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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 10 (1893) · p. Seite 39

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
10 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
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scheod, gute, unverdient unglückliche, beispiellos arm« Leute, de» Manu ohne Arbeit, mc Kinder hungrig mb front — mit einem Sorte da» ganze Elend de» NordOsten» der Residenz. Am anderen Morgen hatte ich bereit» den freundwilligen Bericht. Um 10 Uhr hatte die Mutter sch rn fünf Mark und eia« Karte im Hause, wonach sie sich in »er von Herrn Herrmann Abraham gegründeten Jsraelitiscken Bolksküche mit dessen Genehmigung Esten für ihre f«J(# Kinder (— nur eine Mutter hungernder Kinder weiß und begreift, was da» sagen will!) auf 4 Wochen holen lasten »ürse. — Auf meine anspruch»lose Visitenkarte hin hatte |ierr Abraham diese echt menschenfreundliche Erlaubniß gegeben. Gesegne es ihm Sott! Da» humanitäre Entgegenkommen hatte mir im» ponitt, denn ich habe als ein alter Standeirtenträger de» .Rothen Kreuzes' in Reih' und Glied zwisch.n der wahre« Barmherzigkeit, die ebenso selbstlos, une koi,fession»lo» ist, und der ostensiblen .Mache', die bei aller Bravheit doch zuweilen ein wenig das geliebte .Ich' dramatisch in Scene zu setzen weiß, ziemlich genau zu unterscheiden gelernt. Ich Sphäre zu den unbequemen .kundigen Thebanern' der uuver» älschten praktischen Milde und Hülfsbereitschatt, dir nicht in Lackstiefeln und Glacehandschuhen, sondern kritisch am Feuer« heerd steht — sowohl hier am Küchrnheerde, c.l» draußen im Bivouak am Eautinenwstrl — und in die 'Lüpft guckt — zuweilen auch in die Herzen. . . . Solche 'Lopfgucker sind nicht immer angenehm, denn sic spüren mcnchmal heraus. daß auch die Herzen-hermetisch verschlossene Deckel haben. . . . Ich bat um Erlaubniß. eine Mittagsstunde in der wir bis dahin total unbekannten Bolksküche verwilen zu dürft». Sie wurde nicht nur ettheilt, sondern Frau rnd Herr Abraham empfingen und belchtten mich mit einer so zum Herzen sprechenden Liebenswürdigkeit, daß ich ein« Stunde besriedi« geuden, ja beglückenden Gefühl» erlebte, di« mich einmal au«, uahmsweift wieder an« dem nüchternen Getinebe diese» abhetzenden, athemlosenKampfes der schroffentzftgensätze, aufwärts trug zu jenen lichten Hühen meiner Ideale, ,u denen man nicht Lhristen, nicht Juden, sondern nur Menschen kennt Menschen mit guten, opferfreudigen Gesinu ingeu, und die Akkorde reiner Harmonien in der Mozart'sihen Hymne zufammensttümen: .Wen solche Lehren nicht erfreu'», verdienet nicht, rin Mensch zu sei»!' Da man mir den praktischen, festen und haltbaren Stab in die Hand gab, zu solchen Hohen aufzusteigcn, so will ich auch nur praktischen Sinnes über meine HcizenS-Erholungs- Stunde in der Israelitischen Bolksküche quittiren. Da» Herrmann Abraham'sche Ehepaar ist der intellekwelle Urheber, der Geist, da« Herz und die Hand eines in der formvollendetsten Tragweite des Wortes und seiner Bedeutung humanitären Unternehmen». Hier klügeln und de» battirrn nickt zehn wohlweis« Eomitäs mit allen müglichen und unmöglichen .Wenn»' und .Aber-', — sondern die Praxis