Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 9 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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stützunge« «nAfanani hatte, rettete «ich von He« Tode Ertrinken« und pfote mich treu n seiner crmstliam Ei» Angehöriger derjenigen, welchen «ei» glühender c>b gegolten, hatte Wohltkiaten ans «ein Haupt gehänft. , st« führte mich zur Umkehr. Der glühend« Hast war er. loschen, er hatte sich wieder in eine inuigr Lieb« »»wandelt. Und nun will ich sühnen. Die Sühne aber kann nur '*ine volle werden, wenn ich Deine Verzeihung ertragt habe, geliebte Schwester, im Namen der Familie und unserer “ heiligen Religion.* Der Sprecheude hielt inne und richtet« fleb-md seinen Blick aus di« vor ihm stehende Schwester, welche uise weinte. „Du hast schwer gesündigt, aber Sott wird Dir oer» \^zeihen, so wie ich Dir verzeihe/' Dann reichte st« de« unglücklichen Bruder die Hand, der sie mit Küssen «»«deckte. Moritz Mosenheim war seitdem ein brave, Jude geworden. Er hatte sich bald an di« ärmlichen B.ihältnisst, in welchen seine Schwester lebte, gewöhnt. Er wollte sühnen, nachdem er so sehr sich vergangen durch — „seinen Judenhaß". Aeld «»tz Khre. vrl»tnaU»O»a, an« »er Te>r»»eri. V v», »»i«N Treuer. <K»r«i«bu»g.) Seit dem verhängnisvollen Tage der Eiseubabnkatastrophe war auch an von Wahle eine völlige Umwandlung vorge- Tgangrn. Sein scheues, finstere«, phlegmatische« i Besen war einer ungezwungenen Lebenswürdigkeit gewichen, „it welcher «r selbst die anspruchs."olle Baronesse ein wenig in Erstaunen versetzte. Die Eonversation, die er früher so ungeschickt ' führte, leitete er jetzt in ungezwungen fröhlicher Stimmung, wobei ihm an den beiden Mädchen rin dankbares Publikum wurde. Aueflüge wurden wtedergemeinschaftlich unternommen, - auf welchen der früher so schweigsame Führer mit über, strömender Berrdtsamkeit die bemerkenswerthesten ltzjgrnthümlichkeitea der Eegend zu schildern verstand. Während Melanie übermüchig den freundlichen und fröhlichen (BcftQ[<!)afttr durch findig« Fragen zu verwirren suchte und sobald ihr dies mitunter geglückt, schadenfroh auflachte, war Erna in stiller Be- Wanderung dem Gespräche des jungen Mann.«« gefolgt. .'Keinen Blick wandte sie von seinen Lippen und wie der Verkündigung einer Offenbarung lauschte sie d;m geringsügiasteu Gespräche. Ein ftltsames empörendes Gefühl beherrschte sie, wenn Melanie mit einer ihrer Einwendungen ihn verlegen machte. Dieser aber schien dennoch der jungen 'Baronesse den Borzug zu geben, indem er meisten« mit ihr sprach, da ihn der pikante, sprühend« Geist des jungen Mädchen« anzog. Erna schien ihm ein unbedeutendes Mädchen ohne . Energie, wenn auch mit mehr Gefühl; obzwar et die angeborene Bescheidenheit war, die ihren Wiffenschatz licht in den Vordergrund rücken ließ, was auch von Wahle xrld kennen hu lernen Gelegenheit hatte. Nichtsdestoweniger konnte sie ihrer überlegenen Freundin nicht gleichtommen, wrs das gute Mädchen tief kränkte. Sie fühlte die Bernachlä sigung, die ihr zu Theil wurde, aber nicht der geringste Groll gegen ihren Lebensretter beben schte ihr Jnnerrs. Sie war eben eine ' jener seltenen Naturen die dem Leben nur da« Schöne ab» , rugervinnen versiehe», ohne durch einen Mißirfolg zum "Neide gegen ihre Nebenbuhlerin aufgetzachelt zu werden. Obzwar sie es sich bewußt war, daß es ein hüh:re« Befühl war, welches sie so an von Wahle fesselte, blieb dennoch die ungetrübte Laune und ihre treue Freundschaft für Melanie an ihr hasten. Nur manches Mal i» einsamen Stunden erfüllte sie eine gewiffe lange Sehnsucht, die ihr aber unerfüllbar dünkte. Durch all' diese Ereignisse hatte sich der Flug der Zeit nicht beeinflussen laffen und die schöne, Sommrrezrit wich langsam dem die Bäume ihres buuten Kleides beraubenden Herbst«. Dieses Jahr machte sich dieser nicht so gern gesehene Bast ettoas zu schnell dös Bergnügr« seine« Besuches aus der M«tte»Erde und trieb die ans de« Lande wohnenden in die schützen!