauch nicht für höhne Schulen. And«e Bücher sind eniwed« ein Abklatsch des Herxheim« sch« od« haben andere Mängel, besonderden d« Dürftigkeit oder der aphoristischen, kraftlosen Sprache. Wenn wir Lehr« under müheselige» Arbeit unt«ziehen, au« den Büchern das Zweckdienliche herau-zusuchen. den Stoff zu sichten suchen, so fehlt den jünger« Lehrern das nöthige Urtheil über da- Wichtige. Nöthige und da« Unwesentliche, ■ da- Urtheil über die Bertheilung de- Stoffeauf die einzelnen Adtheilungen und die einzeln« Schuljahre, endlich" uni, haupsächlnh die Befähigung, in d« Religion-lehre zum Nutz« und Frommen des Schüler- und de-Julienthum« zu unterricht:». In den meisten Seminaren bleiben die Schül« ohne Anweisung ohne Anleitung, den Stoff zweckinäßig zu behandeln, wie die Allgcm. Bestimmungen verlangen Worin besteht nun die Religionslehre in vielen jüdischen Schulen? Der Lehr« ftagt nach einem Glauben«- od« Sittensatz, d« Schül« antwoitet mit dem Äortlautt des Lehrbuche«. Der Lehrer fragt nun nach dem Beleg und dem Beispiel aus d« Bibel, die beide der Schül« nach de« Religionsbuche angiebt. Stach 4 Wochen habe» die meiste» Schüler alles vergessen und plagen ihr tpedächtniß mit de« Memoriren neuer Antworten und n«« Belege ab. Kann ein solch« Religion-unttrricht heilsam auf den Willen wirken, da er nickt zuvor das Bemüth erregt hat, kann ei» solch ttockene- Abfragen und geistlose» Hersag« B e . geistern» g wecken für un'erJadenthum uiidLiebezurReligim»? Können ab« junge Lehr« in d« ersten Jahren anderhandeln? Sollen sie in kurzer Zeit die Erfahrung machen, die die Seminardireftoren, Seminarlehrer, Rabbi«« und Lehr« in d« langen Zeit nicht gemacht od« wenigsttn» mcht verwerthet haben? Der Jude kennt seine Religion nicht, « ist nicht vertraut mit ihr, me man mit dem Liebste»,'' was man hat, vertraut fein soll. Ihm ging in der Schule keine Ahnung von ihr« hehren Schönheit auf. Der jüdische Religionslehr« ist selbst ohne rechtt Keintniß und Werthschätzung der jüdischen Religion, die im jüdischen Seminar vor laut« andere« wichtigen Sachen nicht berücksichtigt werden kountt. Ju der Praxis stellt sich nun heran», daß der Lehr« mü d« Memoriermcthode mcht Rechtes schaffen kann, er prvbirt, sucht und sind« vielleicht, wenn es zu spät ist, wie man die Lehre d« heilig« Religion dem Kind«herzen nahe bringen muß. Daß die Lehr« reges Jutereffe für die Methodik des Religion-unterrichthaben, beweist «stens die Konferenz jüdisch« Lehrer in Hannover am ü. und ti. Juni d. J._ Dort behaudettt man das Thema: Zwecke und Lehrziele tzes jüdisch« Religionsunterrichts. Bezüglich der „Zwecke" nah» man folgende Theft an: „D« Zweck dejüdischen Religionsunterrichts ist, zu einer auf jüdisch« lBeltaufchaunug und Lebensauffassung beruhenden Lebensführung zu erzftle«.* Run werdm die Nichtjuden heidenmäßig viel Bespickt vor unser« Religion-umerricht bekommen und die Jrld«, den« die Wortt de- »b»w»b-r»bbab-Gel>eienicht genügt«, werden jetzt befrtttzsgt die Lebeu-sührmw begftwen, die aus jüdisch« Weltuufchauuug und Lebensauffassung bericht l Ei» $ tV: '■**1 ,.v *? 8 A 9 , y, _ •) ist »««sh» w»-»j-hs. iuOtzptt».

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