eine« vorurtheilsfteien und erfahrnen Kopfe» und Herzen« kauft zunächst ein — billig ein. lrtwa fünfzig bis ftchszig Damen schenken der Israelitischen Bolksküche ihre Gunst und ihre persönliche Arbeit in geregelten Stunden. Die Ein« richtung ist die bekannt« — Alles sauber, ülxrlegt und sorglich praktisch, einladend und anheimelnd. - Din Leute treten — täglich etwa 1200 Menschen — ein» geder dir ihnen durch dft Verwaltung der Anstalt oder durch wohthätige Familien, Armenvorstrher u. a. m. gewordenen Speise-Berrchtigungs« karten ab, oder zahlen 10 Pfennige und erhalte» dafür einen weißen Porzellan-Napf mit einem vorzüzlich mundenden, nahrhaft gekochten Esten. Junge Mädchen, selbst eine Greisin, sind in unaufhörlich anstrengender Bedienung thätig. Frau Abraham und abwechselnd ihr Gatte übrrwacken dft Accuraftffe de» Ganzen, dft Ordnung, Reinlichkeit, und entscheiden jene selbstredend jeden Augenblick auftretenden s fragen, in tonen ßWM Hft •frbgJMri fehlt, Rater allen Umstände« wird der Bitteude, gleichgültig, ob er es verdftnt oder irgmdwie beanspruchen darf, gespeist und so geht der Hauch de» Frieden» und der Dankbarkeit durch diese fünf oder ftch» Räume, in denen große Taftln sfthen — dieser beglückende Hanch, von dem unser Leben da draußen so wmia Kunde und Beglaubigung giebt-. (Schluß folgt.) Mayöa»«'» Me-e «m AkeiißrStzer» Aastre. .Hochgeehrt« Drauer-Verfammlungk Rur wenige «onde find verstriche», da wirb der thenr« Ma»u, um dessen Vahr« wir uns hier in herzlicher Dheileahm« »it den bekümmerten Letdtraaen.en geschaart habe», an der Lebeasarenze de» Psalmist«« und blickt« frohen und dankoaren Hemen« auf sein Leben zurück, da» köstlich gewest», well es Müh« und Arxit gewesen. Deun so glänzend die Erfolge seine« Lebens th» «rschleaee, so reich der Segen war, der an Besitz und Ehre» ihm zu Theil gwwrden — all« dies« Erfolg« koumea ihn »nr dadurch begltüe», da» in 'Hw das Bewußtsein lebt«, nicht ohne eigene« Verdienst amrnftt und dft vollen Gaben göttlich« Segen« etngehott za habe». Rur wenige Moud« sind fett»«» verstrichen und heute stehen wir an seiner Vahr« und halft» Rückschau über sein Leben, da» fich i» weift» Bohnen bewast hat und aus die Sohlfahrt und di« Entwickelung unserer Hei «ach, ja selbst auf dftjenigen fremder Staaten und Völker von hervoi ragendem Ginstuffe gewesen ist. Aber es find »ich» dft einzeln« Lhatm und Handlungen — so bedeutsam sie auch gewesen sein «ochre», dft wir hftr der rächte», auch nicht das Genft de« Verewigte». Dft wunde, bare kaufmännische Begebung ist es nicht, dft wir hier schildern. denn das ist nicht dft Ausgabe dieser feierliche» Scheidtstand«. in der nur dasjentg: betont und hervorgehoben werdeo darf >oas auch unter dem Gesichtspunkt« des Ewige» seine» Serth behäit für dir Dauer der Zeiten, die Gesinnungen und Empfindungen, welch« dft DHItigkeit feiur» Leberts begleitet«, knrz dasjenige allein, was zur Eennzeichnnng seiner sittlichen PersSalichkeit beiträgt. Darum verweUea wir gern bei den Grundsätzen strengster Siechitichtrii und Aahrhaftigftit, auf den«.» da» Hru« de« VerewiM«» in allen Fährlichketftn de» «eliverkchr« sicher und ohne Wanken rnhft, bei de» Gefühlen der Danlbarftit, die er dem Lause