« Stadt zurück. - Auch Baron Hclkwch hielt de» Zeitpunkt für gengnet in die Rqide« znrückzvkhrru, »« in chrem rauschenden Be» »vor di« ersehnte Abwechselung nach langer Einsamkeit zu suchen. Wie beim Einzuge so war a'uch jetzt ein reges Treiben in den Räumen der Billa wahrzunehmen, als das Elepäck auf die vor dem Thore stehenden Wagen aufgelader wurde. Der Baron tritt soeben mit dem uns bekan rten drei Damen in Reisetoilrtte aus dem Portal«, um dem liebenswürdigen Nachbar rin letztes Lebewohl zu sagen. Ernst von Wahle nahm die Gäste aufs freundlichste aus und bebaue, te deren so frühe Abreise. »Ich hoffe", sagt« er zu Melanie gewendet, „in diesem Winter auch in Wien zu fein und Sie recht oft zu sehen." Alsbald ging es an die ernstlich« Berabschiekung, die Erna zu Thränen der Dankbarkeit rührte. Bis vor das Gebäude begleitete von Wahl« di« Abführenden und sah noch lange dem dovonrollenden Wagen mit sehnsüchtige,, Blicken nach. Achte« Eapitel. In einem der äußersten Bezirke Wien«, wo die Industrie am meisten vertreten, oessrn Häusereomplrx« grüßtrittheil« 'Fabriken und Abeiterwohnungen in sich bergen, befindet sich auch das Etablissement Geldes. Eine stattlich« Rnhe von großen Rauchsängen ragt hoch in die Lüfte empor aus Xn niedrigen langgestrrcktenBebä »den, die durch eineMauerumjärrmuna von der Straße getrennt sind. Am Hauptthor befindet sich ein großes Schild, „auf welchem die Worte Electri'che Maschinenfabrik Earl Belde & Co." in Goldbuchstaben zu lesen sind. Dieses Thor, wie der ganze Rayon sind mi: grünen Reisigen geschmückt und auf dem Portal« ein Triumphbogen errichtet, über dem großen Reisiglettern „Willkommen" stand. Es ist bereits acht Uhr des Morgen« und eine große Anzahl mit blauen Joppen bekleidete Männer stehen vor der Einfahrt in strammer Ordnung, während einige graubärtig« Meister außerhalb der Linie Stellung nahmen. Aller Blicke sind erwartungsvoll gegen die Straßenöffnuaa gerichtet, wo auch bald ein Wagen die Richtung gegen die Fabrik «inschlägt. Kaum kommt er näher, als auch wie ans einer .'kehle ein brausendes Hoch ihm entgegrnschallt. Aus dem Wagen springt ein Mann elastisch heraus und wir erkennen Carl Gelbe, welcher sichtlich gerührt über diesen Empfang nach mehrmonatlichem Auftnthalt ia der neuen Welt, vor nns steht. Die Führer der Deputation richten kernige Ansprrchen an ihren vielgeliebten Chef, dessen Rückkehr sie sehnsüchtig er. warteten. Gelbe antwortete in fteundlichster Blerse und drückt die robusten Hände der Arbeiter voller Hrrzlichkeit. Hierauf wendet« er sich dem Hauptgebäude zu, wr er von dem Fabrikdirektor und den Ingenieuren mit Ettusiasmus empfangen wird. Ein weithinschallender Willkoinmengruß zeigt zur Genüge, daß das Berhältniß zu seimn Untergeben«» ein wahrhaft freundschaftliches geblieben ist. Endlich legt sich der Beifallssturm und Alle geben freudig an. die Arbeit, um iin regen Schaffensgeiste durch dir Thct ihre Erkenntlichkeit zu beweisen. Nachdem der Besitzer sich von den Fortschritten d«r Arbeiten überzeugt und die Berichte derBeamien entgegengenommen halte, verfügte er sich in sein Arbeitszimmer. Dieses ist im ersten Stockwerke des Hauptgebäudes gelegen und aufs einfachste auSgestattet. Außer einem Schreibtisch und einig,» Sesseln sieht man nur auf dem beim Fenster stehenden Zeichentisch allerhand Maschinentheil« liegen, während die tickände mit Landkarten und technischen Entwürfen geschmückt sind. Ueber dem Schreibtische hängen die Diplome und Auszeichnung«», welche dem Erfinder in großer Anzahl zu Thei!. geworden waren. Hier angelangt machte er sich bald an die ernstliche Thätigkeit, um die Angelegenheiten, welche zu rege'n ihn seine Abwesenheit abgrhalteo. einer genauen Prüfung zu laterziehea. Da klopft es leist an die Thür und ein Diener tritt herein.