Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 11 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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yirten Hände de» geliebte« Mädchen« ergriff. Sie ließ e« ^^stin Widerstand ist die beste und sicherste Nntwort de» schvnen Geschlecht-. da« zwar al» schwach und unselbstständig gilt, da« jedoch gar oft in kritische« Mooienten an Energie und Geistesgegenwart den Mann überragt. „Liebe« Fräulein* begann er, „haben Sie keine Scheu vor «ir? Können Sie auch auch noch achte«, nachdem Sie Alle« erfahren, wa« ich an Ihrem Bruder verbrochen? O, schenken Sie meiner Brtheuernng Glauben, daß ich wahrhaft bereue und fürderhin bei allen meinen Handlungen streng rechtlich vorzugehen verspreche. Können Sie vergessen, uud einem Menschen, der o schwer gesühnt, auch vom Herzen gut sein, ohne zu befürchten Ihre Liebe einem Unwürdigen zu weihen?* Sie schaute ihn erstaunt mit ihren uuschuldsvollen Augen an, und ein Blick traf ihn, welcher chm deutlich bewie«, daß sie nur Gut«» und Edles von ihm denke. „Nun, dann wage ich es Ihnen zu erklären*, setzte ec fort, »daß ich Sie liebe mit aller Gluch eines liebenden Herzens, daß ich ohne Sie nicht leben kann; ich bin erfüllt von jenem höchsten himmlichen Gefühl, das erhaben über alle Religionen ist und nur das Göttliche im Menschen liebt. Fühlen Sie dasselbe für mich? Wollen Sie die Meine werden für immer. Erna, meine Herzgeliebte?* Sein ängstlich siegender Blick war auf Erna gerichtet, bis sie ihr Haupt neigend und errüthend in ihrer reizend naiven Art ein leise«, aber dem lauschenden Ohre de« Liebenden vernehmliches „Ja* lispelte. Da erfaßte von Wahle ihr Köpfchen. blickte beferligt in ihre treuherzigen Augen, und zwei Lippen berührten sich sehnsüchtig, um dem Herzensbunde die Weihe zu geben. Lange hielten sich die Liebenden umschlungen; in vielsagendkm Schweigen ist es nur der Kuß, der heiße Liebeskuß, welcher dir fröhliche Botschaft des Einsseins zum Ausdruck bringt. Im süßen Traum der Liebe waren auch die Beiden in stiller Selbstvergesse aheit geblieben und aus der Wirklichkeit, aus der Welt des Mißtrauen« uud Argwohn-, in da« Reich des Paradieses versetzt. Wie ist sie doch so schön, diese bedeutungsvollste Stunde de« Leben«, wenn die Gedanken zweier selbstvergessenen Wesen die Borsicht, de Mutter der Weisheit, außer Acht lastend, vereint auf dm Altäre der Liebe der schützenden, gütigen Gottheit ein Opfer de« Dankes darbringen. So erging e« auch Ernst uud Erna, welche noch zärtlich umschlungen, nicht die in das Stübchen zurückgekehrst Mutter gewahrten und von dieser nun überrascht sind. O. Mutterauge, Du blickst nicht zornig und verdammend auf Dein Kiud, nein auch Du schaust zum Himmel empor, und eine heiße Thräne erglänzt in Deinem Auge, in der sich das Antlitz besten wrederspiegelt, der im Reiche der ewigen Lieb« weilt, der auch Dich einst so liebend umschlungen, mft Dir den ewigen Bund, das heilige Baud der Ehe ge» schlosten. Dich beglückt und treu begleitet, bis zur Stund« des Abschiedes von dieser Welt! Die Mutter blieb ruhig stehen, um nicht da« Glück chre« Kinde« zu stören, bis Ernst zuerst ihrer ansichtig wurde. Nach Ueberwmdung der ersten Verlegenheit erlangte er sein« Geistesgegenwart wieder, und Erna an der Hand eilte er der Mutter entgegen und sprach: .Hier bitte ich Sie, geschätzte Frau, um Ihren mütterlichen Segen zu unsirem Herzensbunde, denn in dem, was da» Hüc^I. und Göttlichste in der Religion ist, in der Liebe, sind wir einig. Ich verspreche Ihnen- "«in ganze« Streben nur darauf zu richten, Ihre« Kinde, meiner geliebte» Erna, ein glückliches Leben zu bereiten und Ihnen eiu treuer, dauwarer Sohn zu sein.