stet« bewahrt«, da» ihn wie bereits seine» vaftr gefördert hatte, bei her patriotischen Gesinnung, mit der er seine» JtBnigc in Zette» der Ledräaaalß rothend und helfend zur Seift stand nnd bet der opserwi Ilgen Menschenliebe, mir der er der R«Icrung zu humanen und wiff.mschaftlichen Zwecken reiche Mttftl zur Verfügung stellte. Mit besondere« Wohlgrsallen aber ruht unser Luge aus hen Zügen seine« Btides, die un» zeigen, daß er nach Maßgabe der »«»ft dft ihm geworden, dft großen Gefahren des Rrichthum» überwunden hat. Sir heben hftr in erster Reih« hervor die Pietät gme» sein« Eitern. Er sehift nur selten bei einem Gottesdienste der syaag^e, bet denen der Heimgegaagmen gedacht wird, und ries er «in« Sristnag in'» Leben, so wlomet« er sie de« Lndenken seiner in Gott ruhenden Eltern. Aber seine Pietät war keine bloß? äußerliche, darum hielt er auch hoch dft Heiliathumer seiner Vorfahre». Darum fühlft er fich innig verbunden am seine» <slauben«geuoffea und war stets bereit, sowohl durch seinen Einfluß wie durch seine reichen Mittel zu Helsen, zu retten und zu trösten, wo und wann auch immer Juden ihres Glauben; willen verfolgt wurd«». Und wie er seinem Glauben treu gelebt, s» ist er auch ln ihm gestorben; als di« Serie sich von dem Körper löste, da geleitet« sie das uralte Betennlnts: »Höre Israel, der Ewig« ist unser Gotr, her Ewig« ist einzig", da« dem Sftrbenden von de« einzigen Bruder zu» grrusen worden. Sodann betonen wir dankbaren Herzen», dft Sohl» thättgkeit, dft der verewigte an den Armen und Bedürftigen ohne Unterschied de« Bekenntnisses geübt hat. Er war stet« zugänglich für dft Unglücklichen und ließ keinen abweistn, und so groß und bedentsam auch dft Arbeiten seine« Berus» waren denen er osr vom Morgen bis zum Abend« oblag, so prüft« er dennoch auch die Gesuche der Armen, »ft ihm tagtäglich in großer Anzahl zugtiigrn Daß er gegen seine Kinder von der zärtlichsten Lftd« erfüllt war und mit seinen Geschwistern in der treueften Gesinnung verknüpft war, ist bei seiner Geariung selbstverständlich. Sohl aber soll »och dervorgehobeo werde» leine Hilssbereitnhast für sein« Freund«, sei,« iftberoll« Füilorg« für sein« Untergebenen, seine Bescheidenheit und Leutseligkeit, di« den Verkehr mit th« sür jeden Mensche» überaus «odlthuead und gewinnend go» stalttte. Darum segnen ge allesammt sein Andenken und darum wenden wir aus ihn an da» Wort der Schrtsr, da« einst ai« Berheißung erging dem Patriarchen und da» fich auch an ihm bewährt hat, da« fUtt: »Du ziehst ei» zu deinen Väter» in Arte den, d» wirst bestattet i» glücklichem Greisenalftrl" — Ihr, aber, Geliebte, Ihr Erb« des Ramens, den der He,mg«aagen« zu Hohe» Etziea gediacht, dletdt stets eingedenk der heilige» Pflicht«, dft mit dftieai Ramea verknüpft sin». Er ftt Eüch ein« stete Mahnung zur Uebung der Lftde nn» Gerrehtiafttt, zur Hingebuug für Gemeind« und Baftrlan», zu demüthfte» Wandel oor Goa un» Menschen. Möchte Euch vor allen der «iß jener Pftttlt erfüll«», dt« Euer Vaftr gegen seine Borsahr« stet« de» kündet har, Hann »erd«» Ihr »es rechftn ve»-ll nicht »erkrhftn. Da« »ndenftn der vsftr wirb an Euch zu« Geg>n »xrdt» für und für.

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