* Erna fiel ihrer Mutter in die Arme uud bedeckte sie mit Küsse»; hierauf legte die Mutter ihre Hände segnend auf das Haupt ihrer Kinder; um da» Segen dessen, dader Later aller Menschen fft, zum Schutze ihrer Kinder an flehen. Sie fühlte e«. daß, da Ernst ausdrücklich kein Ops religiöser Ueberzeiwung von Erna verlangte, auch der tei* klärte Geist brt Later« nur mit Wohlgefallen auf dieses^ Büudniß herabblickcn würde, welche« da« Glück seiner Tocheer J begiündete. i Im Arbeitszimmer des Baron Hollwitz war um dieselbe^ Zeit Earl Geld« anwesend. 1 „Ich gedenke da« amerikanische Patent*, sagte er zu« 1 Baron, „nun auch um den mir gebotenen Betrag von drei z Millionen Dollars zu veräußern, wozu ich Ihre schriftliche 2 Vollmacht al« Eompagnon erbitte, Herr Baron.* .Da« versteht sich von selbst, mein lieber Freund*, entgegnest Baron Hollwitz und schrieb einige Zeilen ans eine» Bogen Papier, den er mit Unterschrift und Siegel versehe« dem Ingenieur überreichte. Gelbe faltete das Document und steckte e« ein. Darauf waridte er sich wieder dem Baron zu mit deu Worten: „Run, Herr Baron, nachdem die geschäftlichen Angelegenheiten erledigt sind, habe ich auch ein« Bitte privater. Natur auf dem Herzen, die ich mir gestatten will, Ihne» vorzutragen.* Der Angeredete blickte überrascht auf, und liebenswürdige lächelnd entgegnete er: 3 .Ich stehe mit größtem Vergnügen zu Ihren Diensten, lieb.i Gelbe, und will das Möglichste zur Erfüllung Ihre» H Wunsches thun. Bitte theilen Sie mir denselben mr».* | .Auf diese Ihre berntwilljge Zusage gestützt*, sagte | hierauf Gelbe, „kann ich wohl ohne weitere Umschweife Ihne« | meine» innersten Herzenswunsch vortragen. Sie ahnen ge» wiß schon, Herr Baron*, fuhr er im feierlichem Tone fort» j .daß r« sich um mein höchste« Lebensglück handelt: Ich 1 lieb: Melanie, wie konnte e« auch ander« kommen, — und halte hierdurch bei Auen um Ihre Hand au. Ich will mir zuerst die Gewißheit Ihrer Zusage einholen, «he ich mttj Me anie, von der ich weiß; daß auch ich ihr nicht gleichgültig - bin, darüber spreche, »m mich ihrer Einwilligung in alias Form zu versichern.* SichÜich auf« Freudigste überrascht, aber weil ihn der" Antrag unvorbereitet traf, ging der Baron einig« mal auf und nieder. Endlich hatte er sei»»« Ruhe wiedererlaagt! und wandte sich dem jungen Manne zu: „Herr Gelbe, ich achte den Adel Ihrer Gesinnung und^ bin gewiß; daß meine Tochter an Ihrer Seite glücklich werde», wird. Hier nchmeu Sie «ein« Hand al« da« unverbrüchliches Zeichen meiner Einwilligung.* .Lch bin hocherfteut durch diese Ihre Worte, Herr^ Baron. aber dennoch zaudere ich; Ihre dargebotene Hand za, ergreift», denn ich habe Ihnen vorher l»och eine Eröffnung^ zu machen über einen Puntt, über den wir bisher noch nicht j geredet. Wenn Sie diesen vernouunen haben, und dann noch t Ihre Hand nur entgegenreichen, will ich dieselbe erfassen und i glücklich sei», den schönsten Traum meine« Leben« durch Sie I venoirklicht zu sehen. Ich bi», Herr Baron, der Sohn: eine« Volkes, da« trotz de« eifrigsten Bestreben«, trotz eisernen^ Fleche» und rastloser Energie au« de« Verbände der minder»! Nationen ausgeschieden wird. E« fft in der Welt ein so! furchtbare« Vorurtheil gegen dasselbe vorhanden, und mit! unrwnschlicha Rohheit beraubt man unseren Stamm der! ihm gebührenden $cd)te. Al» Jude bin ich geboren und! vertraue, daß Sie; der die Welt und ihre Schatteujeiten starre» gelernt, mich deshalb nicht abweisen werden.* Hier hiett Gelbe erregt iaue und erwartest die < äusernna de» Baron». Auf diese» hatte die Mittheilung eine veryii Weckung ausgeübt und seiner Sinne kau« mächtia. I er den Werber von oben bi» unten am Eine für peittliche Pause trat ein. Amts,